„Die Lizenz zum Impfen“: Diese Hürden müssen Apotheken noch nehmen Nicole Bliesener,Stefanie Dullweber Hille/Bad Oeynhausen. „In Deutschland steht genügend Impfstoff für alle bereit.“ Dieser Satz klingt angesichts des aktuell knappen Impfstoffkontingents beinahe höhnisch. Zu lesen ist er auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums unter der Rubrik „Fragen und Antworten zur Covid-Impfung“. Denn die Realität sieht anders aus. Niedergelassene Ärzte haben in den vergangenen Wochen nicht die Impfstoffmengen bekommen, die sie bestellt haben. Auch die Bestellungen des Kreiskrisenstabs sind – wie berichtet – gedeckelt worden. Im November sind bundesweit 26,9 Millionen Impfdosen ausgeliefert worden. Für Dezember ist die Lieferung von 42,9 Millionen Dosen angekündigt. Am vergangenen Donnerstag haben Bund und Länder beschlossen, den Kreis der impfberechtigten Personen deutlich auszuweiten. Nun sollen auch Apotheken, Pflegefachkräfte und Zahnärzte einbezogen werden, um das Impfen voranzutreiben. Was sagen heimische Apotheker dazu? Detlef Weyermanns, Inhaber der Mühlen-Apotheke in Hille, steht dem Vorhaben offen gegenüber, sieht aber auch einige Schwierigkeiten, von denen er im Gespräch mit dem MT erzählt. „Grundsätzlich bin ich bereit, die Menschen gegen Corona zu impfen, wenn ich denn den Impfstoff bekomme“, sagt der Hiller. Momentan stehe jedenfalls nicht genügend Impfstoff zur Verfügung. Bislang habe er noch keine Informationen vom Apothekerverband bekommen, wann es tatsächlich losgehen könnte. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird für die kommenden Tage erwartet. Doch nicht jeder Apotheker könne impfen, gibt Weyermanns zu bedenken. Erfahrungen habe die Mühlen-Apotheke bereits. Denn sie ist seit diesem Jahr an einem bundesweiten Modellprojekt der AOK und des Apothekerverbands beteiligt. „Wir bieten die Grippeschutzimpfung an“, erklärt Weyermanns. Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Modellprojekt war eine Schulung, die zu einer Impfberechtigung führt. „Ich habe die Lizenz zum Impfen“, sagt der Apotheker lachend. Sollte diese Berechtigung auf die Corona-Impfung ausgeweitet werden, werde er sich auf jeden Fall beteiligen. Neben der Zertifizierung bräuchten die beteiligten Apotheken entsprechende Räumlichkeiten und die müssten beim Gesundheitsamt registriert sein. Beides trifft auf die Mühlen-Apotheke zu. Bleibt der fehlende Impfstoff. Weyermanns bestellt auch das Vakzin für die Hausärzte in Hille. „Ich bekomme momentan pro Arzt fünf Vials Biontech, also 30 Impfdosen pro Woche, obwohl ich 90 bestelle.“ Wenn er dann noch etwas für die Impfungen in seiner Apotheken abnehmen würde, bliebe den Ärzten noch weniger.Die Deckelung der Impfstoffmengen bezieht sich aktuell nur auf den mRNA-Impfstoff von Biontech, nicht aber auf den mRNA-Impfstoff von Moderna. Ob das in dieser Woche auch noch so ist, steht noch nicht fest. Dazu heißt es auf der Homepage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: „Kürzungen sind auch beim Impfstoff von Moderna nicht ausgeschlossen.“ Doch nach der Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der eingelagerte Moderna-Impfstoff müsse zuerst verbraucht werden, möchten viele Patienten lieber mit Biontech geboostert werden.Auf die sehr gute Wirksamkeit des Moderna-Impfstoffs weist Dirk Neubauer von der Mönchs-Apotheke in Eidinghausen hin. „Der Impfstoff von Moderna ist qualitativ mindestens genauso gut wie der von Biontech, deshalb sind die Aussagen von Jens Spahn umso ärgerlicher.“ Auch der Wiedergutmachungsversuch von Spahn, „Moderna ist der Rolls Royce unter den Impfstoffen“, habe den Imageschaden nicht wieder eingefangen. Mit der daraus entstandenen Verunsicherung bei den Patienten hätten nun die Impfärzte zu kämpfen. Prinzipiell sieht Neubauer ein mögliches Covid-Impfen in Apotheken positiv. „Wenn die Politik das beschließt, machen wir das.“ Erfahrungen im Impfen hat die Mönchs-Apotheke ebenfalls. Denn auch sie nehmen an dem Modellprojekt teil. Grippeschutzimpfungen seien allerdings einfacher zu handhaben als Corona-Schutz-Impfungen, sagt Neubauer. „Für den Grippeschutz gibt es einzeln portionierte und lagerfähige aufgezogene Spritzen.“ Der Covid-Impfstoff müsse sensibler behandelt werden. Bekanntlich werden die Vakzine in gekühlten Vials geliefert, der Impfstoff muss auf Spritzen gezogen werden und schnell verabreicht werden. „Da kann man nicht morgens einen Patienten impfen und das Fläschchen dann bis zum Nachmittag stehen lassen“, erklärt der Experte. Spontane Impfungen seien deshalb auch in Zukunft kaum möglich. „Ohne Terminvergabe wird es nicht funktionieren.“ Das sieht auch sein Kollege Detlef Weyermanns so. Ob auch die zweite Apotheke in der Gemeinde Hille – die Wiehen-Apotheke in Rothenuffeln – dem Impfen grundsätzlich positiv gegenübersteht, dazu wollten sich die Verantwortlichen nicht äußern. In Westfalen-Lippe wären nach Informationen des Apothekerverbands mehr als 200 Apotheken in der Lage, zeitnah Corona-Auffrischungsimpfungen vorzunehmen. Rund 320 Apotheker in der Region hätten im Rahmen des Modellprojektes mit den Grippeimpfungen bereits die notwendigen Schulungen absolviert und seien daher in der Lage, Spritzen zu setzen. Grundsätzlich hält es Günter Stange, Sprecher der Apotheker im Kreis Minden-Lübbecke, für eine gute Sache, den Kreis der Impfenden zu erweitern. „Es muss mehr Bewegung in die Kampagne kommen. Mit Worten und Debatten kommen wir nicht weiter.“ Hinsichtlich der limitierten Mengen könnte sich schon bald etwas ändern. Laut einer Liste des vom Bundesgesundheitsministeriums sollen im Dezember in Deutschland 11,3 Millionen Dosen Biontech und 31,6 Millionen Dosen Moderna ausgeliefert werden – und zusätzlich ab 13. Dezember der Kinderimpfstoff. In welcher Menge der Kinderimpfstoff geliefert wird, ist der Liste allerdings nicht zu entnehmen. Im Vergleich: Vom 1. November bis 3. Dezember wurden in der Bundesrepublik 16,5 Millionen Dosen Biontech, 10,2 Millionen Dosen Moderna und rund 243.000 Dosen Johnson & Johnson ausgeliefert.

„Die Lizenz zum Impfen“: Diese Hürden müssen Apotheken noch nehmen

Nach dem Beschluss von Bund und Ländern sollen auch Apotheker künftig impfen. Foto: David Inderlied/dpa

Hille/Bad Oeynhausen. „In Deutschland steht genügend Impfstoff für alle bereit.“ Dieser Satz klingt angesichts des aktuell knappen Impfstoffkontingents beinahe höhnisch. Zu lesen ist er auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums unter der Rubrik „Fragen und Antworten zur Covid-Impfung“. Denn die Realität sieht anders aus. Niedergelassene Ärzte haben in den vergangenen Wochen nicht die Impfstoffmengen bekommen, die sie bestellt haben. Auch die Bestellungen des Kreiskrisenstabs sind – wie berichtet – gedeckelt worden.

Im November sind bundesweit 26,9 Millionen Impfdosen ausgeliefert worden. Für Dezember ist die Lieferung von 42,9 Millionen Dosen angekündigt. Am vergangenen Donnerstag haben Bund und Länder beschlossen, den Kreis der impfberechtigten Personen deutlich auszuweiten. Nun sollen auch Apotheken, Pflegefachkräfte und Zahnärzte einbezogen werden, um das Impfen voranzutreiben. Was sagen heimische Apotheker dazu?

Detlef Weyermanns, Inhaber der Mühlen-Apotheke in Hille, steht dem Vorhaben offen gegenüber, sieht aber auch einige Schwierigkeiten, von denen er im Gespräch mit dem MT erzählt. „Grundsätzlich bin ich bereit, die Menschen gegen Corona zu impfen, wenn ich denn den Impfstoff bekomme“, sagt der Hiller. Momentan stehe jedenfalls nicht genügend Impfstoff zur Verfügung. Bislang habe er noch keine Informationen vom Apothekerverband bekommen, wann es tatsächlich losgehen könnte. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird für die kommenden Tage erwartet.

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Patrick Schwemmling

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Doch nicht jeder Apotheker könne impfen, gibt Weyermanns zu bedenken. Erfahrungen habe die Mühlen-Apotheke bereits. Denn sie ist seit diesem Jahr an einem bundesweiten Modellprojekt der AOK und des Apothekerverbands beteiligt. „Wir bieten die Grippeschutzimpfung an“, erklärt Weyermanns. Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Modellprojekt war eine Schulung, die zu einer Impfberechtigung führt. „Ich habe die Lizenz zum Impfen“, sagt der Apotheker lachend. Sollte diese Berechtigung auf die Corona-Impfung ausgeweitet werden, werde er sich auf jeden Fall beteiligen.

Neben der Zertifizierung bräuchten die beteiligten Apotheken entsprechende Räumlichkeiten und die müssten beim Gesundheitsamt registriert sein. Beides trifft auf die Mühlen-Apotheke zu. Bleibt der fehlende Impfstoff. Weyermanns bestellt auch das Vakzin für die Hausärzte in Hille. „Ich bekomme momentan pro Arzt fünf Vials Biontech, also 30 Impfdosen pro Woche, obwohl ich 90 bestelle.“ Wenn er dann noch etwas für die Impfungen in seiner Apotheken abnehmen würde, bliebe den Ärzten noch weniger.

Die Deckelung der Impfstoffmengen bezieht sich aktuell nur auf den mRNA-Impfstoff von Biontech, nicht aber auf den mRNA-Impfstoff von Moderna. Ob das in dieser Woche auch noch so ist, steht noch nicht fest. Dazu heißt es auf der Homepage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: „Kürzungen sind auch beim Impfstoff von Moderna nicht ausgeschlossen.“ Doch nach der Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der eingelagerte Moderna-Impfstoff müsse zuerst verbraucht werden, möchten viele Patienten lieber mit Biontech geboostert werden.

Auf die sehr gute Wirksamkeit des Moderna-Impfstoffs weist Dirk Neubauer von der Mönchs-Apotheke in Eidinghausen hin. „Der Impfstoff von Moderna ist qualitativ mindestens genauso gut wie der von Biontech, deshalb sind die Aussagen von Jens Spahn umso ärgerlicher.“ Auch der Wiedergutmachungsversuch von Spahn, „Moderna ist der Rolls Royce unter den Impfstoffen“, habe den Imageschaden nicht wieder eingefangen. Mit der daraus entstandenen Verunsicherung bei den Patienten hätten nun die Impfärzte zu kämpfen.

Prinzipiell sieht Neubauer ein mögliches Covid-Impfen in Apotheken positiv. „Wenn die Politik das beschließt, machen wir das.“ Erfahrungen im Impfen hat die Mönchs-Apotheke ebenfalls. Denn auch sie nehmen an dem Modellprojekt teil. Grippeschutzimpfungen seien allerdings einfacher zu handhaben als Corona-Schutz-Impfungen, sagt Neubauer. „Für den Grippeschutz gibt es einzeln portionierte und lagerfähige aufgezogene Spritzen.“ Der Covid-Impfstoff müsse sensibler behandelt werden. Bekanntlich werden die Vakzine in gekühlten Vials geliefert, der Impfstoff muss auf Spritzen gezogen werden und schnell verabreicht werden. „Da kann man nicht morgens einen Patienten impfen und das Fläschchen dann bis zum Nachmittag stehen lassen“, erklärt der Experte. Spontane Impfungen seien deshalb auch in Zukunft kaum möglich. „Ohne Terminvergabe wird es nicht funktionieren.“ Das sieht auch sein Kollege Detlef Weyermanns so. Ob auch die zweite Apotheke in der Gemeinde Hille – die Wiehen-Apotheke in Rothenuffeln – dem Impfen grundsätzlich positiv gegenübersteht, dazu wollten sich die Verantwortlichen nicht äußern.

In Westfalen-Lippe wären nach Informationen des Apothekerverbands mehr als 200 Apotheken in der Lage, zeitnah Corona-Auffrischungsimpfungen vorzunehmen. Rund 320 Apotheker in der Region hätten im Rahmen des Modellprojektes mit den Grippeimpfungen bereits die notwendigen Schulungen absolviert und seien daher in der Lage, Spritzen zu setzen.

Grundsätzlich hält es Günter Stange, Sprecher der Apotheker im Kreis Minden-Lübbecke, für eine gute Sache, den Kreis der Impfenden zu erweitern. „Es muss mehr Bewegung in die Kampagne kommen. Mit Worten und Debatten kommen wir nicht weiter.“

Hinsichtlich der limitierten Mengen könnte sich schon bald etwas ändern. Laut einer Liste des vom Bundesgesundheitsministeriums sollen im Dezember in Deutschland 11,3 Millionen Dosen Biontech und 31,6 Millionen Dosen Moderna ausgeliefert werden – und zusätzlich ab 13. Dezember der Kinderimpfstoff. In welcher Menge der Kinderimpfstoff geliefert wird, ist der Liste allerdings nicht zu entnehmen. Im Vergleich: Vom 1. November bis 3. Dezember wurden in der Bundesrepublik 16,5 Millionen Dosen Biontech, 10,2 Millionen Dosen Moderna und rund 243.000 Dosen Johnson & Johnson ausgeliefert.

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