Festgefahrene Diskussion um die Auslastung der Hiller Schulbusse Carsten Korfesmeyer Hille. Olaf Labitzke wirkt aufgebracht, wenn er über die Schulbussituation in Hille sprechen muss. Das muss er in diesen Wochen oft und nach eigenen Angaben ist dem Schulpflegschaftsvorsitzende der Verbundschule in diesen Fällen meist kurz zuvor eine Elternbeschwerde ins Haus geflattert. „Die Schulbusse in Hille sind nach wie vor zu voll", sagt er gegenüber dem MT. Dicht gedrängt würden die Kinder und Jugendlichen unterwegs sein. Zwar mit Maske, aber ohne jeden Abstand. Das hatte er schon Mitte August deutlich beklagt und nach wie vor sieht er dadurch ein hohes Ansteckungsrisiko, das jeder zusätzlich eingesetzte Bus nach seinen Worten verringern würde. Von zahlreichen Beschwerden hat Bernd Küchhold nichts gehört. Der Mann aus dem Rathaus steht in regelmäßigem Kontakt mit den Schulen und auch von dort hat er beispielsweise in der vergangene Woche von keiner einzigen Beschwerde erfahren. 16 Busse fahren die Verbundschule aus den unterschiedlichen Richtungen an. Die aus Frotheim und Gehlenbeck sind inzwischen jeweils zu zweit unterwegs, aber von den anderen Linien habe er nichts von Überfüllung gehört. Die Verwaltung frage auch regelmäßig bei den Mindener Kreisbahnen (MKB) nach, die für die Schülerbeförderung in Hille zuständig sind. Laut Bernd Küchhold hätten die Fahrer zuletzt ebenfalls keine Probleme gemeldet. Er zeigt jedoch Verständnis für die Sorge vor Ansteckungen, allerdings sei es nicht machbar, auf jeder Linie mit mehreren Bussen zu fahren, wenn diese nicht voll sind. MKB-Prokurist Jens Foppe findet ähnlich Worte. Weil es Corona gibt und es im Schulbusverkehr um Kinder geht, sei es zurecht ein sehr sensibles Thema. Dass vom Land 1.000 zusätzliche Busse zur Unterstützung kommen sollen, bedeute für das MKB-Gebiet in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford jedoch nur einen Anteil von 18 Fahrzeugen. Er nennt das „einen Tropfen auf dem heißen Stein" und verweist darauf, dass es sich bei der Schülerbeförderung unter Coronabedingungen um kein reines Hiller Thema handelt. Es fehlen Busse auch in anderen Kommunen. „Und auch die Fahrer, die zu den Stoßzeiten arbeiten." Olaf Labitzke hingegen sieht das völlig anders. Der Schulpflegschaftsvorsitzende wirft der Gemeinde vor, noch nicht alles für eine Verbesserung der Situation zu tun. „Die Busse sind zu voll für Corona", sagt er. Und in Hille ändere sich einfach nichts. Seinerseits werde er sich nicht mit der Aussage zufrieden geben, dass es keine Fahrer und Busse gibt. Gegenüber dem MT erklärt der Hiller, dass er von private Busunternehmen in Nachbarkommunen wisse, die durchaus noch Kapazitäten hätten. „Die wurden bislang aber noch nicht angerufen", erklärt er. Dass zumindest die Eltern der Verbundschüler mit der aktuellen Schulbussituation in Hille hochgradig unzufrieden sind, habe er erneut auch während der Schulpflegschaftsversammlung am Mittwochabend erkennen können. „Es herrscht eine große Verunsicherung", sagt Olaf Labitzke am Donnerstag. Vereinbart wurde in der Veranstaltung auch, dass die Beschwerden künftig nicht nur bei ihm, sondern direkt in der Verwaltung eingehen sollen. Letztlich eine Gefühlssache Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern allein um vertretbar oder nicht vertretbar. Die Schulbussituation zeigt uns, in welchem Schlamassel wir in Coronazeiten zusätzlich stecken. Denn die Frage, wie hoch in welchen Alltagsmomenten das Ansteckungsrisiko ist, beantworten sich die Menschen im ÖPNV recht unterschiedlich. Bei manchem ist die Angst stärker, bei anderen weniger ausgeprägt. Und auch die Bereitschaft zum Risiko ist verschieden. Es ist letztlich eine reine Gefühlssache. Verständlicherweise ist es schwer nachvollziehbar, in den Schulen mit Maske, Abstand und regelmäßigem Händedesinfizieren konfrontiert zu sein, um dann im Bus eng beieinander zu hocken. Das Virus ist an beiden Orten nicht anders und die zwingende Notwendigkeit mancher Schutzmaßnahme in den Schulen stellt sich somit automatisch in Frage. Die Antwort darauf ist trotzdem ein Nein. Größtmögliche Vorsicht ist notwendig, solange das Virus nicht im Griff ist. Die Möglichkeiten in einem Schulgebäude sind dafür naturgemäß größer als in einem Bus oder einem Zug. Das ist auch ein Stück Wahrheit in diesen Zeiten. Einsteigen oder lieber nicht? Das können sich manche Familien leider nicht aussuchen.

Festgefahrene Diskussion um die Auslastung der Hiller Schulbusse

Die Diskussion um den Schulbusverkehr bleibt in Hille gespalten. Während die Schulpflegschaft von massiven Beschwerden von Eltern spricht, sind in der Verwaltung solche Sorgen zurzeit nicht bekannt. © MT-Foto: Alex Lehn

Hille. Olaf Labitzke wirkt aufgebracht, wenn er über die Schulbussituation in Hille sprechen muss. Das muss er in diesen Wochen oft und nach eigenen Angaben ist dem Schulpflegschaftsvorsitzende der Verbundschule in diesen Fällen meist kurz zuvor eine Elternbeschwerde ins Haus geflattert. „Die Schulbusse in Hille sind nach wie vor zu voll", sagt er gegenüber dem MT. Dicht gedrängt würden die Kinder und Jugendlichen unterwegs sein. Zwar mit Maske, aber ohne jeden Abstand. Das hatte er schon Mitte August deutlich beklagt und nach wie vor sieht er dadurch ein hohes Ansteckungsrisiko, das jeder zusätzlich eingesetzte Bus nach seinen Worten verringern würde.

Von zahlreichen Beschwerden hat Bernd Küchhold nichts gehört. Der Mann aus dem Rathaus steht in regelmäßigem Kontakt mit den Schulen und auch von dort hat er beispielsweise in der vergangene Woche von keiner einzigen Beschwerde erfahren. 16 Busse fahren die Verbundschule aus den unterschiedlichen Richtungen an. Die aus Frotheim und Gehlenbeck sind inzwischen jeweils zu zweit unterwegs, aber von den anderen Linien habe er nichts von Überfüllung gehört. Die Verwaltung frage auch regelmäßig bei den Mindener Kreisbahnen (MKB) nach, die für die Schülerbeförderung in Hille zuständig sind. Laut Bernd Küchhold hätten die Fahrer zuletzt ebenfalls keine Probleme gemeldet. Er zeigt jedoch Verständnis für die Sorge vor Ansteckungen, allerdings sei es nicht machbar, auf jeder Linie mit mehreren Bussen zu fahren, wenn diese nicht voll sind.

MKB-Prokurist Jens Foppe findet ähnlich Worte. Weil es Corona gibt und es im Schulbusverkehr um Kinder geht, sei es zurecht ein sehr sensibles Thema. Dass vom Land 1.000 zusätzliche Busse zur Unterstützung kommen sollen, bedeute für das MKB-Gebiet in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford jedoch nur einen Anteil von 18 Fahrzeugen. Er nennt das „einen Tropfen auf dem heißen Stein" und verweist darauf, dass es sich bei der Schülerbeförderung unter Coronabedingungen um kein reines Hiller Thema handelt. Es fehlen Busse auch in anderen Kommunen. „Und auch die Fahrer, die zu den Stoßzeiten arbeiten."

Olaf Labitzke hingegen sieht das völlig anders. Der Schulpflegschaftsvorsitzende wirft der Gemeinde vor, noch nicht alles für eine Verbesserung der Situation zu tun. „Die Busse sind zu voll für Corona", sagt er. Und in Hille ändere sich einfach nichts. Seinerseits werde er sich nicht mit der Aussage zufrieden geben, dass es keine Fahrer und Busse gibt. Gegenüber dem MT erklärt der Hiller, dass er von private Busunternehmen in Nachbarkommunen wisse, die durchaus noch Kapazitäten hätten. „Die wurden bislang aber noch nicht angerufen", erklärt er.

Dass zumindest die Eltern der Verbundschüler mit der aktuellen Schulbussituation in Hille hochgradig unzufrieden sind, habe er erneut auch während der Schulpflegschaftsversammlung am Mittwochabend erkennen können. „Es herrscht eine große Verunsicherung", sagt Olaf Labitzke am Donnerstag. Vereinbart wurde in der Veranstaltung auch, dass die Beschwerden künftig nicht nur bei ihm, sondern direkt in der Verwaltung eingehen sollen.

Letztlich eine Gefühlssache

Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer

Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern allein um vertretbar oder nicht vertretbar. Die Schulbussituation zeigt uns, in welchem Schlamassel wir in Coronazeiten zusätzlich stecken. Denn die Frage, wie hoch in welchen Alltagsmomenten das Ansteckungsrisiko ist, beantworten sich die Menschen im ÖPNV recht unterschiedlich. Bei manchem ist die Angst stärker, bei anderen weniger ausgeprägt. Und auch die Bereitschaft zum Risiko ist verschieden. Es ist letztlich eine reine Gefühlssache.

Verständlicherweise ist es schwer nachvollziehbar, in den Schulen mit Maske, Abstand und regelmäßigem Händedesinfizieren konfrontiert zu sein, um dann im Bus eng beieinander zu hocken. Das Virus ist an beiden Orten nicht anders und die zwingende Notwendigkeit mancher Schutzmaßnahme in den Schulen stellt sich somit automatisch in Frage.

Die Antwort darauf ist trotzdem ein Nein. Größtmögliche Vorsicht ist notwendig, solange das Virus nicht im Griff ist. Die Möglichkeiten in einem Schulgebäude sind dafür naturgemäß größer als in einem Bus oder einem Zug. Das ist auch ein Stück Wahrheit in diesen Zeiten. Einsteigen oder lieber nicht? Das können sich manche Familien leider nicht aussuchen.

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