Die Drei und das Fragezeichen: Das sind die Bewerber um das Bürgermeisteramt Carsten Korfesmeyer Hille. 80 Tage sind es noch bis zur Kommunalwahl am 13. September und in der Gemeinde läuft der wohl ungewöhnlichste Wahlkampf ihrer Geschichte. Einerseits macht die Covid-19-Krise alle öffentliche Veranstaltungen, Hausbesuche der Kandidaten oder Informationsstände unmöglich, andererseits gibt es drei Bewerber für das Bürgermeisteramt, von denen zwei aus dem selben politischen Lager kommen. Eine kuriose Situation. Alle Kandidaten sind in diesem Jahr gezwungen, ihre Wähler auf andere Weise für sich zu gewinnen. Zu Beginn der Corona-Krise sprachen die Politiker davon, überwiegend auf die digitalen Möglichkeiten setzen zu wollen. Inzwischen ist aber aus allen fünf Hiller Parteien zu hören, dass Online alleine nicht reicht. Mit Flyern oder Gesprächen auf der Straße wollen die Kandidaten ihre Wähler mobilisieren. Sogar die zuletzt oft kritisierten Plakate gelangen durch Covid 19 zu neuer Blüte. Die drei Bewerber für das Amt des Bürgermeisters gehen unter vollkommen unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen. Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) kandidiert als Einzelbewerber und blickt auf eine mittlerweile elfjährige Amtszeit zurück. SPD-Fraktionschef Burkhard Günther (62) sitzt seit 2009 im Rat und hat in der Gemeinde ein politisches Gewicht. Henning Grinke tritt für die CDU an und ist mit 37 Jahren der jüngste Bewerber für den Chefposten im Rathaus. Bereits im Dezember wurde er von seiner Partei nominiert – auch vor dem Hintergrund, dadurch genug Zeit zu haben, um den Südhemmeraner in Hille bekannter zu machen. Michael Schweiß Der Amtsinhaber hatte sich lange in Schweigen gehüllt, ob er ein drittes Mal für den Chefposten im Hartumer Rathaus kandidiert. Nach dem offensichtlichen Zerwürfnis mit seiner Partei, kündigte der SPD-Mann erst Mitte Februar an, dass er „aus dem Amt“ und somit als Einzelbewerber antritt. Wahlkampf ist für den 59-Jährigen zumindest im Moment noch kein Thema. „Ich empfinde gerade in der Corona-Krise eine noch größere Verantwortung für die Gemeinde“, schreibt der Bürgermeister. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt, um Stimmen zu werben. „Ich brauche meine ganze Erfahrung und Kraft, um mit meinem Führungsteam Hille durch die Krise zu führen und die Zukunft nach Corona zu gestalten“, erklärt Michael Schweiß weiter. Verzichtet der Amtsinhaber auf Werbung? Gibt es keine Plakate? Und nennt er überhaupt seine politischen Ziele für die kommenden fünf Jahre? „Dazu werde ich mich momentan noch nicht zu äußern“, sagt der Holzhauser am Donnerstag gegenüber dem MT. Er führe noch Gespräche darüber, auf welchen Kanälen er seine Botschaften an die Bürger senden werde. Schweiß ist klar, dass die Menschen auch etwas über seine Pläne wissen wollen. Dazu werde er noch vor der Wahl berichten. In MT-Gesprächen hatte der Verwaltungschef schon vor Corona durchblicken lassen, dass er den ganz großen Wahlkampf für sich ausschließt. Nach zwei Amtsperioden sei er in Hille bekannt und die Menschen wüssten, wie er ist. Dass er nicht als Kandidat der SPD ins Rennen gehen will, hatte Michael Schweiß immer damit begründet, dass er in seiner Funktion die Überparteilichkeit deutlich herausstellen möchte. Er sei der Bürgermeister für alle Hiller und wolle sich deshalb nicht von einer Partei tragen lassen, erklärte er. Burkhard Günther Der Rechtsanwalt und Notar ist seit Anfang Juni offizieller SPD-Bürgermeisterkandidat. Schon im März hatte er seine Bewerbung angekündigt. Und Wahlkampf bedeutet für ihn nicht, Luftballons und Kugelschreiber an die Leute zu verteilen. „Man muss aktiv sein und auch Kante zeigen“, sagt der Mann, der die Gespräche mit den Menschen suchen will. In Coronazeiten sei die Politik in dieser Hinsicht zwar ziemlich ausgebremst, doch es gibt seiner Ansicht nach trotzdem verschiedene Möglichkeiten, die Wähler zu erreichen. Bei den Jungwählern funktioniere das eher online, bei den Älteren unter anderem über die klassischen Plakate. „Wichtig ist, dass die Menschen überhaupt zur Wahl gehen“, sagt Burkhard Günter im MT-Gespräch. Themen gibt es nach seinen Worten einige. Er möchte unter anderem das Ehrenamt stärken, sagt er und macht klar, dass man in diesen Funktionen nicht nur Freude haben kann. 20 Jahre ist er Chef des Hiller DRK und kennt die Höhen und Tiefen. Als Bürgermeister sieht er sich in der Rolle des Vermittlers und Gestalters. „Wirtschaftsförderung ist für mich Chefsache“, erklärt er. Die Verwaltung leiste sehr gute Arbeit, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende. Die Rolle eines Bürgermeisters sieht er als Teamplayer. Seine Aufgabe sei nicht, die einzelnen Vorgänge auf Richtigkeit zu überprüfen. Er möchte mit den Menschen in Kontakt kommen und bei Problemen nach Lösungen zu suchen, die möglichst allen gerecht werden. Dass er es damit nicht immer allen recht machen kann, ist dem Juristen bewusst. „Auch als Bürgermeister gibt es mal Ärger“, sagt er. Auf das Amt hat der Hiller nach eigenen Worten aber „so richtig Lust“ und schon 2009 stellte er sich als SPD-Kandidat zur Verfügung – verlor seinerzeit aber gegen den damaligen Fraktionsvorsitzenden Michael Schweiß in der parteiinternen Abstimmung. Henning Grinke Eine Weste mit Signalfarben und Reflektoren trägt Henning Grinke in diesen Tagen so oft wie möglich. Sein Name ist darauf zu lesen und dass er der Bürgermeisterkandidat der Hiller CDU ist. „Ich bin viel mit dem Fahrrad unterwegs und versuche so oft es geht, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen“, sagt er. Schon im Dezember hatte ihn seine Partei nominiert und mit ihm einen Generationswechsel eingeleitet. Inzwischen steht Henning Grinke auch auf Platz eins der Reserveliste und ist somit sicher im nächsten Rat vertreten – in welcher Funktion, entscheidet sich bei der Kommunalwahl. „Mein Ziel ist, Bürgermeister von Hille zu werden“, sagt er. Was den Wahlkampf betrifft, hat ihm Covid 19 womöglich wertvolle Zeit genommen. Durchblicken lässt der 37-Jährige, dass er die Vorteile seiner frühen Kandidatur dafür nutzen wollte, seinen Bekanntheitsgrad in Hille auszubauen und seine politischen Ziele darzulegen. „Aber ich muss jetzt mit den Karten spielen, die einem das Leben zuspielt“, sagt er. Henning Grinke wirkt zuversichtlich und hat nach eigenen Worten schon vergleichsweise viel mit den Bürgern sprechen können. Er hat sie unter anderem dazu aufgerufen, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Er habe daraufhin bereits spannende Unterhaltungen über die politischen Inhalte geführt. Der CDU-Kandidat vergleicht das Wahlprogramm seiner Partei mit einem Haus. „Das Fundament sind solide Finanzen“, erklärt er. Was folgt, sind drei Säulen die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Henning Grinke nennt die ärztliche Versorgung, die Schulen und Kindergärten der Gemeinde sowie die Digitalisierung und Wirtschaftsförderung. „Und das Dach ist die Zusammenarbeit mit den Vereinen und den Menschen, die ein Ehrenamt bekleiden“, sagt der Südhemmeraner. An die Möglichkeit, in diesem Kommunalwahlkampf noch größere Veranstaltungen auszurichten, glaubt der Kandidat fast nicht mehr. Es sei aktuell nichts geplant und grundsätzlich sei er in der Sache zurückhaltend. „Wir müssen das nicht auf Biegen und Brechen machen.“ Der Autor ist erreichbar unter Carsten.Korfesmeyer@MT.de

Die Drei und das Fragezeichen: Das sind die Bewerber um das Bürgermeisteramt

Wer ist der nächste Chef im Hiller Rathaus? Die Bürger haben hierzu am 13. September die Wahl unter drei Kandidaten, von denen jeder unter völlig verschiedenen Voraussetzungen antritt. Gewählt wird auch der neue Rat, für den Bewerber in 15 Wahlbezirken gegeneinander antreten. MT- © Foto: Carsten Korfesmeyer

Hille. 80 Tage sind es noch bis zur Kommunalwahl am 13. September und in der Gemeinde läuft der wohl ungewöhnlichste Wahlkampf ihrer Geschichte. Einerseits macht die Covid-19-Krise alle öffentliche Veranstaltungen, Hausbesuche der Kandidaten oder Informationsstände unmöglich, andererseits gibt es drei Bewerber für das Bürgermeisteramt, von denen zwei aus dem selben politischen Lager kommen. Eine kuriose Situation. Alle Kandidaten sind in diesem Jahr gezwungen, ihre Wähler auf andere Weise für sich zu gewinnen.

Zu Beginn der Corona-Krise sprachen die Politiker davon, überwiegend auf die digitalen Möglichkeiten setzen zu wollen. Inzwischen ist aber aus allen fünf Hiller Parteien zu hören, dass Online alleine nicht reicht. Mit Flyern oder Gesprächen auf der Straße wollen die Kandidaten ihre Wähler mobilisieren. Sogar die zuletzt oft kritisierten Plakate gelangen durch Covid 19 zu neuer Blüte.

Michael Schweiß (SPD) kandidiert aus dem Amt heraus.
Michael Schweiß (SPD) kandidiert aus dem Amt heraus.

Die drei Bewerber für das Amt des Bürgermeisters gehen unter vollkommen unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen. Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) kandidiert als Einzelbewerber und blickt auf eine mittlerweile elfjährige Amtszeit zurück. SPD-Fraktionschef Burkhard Günther (62) sitzt seit 2009 im Rat und hat in der Gemeinde ein politisches Gewicht. Henning Grinke tritt für die CDU an und ist mit 37 Jahren der jüngste Bewerber für den Chefposten im Rathaus. Bereits im Dezember wurde er von seiner Partei nominiert – auch vor dem Hintergrund, dadurch genug Zeit zu haben, um den Südhemmeraner in Hille bekannter zu machen.

Michael Schweiß

Henning Grinke ist Spitzenkandidat der Hiller CDU.
Henning Grinke ist Spitzenkandidat der Hiller CDU.

Der Amtsinhaber hatte sich lange in Schweigen gehüllt, ob er ein drittes Mal für den Chefposten im Hartumer Rathaus kandidiert. Nach dem offensichtlichen Zerwürfnis mit seiner Partei, kündigte der SPD-Mann erst Mitte Februar an, dass er „aus dem Amt“ und somit als Einzelbewerber antritt. Wahlkampf ist für den 59-Jährigen zumindest im Moment noch kein Thema. „Ich empfinde gerade in der Corona-Krise eine noch größere Verantwortung für die Gemeinde“, schreibt der Bürgermeister. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt, um Stimmen zu werben. „Ich brauche meine ganze Erfahrung und Kraft, um mit meinem Führungsteam Hille durch die Krise zu führen und die Zukunft nach Corona zu gestalten“, erklärt Michael Schweiß weiter.

Burkhard Günther geht als Kandidat der SPD ins Rennen.
Burkhard Günther geht als Kandidat der SPD ins Rennen.

Verzichtet der Amtsinhaber auf Werbung? Gibt es keine Plakate? Und nennt er überhaupt seine politischen Ziele für die kommenden fünf Jahre? „Dazu werde ich mich momentan noch nicht zu äußern“, sagt der Holzhauser am Donnerstag gegenüber dem MT. Er führe noch Gespräche darüber, auf welchen Kanälen er seine Botschaften an die Bürger senden werde. Schweiß ist klar, dass die Menschen auch etwas über seine Pläne wissen wollen. Dazu werde er noch vor der Wahl berichten.

In MT-Gesprächen hatte der Verwaltungschef schon vor Corona durchblicken lassen, dass er den ganz großen Wahlkampf für sich ausschließt. Nach zwei Amtsperioden sei er in Hille bekannt und die Menschen wüssten, wie er ist. Dass er nicht als Kandidat der SPD ins Rennen gehen will, hatte Michael Schweiß immer damit begründet, dass er in seiner Funktion die Überparteilichkeit deutlich herausstellen möchte. Er sei der Bürgermeister für alle Hiller und wolle sich deshalb nicht von einer Partei tragen lassen, erklärte er.

Burkhard Günther

Der Rechtsanwalt und Notar ist seit Anfang Juni offizieller SPD-Bürgermeisterkandidat. Schon im März hatte er seine Bewerbung angekündigt. Und Wahlkampf bedeutet für ihn nicht, Luftballons und Kugelschreiber an die Leute zu verteilen. „Man muss aktiv sein und auch Kante zeigen“, sagt der Mann, der die Gespräche mit den Menschen suchen will. In Coronazeiten sei die Politik in dieser Hinsicht zwar ziemlich ausgebremst, doch es gibt seiner Ansicht nach trotzdem verschiedene Möglichkeiten, die Wähler zu erreichen. Bei den Jungwählern funktioniere das eher online, bei den Älteren unter anderem über die klassischen Plakate. „Wichtig ist, dass die Menschen überhaupt zur Wahl gehen“, sagt Burkhard Günter im MT-Gespräch.

Themen gibt es nach seinen Worten einige. Er möchte unter anderem das Ehrenamt stärken, sagt er und macht klar, dass man in diesen Funktionen nicht nur Freude haben kann. 20 Jahre ist er Chef des Hiller DRK und kennt die Höhen und Tiefen. Als Bürgermeister sieht er sich in der Rolle des Vermittlers und Gestalters. „Wirtschaftsförderung ist für mich Chefsache“, erklärt er.

Die Verwaltung leiste sehr gute Arbeit, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende. Die Rolle eines Bürgermeisters sieht er als Teamplayer. Seine Aufgabe sei nicht, die einzelnen Vorgänge auf Richtigkeit zu überprüfen. Er möchte mit den Menschen in Kontakt kommen und bei Problemen nach Lösungen zu suchen, die möglichst allen gerecht werden. Dass er es damit nicht immer allen recht machen kann, ist dem Juristen bewusst. „Auch als Bürgermeister gibt es mal Ärger“, sagt er. Auf das Amt hat der Hiller nach eigenen Worten aber „so richtig Lust“ und schon 2009 stellte er sich als SPD-Kandidat zur Verfügung – verlor seinerzeit aber gegen den damaligen Fraktionsvorsitzenden Michael Schweiß in der parteiinternen Abstimmung.

Henning Grinke

Eine Weste mit Signalfarben und Reflektoren trägt Henning Grinke in diesen Tagen so oft wie möglich. Sein Name ist darauf zu lesen und dass er der Bürgermeisterkandidat der Hiller CDU ist. „Ich bin viel mit dem Fahrrad unterwegs und versuche so oft es geht, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen“, sagt er. Schon im Dezember hatte ihn seine Partei nominiert und mit ihm einen Generationswechsel eingeleitet. Inzwischen steht Henning Grinke auch auf Platz eins der Reserveliste und ist somit sicher im nächsten Rat vertreten – in welcher Funktion, entscheidet sich bei der Kommunalwahl.

„Mein Ziel ist, Bürgermeister von Hille zu werden“, sagt er. Was den Wahlkampf betrifft, hat ihm Covid 19 womöglich wertvolle Zeit genommen. Durchblicken lässt der 37-Jährige, dass er die Vorteile seiner frühen Kandidatur dafür nutzen wollte, seinen Bekanntheitsgrad in Hille auszubauen und seine politischen Ziele darzulegen. „Aber ich muss jetzt mit den Karten spielen, die einem das Leben zuspielt“, sagt er.

Henning Grinke wirkt zuversichtlich und hat nach eigenen Worten schon vergleichsweise viel mit den Bürgern sprechen können. Er hat sie unter anderem dazu aufgerufen, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Er habe daraufhin bereits spannende Unterhaltungen über die politischen Inhalte geführt. Der CDU-Kandidat vergleicht das Wahlprogramm seiner Partei mit einem Haus. „Das Fundament sind solide Finanzen“, erklärt er. Was folgt, sind drei Säulen die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Henning Grinke nennt die ärztliche Versorgung, die Schulen und Kindergärten der Gemeinde sowie die Digitalisierung und Wirtschaftsförderung. „Und das Dach ist die Zusammenarbeit mit den Vereinen und den Menschen, die ein Ehrenamt bekleiden“, sagt der Südhemmeraner.

An die Möglichkeit, in diesem Kommunalwahlkampf noch größere Veranstaltungen auszurichten, glaubt der Kandidat fast nicht mehr. Es sei aktuell nichts geplant und grundsätzlich sei er in der Sache zurückhaltend. „Wir müssen das nicht auf Biegen und Brechen machen.“

Der Autor ist erreichbar unter Carsten.Korfesmeyer@MT.de

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