Die Gemeinde auf der Sonnenseite: Darum gibt es in Hille besondere Wetterphänomene Stefanie Dullweber Hille. Endlich Frühling: Die meisten Menschen haben sich in dieser Woche über die fast schon sommerlichen Temperaturen gefreut. Nur Friedrich Föst bezeichnet das Wetter als „katastrophal.“ Der Meteorologe liebt besondere Wetterlagen wie am vergangenen Samstag, als es stürmte, schneite und hagelte. Gerade in Hille gebe es viele exklusive Wetterphänomene, verrät der Experte. Ein ganz besonderes ereignete sich am 9. Juni 2010. Diesen Tag werde er nie vergessen, erzählt der Lübbecker im Gespräch mit dem MT. „Wetter geht immer“, erklärt Föst, warum die meisten Menschen gerne ihre Meinung zu diesem Thema äußern. „Alle können mitreden, das ist das Schöne.“ Außerdem würde es auch jeden betreffen. Schon morgens geht es los: Welche Jacke ziehe ich an? Brauche ich einen Schirm? Kann ich heute Wäsche aufhängen und kann die Grillparty am Abend stattfinden? Ob die Vorhersagen der Experten zutreffen, könne jeder mit einem Blick nach draußen überprüfen. Genau wie an Weihnachten ist auch an Ostern die Wetterfrage eine entscheidende. „Typisch für Ostern ist wechselhaftes Wetter“, sagt Föst. Er erinnert sich noch gut an das Jahr 2013. „Wir haben weiße Eier im Schnee versteckt. Das war eine Challenge für die Kinder.“ Im letzten Jahr hingegen hätten die Temperaturen bei fast 25 Grad gelegen. Und in diesem Jahr? „Wir werden keine weißen Ostern bekommen“, legt sich der Meteorologe fest. Seine Prognose: Weil der Wind am Donnerstag auf nördliche Richtung dreht, kühlt es sich merklich ab. Am Karfreitag geht es nur mühsam über die 10-Grad-Marke. Dann setzt sich ab Ostersamstag Hochdruckeinfluss durch, der für angenehme 15 bis 17 Grad sorgt. Auch der Ostersonntag wird laut Föst „angenehm freundlich“. Am Montag könnte es dann wechselhafter und vor allem kühler werden, wobei auch Regen nicht ausgeschlossen ist. „Alles in allem ganz passabel.“ Was das Wetter betrifft, sei Ostern eben launisch. Dass die Hiller ein ruhiges und langes Wochenende vor sich haben, ist nicht selbstverständlich. Denn gerade hier gebe es immer wieder exklusive Wetterphänomene, weiß der Experte. Vor allem das Wiehengebirge habe großen Einfluss auf das Wetter. „Das Gebirge ist durchaus als Wetterscheide zu verstehen“, weiß Föst. Feuchte Luft von Südwesten wird aufgehalten, erwärmt sich, so dass Nebel sich auflösen kann und Hille somit auf der Sonnenseite liegt. Eine weitere Besonderheit für die Region ist, dass hier immer mal wieder Tornados durchziehen. „Auch hier liegt der Verdacht nahe, dass das Wiehengebirge seine Finger im Spiel hat“, sagt der Meteorologe. Wie viele andere wird Friedrich Föst den 9. Juni 2010 nie vergessen. Er sei damals beruflich in Berlin gewesen, als der Tornado im Bereich Warendorf entstand und sich auf seine fast 150 Kilometer lange Reise machte. „Ich habe das Radarbild noch genau vor Augen. Ein Tornado sieht darauf aus wie ein Kleiderhaken an der Garderobe.“ Er habe seine Eltern angerufen und ihnen gesagt, dass etwas Großes auf sie zukomme. Der Tornado sei südlich vom Wiehengebirge abgehoben und habe kurz vor Hille wieder aufgesetzt und schwere Verwüstungen angerichtet. Auf die Frage, ob solche und andere Wetterphänomene aufgrund der Pandemie schwerer vorherzusagen sind, antwortet Friedrich Föst mit einem klaren „Jein“. Sicherlich würden einige Wetterdaten ausbleiben, weil nicht mehr so viele Flugzeuge starten und landen. „Die Daten sind wichtig, um Schauer und Gewitter vorherzusagen.“ Auf die Wetteraussichten der nächsten 24 Stunden habe das allerdings keine Auswirkungen. Erst ab Tag zwei oder drei nehme die Unsicherheit aufgrund der fehlenden Datenmenge zu. Langfristige Prognosen seien aber generell ein Problem, findet Föst. „Unseriöse Wetterdienste stürzen sich darauf und verkünden beispielsweise schon jetzt, wie das Wetter im Sommer werden soll.“ Langfristprognosen hätten in den letzten Jahren gute Ergebnisse erzielt, aber es seien eben nur Prognosen darüber, ob es eher trocken oder nass beziehungsweise warm oder kalt wird. Der Februar hätte beispielsweise eine Punktlandung hingelegt. Prognostiziert waren durchschnittliche Temperaturen. Durch zwei Extremwetterlagen mit bis zu 40 Grad Temperaturunterschied hätte am Ende die schwarze Null gestanden. Anhand der Wetterdaten lässt sich laut Föst ablesen, dass die Jahreszeiten sich in den letzten 20 Jahren verschoben haben. „Der Beginn der Apfelbaumblüte ist für den Deutschen Wetterdienst ein Indiz für den Frühlingsbeginn.“ Dieser beginne mittlerweile etwa zwei Wochen früher, der Sommer hingegen verlagere sich zeitlich nach hinten. Der Winter, so Föst, falle entsprechend kürzer aus. Die Messungen der letzten Jahrzehnte lassen nach Aussage des Lübbeckers auch die Folgen des Klimawandels sichtbar werden. So sei das Jahresmittel seit dem Jahr 2001 um 1,3 Grad gestiegen. „Wir sind hier keine Insel der Glückseligen“, stellt der Meteorologe klar. Die Fichtenbestände im Wiehengebirge seien extrem zurückgegangen und auch das Moor kämpfe mit Trockenschäden. Die offizielle Station des Deutschen Wetterdienstes für die Region befindet sich in Rahden-Kleinendorf. Hier wurde übrigens am Mittwoch ein Temperaturrekord für den Monat März erreicht. Der letzte liegt mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. 23,6 Grad waren dort am 30. März 1968 gemessen worden. Der neue Rekordwert von dieser Woche liegt bei 23,9 Grad. „Total spannend. Darüber kann ich mich freuen“, kann Friedrich Föst dem ansonsten für ihn langweiligen Wetter in dieser Woche doch noch etwas abgewinnen.

Die Gemeinde auf der Sonnenseite: Darum gibt es in Hille besondere Wetterphänomene

Hille. Endlich Frühling: Die meisten Menschen haben sich in dieser Woche über die fast schon sommerlichen Temperaturen gefreut. Nur Friedrich Föst bezeichnet das Wetter als „katastrophal.“ Der Meteorologe liebt besondere Wetterlagen wie am vergangenen Samstag, als es stürmte, schneite und hagelte. Gerade in Hille gebe es viele exklusive Wetterphänomene, verrät der Experte. Ein ganz besonderes ereignete sich am 9. Juni 2010. Diesen Tag werde er nie vergessen, erzählt der Lübbecker im Gespräch mit dem MT.

In Vorträgen macht der Lübbecker Diplom-Meteorologe Friedrich Föst, hier mit einer mobilen Wetterstation in seinem Garten, auf den Klimawandel aufmerksam. Foto: Frank Hartmann - © Frank Hartmann
In Vorträgen macht der Lübbecker Diplom-Meteorologe Friedrich Föst, hier mit einer mobilen Wetterstation in seinem Garten, auf den Klimawandel aufmerksam. Foto: Frank Hartmann - © Frank Hartmann

„Wetter geht immer“, erklärt Föst, warum die meisten Menschen gerne ihre Meinung zu diesem Thema äußern. „Alle können mitreden, das ist das Schöne.“ Außerdem würde es auch jeden betreffen. Schon morgens geht es los: Welche Jacke ziehe ich an? Brauche ich einen Schirm? Kann ich heute Wäsche aufhängen und kann die Grillparty am Abend stattfinden? Ob die Vorhersagen der Experten zutreffen, könne jeder mit einem Blick nach draußen überprüfen.

Ein Haus an der Straße Horstbohlen in Hille hatte besonders unter dem Tornado zu leiden. Foto: Polizei - © Archiv/Polizei
Ein Haus an der Straße Horstbohlen in Hille hatte besonders unter dem Tornado zu leiden. Foto: Polizei - © Archiv/Polizei

Genau wie an Weihnachten ist auch an Ostern die Wetterfrage eine entscheidende. „Typisch für Ostern ist wechselhaftes Wetter“, sagt Föst. Er erinnert sich noch gut an das Jahr 2013. „Wir haben weiße Eier im Schnee versteckt. Das war eine Challenge für die Kinder.“ Im letzten Jahr hingegen hätten die Temperaturen bei fast 25 Grad gelegen. Und in diesem Jahr? „Wir werden keine weißen Ostern bekommen“, legt sich der Meteorologe fest.

Seine Prognose: Weil der Wind am Donnerstag auf nördliche Richtung dreht, kühlt es sich merklich ab. Am Karfreitag geht es nur mühsam über die 10-Grad-Marke. Dann setzt sich ab Ostersamstag Hochdruckeinfluss durch, der für angenehme 15 bis 17 Grad sorgt. Auch der Ostersonntag wird laut Föst „angenehm freundlich“. Am Montag könnte es dann wechselhafter und vor allem kühler werden, wobei auch Regen nicht ausgeschlossen ist. „Alles in allem ganz passabel.“ Was das Wetter betrifft, sei Ostern eben launisch.

Dass die Hiller ein ruhiges und langes Wochenende vor sich haben, ist nicht selbstverständlich. Denn gerade hier gebe es immer wieder exklusive Wetterphänomene, weiß der Experte. Vor allem das Wiehengebirge habe großen Einfluss auf das Wetter. „Das Gebirge ist durchaus als Wetterscheide zu verstehen“, weiß Föst. Feuchte Luft von Südwesten wird aufgehalten, erwärmt sich, so dass Nebel sich auflösen kann und Hille somit auf der Sonnenseite liegt.

Eine weitere Besonderheit für die Region ist, dass hier immer mal wieder Tornados durchziehen. „Auch hier liegt der Verdacht nahe, dass das Wiehengebirge seine Finger im Spiel hat“, sagt der Meteorologe. Wie viele andere wird Friedrich Föst den 9. Juni 2010 nie vergessen. Er sei damals beruflich in Berlin gewesen, als der Tornado im Bereich Warendorf entstand und sich auf seine fast 150 Kilometer lange Reise machte. „Ich habe das Radarbild noch genau vor Augen. Ein Tornado sieht darauf aus wie ein Kleiderhaken an der Garderobe.“ Er habe seine Eltern angerufen und ihnen gesagt, dass etwas Großes auf sie zukomme. Der Tornado sei südlich vom Wiehengebirge abgehoben und habe kurz vor Hille wieder aufgesetzt und schwere Verwüstungen angerichtet.

Auf die Frage, ob solche und andere Wetterphänomene aufgrund der Pandemie schwerer vorherzusagen sind, antwortet Friedrich Föst mit einem klaren „Jein“. Sicherlich würden einige Wetterdaten ausbleiben, weil nicht mehr so viele Flugzeuge starten und landen. „Die Daten sind wichtig, um Schauer und Gewitter vorherzusagen.“ Auf die Wetteraussichten der nächsten 24 Stunden habe das allerdings keine Auswirkungen. Erst ab Tag zwei oder drei nehme die Unsicherheit aufgrund der fehlenden Datenmenge zu.

Langfristige Prognosen seien aber generell ein Problem, findet Föst. „Unseriöse Wetterdienste stürzen sich darauf und verkünden beispielsweise schon jetzt, wie das Wetter im Sommer werden soll.“ Langfristprognosen hätten in den letzten Jahren gute Ergebnisse erzielt, aber es seien eben nur Prognosen darüber, ob es eher trocken oder nass beziehungsweise warm oder kalt wird. Der Februar hätte beispielsweise eine Punktlandung hingelegt. Prognostiziert waren durchschnittliche Temperaturen. Durch zwei Extremwetterlagen mit bis zu 40 Grad Temperaturunterschied hätte am Ende die schwarze Null gestanden.

Anhand der Wetterdaten lässt sich laut Föst ablesen, dass die Jahreszeiten sich in den letzten 20 Jahren verschoben haben. „Der Beginn der Apfelbaumblüte ist für den Deutschen Wetterdienst ein Indiz für den Frühlingsbeginn.“ Dieser beginne mittlerweile etwa zwei Wochen früher, der Sommer hingegen verlagere sich zeitlich nach hinten. Der Winter, so Föst, falle entsprechend kürzer aus.

Die Messungen der letzten Jahrzehnte lassen nach Aussage des Lübbeckers auch die Folgen des Klimawandels sichtbar werden. So sei das Jahresmittel seit dem Jahr 2001 um 1,3 Grad gestiegen. „Wir sind hier keine Insel der Glückseligen“, stellt der Meteorologe klar. Die Fichtenbestände im Wiehengebirge seien extrem zurückgegangen und auch das Moor kämpfe mit Trockenschäden.

Die offizielle Station des Deutschen Wetterdienstes für die Region befindet sich in Rahden-Kleinendorf. Hier wurde übrigens am Mittwoch ein Temperaturrekord für den Monat März erreicht. Der letzte liegt mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. 23,6 Grad waren dort am 30. März 1968 gemessen worden. Der neue Rekordwert von dieser Woche liegt bei 23,9 Grad. „Total spannend. Darüber kann ich mich freuen“, kann Friedrich Föst dem ansonsten für ihn langweiligen Wetter in dieser Woche doch noch etwas abgewinnen.

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