„Du musst Rückgrat haben“: Darum scheut Hilles neuer Ortsvorsteher keine politische Debatte Stefanie Dullweber Hille. Das Amt des Ortsvorstehers wurde Hermann Buhrmester quasi in die Wiege gelegt. Bereits sein Vater lenkte knapp 30 Jahre lang die Geschicke der Ortschaft und saß für die CDU mehr als drei Jahrzehnte im Gemeinderat. „Politik war bei uns immer ein Thema“, sagt Hermann Buhrmester, der bei der Kommunalwahl im September neu in den Rat gewählt wurde. Sicherlich habe er Hochachtung vor den Leistungen seines Vaters, dennoch möchte er seine eigenen Fußstapfen hinterlassen – und keine festgetretenen Pfade beschreiten. Dass das nicht immer leicht sein wird, ist dem Berufslandwirt bewusst. „Du musst Rückgrat haben und politische Entscheidungen nach außen vertreten. Niemand ist fehlerfrei und ob die Entscheidungen richtig sind, zeigt erst die Zukunft.“ Aus diesem Grund habe er sich beispielsweise ganz bewusst für den Feuerschutzausschuss gemeldet. „Hier führen wir gerade zukunftsweisende Debatten“, sagt der 58-Jährige. Erst in der vergangenen Woche gab es ein informelles Treffen zwischen Feuerwehrleitung, Verwaltung und Politikern. Inhaltlich möchte der CDU-Mann noch nicht ins Detail gehen, nur so viel: „Wir finden einen Konsens, auch wenn wir sicherlich nicht alle Wünsche erfüllen können.“ Und: Gute Entscheidungen würde er auch unterstützen, wenn sie nicht aus den eigenen Reihen kommen. Ebenfalls in der letzten Woche gab es ein Übergabegespräch mit seinem Vorgänger Herbert Heuer. „Er hat mir seine Unterstützung zugesagt“, sagt der Neue. Hauptsächlich sei es um Altengeburtstage, Vereine und den Umgang mit Einladungen gegangen. „Sicherlich werde ich als Ortsvorsteher auch mal Gegenwind bekommen, aber es gibt so viele schöne Aufgaben“, sagt Buhrmester. Einem 100-Jährigen zum Geburtstag zu gratulieren beispielsweise. Sich selbst sieht er als Mittler zwischen der Gemeindeverwaltung und den Anliegen der Bürger. „Ich helfe, wo ich kann.“ Bevor er sich entschied, das Amt des Ortsvorsteher zu übernehmen, habe er sich zwei Wochen Bedenkzeit ausgebeten. „Die neuen Aufgaben müssen mit der Arbeit auf dem Hof abgestimmt sein“, sagt Hermann Buhrmester, der den landwirtschaftlichen Betrieb 1990 von seinem Vater übernahm. Da jedoch sein Schwiegersohn mit auf dem Hof arbeitet und sie zudem einen Lehrling ausbilden, könne er sich die Zeit für die Politik nehmen. Die Belange seines Heimatortes liegen dem 58-Jährigen am Herzen, wie er betont. „Ich bin hier in meinem Elternhaus geboren und habe mein ganzes Leben hier verbracht.“ Ihm persönlich bedeute die gut funktionierende Nachbarschaft sehr viel. „Das musst du leben – in guten wie in schlechten Zeiten.“ Außerdem ist Hermann Buhrmester ein Mensch, der das gesellige Leben in den Vereinen schätzt. „In Hille engagieren sich viele, die etwas bewegen können und wollen – das freut mich.“ Selber ist er im Reitverein, im Sportverein und in der Feuerwehr Mitglied. Im Hiller Gemeinderat ist Hermann Buhrmester der einzige hauptberufliche Landwirt. Dementsprechend möchte er auch die Interessen seines Berufsstandes dort vertreten. „Ich hoffe, dass ich ein paar Impulse geben kann“, sagt er. Neben dem Feuerschutzausschuss ist er im Planungsausschuss sowie im Ausschuss für Jugend, Bildung und Sport vertreten. Die erste Ratssitzung sei für ihn nicht besonders aufregend gewesen, sagt er rückblickend. „Da haben wir ja nur über die Besetzung der Ausschüsse abgestimmt und alle haben gesagt, wie lieb sie sich haben. Ob das in einem halben Jahr immer noch so ist, werden wir sehen“, sagt der CDU-Politiker und lacht. Für seine Ortschaft Hille hat Hermann Buhrmester einige Themen auf der Agenda, die er in den nächsten Wochen und Monaten im Blick behalten möchte. Ein Anliegen sei die naturnahe Umgestaltung von Reimlers Teich (das MT berichtete). „Erstmal müssen wir aber das Problem lösen, dass der Teich undicht ist.“ Der Pegel des Gewässers war in den letzten Monaten dramatisch gesunken. Weiter hofft der neu gewählte Ortsvorsteher, dass der SC Hille seinen geplanten Kunstrasenplatz bekommt. „Das wäre eine deutliche Aufwertung.“ Überhaupt müsse für die Kinder und Jugendlichen einiges getan werden. „Wir sind früher zu Pöhler und in den Lindenhof gegangen. Heutzutage haben die jungen Menschen diese Möglichkeiten nicht mehr.“ Es sei wünschenswert, dass sich ein privater Investor finde, der einen solchen Treffpunkt auf die Beine stell. Überhaupt nehme das gastronomische Angebot in der Gemeinde Hille immer mehr ab. „Wenn wir irgendwann Ossenfort und den Timpen nicht mehr haben, wird es problematisch.“ Hermann Buhrmester erinnert sich noch an bessere Zeiten, als es allein in der Ortschaft Hille zehn Gastronomie-Betriebe gab. Sein größtes Anliegen ist die Entwicklung der Infrastruktur. „Insbesondere deshalb bin ich in den Planungsausschuss gegangen.“ Wo soll sich künftig Gewerbe in der Gemeinde Hille ansiedeln? Wo gibt es noch Bauplätze für junge Familien? Mit all diesen Fragen möchte sich der Hiller Politiker beschäftigen. Selbst die sündhaft teuren Bauplätze „In der Loge“ seien in Rekordzeit verkauft worden. „Für Familien hat Hille einen Standortvorteil“, sagt Hermann Buhrmester. Aber Wohnraum müsse trotzdem bezahlbar sein – damit auch für die Generationen nach ihm die Ortschaft Hille zu einer Herzensangelegenheit werden könne.

„Du musst Rückgrat haben“: Darum scheut Hilles neuer Ortsvorsteher keine politische Debatte

Hermann Buhrmester ist neuer Ortsvorsteher in Hille. Er tritt die Nachfolge von Herbert Heuer an, der das Amt seit 2008 übernommen hatte. Hermann Buhrmester wurde bei der Kommunalwahl im September neu in den Hiller Rat gewählt. MT-Fotos: Stefanie Dullweber © Stefanie Dullweber

Hille. Das Amt des Ortsvorstehers wurde Hermann Buhrmester quasi in die Wiege gelegt. Bereits sein Vater lenkte knapp 30 Jahre lang die Geschicke der Ortschaft und saß für die CDU mehr als drei Jahrzehnte im Gemeinderat. „Politik war bei uns immer ein Thema“, sagt Hermann Buhrmester, der bei der Kommunalwahl im September neu in den Rat gewählt wurde. Sicherlich habe er Hochachtung vor den Leistungen seines Vaters, dennoch möchte er seine eigenen Fußstapfen hinterlassen – und keine festgetretenen Pfade beschreiten.

Dass das nicht immer leicht sein wird, ist dem Berufslandwirt bewusst. „Du musst Rückgrat haben und politische Entscheidungen nach außen vertreten. Niemand ist fehlerfrei und ob die Entscheidungen richtig sind, zeigt erst die Zukunft.“ Aus diesem Grund habe er sich beispielsweise ganz bewusst für den Feuerschutzausschuss gemeldet. „Hier führen wir gerade zukunftsweisende Debatten“, sagt der 58-Jährige.

Erst in der vergangenen Woche gab es ein informelles Treffen zwischen Feuerwehrleitung, Verwaltung und Politikern. Inhaltlich möchte der CDU-Mann noch nicht ins Detail gehen, nur so viel: „Wir finden einen Konsens, auch wenn wir sicherlich nicht alle Wünsche erfüllen können.“ Und: Gute Entscheidungen würde er auch unterstützen, wenn sie nicht aus den eigenen Reihen kommen.

Ebenfalls in der letzten Woche gab es ein Übergabegespräch mit seinem Vorgänger Herbert Heuer. „Er hat mir seine Unterstützung zugesagt“, sagt der Neue. Hauptsächlich sei es um Altengeburtstage, Vereine und den Umgang mit Einladungen gegangen. „Sicherlich werde ich als Ortsvorsteher auch mal Gegenwind bekommen, aber es gibt so viele schöne Aufgaben“, sagt Buhrmester. Einem 100-Jährigen zum Geburtstag zu gratulieren beispielsweise. Sich selbst sieht er als Mittler zwischen der Gemeindeverwaltung und den Anliegen der Bürger. „Ich helfe, wo ich kann.“

Bevor er sich entschied, das Amt des Ortsvorsteher zu übernehmen, habe er sich zwei Wochen Bedenkzeit ausgebeten. „Die neuen Aufgaben müssen mit der Arbeit auf dem Hof abgestimmt sein“, sagt Hermann Buhrmester, der den landwirtschaftlichen Betrieb 1990 von seinem Vater übernahm. Da jedoch sein Schwiegersohn mit auf dem Hof arbeitet und sie zudem einen Lehrling ausbilden, könne er sich die Zeit für die Politik nehmen.

Die Belange seines Heimatortes liegen dem 58-Jährigen am Herzen, wie er betont. „Ich bin hier in meinem Elternhaus geboren und habe mein ganzes Leben hier verbracht.“ Ihm persönlich bedeute die gut funktionierende Nachbarschaft sehr viel. „Das musst du leben – in guten wie in schlechten Zeiten.“ Außerdem ist Hermann Buhrmester ein Mensch, der das gesellige Leben in den Vereinen schätzt. „In Hille engagieren sich viele, die etwas bewegen können und wollen – das freut mich.“ Selber ist er im Reitverein, im Sportverein und in der Feuerwehr Mitglied.

Im Hiller Gemeinderat ist Hermann Buhrmester der einzige hauptberufliche Landwirt. Dementsprechend möchte er auch die Interessen seines Berufsstandes dort vertreten. „Ich hoffe, dass ich ein paar Impulse geben kann“, sagt er. Neben dem Feuerschutzausschuss ist er im Planungsausschuss sowie im Ausschuss für Jugend, Bildung und Sport vertreten. Die erste Ratssitzung sei für ihn nicht besonders aufregend gewesen, sagt er rückblickend. „Da haben wir ja nur über die Besetzung der Ausschüsse abgestimmt und alle haben gesagt, wie lieb sie sich haben. Ob das in einem halben Jahr immer noch so ist, werden wir sehen“, sagt der CDU-Politiker und lacht.

Für seine Ortschaft Hille hat Hermann Buhrmester einige Themen auf der Agenda, die er in den nächsten Wochen und Monaten im Blick behalten möchte. Ein Anliegen sei die naturnahe Umgestaltung von Reimlers Teich (das MT berichtete). „Erstmal müssen wir aber das Problem lösen, dass der Teich undicht ist.“ Der Pegel des Gewässers war in den letzten Monaten dramatisch gesunken.

Weiter hofft der neu gewählte Ortsvorsteher, dass der SC Hille seinen geplanten Kunstrasenplatz bekommt. „Das wäre eine deutliche Aufwertung.“ Überhaupt müsse für die Kinder und Jugendlichen einiges getan werden. „Wir sind früher zu Pöhler und in den Lindenhof gegangen. Heutzutage haben die jungen Menschen diese Möglichkeiten nicht mehr.“ Es sei wünschenswert, dass sich ein privater Investor finde, der einen solchen Treffpunkt auf die Beine stell.

Überhaupt nehme das gastronomische Angebot in der Gemeinde Hille immer mehr ab. „Wenn wir irgendwann Ossenfort und den Timpen nicht mehr haben, wird es problematisch.“ Hermann Buhrmester erinnert sich noch an bessere Zeiten, als es allein in der Ortschaft Hille zehn Gastronomie-Betriebe gab.

Sein größtes Anliegen ist die Entwicklung der Infrastruktur. „Insbesondere deshalb bin ich in den Planungsausschuss gegangen.“ Wo soll sich künftig Gewerbe in der Gemeinde Hille ansiedeln? Wo gibt es noch Bauplätze für junge Familien? Mit all diesen Fragen möchte sich der Hiller Politiker beschäftigen. Selbst die sündhaft teuren Bauplätze „In der Loge“ seien in Rekordzeit verkauft worden. „Für Familien hat Hille einen Standortvorteil“, sagt Hermann Buhrmester. Aber Wohnraum müsse trotzdem bezahlbar sein – damit auch für die Generationen nach ihm die Ortschaft Hille zu einer Herzensangelegenheit werden könne.

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