Der zehnte Minden-Krimi der Hillerin Andrea Gerecke spielt in der Zeitungsbranche Ursula Koch Hille. Erst eine Briefbombe in der Redaktion, dann ein Brandanschlag auf das Druckhaus – in Andrea Gereckes zehntem Regionalkrimi „Zeilenfall“ geht es in der Zeitungslandschaft um einiges dramatischer zu, als in der Realität. Aber das ist in einer fiktiven Geschichte selbstverständlich der dichterischen Freiheit überlassen. Schauplatz des jüngsten Werks der in Hille lebenden Autorin ist wieder Minden. Sie ist damit einerseits Beobachterin von außen, aber doch dicht dran am Geschehen, baut Ortskenntnis und Wissen über lokale Ereignisse geschickt in ihre Geschichte ein. MT-Leser werden die eine oder andere Zeitungsmeldung wiedererkennen. Das Buch wird am Sonntag, 20. September, um 11 Uhr in der Marienkirche der Öffentlichkeit vorgestellt. Aber anders als in der Realität gibt es in dem Roman von Andrea Gerecke zwei Zeitungen in Minden – die Gazette und das Journal. Alteingesessene Mindener können sich noch an Zeiten erinnern, als Anfang der 90er Jahre in Minden noch drei Lokalausgaben erschienen - neben dem Mindener Tageblatt auch die Lokalausgaben der Neuen Westfälischen und des Westfalen Blatts aus Bielefeld. Die im Roman beschriebenen Konzentrationsprozesse in der Branche haben also einen sehr realen Hintergrund, auch wenn die redaktionelle Arbeit gelegentlich etwas großstädtischer beschrieben wird, als sie tatsächlich ist - Auslandskorrespondenten gehören dann doch in eine andere Liga. Vor diesem Hintergrund entwickelt Gerecke eine spannende, allerdings auch leicht verwirrende Geschichte. Neben einer Briefbombe, durch die die Redaktionsassistentin verletzt wird und einem Brandanschlag auf das Druckhaus finden zwei Redakteure den Tod: Der Kulturredakteur stirbt bei einem Fahrradunfall, der stellvertretende Chefredakteur erleidet an der Kaffeemaschine einen Stromschlag. Dann wird auch noch die Chefredakteurin der Gazette entführt. Die Täter verlangen nicht nur zehn Millionen Euro Lösegeld, sondern auch den Fortbestand des Journals. Wie es zu dieser etwas verdrehten Vorgehensweise kommt, das klärt Kommissar Alexander Rosenbaum in seinem zehnten Fall selbstverständlich zum Schluss auf. Dazwischen gibt es reichlich Lokalkolorit, von den „nebulösen Finanzinvestoren“, die die Obermarktpassage brach liegen lassen bis zu der dringend notwendigen Sanierung der Marienkirche. Die Einbindung der Kirche und ihrer Geschichte in den Roman war eine Idee von Pfarrer Frieder Küppers, erzählt die Autorin. Den Vorschlag habe er ihr im Herbst gemacht. Er führte sie durch die Kirche, über die Grabplatten hinauf in den Turm und auch zu dem Versteck in der Orgel, verrät sie. Solche Einschübe nutze sie gerne, um Authentizität zu erzeugen und ihren Geschichten zugleich mehr Tiefe zu geben. Dabei passieren der Wahl-Hillerin allerdings kleine Ungenauigkeiten, etwa wenn sie von den „Obermarktpassagen“ spricht, Mindener aber wissen, dass es eben nur die Eine gibt. Die seit langem geschlossene Stadthalle beschreibt sie als plüschig, dabei dominieren dort Stein und Stahlrohr. Für Längen sorgen auch Dopplungen, als traue Gerecke ihren eigenen Beschreibungen nicht so ganz. Jedes Jahr ein Minden-Krimi, das war seit 2011 der Takt, den Andrea Gerecke mit ihren Regionalkrimis bediente. „Darauf bin ich stolz. Ich hätte nie geglaubt, dass es so lange geht. Da steckt eine Menge Herzblut drin“, sagt die 63-Jährige. Ihren Lesern habe es bis zum nächsten Buch zu lange gedauert, während sie sich selber oft mehr Zeit gewünscht hätte. „Krimis machen Spaß, sind aber zugleich ein enges Konzept, vor allem, wenn es sich um eine Serie handelt“, sagt Gerecke. Das Pensum ist beachtlich, denn die gebürtige Berlinerin arbeitet zudem überregional als Journalistin und verfasst neben den Krimis auch noch Kurzgeschichten. Im Herbst sollen „Böse Geschichten zu Weihnachten aus dem Westfälischen“ herauskommen. „Diese Variante, Geschichten in fünf bis zehn Seiten auf den Punkt zu bringen, liebe ich sehr.“ Außerdem hat sie noch ein weiteres Projekt in der Schublade. Der entstehende Roman soll eine Familiengeschichte erzählen und ist im „vorigen Jahrtausend“ angesiedelt, werde aber nichts mit Minden zu tun haben. Zur Buchpremiere am Sonntag, 20. September, um 11 Uhr in St. Marien ist der Eintritt frei. Von jedem verkauften Krimi fließt ein Euro in die Turmsanierung, ein anonymer Spender werde jeweils einen weiteren Euro hinzugeben, berichtet Gerecke. Weitere Lesungen sind am 7. Oktober bei Thalia in Minden, am 15. November um 18.30 Uhr im Pivitskrug in Hille sowie am 27. November um 20 Uhr zur zweiten Krimi-Nacht in der Werretalhalle in Löhne geplant.

Der zehnte Minden-Krimi der Hillerin Andrea Gerecke spielt in der Zeitungsbranche

Hille. Erst eine Briefbombe in der Redaktion, dann ein Brandanschlag auf das Druckhaus – in Andrea Gereckes zehntem Regionalkrimi „Zeilenfall“ geht es in der Zeitungslandschaft um einiges dramatischer zu, als in der Realität. Aber das ist in einer fiktiven Geschichte selbstverständlich der dichterischen Freiheit überlassen. Schauplatz des jüngsten Werks der in Hille lebenden Autorin ist wieder Minden. Sie ist damit einerseits Beobachterin von außen, aber doch dicht dran am Geschehen, baut Ortskenntnis und Wissen über lokale Ereignisse geschickt in ihre Geschichte ein. MT-Leser werden die eine oder andere Zeitungsmeldung wiedererkennen. Das Buch wird am Sonntag, 20. September, um 11 Uhr in der Marienkirche der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Marienkirche spielt in Andrea Gereckes neuem Krimi „Zeilenfall“ eine besondere Rolle. Mit der Buchpremiere unterstützt sie die Spendensammlung für die Sanierung des Turms. - © MT-Foto: Patrick Schwemling
Die Marienkirche spielt in Andrea Gereckes neuem Krimi „Zeilenfall“ eine besondere Rolle. Mit der Buchpremiere unterstützt sie die Spendensammlung für die Sanierung des Turms. - © MT-Foto: Patrick Schwemling

Aber anders als in der Realität gibt es in dem Roman von Andrea Gerecke zwei Zeitungen in Minden – die Gazette und das Journal. Alteingesessene Mindener können sich noch an Zeiten erinnern, als Anfang der 90er Jahre in Minden noch drei Lokalausgaben erschienen - neben dem Mindener Tageblatt auch die Lokalausgaben der Neuen Westfälischen und des Westfalen Blatts aus Bielefeld. Die im Roman beschriebenen Konzentrationsprozesse in der Branche haben also einen sehr realen Hintergrund, auch wenn die redaktionelle Arbeit gelegentlich etwas großstädtischer beschrieben wird, als sie tatsächlich ist - Auslandskorrespondenten gehören dann doch in eine andere Liga.

Vor diesem Hintergrund entwickelt Gerecke eine spannende, allerdings auch leicht verwirrende Geschichte. Neben einer Briefbombe, durch die die Redaktionsassistentin verletzt wird und einem Brandanschlag auf das Druckhaus finden zwei Redakteure den Tod: Der Kulturredakteur stirbt bei einem Fahrradunfall, der stellvertretende Chefredakteur erleidet an der Kaffeemaschine einen Stromschlag. Dann wird auch noch die Chefredakteurin der Gazette entführt. Die Täter verlangen nicht nur zehn Millionen Euro Lösegeld, sondern auch den Fortbestand des Journals. Wie es zu dieser etwas verdrehten Vorgehensweise kommt, das klärt Kommissar Alexander Rosenbaum in seinem zehnten Fall selbstverständlich zum Schluss auf. Dazwischen gibt es reichlich Lokalkolorit, von den „nebulösen Finanzinvestoren“, die die Obermarktpassage brach liegen lassen bis zu der dringend notwendigen Sanierung der Marienkirche.

Die Einbindung der Kirche und ihrer Geschichte in den Roman war eine Idee von Pfarrer Frieder Küppers, erzählt die Autorin. Den Vorschlag habe er ihr im Herbst gemacht. Er führte sie durch die Kirche, über die Grabplatten hinauf in den Turm und auch zu dem Versteck in der Orgel, verrät sie. Solche Einschübe nutze sie gerne, um Authentizität zu erzeugen und ihren Geschichten zugleich mehr Tiefe zu geben.

Dabei passieren der Wahl-Hillerin allerdings kleine Ungenauigkeiten, etwa wenn sie von den „Obermarktpassagen“ spricht, Mindener aber wissen, dass es eben nur die Eine gibt. Die seit langem geschlossene Stadthalle beschreibt sie als plüschig, dabei dominieren dort Stein und Stahlrohr. Für Längen sorgen auch Dopplungen, als traue Gerecke ihren eigenen Beschreibungen nicht so ganz.

Jedes Jahr ein Minden-Krimi, das war seit 2011 der Takt, den Andrea Gerecke mit ihren Regionalkrimis bediente. „Darauf bin ich stolz. Ich hätte nie geglaubt, dass es so lange geht. Da steckt eine Menge Herzblut drin“, sagt die 63-Jährige. Ihren Lesern habe es bis zum nächsten Buch zu lange gedauert, während sie sich selber oft mehr Zeit gewünscht hätte. „Krimis machen Spaß, sind aber zugleich ein enges Konzept, vor allem, wenn es sich um eine Serie handelt“, sagt Gerecke. Das Pensum ist beachtlich, denn die gebürtige Berlinerin arbeitet zudem überregional als Journalistin und verfasst neben den Krimis auch noch Kurzgeschichten. Im Herbst sollen „Böse Geschichten zu Weihnachten aus dem Westfälischen“ herauskommen. „Diese Variante, Geschichten in fünf bis zehn Seiten auf den Punkt zu bringen, liebe ich sehr.“ Außerdem hat sie noch ein weiteres Projekt in der Schublade. Der entstehende Roman soll eine Familiengeschichte erzählen und ist im „vorigen Jahrtausend“ angesiedelt, werde aber nichts mit Minden zu tun haben.

Zur Buchpremiere am Sonntag, 20. September, um 11 Uhr in St. Marien ist der Eintritt frei. Von jedem verkauften Krimi fließt ein Euro in die Turmsanierung, ein anonymer Spender werde jeweils einen weiteren Euro hinzugeben, berichtet Gerecke. Weitere Lesungen sind am 7. Oktober bei Thalia in Minden, am 15. November um 18.30 Uhr im Pivitskrug in Hille sowie am 27. November um 20 Uhr zur zweiten Krimi-Nacht in der Werretalhalle in Löhne geplant.

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