Der Zahlenmensch: Martin Klee aus Lübbecke tritt am 15. Mai für die Freien Wähler an Sandra Spieker Hille/Lübbecke. Als Musiker hat man ein gutes Gespür für sein Publikum. Martin Klee ist Jazzmusiker, er spielt Trompete. Mit seiner Band ist er viele Jahre durch die Lande getourt und kennt alle Jazz-Keller und -Kneipen in- und auswendig. Ob auch die Gunst der Wähler auf seiner Seite ist? Der 59-jährige Lübbecker tritt bei der Landtagswahl im Wahlkreis 88, zu dem auch die Gemeinde Hille gehört, für die Freien Wähler an. Der Auslöser war ein ganz bestimmtes Thema. Ihm ist wichtig, dass bei Entscheidungen in Düsseldorf der ländliche Raum und dessen Gegebenheiten stärker berücksichtigt wird. Angefangen hat Klees politische Karriere mit der mittlerweile fast schon vergessenen Diskussion um die Weingartenstraße in Lübbecke. Deren Ausbau bewegte vor einigen Jahren die Gemüter – und zwar heftig. Die Planung ist schädlich für die Stadt, fand damals auch Diplom-Kaufmann Martin Klee, der nicht weit entfernt in Obernfelde wohnt. Er kandidierte 2014 für den Rat in der Wählergemeinschaft Lübbecke (WL), die mit dem Ansinnen antrat, den Ausbau der Straße zu verhindern. Neben Klee, der heute auch Vorsitzender der WL ist, wurden auch Dieter Wiegmann, Karl-Hermann Blaue und Karl-Gerd Husemeyer in das Gremium gewählt. Gemeinsam mit weiteren Mitstreitern gründete Klee auch eine Bürgerinitiative. Später dann stimmte die WL aber einem – dann moderaten – Ausbau der Straße zu. Das Ansinnen, die Straße als Westtangente auszubauen, sei erfolgreich verhindert worden, resümiert der Politiker. Das Thema ist nun schon lange erledigt. Im Nachhinein sagt Klee, wäre alles halb so schlimm gewesen. Lübbecke stehe, nicht nur finanziell, gut da. Man könne mit allen Ratsmitgliedern „gut reden“. „Allen geht es um die Sache.“ So auch ihm. Martin Klee bezeichnet sich selbst als Zahlenmensch, schon von Berufs wegen. Und sein Blick geht über die Grenzen der Stadt hinaus. Klee ist Vorsitzender des Finanzausschusses Lübbecke und auch beratendes Mitglied im Finanzausschuss des Kreises. Daher sieht er die ganze Krankenhaus-Diskussion auch fast ausschließlich aus finanzieller Sicht. Sie war der Anstoß für ihn, sich für die Landtagswahl aufstellen zulassen. Mit Zahlen langweilen will er sein Gegenüber aber nicht. Er wird emotional und deutlich. Ein Neubau am Kanal? „Völliger Unsinn“, sagt er. „Nur wegen der Aussicht auf Fördermittel und weil einer in Düsseldorf auf die Karte schaut und sagt, hier ist die Mitte, schreien alle auf einmal ja?“ Man könne nicht einfach den Zirkel auf die Karte setzen und sich danach richten. Das Fördermittelthema sei das Grundproblem an der Debatte. Die Kommunen allein könnten sich einen Neubau nicht leisten, er sei nur mit den Fördermitteln machbar. Es bestehe also eine Abhängigkeit. Aber davon dürfe man sich nicht blenden lassen. Wenn man vor zwei Jahren jemandem gesagt hätte, es gibt einen Neubau, dann wäre er für verrückt erklärt worden, ist Klee sich sicher. „Aber wenn man einen Architekten fragt, dann ist der immer für einen Neubau.“ Es hieße, das Krankenhaus Lübbecke ließe sich nicht im Bestand sanieren. „Warum nicht? Es ist ein Betonbau, der fortwährend saniert worden ist, etwa zuletzt mit der Notaufnahme und der Intensivstation. Wird er in sich zusammenfallen?“ Es sei alles „eine Frage des Wollens“. Doch ganz ohne Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten dürfe man in Düsseldorf auch keine Fördermittel verteilen. „Und man kann nicht Rahden einfach rasieren, da muss man sich etwas einfallen lassen.“ Für Lübbecke wäre eine Sanierung im Bestand, verteilt über die Jahre, sinnvoller. Aber auch das sei sicherlich nicht ganz günstig. Im besten Falle seien die Fördermittel, über die das Land eigentlich noch in diesem Monat entscheiden wollte, nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft. „Das wäre ideal.“ Ohne Fördermittel geht es auch beim Erreichen der Klimaschutz-Ziele nicht, ist der Politiker überzeugt. Wie würde er die Energiewende gestalten, wenn er gewählt würde? Wenn sich jeder eine PV-Anlage aufs Dach holen würde und man den Stromverbrauch so halbieren könnte? Das klingt in der Theorie natürlich gut. Klee will mit gutem Beispiel vorangehen und verweist auf seine „persönliche Energiewende“. Zur Arbeit geht es zu Fuß oder mit dem Fahrrad – in seinem Fall ist das natürlich gut möglich. Doch auf dem Land sei das Auto unverzichtbar. „Vom ÖPNV profitiert nur in dem Maße, wer in der Stadt wohnt.“ Der Busverkehr im Kreis Minden-Lübbecke müsse sich noch mehr am Bedarf orientieren, ist er überzeigt. Dabei seien vielleicht auch kleinere Fahrzeuge sinnvoll. Für mittellange Strecken nimmt er selbst seit eineinhalb Jahren seinen Mini („Ich habe einen England-Tick“) mit E-Antrieb. Auf dem Carport ist eine Photovoltaik-Anlage installiert, mit der er seinen eigenen Strom produziert und das Fahrzeug betankt. Ein E-Auto sei in der Unterhaltung günstiger, in der Anschaffung nicht so teuer wie viele denken und habe zudem ordentlich Schub. „Und: Ein bisschen Spaß machen soll es ja auch.“

Der Zahlenmensch: Martin Klee aus Lübbecke tritt am 15. Mai für die Freien Wähler an

Der Lübbecker Martin Klee kandidiert bei der Landtagswahl am 15. Mai für die Freien Wähler. Foto: Sandra Spieker

Hille/Lübbecke. Als Musiker hat man ein gutes Gespür für sein Publikum. Martin Klee ist Jazzmusiker, er spielt Trompete. Mit seiner Band ist er viele Jahre durch die Lande getourt und kennt alle Jazz-Keller und -Kneipen in- und auswendig. Ob auch die Gunst der Wähler auf seiner Seite ist? Der 59-jährige Lübbecker tritt bei der Landtagswahl im Wahlkreis 88, zu dem auch die Gemeinde Hille gehört, für die Freien Wähler an. Der Auslöser war ein ganz bestimmtes Thema. Ihm ist wichtig, dass bei Entscheidungen in Düsseldorf der ländliche Raum und dessen Gegebenheiten stärker berücksichtigt wird.

Angefangen hat Klees politische Karriere mit der mittlerweile fast schon vergessenen Diskussion um die Weingartenstraße in Lübbecke. Deren Ausbau bewegte vor einigen Jahren die Gemüter – und zwar heftig. Die Planung ist schädlich für die Stadt, fand damals auch Diplom-Kaufmann Martin Klee, der nicht weit entfernt in Obernfelde wohnt. Er kandidierte 2014 für den Rat in der Wählergemeinschaft Lübbecke (WL), die mit dem Ansinnen antrat, den Ausbau der Straße zu verhindern.

Neben Klee, der heute auch Vorsitzender der WL ist, wurden auch Dieter Wiegmann, Karl-Hermann Blaue und Karl-Gerd Husemeyer in das Gremium gewählt. Gemeinsam mit weiteren Mitstreitern gründete Klee auch eine Bürgerinitiative. Später dann stimmte die WL aber einem – dann moderaten – Ausbau der Straße zu. Das Ansinnen, die Straße als Westtangente auszubauen, sei erfolgreich verhindert worden, resümiert der Politiker. Das Thema ist nun schon lange erledigt. Im Nachhinein sagt Klee, wäre alles halb so schlimm gewesen. Lübbecke stehe, nicht nur finanziell, gut da. Man könne mit allen Ratsmitgliedern „gut reden“. „Allen geht es um die Sache.“


So auch ihm. Martin Klee bezeichnet sich selbst als Zahlenmensch, schon von Berufs wegen. Und sein Blick geht über die Grenzen der Stadt hinaus. Klee ist Vorsitzender des Finanzausschusses Lübbecke und auch beratendes Mitglied im Finanzausschuss des Kreises. Daher sieht er die ganze Krankenhaus-Diskussion auch fast ausschließlich aus finanzieller Sicht. Sie war der Anstoß für ihn, sich für die Landtagswahl aufstellen zulassen.

Mit Zahlen langweilen will er sein Gegenüber aber nicht. Er wird emotional und deutlich. Ein Neubau am Kanal? „Völliger Unsinn“, sagt er. „Nur wegen der Aussicht auf Fördermittel und weil einer in Düsseldorf auf die Karte schaut und sagt, hier ist die Mitte, schreien alle auf einmal ja?“ Man könne nicht einfach den Zirkel auf die Karte setzen und sich danach richten.

Das Fördermittelthema sei das Grundproblem an der Debatte. Die Kommunen allein könnten sich einen Neubau nicht leisten, er sei nur mit den Fördermitteln machbar. Es bestehe also eine Abhängigkeit. Aber davon dürfe man sich nicht blenden lassen. Wenn man vor zwei Jahren jemandem gesagt hätte, es gibt einen Neubau, dann wäre er für verrückt erklärt worden, ist Klee sich sicher. „Aber wenn man einen Architekten fragt, dann ist der immer für einen Neubau.“ Es hieße, das Krankenhaus Lübbecke ließe sich nicht im Bestand sanieren. „Warum nicht? Es ist ein Betonbau, der fortwährend saniert worden ist, etwa zuletzt mit der Notaufnahme und der Intensivstation. Wird er in sich zusammenfallen?“ Es sei alles „eine Frage des Wollens“.

Doch ganz ohne Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten dürfe man in Düsseldorf auch keine Fördermittel verteilen. „Und man kann nicht Rahden einfach rasieren, da muss man sich etwas einfallen lassen.“ Für Lübbecke wäre eine Sanierung im Bestand, verteilt über die Jahre, sinnvoller. Aber auch das sei sicherlich nicht ganz günstig. Im besten Falle seien die Fördermittel, über die das Land eigentlich noch in diesem Monat entscheiden wollte, nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft. „Das wäre ideal.“

Ohne Fördermittel geht es auch beim Erreichen der Klimaschutz-Ziele nicht, ist der Politiker überzeugt. Wie würde er die Energiewende gestalten, wenn er gewählt würde? Wenn sich jeder eine PV-Anlage aufs Dach holen würde und man den Stromverbrauch so halbieren könnte? Das klingt in der Theorie natürlich gut. Klee will mit gutem Beispiel vorangehen und verweist auf seine „persönliche Energiewende“. Zur Arbeit geht es zu Fuß oder mit dem Fahrrad – in seinem Fall ist das natürlich gut möglich. Doch auf dem Land sei das Auto unverzichtbar. „Vom ÖPNV profitiert nur in dem Maße, wer in der Stadt wohnt.“ Der Busverkehr im Kreis Minden-Lübbecke müsse sich noch mehr am Bedarf orientieren, ist er überzeigt. Dabei seien vielleicht auch kleinere Fahrzeuge sinnvoll.

Für mittellange Strecken nimmt er selbst seit eineinhalb Jahren seinen Mini („Ich habe einen England-Tick“) mit E-Antrieb. Auf dem Carport ist eine Photovoltaik-Anlage installiert, mit der er seinen eigenen Strom produziert und das Fahrzeug betankt. Ein E-Auto sei in der Unterhaltung günstiger, in der Anschaffung nicht so teuer wie viele denken und habe zudem ordentlich Schub. „Und: Ein bisschen Spaß machen soll es ja auch.“

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