Die Abfallmanager: Auch auf der Pohlschen Heide wird zwischen Gewerbemüll und Hausmüll unterschieden Stefanie Dullweber Hille (mt). Fehlende Mülltrennung kostet Geld – das gilt nicht nur für jeden normalen Bürger, sondern auch für Gewerbetreibende. Aus diesem Grund regelt die Gewerbeabfallverordnung, wie Unternehmen mit ihrem Müll umzugehen haben. Und da heißt es ganz klar: Gewerbetreibende müssen anfallende Abfälle managen. Demnach müssen Papier, Pappe, Karton, Glas, Kunststoffe, Metalle, Holz, Textilien und Bioabfälle getrennt voneinander gesammelt werden. Die Abfallverwertung des Kreises – die KAVG – produziert an ihrem Standort auf der Pohlschen Heide aus dem Gewerbemüll sogenannte Ersatzbrennstoffe (ESB) und stofflich zu verwertende Wertstoffe. Heißt: Geeignete Materialien werden zu Ersatzbrennstoffen zusammengefasst. Im Heizkraftwerk Minden werden diese dann in Wärmeenergie umgewandelt, die wiederum zur Firma Siegfried geliefert wird. Somit ersetzen die ESB fossile Brennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle. Allerdings ist die Annahme von Gewerbemüll auf der Pohlschen Heide begrenzt, wie Markus Jansen erklärt. „Es drückt in ganz Deutschland“, sagt der Mitarbeiter der KAVG. Im Heizkraftwerk in Minden könne das hohe Aufkommen der ESB nicht zeitnah verarbeitet werden. „Die Anlagentechnik stößt hier an ihre natürlichen Grenzen.“ Dies führt dazu, dass mindestens 20.000 Tonnen ESB in weit entfernten Heizkraftwerken verwertet werden. Das eigene Werk hat eine Kapazität von etwa 35.000 Jahrestonnen. Auf der Pohlschen Heide fallen, so Jansen, aber 55.000 Tonnen pro Jahr an. Eine Konsequenz ist, dass die Brennstoffe zunächst auf der Pohlschen Heide zwischengelagert werden müssten, so Jansen weiter. Die Konsequenz ist ein erhöhtes Brandrisiko – das hätten die Brände auf der Pohlschen Heide im Hitze- und Trockenjahr 2018 gezeigt (das MT berichtete). Damals waren die Lagerkapazitäten per Sondergenehmigung von 10.000 auf 15.000 Tonnen erhöht worden. „Diese Brände sollen sich natürlich nicht wiederholen“, betont Jansen. Daher habe die KAVG die Lagerkapazität wieder auf die grundsätzlich genehmigten 10.000 Tonnen begrenzt, weitere Mengen könnten nicht zwischengelagert werden. Demnach ist die Anlieferung von Gewerbemüll auf der Pohlschen Heide auf 75 Tonnen pro Tag begrenzt. Geregelt wird das Geschäft mit dem Gewerbemüll über die GVA – die Gesellschaft zur Verwertung von Abfällen im Kreis Minden-Lübbecke. Die GVA befindet sich in direkter Nachbarschaft der Pohlschen Heide. Die KAVG gibt ihr Jahreskontingent an die GVA ab – von dort wird es je nach Bedarf an die Gewerbetreibenden verteilt. „Wir versuchen, Mülltourismus zu unterbinden“, sagt Jansen. Aus diesem Grund setze man auf Kunden aus der Region. Im Gegensatz zur Abfuhr des Hausmülls, der kommunal geregelt ist, beauftragen die Gewerbetreibenden Containerdienste mit der Abfuhr ihrer Abfälle. Kleingewerbe können ihren Müll auf einem der beiden Wertstoffhöfe auf der Pohlschen Heide anliefern. Bevor die Container abgekippt werden, greifen verschiedene Kontrollinstanzen. „Meist sehen die Kollegen schon am Gewicht des Lastwagen, ob etwas mit der Ladung nicht stimmt“, sagt Markus Jansen. Neben der Sichtkontrolle an der Waage würden an der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) noch einmal alle Papiere überprüft, bevor die Abfälle endgültig abgeladen werden könnten. In der MBA wird der Müll dann sortiert und weiter verarbeitet. „Unser Ziel ist es, möglichst sortenrein zu sortieren, um die Stoffe entsprechend wiederverwerten zu können“, sagt Jansen. Hat der Gewerbetreibende seinen Müll nicht korrekt deklariert, kann dies schlimme Folgen haben, wie ein Gefahrguteinsatz im März gezeigt hat (das MT berichtete). In der Annahmehalle der MBA hatte ein Kunde mehrere Kanister als Gewerbemüll abgegeben. Die Behälter kippten um und liefen aus. Mitarbeiter der Pohlschen Heide bemerkten wenig später Blasenbildung in der Flüssigkeit, es verbreitete sich ein ätzender Geruch, außerdem bildete sich Rauch. Aufgrund der umfangreichen Kontrollen passieren solche Einsätze tatsächlich sehr selten. Der Gefahrguteinsatz im März sei der erste seit 15 Jahren gewesen, hieß es seinerzeit. Grundsätzlich ist nicht das, was auf der Pohlschen Heide angeliefert wird ein Problem, sondern die Mengen. Markus Jansen glaubt, dass dieses Thema noch jede Menge Aufklärungsarbeit erfordert. „Wenn man Abfallströme regulieren will, muss man beim Konsum ansetzen. Aber das ist nicht Aufgabe desjenigen, der die Abfälle letztlich entsorgt.“ Hier gibt es die weiteren Teile der MT-Serie

Die Abfallmanager: Auch auf der Pohlschen Heide wird zwischen Gewerbemüll und Hausmüll unterschieden

Hille (mt). Fehlende Mülltrennung kostet Geld – das gilt nicht nur für jeden normalen Bürger, sondern auch für Gewerbetreibende. Aus diesem Grund regelt die Gewerbeabfallverordnung, wie Unternehmen mit ihrem Müll umzugehen haben. Und da heißt es ganz klar: Gewerbetreibende müssen anfallende Abfälle managen. Demnach müssen Papier, Pappe, Karton, Glas, Kunststoffe, Metalle, Holz, Textilien und Bioabfälle getrennt voneinander gesammelt werden.

Was zuhause in die Restmülltonne hineingeworfen wird, kommt in der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage der Pohlschen Heide an. Gleiches gilt für Abfälle aus Gewerbebetrieben. MT-Archivfoto: Manfred Otto
Was zuhause in die Restmülltonne hineingeworfen wird, kommt in der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage der Pohlschen Heide an. Gleiches gilt für Abfälle aus Gewerbebetrieben. MT-Archivfoto: Manfred Otto

Die Abfallverwertung des Kreises – die KAVG – produziert an ihrem Standort auf der Pohlschen Heide aus dem Gewerbemüll sogenannte Ersatzbrennstoffe (ESB) und stofflich zu verwertende Wertstoffe. Heißt: Geeignete Materialien werden zu Ersatzbrennstoffen zusammengefasst. Im Heizkraftwerk Minden werden diese dann in Wärmeenergie umgewandelt, die wiederum zur Firma Siegfried geliefert wird. Somit ersetzen die ESB fossile Brennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle.

Allerdings ist die Annahme von Gewerbemüll auf der Pohlschen Heide begrenzt, wie Markus Jansen erklärt. „Es drückt in ganz Deutschland“, sagt der Mitarbeiter der KAVG. Im Heizkraftwerk in Minden könne das hohe Aufkommen der ESB nicht zeitnah verarbeitet werden. „Die Anlagentechnik stößt hier an ihre natürlichen Grenzen.“ Dies führt dazu, dass mindestens 20.000 Tonnen ESB in weit entfernten Heizkraftwerken verwertet werden. Das eigene Werk hat eine Kapazität von etwa 35.000 Jahrestonnen. Auf der Pohlschen Heide fallen, so Jansen, aber 55.000 Tonnen pro Jahr an.

Eine Konsequenz ist, dass die Brennstoffe zunächst auf der Pohlschen Heide zwischengelagert werden müssten, so Jansen weiter. Die Konsequenz ist ein erhöhtes Brandrisiko – das hätten die Brände auf der Pohlschen Heide im Hitze- und Trockenjahr 2018 gezeigt (das MT berichtete). Damals waren die Lagerkapazitäten per Sondergenehmigung von 10.000 auf 15.000 Tonnen erhöht worden.

„Diese Brände sollen sich natürlich nicht wiederholen“, betont Jansen. Daher habe die KAVG die Lagerkapazität wieder auf die grundsätzlich genehmigten 10.000 Tonnen begrenzt, weitere Mengen könnten nicht zwischengelagert werden. Demnach ist die Anlieferung von Gewerbemüll auf der Pohlschen Heide auf 75 Tonnen pro Tag begrenzt.

Geregelt wird das Geschäft mit dem Gewerbemüll über die GVA – die Gesellschaft zur Verwertung von Abfällen im Kreis Minden-Lübbecke. Die GVA befindet sich in direkter Nachbarschaft der Pohlschen Heide. Die KAVG gibt ihr Jahreskontingent an die GVA ab – von dort wird es je nach Bedarf an die Gewerbetreibenden verteilt. „Wir versuchen, Mülltourismus zu unterbinden“, sagt Jansen. Aus diesem Grund setze man auf Kunden aus der Region.

Im Gegensatz zur Abfuhr des Hausmülls, der kommunal geregelt ist, beauftragen die Gewerbetreibenden Containerdienste mit der Abfuhr ihrer Abfälle. Kleingewerbe können ihren Müll auf einem der beiden Wertstoffhöfe auf der Pohlschen Heide anliefern. Bevor die Container abgekippt werden, greifen verschiedene Kontrollinstanzen. „Meist sehen die Kollegen schon am Gewicht des Lastwagen, ob etwas mit der Ladung nicht stimmt“, sagt Markus Jansen. Neben der Sichtkontrolle an der Waage würden an der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) noch einmal alle Papiere überprüft, bevor die Abfälle endgültig abgeladen werden könnten. In der MBA wird der Müll dann sortiert und weiter verarbeitet. „Unser Ziel ist es, möglichst sortenrein zu sortieren, um die Stoffe entsprechend wiederverwerten zu können“, sagt Jansen.

Hat der Gewerbetreibende seinen Müll nicht korrekt deklariert, kann dies schlimme Folgen haben, wie ein Gefahrguteinsatz im März gezeigt hat (das MT berichtete). In der Annahmehalle der MBA hatte ein Kunde mehrere Kanister als Gewerbemüll abgegeben. Die Behälter kippten um und liefen aus. Mitarbeiter der Pohlschen Heide bemerkten wenig später Blasenbildung in der Flüssigkeit, es verbreitete sich ein ätzender Geruch, außerdem bildete sich Rauch. Aufgrund der umfangreichen Kontrollen passieren solche Einsätze tatsächlich sehr selten. Der Gefahrguteinsatz im März sei der erste seit 15 Jahren gewesen, hieß es seinerzeit.

Grundsätzlich ist nicht das, was auf der Pohlschen Heide angeliefert wird ein Problem, sondern die Mengen. Markus Jansen glaubt, dass dieses Thema noch jede Menge Aufklärungsarbeit erfordert. „Wenn man Abfallströme regulieren will, muss man beim Konsum ansetzen. Aber das ist nicht Aufgabe desjenigen, der die Abfälle letztlich entsorgt.“

Hier gibt es die weiteren Teile der MT-Serie

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