Förster stehen vor einem Problem: Das macht die Aufforstung im Wiehengebirge schwierig Carsten Korfesmeyer Hille. Es sind die vermeintlich ruhigen Plätze, an denen die Rehe ihre Kitze setzen. „Meist geschieht das bei uns an den Tagen um den 10. Mai“, sagt Revierförster Markus Uhr. Etwa zwei Wochen brauchen die Kleinen danach, bis sie mit dem Laufen beginnen. Rehe sind bekanntlich sehr scheu und der Forstexperte appelliert deshalb umso dringlicher an die Wanderer, die ausgewiesenen Wege nicht zu verlassen. Auch andere Tiere bekommen momentan ihren Nachwuchs. Es herrscht Brutzeit in Deutschland. Und er bittet die Waldbesucher darum, die Wege im Hinblick auf den Naturschutz sowieso nicht zu verlassen. Das Rehwild steht allgemein für Waldromantik und der Revierförster nennt es auch elementar wichtig. Allerdings habe die Zahl der Tiere in den vergangenen Jahren zugenommen, was in den Wäldern für Schwierigkeiten sorgt. „Auch bei uns im Wiehengebirge ist das der Fall“, sagt Markus Uhr. Denn dort entstanden durch Klimawandel, Borkenkäfer und Co. gerade in der jüngeren Vergangenheit viele größere Kahlflächen, wo inzwischen mühsam die Wiederaufforstung läuft. Der Experte spricht von Waldverjüngung, doch die jungen Bäume und Pflanzen werden leicht zu Opfern der jungen Rehe. Denn die haben besonders Eichen, Weißtannen, Kirschen, Himbeeren oder Brombeeren zum Fressen gern. Und an vielen Stellen helfe daher nur noch eine Umzäunung, sagt der Förster. Die verbesserten Lebensbedingungen für das Rehwild wirken sich somit für den Wald nachteilig aus. Im Fachjargon sprechen die Experten von einem Verbiss von Keimlingen und jungen Forstpflanzen. Die gibt mehr denn je. „Manche Tiere brauchen sich nur noch in einem Umkreis von 200 Metern bewegen, um sich optimal zu versorgen.“ Wichtiger denn je sei daher, den Bestand unter Kontrolle zu haben. So käme der Jagd eine stärkere Bedeutung zu. Laut Markus Uhr gelte aktuell auch für das Wiehengebirge eine gesetzliche Änderung, die das Schießen von Rehböcken bereits ab dem 1. April erlaubt. Schon 2020 sei das der Fall und auch in diesem Jahr die Regel. Grundsätzlich liegt die Jagdzeit in Deutschland für Rehböcke zwischen dem 1. Mai und dem 15. Oktober. Schon lange setzt man bei der Waldverjüngung auf Mischwälder, erklärt der Revierförster. Ein möglichst vielseitiger Baumbestand soll entstehen und genau das löst ein weiteres Problem aus. Denn die bisher in den heimischen Wäldern zahlreich vertretenen Buchen werden von Rehwild in aller Regel nur dann bevorzugt gefressen, wenn sich keine größeren Alternativen auftun. Die bieten sich bei dem seit etwa drei Jahrzehnten laufenden Waldumbau jedoch jetzt umso mehr. „Auch Ahorn ist sehr beliebt“, sagt Uhr. Und die Fichten, deren Bestand durch den starken Borkenkäferbefall der vergangenen Jahre rasant abgenommen hat, werde von Rehen verschmäht. Weil jetzt andere Baumarten in den einstigen reinen Fichtenwäldern vorhanden sind, schafft man für die Rehe eher unfreiwillig die attraktivere Nahrung. „Die Rehe profitieren von den Veränderungen, die wir zurzeit haben“, erklärt der Waldexperte. Je wohler sie sich fühlen, umso mehr werden sie. Rehe leben nicht allein im Wald, sondern sind zahlreich auch im Torfmoor oder in den Bastauwiesen vertreten. Auch dort gilt die Regel, die Brut der Tiere nicht zu stören. Das Setzen der Rehkitze geschieht zwar üblicherweise in diesen Wochen, doch MT-Leser Heiner Gräfenstein hatte bereits Anfang April ein Kitz gesehen. Der sieht darin einen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die vergangenen Jahre mit früh einsetzenden warmen Temperaturen hätten dazu geführt, dass die Brunft beim Rehwild früher als gewöhnlich eingesetzt haben. Damit wurde das weibliche Rehwild auch früher trächtig. So sei es nicht verwunderlich, dass sich darüber dann auch die Setzzeit der Kitze nach vorne verschiebt, schreibt er. Die Anfang April vergleichsweise noch sehr kalten Temperaturen würden den Rehkitzen sehr zu schaffen machen, schreibt Gräfenstein weiter. Aber gibt es tatsächlich eine Verschiebung der Setzzeit aufgrund des Klimawandels? Die Experten sehen das eher nicht. „Anfang April ist natürlich viel zu früh“, sagt Dirk Esplör von der Biologischen Station des Kreises. Zwar seien zeitliche Schwankungen immer mal möglich, doch bisher habe er keine Tendenzen erkennen können, dass sich der Jahresverlauf beim heimischen Rehwild stärker nach vorne verschoben habe. Auch Markus Uhr sieht in dieser Hinsicht keine dramatische Entwicklung. Er habe in diesen Wochen zwar schon ein paar Ricken beobachtet, die ganz offensichtlich kurz vorm dem Setzen sind. Gehört habe er auch davon, dass bereits Rehe mit ihren Kitzen herumlaufen sollen. Gesehen habe er so etwas in seinem Revier aber noch nicht. Dass sich die Setzzeit durch den Klimawandel verändern könnte, sei allerdings nicht auszuschließen. Nähere Erkenntnisse dazu lägen allerdings nicht vor. Womöglich könne man Abweichungen aber in ein paar Jahren wissenschaftlich belegen.

Förster stehen vor einem Problem: Das macht die Aufforstung im Wiehengebirge schwierig

Rehkitze halten sich meist an Orten auf, die vermeintlich ruhig sind. Wanderer könnten diese Ruhe allerdings stören, wenn sie in diesen Wochen die ausgewiesenen Waldwege verlassen. Foto: Pixabay © Pixabay

Hille. Es sind die vermeintlich ruhigen Plätze, an denen die Rehe ihre Kitze setzen. „Meist geschieht das bei uns an den Tagen um den 10. Mai“, sagt Revierförster Markus Uhr. Etwa zwei Wochen brauchen die Kleinen danach, bis sie mit dem Laufen beginnen. Rehe sind bekanntlich sehr scheu und der Forstexperte appelliert deshalb umso dringlicher an die Wanderer, die ausgewiesenen Wege nicht zu verlassen. Auch andere Tiere bekommen momentan ihren Nachwuchs. Es herrscht Brutzeit in Deutschland. Und er bittet die Waldbesucher darum, die Wege im Hinblick auf den Naturschutz sowieso nicht zu verlassen.

Das Rehwild steht allgemein für Waldromantik und der Revierförster nennt es auch elementar wichtig. Allerdings habe die Zahl der Tiere in den vergangenen Jahren zugenommen, was in den Wäldern für Schwierigkeiten sorgt. „Auch bei uns im Wiehengebirge ist das der Fall“, sagt Markus Uhr. Denn dort entstanden durch Klimawandel, Borkenkäfer und Co. gerade in der jüngeren Vergangenheit viele größere Kahlflächen, wo inzwischen mühsam die Wiederaufforstung läuft. Der Experte spricht von Waldverjüngung, doch die jungen Bäume und Pflanzen werden leicht zu Opfern der jungen Rehe. Denn die haben besonders Eichen, Weißtannen, Kirschen, Himbeeren oder Brombeeren zum Fressen gern. Und an vielen Stellen helfe daher nur noch eine Umzäunung, sagt der Förster.

Die verbesserten Lebensbedingungen für das Rehwild wirken sich somit für den Wald nachteilig aus. Im Fachjargon sprechen die Experten von einem Verbiss von Keimlingen und jungen Forstpflanzen. Die gibt mehr denn je. „Manche Tiere brauchen sich nur noch in einem Umkreis von 200 Metern bewegen, um sich optimal zu versorgen.“ Wichtiger denn je sei daher, den Bestand unter Kontrolle zu haben. So käme der Jagd eine stärkere Bedeutung zu. Laut Markus Uhr gelte aktuell auch für das Wiehengebirge eine gesetzliche Änderung, die das Schießen von Rehböcken bereits ab dem 1. April erlaubt. Schon 2020 sei das der Fall und auch in diesem Jahr die Regel. Grundsätzlich liegt die Jagdzeit in Deutschland für Rehböcke zwischen dem 1. Mai und dem 15. Oktober.


Schon lange setzt man bei der Waldverjüngung auf Mischwälder, erklärt der Revierförster. Ein möglichst vielseitiger Baumbestand soll entstehen und genau das löst ein weiteres Problem aus. Denn die bisher in den heimischen Wäldern zahlreich vertretenen Buchen werden von Rehwild in aller Regel nur dann bevorzugt gefressen, wenn sich keine größeren Alternativen auftun. Die bieten sich bei dem seit etwa drei Jahrzehnten laufenden Waldumbau jedoch jetzt umso mehr. „Auch Ahorn ist sehr beliebt“, sagt Uhr. Und die Fichten, deren Bestand durch den starken Borkenkäferbefall der vergangenen Jahre rasant abgenommen hat, werde von Rehen verschmäht. Weil jetzt andere Baumarten in den einstigen reinen Fichtenwäldern vorhanden sind, schafft man für die Rehe eher unfreiwillig die attraktivere Nahrung. „Die Rehe profitieren von den Veränderungen, die wir zurzeit haben“, erklärt der Waldexperte. Je wohler sie sich fühlen, umso mehr werden sie.

Rehe leben nicht allein im Wald, sondern sind zahlreich auch im Torfmoor oder in den Bastauwiesen vertreten. Auch dort gilt die Regel, die Brut der Tiere nicht zu stören. Das Setzen der Rehkitze geschieht zwar üblicherweise in diesen Wochen, doch MT-Leser Heiner Gräfenstein hatte bereits Anfang April ein Kitz gesehen. Der sieht darin einen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die vergangenen Jahre mit früh einsetzenden warmen Temperaturen hätten dazu geführt, dass die Brunft beim Rehwild früher als gewöhnlich eingesetzt haben. Damit wurde das weibliche Rehwild auch früher trächtig. So sei es nicht verwunderlich, dass sich darüber dann auch die Setzzeit der Kitze nach vorne verschiebt, schreibt er. Die Anfang April vergleichsweise noch sehr kalten Temperaturen würden den Rehkitzen sehr zu schaffen machen, schreibt Gräfenstein weiter.

Aber gibt es tatsächlich eine Verschiebung der Setzzeit aufgrund des Klimawandels? Die Experten sehen das eher nicht. „Anfang April ist natürlich viel zu früh“, sagt Dirk Esplör von der Biologischen Station des Kreises. Zwar seien zeitliche Schwankungen immer mal möglich, doch bisher habe er keine Tendenzen erkennen können, dass sich der Jahresverlauf beim heimischen Rehwild stärker nach vorne verschoben habe.

Auch Markus Uhr sieht in dieser Hinsicht keine dramatische Entwicklung. Er habe in diesen Wochen zwar schon ein paar Ricken beobachtet, die ganz offensichtlich kurz vorm dem Setzen sind. Gehört habe er auch davon, dass bereits Rehe mit ihren Kitzen herumlaufen sollen. Gesehen habe er so etwas in seinem Revier aber noch nicht. Dass sich die Setzzeit durch den Klimawandel verändern könnte, sei allerdings nicht auszuschließen. Nähere Erkenntnisse dazu lägen allerdings nicht vor. Womöglich könne man Abweichungen aber in ein paar Jahren wissenschaftlich belegen.

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