Die Vergangenheit ruhen lassen und neue Schwerpunkte setzen: Das sind die Pläne der neuen Hiller SPD-Chefin Carsten Korfesmeyer Hille. Über das, was alles in den Monaten vor der Kommunalwahl in der Hiller SPD gelaufen ist, will die neue Fraktionsvorsitzende nicht mehr sprechen. Susanne Steuber blickt nach vorne und verkündet den Neustart. „Es geht allein darum, was wir in den nächsten fünf Jahren für die Gemeinde erreichen können“, sagt sie am Dienstag im MT-Gespräch. Die 67-Jährige wirkt motiviert bis in die Haarspitzen, selbstbewusst und in der Rolle als Chefin bereits angekommen. Sie will gestalten, Dinge ausdiskutieren und setzt dabei auf die zuletzt häufiger vermisste innere Geschlossenheit ihrer Genossen. Auf Vergangenes will sie nur noch zurückblicken, wenn dies in der Sache nützlich ist. Mit Susanne Steuber weht ein etwas anderer Wind in der SPD-Fraktion. Sie, die politisch maßgeblich von der Frauenbewegung und Friedensbewegung der 1980er-Jahre geprägt ist, setzt auf häufigere Fraktionstreffen. Es geht ihr um den intensiven Gedankenaustausch, konstruktive Diskussionen und auch um Themen, die nicht gerade auf den Sitzungsvorlagen der Gemeinde stehen. Kommunalpolitik bedeutet für die freiberufliche Supervisorin und Organisationsberaterin, akute Probleme in den Ortschaften selbst wahrzunehmen und aufzugreifen. Den engen Draht zu den Menschen bezeichnet sie als selbstverständlich und im Gespräch ist immer wieder herauszuhören, dass es ihr vor allem um eines geht: Vertrauen. Beruflich hat Susanne Steuber unzählige Seminare und Beratungsgespräche geleitet, in denen sie immer ein Stück weit in der moderierenden Rolle war. Als Fraktionsvorsitzende muss sie Entscheidungen treffen, mal anecken, auch unbequem und energisch sein. „Das kann ich“, sagt sie. Deutlich erklärt die Politikerin, dass es ihr um das Gestalten geht. Mehrfach betont sie das „Wir“ und in ihrer politischen Arbeit werde sie niemanden überrennen – aber viel beobachten. Susanne Steuber ist nach eigenen Worten kreisweit „sehr gut vernetzt“ und durch ihren Beruf habe sie beste Kontakte zu Verwaltungen, sozialen Institutionen oder im Gesundheitswesen. Sie sei ein kommunikativer Typ, der die offene Debatte liebe und kontroversen Ansichten dabei nicht aus dem Weg gehe. „Dafür mag ich keine Gerüchteküche“, sagt sie. Wer ein Problem mit ihrer Politik habe, solle das direkt bei ihr ansprechen und nicht hinter dem Rücken reden. In ihrer Arbeit möchte sie die Menschen überzeugen und in die Entscheidungsprozesse einbinden. Das sei wichtig für die Akzeptanz und Susanne Steuber tritt auch dafür ein, bestehende Pfade zu verlassen und neue Wege zu beschreiten. Beispielsweise in der Wasserwirtschaft, die aufgrund der Trinkwasserknappheit der zurückliegenden Jahre ein besonders heißes Eisen ist. Sie wirbt für einen neuen Umgang mit dem Lebensmittel Nummer eins. Dass sie keine große Anhängerin eines privaten Pools im Garten ist, lässt sie durchblicken. „Und ich verstehe nicht, warum man für die Toilettenspülung Trinkwasser nimmt“, sagt sie. Regenwasser oder auch benutztes Wasser nach dem Duschen sei dafür völlig ausreichend. Die Ampel auf der Homepage der Gemeinde, die bei drohender Versorgungsknappheit auf Gelb springt, findet sie gut. „Das sen-sibilisiert die Bevölkerung für dieses Thema“, sagt sie. Dazu – und auch zu anderen Bereichen der Kommunalpolitik – werde sie künftig Fachreferenten in die Fraktion einladen, die den Mitgliedern neue Impulse senden sollen. Im Gespräch mit Susanne Steuber zeigt sich häufig, dass es bei den politischen Feldern jede Menge Schnittstellen gibt. Die Mobilität hat die Fraktionschefin unter anderem auf ihre Agenda gesetzt. Bequem von A nach B zu kommen sei für die Attraktivität einer ländlich geprägten Flächengemeinde von enormer Bedeutung. Sie will das Wohnen in der Gemeinde für alle Generationen verbessern und setzt dabei auf eine „innovative Quartierentwicklung für vielfältige Wohnkonzepte unter Berücksichtigung von Umweltaspekten“. Das neue Hiller Baugebiet „In der Loge“ sei für sie eine große Enttäuschung. Vor allem das angewandte Bieterverfahren durch die Sparkasse kritisiert die SPD-Politikerin. Besser hätte sie es gefunden, die Gemeinde hätte die Grundstücke erworben und ihrerseits weiterveräußert. Das wäre dem strategischen Ziel nach mehr bezahlbarem Wohnraum gerechter geworden. Einen weiteren Schwerpunkt werde ihre Fraktion bei einer Verbesserung der ärztlichen Versorgung setzen, erzählt Susanne Steuber, die sich und ihre Parteikollegen angesichts der Coronakrise vor schweren Herausforderungen sieht. Sie zeigt sich aber zuversichtlich, mittelfristig einiges auf den Weg bringen zu können. Überhaupt sei die Hiller SPD personell stark besetzt. Der Austausch zwischen Fraktion und Gemeindeverband laufe reibungslos und mit den Jusos habe man inzwischen auch eine sehr aktive Gruppe an Nachwuchspolitikern. „Die wir so bald wie möglich mit in die Verantwortung einbeziehen werden.“

Die Vergangenheit ruhen lassen und neue Schwerpunkte setzen: Das sind die Pläne der neuen Hiller SPD-Chefin

Susanne Steuber ist erst seit 2014 Mitglied der SPD. Ihren Entschluss, für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren, hat sie nach eigenen Worten relativ kurzfristig gefasst. Mit ihrer Partei will sie einen Neustart hinlegen. MT-Foto: Carsten Korfesmeyer © cko

Hille. Über das, was alles in den Monaten vor der Kommunalwahl in der Hiller SPD gelaufen ist, will die neue Fraktionsvorsitzende nicht mehr sprechen. Susanne Steuber blickt nach vorne und verkündet den Neustart. „Es geht allein darum, was wir in den nächsten fünf Jahren für die Gemeinde erreichen können“, sagt sie am Dienstag im MT-Gespräch. Die 67-Jährige wirkt motiviert bis in die Haarspitzen, selbstbewusst und in der Rolle als Chefin bereits angekommen. Sie will gestalten, Dinge ausdiskutieren und setzt dabei auf die zuletzt häufiger vermisste innere Geschlossenheit ihrer Genossen. Auf Vergangenes will sie nur noch zurückblicken, wenn dies in der Sache nützlich ist.

Mit Susanne Steuber weht ein etwas anderer Wind in der SPD-Fraktion. Sie, die politisch maßgeblich von der Frauenbewegung und Friedensbewegung der 1980er-Jahre geprägt ist, setzt auf häufigere Fraktionstreffen. Es geht ihr um den intensiven Gedankenaustausch, konstruktive Diskussionen und auch um Themen, die nicht gerade auf den Sitzungsvorlagen der Gemeinde stehen.

Wasser ist für die Fraktionsvorsitzende ein spannendes Thema. Sie will einen Umdenkungsprozess einleiten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa - © Karl-Josef Hildenbrand
Wasser ist für die Fraktionsvorsitzende ein spannendes Thema. Sie will einen Umdenkungsprozess einleiten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa - © Karl-Josef Hildenbrand

Kommunalpolitik bedeutet für die freiberufliche Supervisorin und Organisationsberaterin, akute Probleme in den Ortschaften selbst wahrzunehmen und aufzugreifen. Den engen Draht zu den Menschen bezeichnet sie als selbstverständlich und im Gespräch ist immer wieder herauszuhören, dass es ihr vor allem um eines geht: Vertrauen.

Beruflich hat Susanne Steuber unzählige Seminare und Beratungsgespräche geleitet, in denen sie immer ein Stück weit in der moderierenden Rolle war. Als Fraktionsvorsitzende muss sie Entscheidungen treffen, mal anecken, auch unbequem und energisch sein. „Das kann ich“, sagt sie. Deutlich erklärt die Politikerin, dass es ihr um das Gestalten geht. Mehrfach betont sie das „Wir“ und in ihrer politischen Arbeit werde sie niemanden überrennen – aber viel beobachten.

Susanne Steuber ist nach eigenen Worten kreisweit „sehr gut vernetzt“ und durch ihren Beruf habe sie beste Kontakte zu Verwaltungen, sozialen Institutionen oder im Gesundheitswesen. Sie sei ein kommunikativer Typ, der die offene Debatte liebe und kontroversen Ansichten dabei nicht aus dem Weg gehe. „Dafür mag ich keine Gerüchteküche“, sagt sie. Wer ein Problem mit ihrer Politik habe, solle das direkt bei ihr ansprechen und nicht hinter dem Rücken reden.

In ihrer Arbeit möchte sie die Menschen überzeugen und in die Entscheidungsprozesse einbinden. Das sei wichtig für die Akzeptanz und Susanne Steuber tritt auch dafür ein, bestehende Pfade zu verlassen und neue Wege zu beschreiten. Beispielsweise in der Wasserwirtschaft, die aufgrund der Trinkwasserknappheit der zurückliegenden Jahre ein besonders heißes Eisen ist.

Sie wirbt für einen neuen Umgang mit dem Lebensmittel Nummer eins. Dass sie keine große Anhängerin eines privaten Pools im Garten ist, lässt sie durchblicken. „Und ich verstehe nicht, warum man für die Toilettenspülung Trinkwasser nimmt“, sagt sie. Regenwasser oder auch benutztes Wasser nach dem Duschen sei dafür völlig ausreichend. Die Ampel auf der Homepage der Gemeinde, die bei drohender Versorgungsknappheit auf Gelb springt, findet sie gut. „Das sen-sibilisiert die Bevölkerung für dieses Thema“, sagt sie. Dazu – und auch zu anderen Bereichen der Kommunalpolitik – werde sie künftig Fachreferenten in die Fraktion einladen, die den Mitgliedern neue Impulse senden sollen.

Im Gespräch mit Susanne Steuber zeigt sich häufig, dass es bei den politischen Feldern jede Menge Schnittstellen gibt. Die Mobilität hat die Fraktionschefin unter anderem auf ihre Agenda gesetzt. Bequem von A nach B zu kommen sei für die Attraktivität einer ländlich geprägten Flächengemeinde von enormer Bedeutung. Sie will das Wohnen in der Gemeinde für alle Generationen verbessern und setzt dabei auf eine „innovative Quartierentwicklung für vielfältige Wohnkonzepte unter Berücksichtigung von Umweltaspekten“.

Das neue Hiller Baugebiet „In der Loge“ sei für sie eine große Enttäuschung. Vor allem das angewandte Bieterverfahren durch die Sparkasse kritisiert die SPD-Politikerin. Besser hätte sie es gefunden, die Gemeinde hätte die Grundstücke erworben und ihrerseits weiterveräußert. Das wäre dem strategischen Ziel nach mehr bezahlbarem Wohnraum gerechter geworden.

Einen weiteren Schwerpunkt werde ihre Fraktion bei einer Verbesserung der ärztlichen Versorgung setzen, erzählt Susanne Steuber, die sich und ihre Parteikollegen angesichts der Coronakrise vor schweren Herausforderungen sieht. Sie zeigt sich aber zuversichtlich, mittelfristig einiges auf den Weg bringen zu können. Überhaupt sei die Hiller SPD personell stark besetzt. Der Austausch zwischen Fraktion und Gemeindeverband laufe reibungslos und mit den Jusos habe man inzwischen auch eine sehr aktive Gruppe an Nachwuchspolitikern. „Die wir so bald wie möglich mit in die Verantwortung einbeziehen werden.“

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