Dreirad mit vier Reifen: Das ungewöhnliche Auto von Henrike Peitzmeier Michael Lorenz Hille. Von vorne betrachtet weist der blaue VW Polo keinerlei Auffälligkeiten auf. Doch wenn man ihn seitlich passiert, fällt ins Auge, dass der hintere Radkasten mit Blech verkleidet ist. Steht man hinter dem Wagen, kommt die Überraschung: Der Polo hat nicht etwa zwei Räder an den jeweiligen äußeren Enden, sondern ein zentriertes Doppelrad. Darüber, auf der Heckklappe, steht geschrieben: 20 PS – Fahren mit 16. Das Fahrzeug gehört der Oberlübberin Henrike Peitzmeier, und deren Leben hat sich seit dem Erwerb des Autos komplett zum Positiven geändert. „Jwd“ – janz weit draußen, wie die Berliner sagen: Auf den Hiller Ortsteil Oberlübbe trifft das allemal zu. Zumindest dann, wenn man, wie die 16-Jährige das Mindener Ratsgymnasium besucht. Einfach mit dem Fahrrad zur Schule und zurück, das kann pro Strecke eine Stunde dauern. Eine für Schüler brauchbare Buslinie verkehrt nicht. Henrike Peitzmeier schildert: „Ich musste ständig hin und her gebracht werden. Mit meiner Mutter hatte ich deshalb ständig Ärger. Die nämlich ist Tierärztin und damit eigentlich immer zu spät, wie es bei Tierärzten üblich zu sein scheint. Ich hingegen bin gerne pünktlich.“ Als ihr 16. Geburtstag in Blickweite war, überlegten die beiden, welche Lösung des Problems sich anbietet. Ihre Mutter, die Veterinärin Dr. Eva-Ursula Peitzmeier, schlug ein Motorrad vor. Tochter Henrike: „Ich hatte aber Bedenken. Ich hatte Sorge, den anderen Verkehrsteilnehmern mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert zu sein. Zudem hatte ich Angst vor den Lkw.“ Eine andere Option wäre ein Leichtfahrzeug gewesen, eines das vier Räder hat und 45 km/h schnell fahren darf. Henrike Peitzmeier erinnert sich: „Auch das war mir irgendwie zu unsicher. Zudem wollte ich kein Verkehrshindernis sein. Im Internet stießen wir dann auf diese Autos, die man mit Führerscheinklasse A1 fahren darf und die sogar einen Airbag haben. Wir fanden ein Gebrauchtes in Bayern und holten es im November ab. Ich machte den A1-Führerschein, also den, mit dem man 125-ccm-Motorräder fahren darf. Aber das Autofahren musste ich erst lernen. Das hat mir meine Mutter dann hier in Oberlübbe beigebracht.“ Bei dem Auto handelt es sich um einen sogenannten Ellenator. Der Ostallgäuer Wenzel Ellenrieder hatte diesen Fahrzeugtyp für seinen 16-Jährigen Sohn entwickelt, und seine Motivation dafür war der der Peitzmeiers sehr ähnlich. Denn der Ellenator gilt trotz seiner vier Räder als Dreirad, darf daher mit dem A1-Führerschein bewegt werden. Für die ebenso begeisterte wie talentierte Springreiterin des RV Hille änderte sich mit dem Erwerb des Autos so ziemlich alles, wie sie erzählt: „Es ist alles viel einfacher für mich geworden. Die Abhängigkeit von anderen Menschen war von einen Tag auf den anderen nicht mehr da. Ich kann meine Tage nun selbst gestalten, fahre mit dem Wagen zur Schule, zum Pferdestall nach Hille, zum Futter kaufen, kann jederzeit damit Freunde besuchen oder unternehme einfach Spritztouren. Ich kann meine jüngere Schwester Wiebke zum Reiten oder zum Hundesport bringen. Es ist auch für unsere Mutter alles nun viel einfacher, die Familie kann sich so viel besser ergänzen.“ Der Ellenator wurde bis vor drei Jahren noch auf der Basis mehrerer Fabrikate angeboten, mittlerweile baut Ellenrieder nur noch den Typ Fiat 500 um. Diese „Dreiräder“ sind relativ selten zu finden. Daher sind sie absolute Hingucker, wie die Oberlübberin sagt: „Ich weiß nicht, ob hier in der Gegend noch jemand einen hat, ich habe jedenfalls noch keinen gesehen. Ich werde ständig auf den Wagen angesprochen, viele Leute haben Fragen, die ich aber gerne beantworte.“ Das vierrädrige Dreirad ist trotz seines auf 20 PS gedrosselten Motors relativ schnell, auf Landstraßen sind 100 km/h drin. „Auf der Autobahn läuft er bergab und mit Rückenwind sogar 140 km/h, aber dann wird es etwas wacklig. Ich meide Autobahnen, wenn es geht, auch wenn ich dort fahren darf. Aber meine Mutter sieht das nicht so gerne“, lässt die 16-jährige durchblicken. Derzeit macht sie den normalen Auto-Führerschein. Sie vergleicht: „Das Fahrverhalten des Fahrschulautos und meines Wagens unterscheidet sich nicht merklich, zumindest nicht bei eher niedrigen Geschwindigkeiten. Insgesamt lässt sich sagen: Mit der Anschaffung dieses Wagens haben wir alles richtig gemacht.“

Dreirad mit vier Reifen: Das ungewöhnliche Auto von Henrike Peitzmeier

Henrike Peitzmeier lebt in Oberlübbe und besucht das Mindener Ratsgymnasium. Weil sie den Ellenator bereits mit 16 fahren darf, hat sich die Mobilität der Schülerin durch das Auto spürbar gesteigert. Fotos: Michael Lorenz

Hille. Von vorne betrachtet weist der blaue VW Polo keinerlei Auffälligkeiten auf. Doch wenn man ihn seitlich passiert, fällt ins Auge, dass der hintere Radkasten mit Blech verkleidet ist. Steht man hinter dem Wagen, kommt die Überraschung: Der Polo hat nicht etwa zwei Räder an den jeweiligen äußeren Enden, sondern ein zentriertes Doppelrad. Darüber, auf der Heckklappe, steht geschrieben: 20 PS – Fahren mit 16. Das Fahrzeug gehört der Oberlübberin Henrike Peitzmeier, und deren Leben hat sich seit dem Erwerb des Autos komplett zum Positiven geändert.

„Jwd“ – janz weit draußen, wie die Berliner sagen: Auf den Hiller Ortsteil Oberlübbe trifft das allemal zu. Zumindest dann, wenn man, wie die 16-Jährige das Mindener Ratsgymnasium besucht. Einfach mit dem Fahrrad zur Schule und zurück, das kann pro Strecke eine Stunde dauern. Eine für Schüler brauchbare Buslinie verkehrt nicht. Henrike Peitzmeier schildert: „Ich musste ständig hin und her gebracht werden. Mit meiner Mutter hatte ich deshalb ständig Ärger. Die nämlich ist Tierärztin und damit eigentlich immer zu spät, wie es bei Tierärzten üblich zu sein scheint. Ich hingegen bin gerne pünktlich.“

Auf der Heckklappe steht, was ein Ellenator alles bietet und kann. - © n
Auf der Heckklappe steht, was ein Ellenator alles bietet und kann. - © n

Als ihr 16. Geburtstag in Blickweite war, überlegten die beiden, welche Lösung des Problems sich anbietet. Ihre Mutter, die Veterinärin Dr. Eva-Ursula Peitzmeier, schlug ein Motorrad vor. Tochter Henrike: „Ich hatte aber Bedenken. Ich hatte Sorge, den anderen Verkehrsteilnehmern mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert zu sein. Zudem hatte ich Angst vor den Lkw.“

Eine andere Option wäre ein Leichtfahrzeug gewesen, eines das vier Räder hat und 45 km/h schnell fahren darf. Henrike Peitzmeier erinnert sich: „Auch das war mir irgendwie zu unsicher. Zudem wollte ich kein Verkehrshindernis sein. Im Internet stießen wir dann auf diese Autos, die man mit Führerscheinklasse A1 fahren darf und die sogar einen Airbag haben. Wir fanden ein Gebrauchtes in Bayern und holten es im November ab. Ich machte den A1-Führerschein, also den, mit dem man 125-ccm-Motorräder fahren darf. Aber das Autofahren musste ich erst lernen. Das hat mir meine Mutter dann hier in Oberlübbe beigebracht.“

Bei dem Auto handelt es sich um einen sogenannten Ellenator. Der Ostallgäuer Wenzel Ellenrieder hatte diesen Fahrzeugtyp für seinen 16-Jährigen Sohn entwickelt, und seine Motivation dafür war der der Peitzmeiers sehr ähnlich. Denn der Ellenator gilt trotz seiner vier Räder als Dreirad, darf daher mit dem A1-Führerschein bewegt werden.

Für die ebenso begeisterte wie talentierte Springreiterin des RV Hille änderte sich mit dem Erwerb des Autos so ziemlich alles, wie sie erzählt: „Es ist alles viel einfacher für mich geworden. Die Abhängigkeit von anderen Menschen war von einen Tag auf den anderen nicht mehr da. Ich kann meine Tage nun selbst gestalten, fahre mit dem Wagen zur Schule, zum Pferdestall nach Hille, zum Futter kaufen, kann jederzeit damit Freunde besuchen oder unternehme einfach Spritztouren. Ich kann meine jüngere Schwester Wiebke zum Reiten oder zum Hundesport bringen. Es ist auch für unsere Mutter alles nun viel einfacher, die Familie kann sich so viel besser ergänzen.“

Der Ellenator wurde bis vor drei Jahren noch auf der Basis mehrerer Fabrikate angeboten, mittlerweile baut Ellenrieder nur noch den Typ Fiat 500 um. Diese „Dreiräder“ sind relativ selten zu finden. Daher sind sie absolute Hingucker, wie die Oberlübberin sagt: „Ich weiß nicht, ob hier in der Gegend noch jemand einen hat, ich habe jedenfalls noch keinen gesehen. Ich werde ständig auf den Wagen angesprochen, viele Leute haben Fragen, die ich aber gerne beantworte.“

Das vierrädrige Dreirad ist trotz seines auf 20 PS gedrosselten Motors relativ schnell, auf Landstraßen sind 100 km/h drin. „Auf der Autobahn läuft er bergab und mit Rückenwind sogar 140 km/h, aber dann wird es etwas wacklig. Ich meide Autobahnen, wenn es geht, auch wenn ich dort fahren darf. Aber meine Mutter sieht das nicht so gerne“, lässt die 16-jährige durchblicken. Derzeit macht sie den normalen Auto-Führerschein. Sie vergleicht: „Das Fahrverhalten des Fahrschulautos und meines Wagens unterscheidet sich nicht merklich, zumindest nicht bei eher niedrigen Geschwindigkeiten. Insgesamt lässt sich sagen: Mit der Anschaffung dieses Wagens haben wir alles richtig gemacht.“

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