Digitaler Marktplatz: „Regional Connect“ vernetzt Hofläden Lea Oetjen Hille. Schon als kleines Kind tigerte sie über die Bauernhöfe der Region. Sofern es die Zeit zuließ, hatte Nicole Ngoni stets große Freude daran, ihren Vater bei seiner Arbeit auf den verschiedenen Höfen der Region zu begleiten. Doch während dieser als Schlachter gut zu tun hatte, erkundete Nicole Ngoni auf eigene Faust die Ställe und alles, was es sonst noch so zu erleben gab. „Inzwischen habe ich die Gummistiefel wieder an und fühle mich Woche für Woche der Vergangenheit sehr nah“, erzählt die gebürtige Hüllhorsterin und lacht. Der Grund für ihre Ausflüge aufs Land: Der vor knapp zwei Wochen von ihr ins Leben gerufene Online-Marktplatz „Regional Connect“ mit Firmensitz in Hille. Die Idee dahinter ist einfach erklärt: Es ist eine Art digitaler Hofladen mit Lieferservice. Auf der neuen Internetseite (www.regional-connect.de) ist das vielfältige Angebot unterschiedlichster lokaler Anbieter gebündelt und übersichtlich dargestellt. Kunden können sich also einfach per Klick zum Beispiel Nudeln aus Stemwede, Galloway-Fleisch aus Hille und Kräutertees aus Espelkamp nach Hause liefern lassen. Seinen Ursprung hat das Vorhaben im Juli 2019. Vorangegangen war Ngonis nahezu verzweifelte Suche, lokal Hühnerfleisch zu kaufen. Nachdem sie sich umgehört und in einer Facebook-Gruppe erfolglos nachgefragt hatte, wurde sie selbst aktiv. „Das war verrückt. Ich habe mir damals nur gedacht, dass es ja eigentlich nicht sein kann, dass wir hier so schön ländlich wohnen und es so schwierig ist, lokal ein Huhn zu bekommen“, erinnert sich die 48-Jährige noch genau. Darauf gründete sie auf eigene Faust eine Facebook-Gruppe, speziell für lokale Produkte aus dem Mühlenkreis. Inzwischen zählt diese fast 3.000 Mitglieder. Ngoni hat also schnell gemerkt, dass sie mit ihrem Interesse nicht alleine dasteht. „Keine Frage: Es ist ein immer größer werdendes Thema“, glaubt sie. Das Potenzial hat die in Bad Oeynhausen lebende Mutter sofort erkannt. Im vergangenen Sommer entschloss sie sich dazu, das Ganze professioneller anzugehen: „Eine Webseite für die Gruppe hatte ich eh schon im Kopf. Daraus wurde dann aber eine Konzeptidee, ein Businessplan und schlussendlich eine Firmengründung. Hört sich kürzer an als es tatsächlich war“, berichtet sie lachend. Ihre ersten Unterstützer fand die 48-Jährige in den Eigentümern der Hiller Galloways. „Sie waren sofort Feuer und Flamme“, erzählt Ngoni. Ein freier Raum auf dem Hof sei nun das „Regional Connect“-Lager und das Zentrum des Unternehmens. „Hille liegt so schön zentral im Mühlenkreis. Das passt perfekt. So haben die Kunden auch die Chance, ihre Bestellungen selbst abzuholen.“ So könnten sie sich die Liefergebühren in Höhe von fünf Euro sparen. Übrigens: Um als Hof an diesem digitalen Marktplatz teilzunehmen, verlangt Ngoni monatlich ab zehn Euro. „Reich werde ich damit sicher nicht, aber glücklich auf jeden Fall“, sagt sie. Bislang haben auf ihren Aufruf zwölf lokale Versorger reagiert. So können im Onlineshop unter anderem Produkte der Hiller Galloways, der Schäferei Stücke (Löhne/Bad Oeynhausen), von Krögers Hof (Espelkamp), der Brennerey (Stemwede) und der Hofkäserei Jacob (Hüde) bestellt werden. „Es gibt aber schon diverse Anfragen von weiteren Höfen“, sagt Ngoni ohne zu viel verraten zu wollen. Wie es aussieht, erweitert aber mindestens ein Hof aus dem Mühlenkreis schon bald das Sortiment. „Ich renne da bei vielen echt offene Türen mit ein. Viele Landwirte sind halt lieber in der Natur, als sich vor dem Computer sitzend mit dem Kaufmännischen zu beschäftigen.“ Es sei wichtig, dass die hochwertige Ware auch entsprechend professionell präsentiert werde. Das erledigt ab sofort Ngoni. Wobei der finanzielle Gewinn nicht an erster Stelle steht. „Für mich ist es wichtig, dass die Preise bezahlbar sind. 95 Prozent der Produkte kosten auf unserer Homepage genauso viel wie letztlich auch im Hofladen“, betont die 48-Jährige. Sie habe sich im Übrigen im Vorfeld von dem Großteil der Teilnehmenden selbst ein Bild gemacht. „Für mich geht es nicht nur um den Verkauf. Auch die Nachhaltigkeit, die Schlachtung und die Verpackung sind mir wichtig. Also habe ich viele Höfe besichtigt und die Betreiber vor Ort mit Fragen, die auch für den Verbraucher wichtig sind, gelöchert“, berichtet Ngoni und kann sich ein Lachen nicht verkneifen, als sie sich an den Ganzkörperschutzanzug, der für den Besuch bei der Westfälischen Wildkammer erforderlich war, erinnert: „Ich habe mich gefühlt, wie bei der Spusi.“ Die Spurensicherung wäre vielleicht etwas weit gegriffen, ähnlich sorgfältig geht Ngoni dennoch in ihrer Arbeitsstruktur vor. Während von Sonntag bis Mittwoch die Bestellungen koordiniert und weitere Gespräche geführt werden, sammelt sie am Donnerstag und Freitag die bestelle Ware ein. Am Samstag wird diese dann ausgeliefert – stilecht zum Firmennamen übrigens mit einem Ford Connect. Am beliebtesten seien aktuell die Produkte der Hofkäserei Jacobs („Der Käse kommt mega an!“) und der Brennerey („Der Whiskey ist ein absoluter Geheimtipp.“). Bislang haben sich schon 21 Kunden registriert. „Dafür, dass die Internetseite erst vor zwei Wochen online gegangen ist, bin ich damit mehr als zufrieden.“ Generell hätte das kleine Unternehmen kaum besser anlaufen können, findet sie. „Der Zuspruch ist wirklich groß. Ich bin selbst immer noch total erstaunt.“ Für Nicole Ngoni schließt sich also der Kreis. „Es ist jedes Mal aufs Neue ein kleiner Schritt in die Vergangenheit – und ich finde es super.“ Mit Gummistiefeln, Regenjacke und einem Lächeln hat sie sich einen kleinen Traum erfüllt. „Und neben meinem Sohn und Bruder, die mich die ganze Zeit unterstützen, auch meinen Vater sicher stolz gemacht.“

Digitaler Marktplatz: „Regional Connect“ vernetzt Hofläden

Die Bestellung in eine Papiertüte verpackt, bringt Nicole Ngoni die Ware am Samstag zu ihren Kunden nach Hause. Dieser Lieferservice kostet fünf Euro. Foto: pr © pr

Hille. Schon als kleines Kind tigerte sie über die Bauernhöfe der Region. Sofern es die Zeit zuließ, hatte Nicole Ngoni stets große Freude daran, ihren Vater bei seiner Arbeit auf den verschiedenen Höfen der Region zu begleiten. Doch während dieser als Schlachter gut zu tun hatte, erkundete Nicole Ngoni auf eigene Faust die Ställe und alles, was es sonst noch so zu erleben gab.

„Inzwischen habe ich die Gummistiefel wieder an und fühle mich Woche für Woche der Vergangenheit sehr nah“, erzählt die gebürtige Hüllhorsterin und lacht. Der Grund für ihre Ausflüge aufs Land: Der vor knapp zwei Wochen von ihr ins Leben gerufene Online-Marktplatz „Regional Connect“ mit Firmensitz in Hille.

Die Idee dahinter ist einfach erklärt: Es ist eine Art digitaler Hofladen mit Lieferservice. Auf der neuen Internetseite (www.regional-connect.de) ist das vielfältige Angebot unterschiedlichster lokaler Anbieter gebündelt und übersichtlich dargestellt. Kunden können sich also einfach per Klick zum Beispiel Nudeln aus Stemwede, Galloway-Fleisch aus Hille und Kräutertees aus Espelkamp nach Hause liefern lassen.

Seinen Ursprung hat das Vorhaben im Juli 2019. Vorangegangen war Ngonis nahezu verzweifelte Suche, lokal Hühnerfleisch zu kaufen. Nachdem sie sich umgehört und in einer Facebook-Gruppe erfolglos nachgefragt hatte, wurde sie selbst aktiv. „Das war verrückt. Ich habe mir damals nur gedacht, dass es ja eigentlich nicht sein kann, dass wir hier so schön ländlich wohnen und es so schwierig ist, lokal ein Huhn zu bekommen“, erinnert sich die 48-Jährige noch genau.

Darauf gründete sie auf eigene Faust eine Facebook-Gruppe, speziell für lokale Produkte aus dem Mühlenkreis. Inzwischen zählt diese fast 3.000 Mitglieder. Ngoni hat also schnell gemerkt, dass sie mit ihrem Interesse nicht alleine dasteht. „Keine Frage: Es ist ein immer größer werdendes Thema“, glaubt sie.

Das Potenzial hat die in Bad Oeynhausen lebende Mutter sofort erkannt. Im vergangenen Sommer entschloss sie sich dazu, das Ganze professioneller anzugehen: „Eine Webseite für die Gruppe hatte ich eh schon im Kopf. Daraus wurde dann aber eine Konzeptidee, ein Businessplan und schlussendlich eine Firmengründung. Hört sich kürzer an als es tatsächlich war“, berichtet sie lachend.

Ihre ersten Unterstützer fand die 48-Jährige in den Eigentümern der Hiller Galloways. „Sie waren sofort Feuer und Flamme“, erzählt Ngoni. Ein freier Raum auf dem Hof sei nun das „Regional Connect“-Lager und das Zentrum des Unternehmens. „Hille liegt so schön zentral im Mühlenkreis. Das passt perfekt. So haben die Kunden auch die Chance, ihre Bestellungen selbst abzuholen.“ So könnten sie sich die Liefergebühren in Höhe von fünf Euro sparen. Übrigens: Um als Hof an diesem digitalen Marktplatz teilzunehmen, verlangt Ngoni monatlich ab zehn Euro. „Reich werde ich damit sicher nicht, aber glücklich auf jeden Fall“, sagt sie.

Bislang haben auf ihren Aufruf zwölf lokale Versorger reagiert. So können im Onlineshop unter anderem Produkte der Hiller Galloways, der Schäferei Stücke (Löhne/Bad Oeynhausen), von Krögers Hof (Espelkamp), der Brennerey (Stemwede) und der Hofkäserei Jacob (Hüde) bestellt werden. „Es gibt aber schon diverse Anfragen von weiteren Höfen“, sagt Ngoni ohne zu viel verraten zu wollen.

Wie es aussieht, erweitert aber mindestens ein Hof aus dem Mühlenkreis schon bald das Sortiment. „Ich renne da bei vielen echt offene Türen mit ein. Viele Landwirte sind halt lieber in der Natur, als sich vor dem Computer sitzend mit dem Kaufmännischen zu beschäftigen.“ Es sei wichtig, dass die hochwertige Ware auch entsprechend professionell präsentiert werde.

Das erledigt ab sofort Ngoni. Wobei der finanzielle Gewinn nicht an erster Stelle steht. „Für mich ist es wichtig, dass die Preise bezahlbar sind. 95 Prozent der Produkte kosten auf unserer Homepage genauso viel wie letztlich auch im Hofladen“, betont die 48-Jährige.

Sie habe sich im Übrigen im Vorfeld von dem Großteil der Teilnehmenden selbst ein Bild gemacht. „Für mich geht es nicht nur um den Verkauf. Auch die Nachhaltigkeit, die Schlachtung und die Verpackung sind mir wichtig. Also habe ich viele Höfe besichtigt und die Betreiber vor Ort mit Fragen, die auch für den Verbraucher wichtig sind, gelöchert“, berichtet Ngoni und kann sich ein Lachen nicht verkneifen, als sie sich an den Ganzkörperschutzanzug, der für den Besuch bei der Westfälischen Wildkammer erforderlich war, erinnert: „Ich habe mich gefühlt, wie bei der Spusi.“

Die Spurensicherung wäre vielleicht etwas weit gegriffen, ähnlich sorgfältig geht Ngoni dennoch in ihrer Arbeitsstruktur vor. Während von Sonntag bis Mittwoch die Bestellungen koordiniert und weitere Gespräche geführt werden, sammelt sie am Donnerstag und Freitag die bestelle Ware ein. Am Samstag wird diese dann ausgeliefert – stilecht zum Firmennamen übrigens mit einem Ford Connect.

Am beliebtesten seien aktuell die Produkte der Hofkäserei Jacobs („Der Käse kommt mega an!“) und der Brennerey („Der Whiskey ist ein absoluter Geheimtipp.“). Bislang haben sich schon 21 Kunden registriert. „Dafür, dass die Internetseite erst vor zwei Wochen online gegangen ist, bin ich damit mehr als zufrieden.“ Generell hätte das kleine Unternehmen kaum besser anlaufen können, findet sie. „Der Zuspruch ist wirklich groß. Ich bin selbst immer noch total erstaunt.“

Für Nicole Ngoni schließt sich also der Kreis. „Es ist jedes Mal aufs Neue ein kleiner Schritt in die Vergangenheit – und ich finde es super.“ Mit Gummistiefeln, Regenjacke und einem Lächeln hat sie sich einen kleinen Traum erfüllt. „Und neben meinem Sohn und Bruder, die mich die ganze Zeit unterstützen, auch meinen Vater sicher stolz gemacht.“

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