Dreifachmord in Hille: Urteil ist rechtskräftig Stefanie Dullweber Hille. Der Hiller Dreifachmord erschütterte 2018 die Gemeinde Hille nachhaltig. Nachdem im Ortsteil Neuenbaum im März die Leichen von drei Männern gefunden wurden, folgte ein spektakulärer Prozess am Landgericht Bielefeld, bei dem immer mehr grausame Details ans Licht kamen. Jetzt ist das Urteil gegen die beiden Angeklagten rechtskräftig. Zweimal lebenslänglich – so lautete das Urteil im Hiller Mordprozess, das im Juli 2019 gesprochen wurde. Bei den beiden Angeklagten Jörg Volker Wallberg (53) und Kevin Rahmacher (26) stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Für den Angeklagten Jörg Wallberg ordnete es zudem Sicherungsverwahrung an. Gegen das Urteil hatten die Verteidiger der beiden Mörder Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat mit Beschluss vom 28. Juli die Revisionen verworfen. Revision bedeutet, dass das Urteil auf Rechtsfehler hin überprüft wird. Über die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm gingen die Anträge zum Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe und von dort aus zum Bundesgerichtshof (BGH) selbst, wo letztlich die Entscheidung fiel. Die Richter des vierten Strafsenates sehen in dem Urteil des Landgerichtes Bielefeld keine Fehler. Die Entscheidung fiel einstimmig. Mit dem Beschluss wechseln die Gefangenen in die Strafhaft. Bislang hatten sie in Untersuchungshaft gesessen und galten vor dem Gesetz als unschuldig. Ob sie in den jetzigen Gefängnissen bleiben, ist unklar. In dem Beschluss vom BGH heißt es, dass die Revisionen als unbegründet verworfen werden, da die Nachprüfung des Urteils keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben habe. Auf die Verurteilten kommen jetzt die Kosten des langwierigen Verfahrens zu, die sie in jedem Fall zahlen müssen. Diese dürften laut Prozessbeobachtern im mittleren sechsstelligen Bereich liegen. Rechtsanwalt Peter Jahn hat den Angeklagten Kevin Rahmacher im Prozess vertreten. Der heute 26-Jährige war der Ziehsohn von Jörg Wallberg, arbeitete als Soldat bei der Bundeswehr und zog schließlich zu seiner Patentante und ihrem Mann auf den Hof nach Hille. Auch für Jahn war der Mordprozess nach eigener Aussage „mehr als nur Tagesgeschäft". Der Fall habe ihn nachhaltig beschäftigt. Das Ergebnis der Revision sei aus juristischer Sicht enttäuschend, gibt der Mindener Anwalt zu. Jahn hätte sich zudem eine ausführlichere Stellungnahme des Bundesgerichtshofes gewünscht. Sie umfasst lediglich eine DIN-A4-Seite. „Mich hätte interessiert, was die Richter anders gesehen haben als ich", sagt er. Jahn nennt beispielsweise die Befangenheits-Anträge gegen den Vorsitzenden Richter Dr. Georg Zimmermann und die weiteren Berufsrichter. Die Verteidiger beider Angeklagten hatten im Prozess deren Unparteilichkeit angezweifelt. Zum anderen hätte er gerne Details gewusst, die die besondere Schwere der Schuld seines Mandaten betreffen. „Allein, um ihm das erklären zu können und um für künftige Verfahren Schlüsse daraus zu ziehen." Jahn vermutet, dass die Angelegenheit beendet ist und jetzt Ruhe einkehrt. „Es gibt schließlich nur zwei Leute, die noch etwas dazu sagen könnten", spielt Jahn auf das monatelange Schweigen der beiden Angeklagten an. Und auch den Angehörigen der Mordopfer hätte er keine Wiederaufnahme des Verfahrens gewünscht. Hätte der BGH die Revision zugelassen, wäre der Prozess neu aufgerollt worden. Auch Nebenklägerin Renate K. hat am Dienstag Post vom BGH bekommen. Den Tod ihres Bruders hat sie noch nicht verwunden. Sie denke nach wie vor täglich an ihn, sagte sie im Gespräch mit dem MT. Zehn Monate lang hatte sie den Prozess am Landgericht Bielefeld verfolgt. Die Erlebnisse lassen sie bis heute nicht los. „Wenn ich sonntags ein Moped höre, denke ich, er kommt vorbei. Und manchmal stelle ich ganz unbewusst eine Tasse für ihn mit auf den Tisch", sagte die Schwester des Verstorbenen. Rückblickend habe sie den Prozessverlauf immer als sehr zermürbend empfunden. „Die beiden Angeklagten hätten uns einiges ersparen können, wenn sie den Mund aufgemacht hätten." Zwar hat sie den Beschluss jetzt schwarz auf weiß vorliegen, abschließen kann sie mit dem Fall aber längst nicht. Denn das Moped ihres Bruders, das Jörg Wallberg nach dessen Tod verkauft hatte, hat sie immer noch nicht zurückbekommen. Und auch seine persönlichen Sachen wurden ihr bisher nicht ausgehändigt, weil sie noch Beweisstücke waren. „Ich möchte wenigstens ein Andenken an ihn haben." Dabei will ihr auch ihr Anwalt Christian Thüner helfen. „Ich bleibe an der Sache dran", betont der Herforder. Er werde sich mit dem Besitzer in Verbindung setzen. Dieser sei zu keinem Zeitpunkt Eigentümer des Mopeds geworden, denn dieses stamme immerhin aus einer Straftat. „Ich kann erst zur Ruhe kommen, wenn die Sache geregelt ist. Das ist mir eine Herzensangelegenheit", sagt seine Mandantin.

Dreifachmord in Hille: Urteil ist rechtskräftig

Nebenklägerin Renate K. verfolgte den Prozess vor dem Landgericht Bielefeld. Ihr Bruder war auf brutalste Weise ermordet worden. Immer an ihrer Seite: Ihr Anwalt Christian Thüner. MT-Archivfoto: Alex Lehn

Hille. Der Hiller Dreifachmord erschütterte 2018 die Gemeinde Hille nachhaltig. Nachdem im Ortsteil Neuenbaum im März die Leichen von drei Männern gefunden wurden, folgte ein spektakulärer Prozess am Landgericht Bielefeld, bei dem immer mehr grausame Details ans Licht kamen. Jetzt ist das Urteil gegen die beiden Angeklagten rechtskräftig.

Zweimal lebenslänglich – so lautete das Urteil im Hiller Mordprozess, das im Juli 2019 gesprochen wurde. Bei den beiden Angeklagten Jörg Volker Wallberg (53) und Kevin Rahmacher (26) stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Für den Angeklagten Jörg Wallberg ordnete es zudem Sicherungsverwahrung an. Gegen das Urteil hatten die Verteidiger der beiden Mörder Revision eingelegt.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat mit Beschluss vom 28. Juli die Revisionen verworfen. Revision bedeutet, dass das Urteil auf Rechtsfehler hin überprüft wird. Über die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm gingen die Anträge zum Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe und von dort aus zum Bundesgerichtshof (BGH) selbst, wo letztlich die Entscheidung fiel. Die Richter des vierten Strafsenates sehen in dem Urteil des Landgerichtes Bielefeld keine Fehler. Die Entscheidung fiel einstimmig. Mit dem Beschluss wechseln die Gefangenen in die Strafhaft. Bislang hatten sie in Untersuchungshaft gesessen und galten vor dem Gesetz als unschuldig. Ob sie in den jetzigen Gefängnissen bleiben, ist unklar.

In dem Beschluss vom BGH heißt es, dass die Revisionen als unbegründet verworfen werden, da die Nachprüfung des Urteils keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben habe. Auf die Verurteilten kommen jetzt die Kosten des langwierigen Verfahrens zu, die sie in jedem Fall zahlen müssen. Diese dürften laut Prozessbeobachtern im mittleren sechsstelligen Bereich liegen.

Rechtsanwalt Peter Jahn hat den Angeklagten Kevin Rahmacher im Prozess vertreten. Der heute 26-Jährige war der Ziehsohn von Jörg Wallberg, arbeitete als Soldat bei der Bundeswehr und zog schließlich zu seiner Patentante und ihrem Mann auf den Hof nach Hille. Auch für Jahn war der Mordprozess nach eigener Aussage „mehr als nur Tagesgeschäft". Der Fall habe ihn nachhaltig beschäftigt.

Das Ergebnis der Revision sei aus juristischer Sicht enttäuschend, gibt der Mindener Anwalt zu. Jahn hätte sich zudem eine ausführlichere Stellungnahme des Bundesgerichtshofes gewünscht. Sie umfasst lediglich eine DIN-A4-Seite. „Mich hätte interessiert, was die Richter anders gesehen haben als ich", sagt er. Jahn nennt beispielsweise die Befangenheits-Anträge gegen den Vorsitzenden Richter Dr. Georg Zimmermann und die weiteren Berufsrichter. Die Verteidiger beider Angeklagten hatten im Prozess deren Unparteilichkeit angezweifelt. Zum anderen hätte er gerne Details gewusst, die die besondere Schwere der Schuld seines Mandaten betreffen. „Allein, um ihm das erklären zu können und um für künftige Verfahren Schlüsse daraus zu ziehen."

Jahn vermutet, dass die Angelegenheit beendet ist und jetzt Ruhe einkehrt. „Es gibt schließlich nur zwei Leute, die noch etwas dazu sagen könnten", spielt Jahn auf das monatelange Schweigen der beiden Angeklagten an. Und auch den Angehörigen der Mordopfer hätte er keine Wiederaufnahme des Verfahrens gewünscht. Hätte der BGH die Revision zugelassen, wäre der Prozess neu aufgerollt worden.

Auch Nebenklägerin Renate K. hat am Dienstag Post vom BGH bekommen. Den Tod ihres Bruders hat sie noch nicht verwunden. Sie denke nach wie vor täglich an ihn, sagte sie im Gespräch mit dem MT. Zehn Monate lang hatte sie den Prozess am Landgericht Bielefeld verfolgt. Die Erlebnisse lassen sie bis heute nicht los. „Wenn ich sonntags ein Moped höre, denke ich, er kommt vorbei. Und manchmal stelle ich ganz unbewusst eine Tasse für ihn mit auf den Tisch", sagte die Schwester des Verstorbenen.

Rückblickend habe sie den Prozessverlauf immer als sehr zermürbend empfunden. „Die beiden Angeklagten hätten uns einiges ersparen können, wenn sie den Mund aufgemacht hätten." Zwar hat sie den Beschluss jetzt schwarz auf weiß vorliegen, abschließen kann sie mit dem Fall aber längst nicht. Denn das Moped ihres Bruders, das Jörg Wallberg nach dessen Tod verkauft hatte, hat sie immer noch nicht zurückbekommen. Und auch seine persönlichen Sachen wurden ihr bisher nicht ausgehändigt, weil sie noch Beweisstücke waren. „Ich möchte wenigstens ein Andenken an ihn haben." Dabei will ihr auch ihr Anwalt Christian Thüner helfen. „Ich bleibe an der Sache dran", betont der Herforder. Er werde sich mit dem Besitzer in Verbindung setzen. Dieser sei zu keinem Zeitpunkt Eigentümer des Mopeds geworden, denn dieses stamme immerhin aus einer Straftat. „Ich kann erst zur Ruhe kommen, wenn die Sache geregelt ist. Das ist mir eine Herzensangelegenheit", sagt seine Mandantin.

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