Ein Prinz aus Ostfriesland: Familie Hirsch und ihre Leidenschaft für NSU-Fahrzeuge Michael Lorenz Hille-Holzhausen. Bereits im Juli 1969 titelte die Fachzeitschrift „Auto, Motor und Sport“ in einem Artikel über den NSU Ro 80 besorgt: „Hält der Wankelmotor?“ Ähnlich ging es NSU-Fan Michael Hirsch, der bei den Mindener Si-Betrieben beschäftigt ist, als er seinem Chef Stephan Richtzenhain von seinem Vorhaben berichtete, einen solchen Ro 80 erstehen zu wollen: „Hirschi, das ist jetzt nicht dein Ernst!“, entgegnete dieser. Um es vorwegzunehmen: Der Wankelmotor des Ro 80 der Oldtimer-begeisterten Familie Hirsch aus Holzhausen II hält bis heute problemlos. Doch der Reihe nach: Die Leidenschaft für die Fahrzeuge aus Neckarsulm (der Name NSU steht die Baden-Württembergische Stadt) entwickelten Michael, Frau Renate und Sohn Robin in den Nullerjahren.2008 besuchten sie ein Autorennen mit historischen Fahrzeugen auf dem Nürburgring. „Dort starteten auch mehrere NSU, und so haben wir unseren Faible für diese Marke entdeckt“, schildert Michael Hirsch. Der erste Neckarsulmer, den die Hirschs entstanden, war ein 1200 C im Jahr 2013. „Durch den Wagen fanden wir den Weg zu dem Klub ,NSU-Freunde Hille‘, und unser Freundeskreis vergrößerte sich schlagartig“, berichtet Hirsch. Durch diesen Klub kam der Kontakt zu dem weißen NSU Prinz zustande, den man in Friesland fand. Dieses Fahrzeug besitzt Familie Hirsch noch immer und es befindet sich in einem brillanten Zustand. 2016 kam ein rotes Sport-Prinz-Coupé hinzu. Michael und Robin Hirsch, der mittlerweile ein duales Maschinenbau-Studium betreibt, restaurierten den Wagen zwei Jahre lang, ehe er in seinem heutigen, perfekten Zustand war. Renate Hirsch ergänzt schmunzelnd: „Ich habe die beiden unterstützt, aber eher durch Kochen und Backen.“ Als automobile Krönung des Autobaus bei NSU gilt aber bis heute der Ro 80. Er passte so gar nicht in die bis dahin produzierte Modellpalette aus Kleinwagen und Motorrädern. Mit seiner windschnittigen und sehr geräumigen Karosserie sowie dem extrem markanten Wankelmotor war der Ro 80 einzigartig und seiner Zeit weit voraus. Nicht umsonst wurde er 1968 zum „Auto des Jahres“ gewählt. Es gab aber ein Problem, das Michael Hirsch beschreibt: „Die Dichtleisten des Kreiskolbenmotors waren zu instabil und gingen ständig kaputt. Zu jener Zeit begrüßten sich entgegenkommende Ro-80-Fahrer mit ausgestreckten Fingern, die bedeuteten, den wievielten Motor man bereits hatte.“ NSU zeigte sich kulant und entwicklungsfreudig. 1970 war das Problem behoben. „Doch der Ruf war längst ruiniert“, sagt Michael Hirsch. Familie Hirsch gab trotz großer Skepsis im Bekanntenkreis ihrer Faszination für den Wankelmotor nach und erstand die metallicbraun-farbene Limousine in Bremen. Der Motor hält einwandfrei, obwohl die Hirschs den Ro auch als Reisewagen nutzen.Die Besonderheit des Wankelmotors, der eine Dreistufen-Automatik besitzt, erschließt sich dem Betrachter während der Fahrt. Denn der Motor nagelt und knattert nicht, sondern besticht durch extreme Laufruhe. Er klingt eher wie eine Turbine.Der ruhmreiche Name NSU wurde in den Nullerjahren allerdings besudelt. Eine rechts-terroristische Vereinigung aus Jena, die Morde in Serie beging, nannte sich „Nationalsozialistischer Untergrund“, abgekürzt NSU. Traurig: Gibt man das Kürzel in die einschlägigen Internet-Suchmaschinen ein, kommt als erstes Ergebnis das des versprengten Mordtrios. Michael Hirsch folgende Erfahrung gemacht: „Als wir eine Tour in den Osten unternahmen und ein Foto machen wollten, hat eine Frau unser Logo ,NSU-Freunde Hille‘ gesehen uns ist völlig ausgerastet.“ Zurück zum Ro 80: Der in den Sechziger Jahren futuristisch wirkende Wagen wurde von Designer Claus Luthe gezeichnet. Luthe gelangen mehrere Autoentwürfe, die als „Großer Wurf“ durchgehen. Mit Luthe nahm es allerdings kein gutes Ende: Seinen Sohn Ulrich, der im Alkoholrausch seine Familie zu terrorisieren pflegte, einschließlich seiner an Multipler Sklerose erkrankten Mutter, erstach er 1990. Aufgrund der besonderen Umstände der Tat wurde er zwar verurteilt, musste aber nicht ins Gefängnis.

Ein Prinz aus Ostfriesland: Familie Hirsch und ihre Leidenschaft für NSU-Fahrzeuge

Die metallicbraun-farbene Limousine hat Familie Hirsch in Bremen erstanden. Der Motor hält einwandfrei. Fotos: Michael Lorenz

Hille-Holzhausen. Bereits im Juli 1969 titelte die Fachzeitschrift „Auto, Motor und Sport“ in einem Artikel über den NSU Ro 80 besorgt: „Hält der Wankelmotor?“ Ähnlich ging es NSU-Fan Michael Hirsch, der bei den Mindener Si-Betrieben beschäftigt ist, als er seinem Chef Stephan Richtzenhain von seinem Vorhaben berichtete, einen solchen Ro 80 erstehen zu wollen: „Hirschi, das ist jetzt nicht dein Ernst!“, entgegnete dieser.

Um es vorwegzunehmen: Der Wankelmotor des Ro 80 der Oldtimer-begeisterten Familie Hirsch aus Holzhausen II hält bis heute problemlos. Doch der Reihe nach: Die Leidenschaft für die Fahrzeuge aus Neckarsulm (der Name NSU steht die Baden-Württembergische Stadt) entwickelten Michael, Frau Renate und Sohn Robin in den Nullerjahren.

2008 besuchten sie ein Autorennen mit historischen Fahrzeugen auf dem Nürburgring. „Dort starteten auch mehrere NSU, und so haben wir unseren Faible für diese Marke entdeckt“, schildert Michael Hirsch. Der erste Neckarsulmer, den die Hirschs entstanden, war ein 1200 C im Jahr 2013. „Durch den Wagen fanden wir den Weg zu dem Klub ,NSU-Freunde Hille‘, und unser Freundeskreis vergrößerte sich schlagartig“, berichtet Hirsch.

Durch diesen Klub kam der Kontakt zu dem weißen NSU Prinz zustande, den man in Friesland fand. Dieses Fahrzeug besitzt Familie Hirsch noch immer und es befindet sich in einem brillanten Zustand. 2016 kam ein rotes Sport-Prinz-Coupé hinzu. Michael und Robin Hirsch, der mittlerweile ein duales Maschinenbau-Studium betreibt, restaurierten den Wagen zwei Jahre lang, ehe er in seinem heutigen, perfekten Zustand war. Renate Hirsch ergänzt schmunzelnd: „Ich habe die beiden unterstützt, aber eher durch Kochen und Backen.“

Malina Reckordt

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Als automobile Krönung des Autobaus bei NSU gilt aber bis heute der Ro 80. Er passte so gar nicht in die bis dahin produzierte Modellpalette aus Kleinwagen und Motorrädern. Mit seiner windschnittigen und sehr geräumigen Karosserie sowie dem extrem markanten Wankelmotor war der Ro 80 einzigartig und seiner Zeit weit voraus. Nicht umsonst wurde er 1968 zum „Auto des Jahres“ gewählt.

Durch die Faszination für die Fahrzeuge fand die Familie aus Holzhausen II zu den NSU-Freunden Hille. Dem Klub gehören sie nach wie vor an. - © Michael Lorenz
Durch die Faszination für die Fahrzeuge fand die Familie aus Holzhausen II zu den NSU-Freunden Hille. Dem Klub gehören sie nach wie vor an. - © Michael Lorenz

Es gab aber ein Problem, das Michael Hirsch beschreibt: „Die Dichtleisten des Kreiskolbenmotors waren zu instabil und gingen ständig kaputt. Zu jener Zeit begrüßten sich entgegenkommende Ro-80-Fahrer mit ausgestreckten Fingern, die bedeuteten, den wievielten Motor man bereits hatte.“ NSU zeigte sich kulant und entwicklungsfreudig. 1970 war das Problem behoben. „Doch der Ruf war längst ruiniert“, sagt Michael Hirsch.

Familie Hirsch gab trotz großer Skepsis im Bekanntenkreis ihrer Faszination für den Wankelmotor nach und erstand die metallicbraun-farbene Limousine in Bremen. Der Motor hält einwandfrei, obwohl die Hirschs den Ro auch als Reisewagen nutzen.

Die Besonderheit des Wankelmotors, der eine Dreistufen-Automatik besitzt, erschließt sich dem Betrachter während der Fahrt. Denn der Motor nagelt und knattert nicht, sondern besticht durch extreme Laufruhe. Er klingt eher wie eine Turbine.

Der ruhmreiche Name NSU wurde in den Nullerjahren allerdings besudelt. Eine rechts-terroristische Vereinigung aus Jena, die Morde in Serie beging, nannte sich „Nationalsozialistischer Untergrund“, abgekürzt NSU. Traurig: Gibt man das Kürzel in die einschlägigen Internet-Suchmaschinen ein, kommt als erstes Ergebnis das des versprengten Mordtrios. Michael Hirsch folgende Erfahrung gemacht: „Als wir eine Tour in den Osten unternahmen und ein Foto machen wollten, hat eine Frau unser Logo ,NSU-Freunde Hille‘ gesehen uns ist völlig ausgerastet.“

Zurück zum Ro 80: Der in den Sechziger Jahren futuristisch wirkende Wagen wurde von Designer Claus Luthe gezeichnet. Luthe gelangen mehrere Autoentwürfe, die als „Großer Wurf“ durchgehen. Mit Luthe nahm es allerdings kein gutes Ende: Seinen Sohn Ulrich, der im Alkoholrausch seine Familie zu terrorisieren pflegte, einschließlich seiner an Multipler Sklerose erkrankten Mutter, erstach er 1990. Aufgrund der besonderen Umstände der Tat wurde er zwar verurteilt, musste aber nicht ins Gefängnis.

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