Flauschige Landschaftspfleger: So geht es den Hochlandrindern am Badesee Mindenerwald Stefanie Dullweber Hille. Langsam kommt die Herde angetrabt, als Detlef Trampe mit einem Quad zu ihrer Futterstelle fährt. Die Tiere lassen sich von ihm streicheln und schauen aufmerksam, ob er eine kleine Leckerei für sie dabei hat. Berührungsängste hat der Mitarbeiter der Biologischen Station nicht – auch wenn die Hörner mit einer Spannweite von bis zu 1,60 Metern sehr imposant aussehen. „Die Tiere sind an mich gewöhnt“, sagt er und wuschelt einem Bullen durch das zottelige Fell. Mitte Dezember ist die kleine Herde Schottischer Hochlandrinder der Biologischen Station an den Badesee in Mindenerwald gezogen. Mit ihrem rotbraunen Fell und den charakteristischen Hörnern gehören Hochlandrinder zu den bekanntesten Wahrzeichen Schottlands. Die Tiere gelten als gutmütig und sanft. Das jüngste Kälbchen ist gerade einmal fünf Tage alt. Mit dem noch namenlosen Nachwuchs besteht die Herde aktuell aus zehn Tieren. Sie sollen künftig die rund 20 Hektar große Fläche beweiden. Die Tiere stammen aus einem anderen Gebiet der Biologischen Station in der Windheimer Marsch. Die auf dem Gelände umgesetzten Arbeiten beruhen auf einem Pflege- und Entwicklungsplan, den die Biologische Station bereits vor etlichen Jahren für das Naherholungsgebiet Mindenerwald erstellt hat. Eigentümer der Fläche ist der Kreis Minden-Lübbecke, der die Herrichtung der Fläche finanziert und umgesetzt hat. Für die Bewirtschaftung ist der landwirtschaftliche Betrieb der Biologischen Station zuständig, wie Geschäftsführer Dirk Esplör bei einem Termin vor Ort erklärt. Die Pläne haben unmittelbar mit der benachbarten Pohlschen Heide zu tun. Die Deponie wurde von 1984 bis 1988 in einem ersten Bauabschnitt gebaut und 1988 eröffnet. 1994 wurde das Gelände um einen zweiten Bauabschnitt erweitert. Im Zusammenhang mit der Deponie wurden weitere Flächen im Umfeld gekauft. Die Idee war, ein Naherholungsgebiet für die Bevölkerung zu entwickeln – quasi etwas zurückzugeben. Das Entsorgungszentrum hat sich von der Biologischen Station ein Konzept erstellen lassen. Die Fläche, auf der jetzt die Rinder weiden, wurde noch bis 2018 teilweise für den Ackerbau genutzt. „Hier gab es weder einen Lebensraum für eine artenreiche Flora und Fauna, noch war dieser Bereich attraktiv für die Naherholung“, sagt Dirk Esplör. „Das Ziel war es, diese 20 Hektar kreiseigene Fläche deutlich aufzuwerten, sowohl für den Naturschutz als auch als Naturerlebnis“, sagt Joachim Schneider vom Umweltamt des Kreises Minden-Lübbecke. Die Rinder haben dabei die Aufgabe, das Areal extensiv zu beweiden. Heißt: Die Boden wird genutzt, ohne dass der Mensch in den Naturhaushalt eingreift. Die Fläche kann sich überwiegend natürlich entwickeln. Es entsteht ein Mosaik aus unterschiedlich intensiv genutzten Flächen. „Die Rinder werden an einigen Stellen lieber fressen als an anderen“, erklärt Joachim Schneider. So entstehen kurzrasige und langrasige Anteile auf dem Gelände. Die Standortvielfalt ist der Schlüssel für eine ebenso große Artenvielfalt – Stichwort Biodiversität. Schon bald könnte es hier vor Insekten wimmeln. Neben der Ansiedlung der Tiere hat sich auf dem Gelände im letzten Jahr einiges getan. Auf der Fläche wurden insgesamt fünf naturnahe Kleingewässer und acht kleinere Gehölzinseln angelegt. Diese sind zunächst noch eingezäunt, damit sie in Ruhe wachsen können. Im Laufe des Winters haben sich die neu angelegten Gewässer bereits gut mit Wasser gefüllt und können sich so zu Lebensräumen für Wasserpflanzen, Frösche, Molche, Libellen und andere Gewässerorganismen entwickeln. Die begonnene Anpflanzung der heimischen Gehölze soll ab dem nächsten Herbst im Rahmen von Schulprojekten der Biologischen Station und des Kreises Minden-Lübbecke fortgeführt werden. In den nächsten Jahren soll so eine parkartige, vielfältige und artenreiche Weidelandschaft entstehen. „Das ist sicherlich auch für Besucher eine schöne Sache“, glaubt Joachim Schneider. Rundherum gibt es einen Wanderweg, von dem aus Erholungssuchende die Tiere beobachten können. Ein Großteil der Arbeiten konnte bereits im letzten Herbst erledigt werden – einiges ist noch zu tun. „Eigentlich hatten wir geplant, die ehemalige Ackerfläche noch einzusäen. Hier sollte eine artenreiche Mischung aus Gräsern und Kräutern aufgebracht werden. Aus Sorge vor Frost haben wir das verschoben“, erklärt Joachim Schneider. Als Dirk Esplör sich bei einem Rundgang den relativ trockenen Boden anschaut, sieht er auch für dieses Frühjahr wenig Möglichkeiten. Er könne sich vorstellen, mit der Einsaat bis zum Herbst zu warten. Die Rinder finden auch ohne diesen Bereich genügend Futter. Gerade erst haben sie einen reichlich gedeckten Tisch in Form einer Obstwiese vorgefunden. „Diesen Bereich hatten wir zunächst abgesperrt, weil wir um die jungen Bäume noch einen Schutz gebaut haben. Jetzt können die Rinder hier bis zur Obsternte grasen“, sagt Detlef Trampe.

Flauschige Landschaftspfleger: So geht es den Hochlandrindern am Badesee Mindenerwald

Seit Dezember lebt die Herde Schottischer Hochlandrinder am Badesee in Mindenerwald. In der Zeit von November bis April bekommen die Tiere zusätzlich Heu zu fressen. In der restlichen Zeit des Jahres finden sie auf der Weidefläche genügend Nahrung. MT-Foto: Stefanie Dullweber © Stefanie Dullweber

Hille. Langsam kommt die Herde angetrabt, als Detlef Trampe mit einem Quad zu ihrer Futterstelle fährt. Die Tiere lassen sich von ihm streicheln und schauen aufmerksam, ob er eine kleine Leckerei für sie dabei hat. Berührungsängste hat der Mitarbeiter der Biologischen Station nicht – auch wenn die Hörner mit einer Spannweite von bis zu 1,60 Metern sehr imposant aussehen. „Die Tiere sind an mich gewöhnt“, sagt er und wuschelt einem Bullen durch das zottelige Fell.

Mitte Dezember ist die kleine Herde Schottischer Hochlandrinder der Biologischen Station an den Badesee in Mindenerwald gezogen. Mit ihrem rotbraunen Fell und den charakteristischen Hörnern gehören Hochlandrinder zu den bekanntesten Wahrzeichen Schottlands. Die Tiere gelten als gutmütig und sanft. Das jüngste Kälbchen ist gerade einmal fünf Tage alt. Mit dem noch namenlosen Nachwuchs besteht die Herde aktuell aus zehn Tieren. Sie sollen künftig die rund 20 Hektar große Fläche beweiden. Die Tiere stammen aus einem anderen Gebiet der Biologischen Station in der Windheimer Marsch.

- © Grafik: MT
© Grafik: MT

Die auf dem Gelände umgesetzten Arbeiten beruhen auf einem Pflege- und Entwicklungsplan, den die Biologische Station bereits vor etlichen Jahren für das Naherholungsgebiet Mindenerwald erstellt hat. Eigentümer der Fläche ist der Kreis Minden-Lübbecke, der die Herrichtung der Fläche finanziert und umgesetzt hat. Für die Bewirtschaftung ist der landwirtschaftliche Betrieb der Biologischen Station zuständig, wie Geschäftsführer Dirk Esplör bei einem Termin vor Ort erklärt.

Die Pläne haben unmittelbar mit der benachbarten Pohlschen Heide zu tun. Die Deponie wurde von 1984 bis 1988 in einem ersten Bauabschnitt gebaut und 1988 eröffnet. 1994 wurde das Gelände um einen zweiten Bauabschnitt erweitert. Im Zusammenhang mit der Deponie wurden weitere Flächen im Umfeld gekauft. Die Idee war, ein Naherholungsgebiet für die Bevölkerung zu entwickeln – quasi etwas zurückzugeben. Das Entsorgungszentrum hat sich von der Biologischen Station ein Konzept erstellen lassen.

Die Fläche, auf der jetzt die Rinder weiden, wurde noch bis 2018 teilweise für den Ackerbau genutzt. „Hier gab es weder einen Lebensraum für eine artenreiche Flora und Fauna, noch war dieser Bereich attraktiv für die Naherholung“, sagt Dirk Esplör. „Das Ziel war es, diese 20 Hektar kreiseigene Fläche deutlich aufzuwerten, sowohl für den Naturschutz als auch als Naturerlebnis“, sagt Joachim Schneider vom Umweltamt des Kreises Minden-Lübbecke.

Die Rinder haben dabei die Aufgabe, das Areal extensiv zu beweiden. Heißt: Die Boden wird genutzt, ohne dass der Mensch in den Naturhaushalt eingreift. Die Fläche kann sich überwiegend natürlich entwickeln. Es entsteht ein Mosaik aus unterschiedlich intensiv genutzten Flächen. „Die Rinder werden an einigen Stellen lieber fressen als an anderen“, erklärt Joachim Schneider. So entstehen kurzrasige und langrasige Anteile auf dem Gelände. Die Standortvielfalt ist der Schlüssel für eine ebenso große Artenvielfalt – Stichwort Biodiversität. Schon bald könnte es hier vor Insekten wimmeln.

Neben der Ansiedlung der Tiere hat sich auf dem Gelände im letzten Jahr einiges getan. Auf der Fläche wurden insgesamt fünf naturnahe Kleingewässer und acht kleinere Gehölzinseln angelegt. Diese sind zunächst noch eingezäunt, damit sie in Ruhe wachsen können. Im Laufe des Winters haben sich die neu angelegten Gewässer bereits gut mit Wasser gefüllt und können sich so zu Lebensräumen für Wasserpflanzen, Frösche, Molche, Libellen und andere Gewässerorganismen entwickeln. Die begonnene Anpflanzung der heimischen Gehölze soll ab dem nächsten Herbst im Rahmen von Schulprojekten der Biologischen Station und des Kreises Minden-Lübbecke fortgeführt werden. In den nächsten Jahren soll so eine parkartige, vielfältige und artenreiche Weidelandschaft entstehen. „Das ist sicherlich auch für Besucher eine schöne Sache“, glaubt Joachim Schneider. Rundherum gibt es einen Wanderweg, von dem aus Erholungssuchende die Tiere beobachten können.

Ein Großteil der Arbeiten konnte bereits im letzten Herbst erledigt werden – einiges ist noch zu tun. „Eigentlich hatten wir geplant, die ehemalige Ackerfläche noch einzusäen. Hier sollte eine artenreiche Mischung aus Gräsern und Kräutern aufgebracht werden. Aus Sorge vor Frost haben wir das verschoben“, erklärt Joachim Schneider. Als Dirk Esplör sich bei einem Rundgang den relativ trockenen Boden anschaut, sieht er auch für dieses Frühjahr wenig Möglichkeiten. Er könne sich vorstellen, mit der Einsaat bis zum Herbst zu warten.

Die Rinder finden auch ohne diesen Bereich genügend Futter. Gerade erst haben sie einen reichlich gedeckten Tisch in Form einer Obstwiese vorgefunden. „Diesen Bereich hatten wir zunächst abgesperrt, weil wir um die jungen Bäume noch einen Schutz gebaut haben. Jetzt können die Rinder hier bis zur Obsternte grasen“, sagt Detlef Trampe.

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