Energie aus der Tonne: Das alles kann die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage der Pohlschen Heide Carsten Korfesmeyer Hille (mt). Nur was zu nichts mehr zu gebrauchen ist, landet anschließend auf der Deponie. Vorher holt die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA) nahezu alles aus dem Restmüll heraus, was nutzbar ist. Sie sortiert beispielsweise Metalle aus, die wiederverwertet werden können. Oder Abfälle wie alte Putzlappen, Tapetenreste und Staubsaugerbeutel, die als Ersatzbrennstoffe dienen und später für Wärme sorgen. Organische Reste bis zu einer Größe von 60 Millimetern landen in der sogenannten Vergärungsanlage, die wie ein geschlossener Komposthaufen funktioniert und die Abfälle in einem Prozess von 21 Tagen in Biogas umwandelt. „Daraus entstehen Wärme und Strom", sagt MBA-Betriebsleiter Manuel Krietemeyer. Diese Energie wird auf der Pohlschen Heide genutzt. Was davon übrig bleibt, kommt ins öffentliche Stromnetz. In der MBA landet das, was die Bürger in ihre Restmülltonne schmeißen. 35.000 Tonnen sind das im Jahr, von denen 60 Prozent zu den biologischen Stoffen zählen. Der Rest sind mechanische und wie effektiv die Anlage arbeitet, zeigt ein Vergleich. „Von zehn Mulden, die hier ankommen, fahren nur drei wieder heraus", sagt Krietemeyer. 2005 ist die MBA in Betrieb gegangen und im Vorfeld hatte es eine lange und kontroverse Debatte um sie gegeben. Denn im Raum stand seinerzeit auch, dass der Abfall aus dem Mühlenkreis in die Bielefelder Müllverbrennungsanlage kommen sollte. Die Idee der MBA hat sich seinerzeit aber durchgesetzt und seither ist das Abfallvolumen auf der Deponie deutlich weniger geworden. Zuvor kam der Restmüll ohne Sortierung auf die Deponie. Hinter dem MBA-Gedanken steckt die Philosophie, Abfall als Rohstoff zu betrachten. Kilometerlang sind die Förderbänder der mechanischen Anlage, auf denen der Müll transportiert wird. Man trifft auf alte Pappteller, Zahnpastatuben, Becher oder Stofffetzen – alles Teile, die unterwegs an irgendeiner Stelle herausgefischt werden. Eine alte Videocassette ist an diesem späten Vormittag auch dabei. Das Band hat sich irgendwo festgesetzt und spult sich nun ab. „Das kommt häufiger mal vor", sagt Krietemeyer. Problematisch sei das allerdings nicht und die Anlage auch auf komplizierte Situationen ausgerichtet. Die Methoden der Trennung sind pfiffig – und um leichte Stoffe herauszuholen, verwendet man beispielsweise Luftzüge, um diese Teile aufzupusten. „Das ist hier wie ein Sieb." In der Halle ist es relativ laut. Die Förderanlagen reichen über mehrere Ebenen und mittlerweile bis unter das Hallendach. Gerade in den vergangenen Jahren ist die MBA gewachsen. Für den Gewerbemüll, der auch verarbeitet wird, ist beispielsweise Ende Februar ein neuer Bereich in Betrieb gegangen. Auffällig ist, dass auf den Abzugsrohren und Maschinen einiges an Staub liegt. Und staubig ist auch die Luft. „Das ist normal hier", sagt der MBA-Leiter, der mit seinen Kollegen genau darauf achtet, dass die Anlage nach Schichtende weitgehend gereinigt wird. 30 Personen sind in der MBA beschäftigt und man arbeitet in zwei Schichten von sechs bis 22 Uhr. „Das ist übrigens der höchste Punkt von Hille", sagt Krietemeyer und zeigt auf die Vergärungsanlage, die wie ein großer Siloturm aussieht. Darin landen die kleinsten organischen Abfälle und auch die Klärschlämme aus dem gesamten Kreisgebiet. Sie werden beigemischt, was den Verrottungsprozess antreibt. Was am Ende nicht zu Biogas geworden ist, kommt auf die Deponie. Dort lagern diese Stoffe nach Worten des MBA-Leiters ganz sicher. Dass auch vieles im Restmüll landet, was dort eigentlich gar nicht hingehört, ist für den 43-Jährigen beruflicher Alltag. Grundsätzlich fände er es gut, wenn stärker auf Müllvermeidung gesetzt werde und die Menschen ihre Abfälle besser sortieren. „Aber die Bürger sind in dieser Hinsicht faul." Hier gibt es weitere Teile der Serie Die MT-Serie Die Pohlsche Heide in Hille ist das Entsorgungszentrum des Kreises Minden-Lübbecke. Es ist bekannt für seine effizienten und modernen Anlagen zur Abfallaufbereitung. 
Wie funktionieren diese Anlagen? Was passiert mit dem täglich dort angelieferten Müll? Und warum
ist die Deponie selbst im Zeitalter des Recyclings noch unerlässlich? Diesen und noch vielen weiteren Fragen geht das Mindener Tageblatt in diesen Wochen in der Serie „Pohlsche Heide" tiefer auf den Grund. 
Haben Sie ein weiteres Thema rund um das Entsorgungszentrum in Hille, das Sie interessiert und über das wir berichten sollten? Schicken Sie uns Ihre Vorschläge per E-Mail an lokales@MT.de!

Energie aus der Tonne: Das alles kann die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage der Pohlschen Heide

Manuel Krietemeyer (43) ist Betriebsleiter der MBA auf der Pohlschen Heide. MT- © Foto: Carsten Korfesmeyer

Hille (mt). Nur was zu nichts mehr zu gebrauchen ist, landet anschließend auf der Deponie. Vorher holt die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA) nahezu alles aus dem Restmüll heraus, was nutzbar ist. Sie sortiert beispielsweise Metalle aus, die wiederverwertet werden können. Oder Abfälle wie alte Putzlappen, Tapetenreste und Staubsaugerbeutel, die als Ersatzbrennstoffe dienen und später für Wärme sorgen. Organische Reste bis zu einer Größe von 60 Millimetern landen in der sogenannten Vergärungsanlage, die wie ein geschlossener Komposthaufen funktioniert und die Abfälle in einem Prozess von 21 Tagen in Biogas umwandelt. „Daraus entstehen Wärme und Strom", sagt MBA-Betriebsleiter Manuel Krietemeyer. Diese Energie wird auf der Pohlschen Heide genutzt. Was davon übrig bleibt, kommt ins öffentliche Stromnetz.

In der MBA landet das, was die Bürger in ihre Restmülltonne schmeißen. 35.000 Tonnen sind das im Jahr, von denen 60 Prozent zu den biologischen Stoffen zählen. Der Rest sind mechanische und wie effektiv die Anlage arbeitet, zeigt ein Vergleich. „Von zehn Mulden, die hier ankommen, fahren nur drei wieder heraus", sagt Krietemeyer.

2005 ist die MBA in Betrieb gegangen und im Vorfeld hatte es eine lange und kontroverse Debatte um sie gegeben. Denn im Raum stand seinerzeit auch, dass der Abfall aus dem Mühlenkreis in die Bielefelder Müllverbrennungsanlage kommen sollte. Die Idee der MBA hat sich seinerzeit aber durchgesetzt und seither ist das Abfallvolumen auf der Deponie deutlich weniger geworden. Zuvor kam der Restmüll ohne Sortierung auf die Deponie.

Hinter dem MBA-Gedanken steckt die Philosophie, Abfall als Rohstoff zu betrachten. Kilometerlang sind die Förderbänder der mechanischen Anlage, auf denen der Müll transportiert wird. Man trifft auf alte Pappteller, Zahnpastatuben, Becher oder Stofffetzen – alles Teile, die unterwegs an irgendeiner Stelle herausgefischt werden. Eine alte Videocassette ist an diesem späten Vormittag auch dabei. Das Band hat sich irgendwo festgesetzt und spult sich nun ab. „Das kommt häufiger mal vor", sagt Krietemeyer. Problematisch sei das allerdings nicht und die Anlage auch auf komplizierte Situationen ausgerichtet. Die Methoden der Trennung sind pfiffig – und um leichte Stoffe herauszuholen, verwendet man beispielsweise Luftzüge, um diese Teile aufzupusten. „Das ist hier wie ein Sieb."

In der Halle ist es relativ laut. Die Förderanlagen reichen über mehrere Ebenen und mittlerweile bis unter das Hallendach. Gerade in den vergangenen Jahren ist die MBA gewachsen. Für den Gewerbemüll, der auch verarbeitet wird, ist beispielsweise Ende Februar ein neuer Bereich in Betrieb gegangen.

Auffällig ist, dass auf den Abzugsrohren und Maschinen einiges an Staub liegt. Und staubig ist auch die Luft. „Das ist normal hier", sagt der MBA-Leiter, der mit seinen Kollegen genau darauf achtet, dass die Anlage nach Schichtende weitgehend gereinigt wird. 30 Personen sind in der MBA beschäftigt und man arbeitet in zwei Schichten von sechs bis 22 Uhr.

„Das ist übrigens der höchste Punkt von Hille", sagt Krietemeyer und zeigt auf die Vergärungsanlage, die wie ein großer Siloturm aussieht. Darin landen die kleinsten organischen Abfälle und auch die Klärschlämme aus dem gesamten Kreisgebiet. Sie werden beigemischt, was den Verrottungsprozess antreibt. Was am Ende nicht zu Biogas geworden ist, kommt auf die Deponie. Dort lagern diese Stoffe nach Worten des MBA-Leiters ganz sicher.

Dass auch vieles im Restmüll landet, was dort eigentlich gar nicht hingehört, ist für den 43-Jährigen beruflicher Alltag. Grundsätzlich fände er es gut, wenn stärker auf Müllvermeidung gesetzt werde und die Menschen ihre Abfälle besser sortieren. „Aber die Bürger sind in dieser Hinsicht faul."

Hier gibt es weitere Teile der Serie

Die MT-Serie

Die Pohlsche Heide in Hille ist das Entsorgungszentrum des Kreises Minden-Lübbecke. Es ist bekannt für seine effizienten und modernen Anlagen zur Abfallaufbereitung. 

Wie funktionieren diese Anlagen? Was passiert mit dem täglich dort angelieferten Müll? Und warum
ist die Deponie selbst im Zeitalter des Recyclings noch unerlässlich? Diesen und noch vielen weiteren Fragen geht das Mindener Tageblatt in diesen Wochen in der Serie „Pohlsche Heide" tiefer auf den Grund. 

Haben Sie ein weiteres Thema rund um das Entsorgungszentrum in Hille, das Sie interessiert und über das wir berichten sollten? Schicken Sie uns Ihre Vorschläge per E-Mail an lokales@MT.de!

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