Der Wald liegt voller Holz - gleichzeitig schnellen die Preise für Bauholz in ungeahnte Höhen Jörg Stuke Hille/Bad Oeynhausen. Hier könnte die Volksweisheit geboren sein vom Wald, den man vor lauter Bäumen nicht sieht. An dem Waldweg am Nordrand von Bergkirchen stapeln sich die Stämme gefällter Fichten und Lärchen meterhoch, so dass man fast die überlebenden Bäume dahinter aus dem Blick verlieren könnte. Mindestens 600 Festmeter lagern allein hier, so schätzt Förster Markus Uhr. Allein rund um Bergkirchen gibt es drei weitere solcher Holzlager. Das meiste davon frisch geschlagen. Alles Bäume, die vom Borkenkäfer dahingerafft wurden. Gleichzeitig aber schlägt die Baubranche bundesweit Alarm: Das Bauholz – also genau die Kanthölzer, Sparren, Bretter und Spanplatten aus Nadelholz – wird knapp. Oder zumindest unverschämt teuer. Ein Widerspruch, so scheint es. „Die Holzpreise haben sich seit dem vergangenen Jahr verdoppelt. Mindestens“, sagt Gernot Grübbel. Das Unternehmen in Eidinghausen, das er mit Bruder Eckhard leitet, baut Häuser. Holzhäuser. Immerhin können die Grübbels berichten, dass der Betrieb mit über 50 Mitarbeitern voll weiterläuft. „Kein Kunde muss sich Sorgen machen, dass sein Haus nicht fertig wird“, verspricht Gernot Grübbel. Denn das Holzlager ist gut gefüllt. Auch mit USB-Platten. Diese besonders tragfähigen Platten aus groben Holzraspeln sind aktuell praktisch gar nicht zu haben. „Aber wir haben davon im Herbst noch richtig viel eingekauft. Als ob ich es geahnt habe“, sagt Grübbel. Hat er aber nicht. Mit anderen Hölzern werde das Unternehmen als langjähriger Stammkunde von den Sägewerken immer noch beliefert. „Wenn auch zu horrenden Preisen“, sagt der Unternehmer. Und mit längeren Lieferzeiten. Ähnliches berichtet Thomas Wiesinger, Geschäftsführer beim Baustoffhändler Spellmann. Als er jetzt bei seinem Stammlieferanten Dachlatten ordern wollte, habe sich der Preis verdreifacht. „Das willst du nicht bezahlen“, sagt Wiesinger. Der aber – wie die Grübbels – auch berichtet, dass das Holz derzeit gar nicht das größte Sorgenkind bei den Baustoffen ist. „Dämmstoffe und Kanalrohre sind im Moment gar nicht zu bekommen“, sagt Wiesinger. Und dass auch beim Stahl die Preise raketenartig steigen, musste jüngst auch die Stadt Bad Oeynhausen feststellen. Sie berichtete, dass der Stahl für den geplanten Neubau der Sielbrücke muntere 500.000 Euro mehr kosten wird als geplant. Doch zurück zum Holz: Am fehlenden Angebot kann die Preisexplosion kaum liegen. „Holz“, so versichert auch Markus Uhr, „ist genug da.“ Also liegt es an der Qualität? Schließlich wurden die Bäume, die sich nun am Waldrand stapeln, nicht freiwillig gefällt, sondern weil sie vom Borkenkäfer befallen sind. „Im Käferholz kann es Verfärbungen geben. Und das Holz bekommt Risse, vor allem, wenn es jetzt noch länger liegt“, sagt der Förster, dessen rund 1.000 Hektar großes Revier sich vom Porta-Denkmal über Oberlübbe bis Schnathorst zieht. Das aber heiße nicht, dass man mit dem Holz nichts Vernünftiges mehr anfangen könne, betont Uhr. Denn aus den meisten der frisch gefällten Stämme lasse sich durchaus noch gutes Bauholz gewinnen. Wie zum Beispiel aus den auf 11,80 Meter Länge zugeschnittenen Fichtenstämmen aus dem Bergkirchener Wald. Ein Maß, das schon auf ihren Verwendungszweck und eine Antwort auf die Frage hindeutet, warum das Bauholz knapp und teuer wird. Denn 11,80 Meter, das ist genau die Länge für Übersee-Container. „Die gehen nach China“, erklärt Uhr. Andere Langstämme sind für den Export in die USA bestimmt. Denn Holz ist ein Produkt, das auf dem Weltmarkt gehandelt wird. Russland hat einen Exportstopp für Holz verfügt, auch in Deutschland denken erste Politiker über ein Ausfuhrverbot nach . Und die Nachfrage in den USA ist gestiegen, weil die Vereinigten Staaten weniger aus Kanada importieren können. „Die USA zahlen praktisch jeden Preis“, berichtet Grübbel. Eine Entwicklung, die bislang allerdings bei den Erzeugern des Holzes, den Waldbauern, kaum angekommen ist. Mitte 2020 erreichte der Preis für geschlagenes Nadelholz mit rund 35 Euro pro Festmeter einen Tiefstand, der kaum die Kosten deckte, sie aus dem Wald zu holen. Inzwischen, so weiß Markus Uhr, ziehen die Preise fürs rohe Stammholz zumindest leicht an, sind aber immer noch weit vom Niveau guter Jahre entfernt. Und so waren die Waldbauern im vergangenen Jahr noch froh, wenn sie ihr Holz in China loswurden. Doch Bäume aus dem Wiehengebirge landen durchaus auch auf dem heimischen Markt. Der Förster weist auf einen Stapel mit Vier-Meter-Stämmen hin. „Die gehen in ein Sägewerk nach Brilon“, sagt Uhr. Und werden dort zu Bauholz veredelt. Doch die deutschen Sägewerke arbeiten unter Volllast und können die Nachfrage dennoch kaum befriedigen. Grund dafür ist zum einen der Bauboom. „Es gab 2020 in Deutschland 16 Prozent mehr Baugenehmigungen“, weiß Uhr. Grübbel bestätigt: „Unsere Auftragsbücher sind voll.“ Verstärkt wird die Nachfrage durch die ebenfalls boomende Do-it-yourself-Mode. Durch Corona haben viele Menschen oft mehr Zeit und durch ausgefallene Urlaubsfahrten Geld zur Verfügung, um den Hobby-Handwerker in sich zu entdecken. „Dazu kommt, dass sich die Zahl der Sägewerke in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren deutlich verringert hat“, berichtet Grübbel. Wenn irgendwann die ganzen Käferbäume in den Wäldern aufgearbeitet sind – dann wird zumindest Fichtenholz nicht mehr in Hülle und Fülle angeboten werden. Nadelholz werde nicht unbedingt knapp, aber teuer bleiben, vermutet Uhr. Der Förster rät deshalb den Waldbauern in seinem Revier: „Wer noch einen Platz in der Scheune dafür findet, sollte sich Stammholz einlagern.“ Auch für Eckhard und Gernot Grübbel ist der derzeitige Engpass kein Grund zur Abkehr vom Holzbau. Im Gegenteil. „Wir werden die Preiserhöhungen nicht 1:1 an unsere Kunden weitergeben. Wir werden schauen, wie wir den Rohstoff Holz effektiver einsetzen können, ohne an der Qualität zu sparen“, sagt Gernot Grübbel. Aus Überzeugung, wie der Unternehmer versichert: „Denn mit Holz zu bauen ist ökologisch hoch sinnvoll.“

Der Wald liegt voller Holz - gleichzeitig schnellen die Preise für Bauholz in ungeahnte Höhen

Polter nennt der Fachmann die Holzstapel, die den Waldweg am Nordrand von Bergkirchen säumen. Förster Markus Uhr begutachtet die Fichtenstämme. Die Bäume mussten gefällt werden, weil sie vom Borkenkäfer befallen sind. Foto: Jörg Stuke © Jörg Stuke

Hille/Bad Oeynhausen. Hier könnte die Volksweisheit geboren sein vom Wald, den man vor lauter Bäumen nicht sieht. An dem Waldweg am Nordrand von Bergkirchen stapeln sich die Stämme gefällter Fichten und Lärchen meterhoch, so dass man fast die überlebenden Bäume dahinter aus dem Blick verlieren könnte. Mindestens 600 Festmeter lagern allein hier, so schätzt Förster Markus Uhr.

Allein rund um Bergkirchen gibt es drei weitere solcher Holzlager. Das meiste davon frisch geschlagen. Alles Bäume, die vom Borkenkäfer dahingerafft wurden. Gleichzeitig aber schlägt die Baubranche bundesweit Alarm: Das Bauholz – also genau die Kanthölzer, Sparren, Bretter und Spanplatten aus Nadelholz – wird knapp. Oder zumindest unverschämt teuer. Ein Widerspruch, so scheint es.

„Die Holzpreise haben sich seit dem vergangenen Jahr verdoppelt. Mindestens“, sagt Gernot Grübbel. Das Unternehmen in Eidinghausen, das er mit Bruder Eckhard leitet, baut Häuser. Holzhäuser. Immerhin können die Grübbels berichten, dass der Betrieb mit über 50 Mitarbeitern voll weiterläuft. „Kein Kunde muss sich Sorgen machen, dass sein Haus nicht fertig wird“, verspricht Gernot Grübbel. Denn das Holzlager ist gut gefüllt. Auch mit USB-Platten. Diese besonders tragfähigen Platten aus groben Holzraspeln sind aktuell praktisch gar nicht zu haben. „Aber wir haben davon im Herbst noch richtig viel eingekauft. Als ob ich es geahnt habe“, sagt Grübbel. Hat er aber nicht. Mit anderen Hölzern werde das Unternehmen als langjähriger Stammkunde von den Sägewerken immer noch beliefert. „Wenn auch zu horrenden Preisen“, sagt der Unternehmer. Und mit längeren Lieferzeiten.


Ähnliches berichtet Thomas Wiesinger, Geschäftsführer beim Baustoffhändler Spellmann. Als er jetzt bei seinem Stammlieferanten Dachlatten ordern wollte, habe sich der Preis verdreifacht. „Das willst du nicht bezahlen“, sagt Wiesinger. Der aber – wie die Grübbels – auch berichtet, dass das Holz derzeit gar nicht das größte Sorgenkind bei den Baustoffen ist. „Dämmstoffe und Kanalrohre sind im Moment gar nicht zu bekommen“, sagt Wiesinger. Und dass auch beim Stahl die Preise raketenartig steigen, musste jüngst auch die Stadt Bad Oeynhausen feststellen. Sie berichtete, dass der Stahl für den geplanten Neubau der Sielbrücke muntere 500.000 Euro mehr kosten wird als geplant.

Doch zurück zum Holz: Am fehlenden Angebot kann die Preisexplosion kaum liegen. „Holz“, so versichert auch Markus Uhr, „ist genug da.“ Also liegt es an der Qualität? Schließlich wurden die Bäume, die sich nun am Waldrand stapeln, nicht freiwillig gefällt, sondern weil sie vom Borkenkäfer befallen sind. „Im Käferholz kann es Verfärbungen geben. Und das Holz bekommt Risse, vor allem, wenn es jetzt noch länger liegt“, sagt der Förster, dessen rund 1.000 Hektar großes Revier sich vom Porta-Denkmal über Oberlübbe bis Schnathorst zieht. Das aber heiße nicht, dass man mit dem Holz nichts Vernünftiges mehr anfangen könne, betont Uhr. Denn aus den meisten der frisch gefällten Stämme lasse sich durchaus noch gutes Bauholz gewinnen.

Wie zum Beispiel aus den auf 11,80 Meter Länge zugeschnittenen Fichtenstämmen aus dem Bergkirchener Wald. Ein Maß, das schon auf ihren Verwendungszweck und eine Antwort auf die Frage hindeutet, warum das Bauholz knapp und teuer wird. Denn 11,80 Meter, das ist genau die Länge für Übersee-Container. „Die gehen nach China“, erklärt Uhr. Andere Langstämme sind für den Export in die USA bestimmt. Denn Holz ist ein Produkt, das auf dem Weltmarkt gehandelt wird. Russland hat einen Exportstopp für Holz verfügt, auch in Deutschland denken erste Politiker über ein Ausfuhrverbot nach . Und die Nachfrage in den USA ist gestiegen, weil die Vereinigten Staaten weniger aus Kanada importieren können. „Die USA zahlen praktisch jeden Preis“, berichtet Grübbel.

Eine Entwicklung, die bislang allerdings bei den Erzeugern des Holzes, den Waldbauern, kaum angekommen ist. Mitte 2020 erreichte der Preis für geschlagenes Nadelholz mit rund 35 Euro pro Festmeter einen Tiefstand, der kaum die Kosten deckte, sie aus dem Wald zu holen. Inzwischen, so weiß Markus Uhr, ziehen die Preise fürs rohe Stammholz zumindest leicht an, sind aber immer noch weit vom Niveau guter Jahre entfernt. Und so waren die Waldbauern im vergangenen Jahr noch froh, wenn sie ihr Holz in China loswurden.

Doch Bäume aus dem Wiehengebirge landen durchaus auch auf dem heimischen Markt. Der Förster weist auf einen Stapel mit Vier-Meter-Stämmen hin. „Die gehen in ein Sägewerk nach Brilon“, sagt Uhr. Und werden dort zu Bauholz veredelt. Doch die deutschen Sägewerke arbeiten unter Volllast und können die Nachfrage dennoch kaum befriedigen. Grund dafür ist zum einen der Bauboom. „Es gab 2020 in Deutschland 16 Prozent mehr Baugenehmigungen“, weiß Uhr. Grübbel bestätigt: „Unsere Auftragsbücher sind voll.“ Verstärkt wird die Nachfrage durch die ebenfalls boomende Do-it-yourself-Mode. Durch Corona haben viele Menschen oft mehr Zeit und durch ausgefallene Urlaubsfahrten Geld zur Verfügung, um den Hobby-Handwerker in sich zu entdecken. „Dazu kommt, dass sich die Zahl der Sägewerke in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren deutlich verringert hat“, berichtet Grübbel.

Wenn irgendwann die ganzen Käferbäume in den Wäldern aufgearbeitet sind – dann wird zumindest Fichtenholz nicht mehr in Hülle und Fülle angeboten werden. Nadelholz werde nicht unbedingt knapp, aber teuer bleiben, vermutet Uhr. Der Förster rät deshalb den Waldbauern in seinem Revier: „Wer noch einen Platz in der Scheune dafür findet, sollte sich Stammholz einlagern.“

Auch für Eckhard und Gernot Grübbel ist der derzeitige Engpass kein Grund zur Abkehr vom Holzbau. Im Gegenteil. „Wir werden die Preiserhöhungen nicht 1:1 an unsere Kunden weitergeben. Wir werden schauen, wie wir den Rohstoff Holz effektiver einsetzen können, ohne an der Qualität zu sparen“, sagt Gernot Grübbel. Aus Überzeugung, wie der Unternehmer versichert: „Denn mit Holz zu bauen ist ökologisch hoch sinnvoll.“

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