"Ein Protokoll des Chaos": So geht der Unterricht nach den Ferien weiter Stefanie Dullweber Hille. „Ein Protokoll des Chaos“, sagt Dirk Schubert über die Informationen, die ihn seit Donnerstagabend erreichen. Nach einem Jahr Pandemie habe sich hinsichtlich der Kommunikation nichts geändert. Der Leiter der Verbundschule Hille versucht das, was das Ministerium den Schulen zum Ende der Ferien mitgeteilt hat, für kommenden Montag umzusetzen. „Warum ist es nicht möglich, die Schulen rechtzeitig zu informieren? Das ist wenig wertschätzend“, ärgert sich Schubert einmal mehr. Wie wohl viele seiner Kollegen, hatte der Hiller Schulleiter mit Wechselunterricht nach Ostern gerechnet. So sei es zumindest vor den Ferien angedacht gewesen. Stattdessen starten alle Schulen in Nordrhein-Westfalen ab Montag zunächst für eine Woche mit Distanzunterricht. Ausgenommen davon sind die Abschlussklassen an den weiterführenden Schulen. „In der nächsten Woche sollen wir zeitnah erfahren, wie es dann ab dem 19. April weitergeht“, sagt Schubert. Im Hinblick auf das Schuljahresende werde es eng, schließlich sei die Sommerpause bereits in zehn Wochen. Das Ministerium würde bis dahin noch zwei Leistungsüberprüfungen vorsehen – heißt zwei Klausuren in den schriftlichen Fächern. „Dafür müssen die Schüler aber auch erstmal in der Schule sein“, gibt Schubert zu bedenken. Die gute Nachricht sei immerhin, dass die Abiturprüfungen stattfinden. Laut dem Ministerium für Schule und Bildung beginnen die Abschlussklausuren wie vorgesehen am 23. April. Der Unterricht für die Abiturientinnen und Abiturienten der allgemeinbildenden Schulen werde sich in den kommenden neun Unterrichtstagen zwischen dem Ende der Osterferien und dem Beginn der Prüfungen auf die relevanten Fächer konzentrieren. „Wir werden, wie bereits im letzten Jahr, die Sporthalle für die Prüfungen nutzen. Die Gemeinde betreibt einen enormen Aufwand, damit die Schüler bestmögliche Bedingungen haben“, sagt Schubert. Für den Schulleiter sind die Abiturprüfungen unerlässlich. „Die Schüler hätten doch ansonsten einen Stempel fürs Leben.“ Ob die Lehrer bei den Bewertungen andere Maßstäbe ansetzen müssten, das sei sicherlich noch zu klären. „Es darf aber kein Zeugnis geben, aus dem hervorgeht, ob eine Prüfung überhaupt stattgefunden hat oder nicht.“ Die vielen Fragen müssten in den nächsten Tagen geklärt werden. Ein anderes Problem, das den Leiter der Verbundschule umtreibt, ist die Testpflicht. Im Präsenzbetrieb der Schulen werde es eine grundsätzliche Verpflichtung in den Schulen mit wöchentlich zweimaligen Abstrichen für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und weiteres Personal an den Schulen geben, schreibt das Ministerium. Diejenigen, die dieser Forderung nicht nachkämen, können nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. „Wir sind mittlerweile ein Testzentrum. Das hat nicht mehr viel mit Schule zu tun“, meint Schubert. Dabei stellt der Lehrer nicht den Sinn und Zweck der Abstriche infrage, sondern kritisiert, dass dafür immer mindestens eine Schulstunde draufgeht. „Unterrichtszeit für die Tests wegzunehmen, ist der falsche Weg.“ Der Hiller Schulleiter glaubt nicht, dass die Entscheider sich praktisch überlegt hätten, was diese Pflicht in der Umsetzung bedeutet. Das habe ganz viel mit Logistik, Organisation und Dokumentation zu tun. „Und niemand hat uns gesagt: So könntet ihr es praktisch umsetzen.“ Zudem stellt sich Schubert die Frage, wie Schulpflicht und Testpflicht zusammen passen, wenn ein Schüler beispielsweise den Coronaabstrich verweigert. „Darf derjenige dann eine Klausur schreiben?“ Immerhin sei die Verbundschule für die nächste Woche mit der nötigen Anzahl an Tests versorgt. Aber eine Woche sei hinsichtlich Distanzunterricht und Testpflicht schnell vorbei. „Und was kommt danach?“, fragt sich Dirk Schubert. Antworten auf die zahlreichen Fragen der Eltern hat auch die benachbarte Grundschule nur begrenzt. „Wir hatten Anfang dieser Woche alles geplant und den Stundenplan fertig“, sagt Leiterin Mareike Netzeband. Auch sie sei von Wechselunterricht ausgegangen. Stattdessen findet der Unterricht für die ersten bis vierten Klassen komplett in Distanz statt, nur eine Notbetreuung ist möglich. Eine Herausforderung an den Grundschulen seien die Coronatests, spricht Mareike Netzeband nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kollegen an den Grundschulen Nordhemmern und An der Bergkante. „Wir sind die ganze Woche mit Nachrichten bombardiert worden. Die Tests sind allerdings bis heute immer noch nicht da.“ Möglicherweise käme die Lieferung am Samstag oder erst am Montag. „Meine Kollegen und ich müssen uns damit am Montagmorgen als erstes beschäftigen. Wir können damit ja nicht gleich in die Klassen laufen. Die Kinder sollen sich schließlich gut und sicher dabei fühlen.“ Und die Kinder in der Notbetreuung müssten dann bereits getestet werden. Anschließend bekämen die Kinder, die in Distanz unterrichtet werden, ab mittags ihre Unterrichtsmaterialien für die gesamte Woche. „Wir hoffen, dass der Distanzunterricht nach diesen fünf Tagen erledigt ist.“

"Ein Protokoll des Chaos": So geht der Unterricht nach den Ferien weiter

Bereits im letzten Jahr haben die Abiturienten ihre Klausuren in der Sporthalle geschrieben. Hier sollen auch in diesem Jahr die Prüfungen stattfinden. Schulleiter Dirk Schubert (Foto) bestätigte, dass die Vorbereitungen dafür bereits laufen. MT-Archivfoto: Alex Lehn © Alex Lehn

Hille. „Ein Protokoll des Chaos“, sagt Dirk Schubert über die Informationen, die ihn seit Donnerstagabend erreichen. Nach einem Jahr Pandemie habe sich hinsichtlich der Kommunikation nichts geändert. Der Leiter der Verbundschule Hille versucht das, was das Ministerium den Schulen zum Ende der Ferien mitgeteilt hat, für kommenden Montag umzusetzen. „Warum ist es nicht möglich, die Schulen rechtzeitig zu informieren? Das ist wenig wertschätzend“, ärgert sich Schubert einmal mehr.

Wie wohl viele seiner Kollegen, hatte der Hiller Schulleiter mit Wechselunterricht nach Ostern gerechnet. So sei es zumindest vor den Ferien angedacht gewesen. Stattdessen starten alle Schulen in Nordrhein-Westfalen ab Montag zunächst für eine Woche mit Distanzunterricht. Ausgenommen davon sind die Abschlussklassen an den weiterführenden Schulen. „In der nächsten Woche sollen wir zeitnah erfahren, wie es dann ab dem 19. April weitergeht“, sagt Schubert.

Im Hinblick auf das Schuljahresende werde es eng, schließlich sei die Sommerpause bereits in zehn Wochen. Das Ministerium würde bis dahin noch zwei Leistungsüberprüfungen vorsehen – heißt zwei Klausuren in den schriftlichen Fächern. „Dafür müssen die Schüler aber auch erstmal in der Schule sein“, gibt Schubert zu bedenken. Die gute Nachricht sei immerhin, dass die Abiturprüfungen stattfinden.

Laut dem Ministerium für Schule und Bildung beginnen die Abschlussklausuren wie vorgesehen am 23. April. Der Unterricht für die Abiturientinnen und Abiturienten der allgemeinbildenden Schulen werde sich in den kommenden neun Unterrichtstagen zwischen dem Ende der Osterferien und dem Beginn der Prüfungen auf die relevanten Fächer konzentrieren. „Wir werden, wie bereits im letzten Jahr, die Sporthalle für die Prüfungen nutzen. Die Gemeinde betreibt einen enormen Aufwand, damit die Schüler bestmögliche Bedingungen haben“, sagt Schubert.

Für den Schulleiter sind die Abiturprüfungen unerlässlich. „Die Schüler hätten doch ansonsten einen Stempel fürs Leben.“ Ob die Lehrer bei den Bewertungen andere Maßstäbe ansetzen müssten, das sei sicherlich noch zu klären. „Es darf aber kein Zeugnis geben, aus dem hervorgeht, ob eine Prüfung überhaupt stattgefunden hat oder nicht.“ Die vielen Fragen müssten in den nächsten Tagen geklärt werden.

Ein anderes Problem, das den Leiter der Verbundschule umtreibt, ist die Testpflicht. Im Präsenzbetrieb der Schulen werde es eine grundsätzliche Verpflichtung in den Schulen mit wöchentlich zweimaligen Abstrichen für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und weiteres Personal an den Schulen geben, schreibt das Ministerium. Diejenigen, die dieser Forderung nicht nachkämen, können nicht am Präsenzunterricht teilnehmen.

„Wir sind mittlerweile ein Testzentrum. Das hat nicht mehr viel mit Schule zu tun“, meint Schubert. Dabei stellt der Lehrer nicht den Sinn und Zweck der Abstriche infrage, sondern kritisiert, dass dafür immer mindestens eine Schulstunde draufgeht. „Unterrichtszeit für die Tests wegzunehmen, ist der falsche Weg.“ Der Hiller Schulleiter glaubt nicht, dass die Entscheider sich praktisch überlegt hätten, was diese Pflicht in der Umsetzung bedeutet. Das habe ganz viel mit Logistik, Organisation und Dokumentation zu tun. „Und niemand hat uns gesagt: So könntet ihr es praktisch umsetzen.“ Zudem stellt sich Schubert die Frage, wie Schulpflicht und Testpflicht zusammen passen, wenn ein Schüler beispielsweise den Coronaabstrich verweigert. „Darf derjenige dann eine Klausur schreiben?“ Immerhin sei die Verbundschule für die nächste Woche mit der nötigen Anzahl an Tests versorgt. Aber eine Woche sei hinsichtlich Distanzunterricht und Testpflicht schnell vorbei. „Und was kommt danach?“, fragt sich Dirk Schubert.

Antworten auf die zahlreichen Fragen der Eltern hat auch die benachbarte Grundschule nur begrenzt. „Wir hatten Anfang dieser Woche alles geplant und den Stundenplan fertig“, sagt Leiterin Mareike Netzeband. Auch sie sei von Wechselunterricht ausgegangen. Stattdessen findet der Unterricht für die ersten bis vierten Klassen komplett in Distanz statt, nur eine Notbetreuung ist möglich.

Eine Herausforderung an den Grundschulen seien die Coronatests, spricht Mareike Netzeband nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kollegen an den Grundschulen Nordhemmern und An der Bergkante. „Wir sind die ganze Woche mit Nachrichten bombardiert worden. Die Tests sind allerdings bis heute immer noch nicht da.“ Möglicherweise käme die Lieferung am Samstag oder erst am Montag. „Meine Kollegen und ich müssen uns damit am Montagmorgen als erstes beschäftigen. Wir können damit ja nicht gleich in die Klassen laufen. Die Kinder sollen sich schließlich gut und sicher dabei fühlen.“ Und die Kinder in der Notbetreuung müssten dann bereits getestet werden.

Anschließend bekämen die Kinder, die in Distanz unterrichtet werden, ab mittags ihre Unterrichtsmaterialien für die gesamte Woche. „Wir hoffen, dass der Distanzunterricht nach diesen fünf Tagen erledigt ist.“

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