Der Alte ist auch der Neue: Schweiß will sich keine Pause gönnen Stefanie Dullweber Hille. Nein, aufgeregt sei er an diesem Wahlsonntag nicht gewesen, sagt Michael Schweiß, während er die Glückwünsche von seinen Kollegen aus dem Rathaus entgegennimmt. Der alte ist auch der neue Bürgermeister. Mit knapp 54 Prozent der Stimmen setzte sich der Einzelbewerber in der Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Henning Grinke (46 Prozent) durch. Der kam noch am Abend als fairer Verlierer ins Rathaus und gratulierte dem Amtsinhaber zum Sieg. Von den 18 Wahlbezirken holte der Herausforderer immerhin sieben – Hille Nord/West, Mitte und Süd, Unterlübbe, Oberlübbe West und Ost sowie Eickhorst. In Grinkes Heimatort Südhemmern setzte sich – wie bereits vor zwei Wochen – Michael Schweiß durch. Der wiederum erzielte sein bestes Ergebnis in seinem Heimatort Holzhausen II (68 Prozent). Aber auch in Nordhemmern, Hartum und Rothenuffeln lag der 60-Jährige deutlich vorn. „Für mich geht es morgen sofort weiter – und zwar mit Vollgas", sagte Michael Schweiß am Sonntagabend im MT-Gespräch. Das Ergebnis habe er sich im Vorfeld in etwa so ausgerechnet. Er habe aber auch – so Schweiß weiter – großen Respekt vor dem Ergebnis, das Henning Grinke erzielt habe und freue sich auf eine gute Zusammenarbeit im Rat. Der Bürgermeister kündigte an, dass er viele Dinge auf seinem Schreibtisch liegen hat, die er in der nächsten Zeit anpacken will – sofern es die Corona-Pandemie zulässt. Zwei unmittelbare Projekte sind laut Schweiß die geplante Schulsternwarte am Badesee Mindenerwald sowie der Förderantrag für den Kunstrasenplatz des SC Hille. Zudem werde er die positive Entwicklung der ärztlichen Versorgung weiter vorantreiben und den Luftkurort Rothenuffeln in Sachen Tourismus in den Blick nehmen. Und er freue sich auf die Fertigstellung der Kreisleitstelle. Die Beteiligung der Heranwachsenden an politischen Entscheidungen sei ein Thema, das er gleich bei der konstituierenden Sitzung des Rates auf die Tagesordnung setzen will. Henning Grinke nahm am Abend im Rathaus die Glückwünsche von Wahlleiter Helmut Spilker für ein „hervorragendes Ergebnis" entgegen. „Ich freue mich über knapp 3.200 Stimmen, aber natürlich hätte ich lieber gewonnen", sagte der 38-Jährige. Offenbar habe er während seines Wahlkampfes nicht alle Bürger erreicht, begründete der Südhemmeraner die Niederlage. Jetzt werde er sich der Arbeit im Rat und den Ausschüssen widmen. „Man wird uns reden und uns mitnehmen müssen", sagte Grinke angesichts der neuen Mehrheit der CDU im Rat. „Und wir werden nicht zu allem Ja und Amen sagen." Von Michael Schweiß gab es bereits am Sonntagabend Signale für ein Miteinander: „Herr Grinke, Sie haben den Blick für das, was getan werden muss. Ich habe die Hoffnung, dass es ein Zukunftsmodell für die Gemeinde Hille sein kann – wenn Sie verstehen, was ich meine." Er selbst schließe eine vierte Amtszeit aus, kündigte der Bürgermeister an, dass für ihn in fünf Jahren definitiv Schluss sei. Die Wahlbeteiligung in der Gemeinde Hille war – verglichen mit den Nachbarkommunen – mit am höchsten. 53 Prozent der 13.000 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme per Brief oder im Wahllokal ab. Nur wenige Stimmen waren ungültig – wie der eines Wählers, der „Keiner von beiden" auf seinen Bürgermeister-Stimmzettel geschrieben hatte. Jetzt ist es die Aufgabe des Wahlausschusses am Mittwoch, 30. September, um 15 Uhr das Ergebnis der Wahl festzustellen. Kommentar: GegenwindDer neue Bürgermeister ist der alte – und doch ist alles anders. Die CDU ist stärkste Fraktion und hat mit Henning Grinke einen potenziellen Fraktionschef, der sich achtbar in der Stichwahl geschlagen hat. Hinzu kommt mit Burkhard Günther ein wahrscheinlicher SPD-Fraktionsvorsitzender, der sich offen gegen den bisherigen Amtsinhaber positioniert hat. Alles deutet darauf hin, dass dem Rathauschef deutlich mehr Gegenwind entgegen bläst. Viel hängt jetzt davon ab, wie Michale Schweiß sich als Mehrheitsbeschaffer schlägt. Auf die Unterstützung der SPD kann er sich nicht verlassen. Auch bei den den kleinen Fraktionen sitzen neue Gesichter im Rat. Ob das „unabhängig" dem neuen und alten Bürgermeister hilfreich ist, wird sich zeigen. Ein Vorteil könnte sein, dass es weniger Parteienklüngel gibt. Und davon könnte das profitieren, worum es in der Politik immer gehen sollte: die Sache.

Der Alte ist auch der Neue: Schweiß will sich keine Pause gönnen

Glückwunsch zum Wahlsieg: Wahlleiter Helmut Spilker (links) gratuliert dem neuen und alten Bürgermeister Michael Schweiß. © MT-Foto: Stefanie Dullweber

Hille. Nein, aufgeregt sei er an diesem Wahlsonntag nicht gewesen, sagt Michael Schweiß, während er die Glückwünsche von seinen Kollegen aus dem Rathaus entgegennimmt. Der alte ist auch der neue Bürgermeister. Mit knapp 54 Prozent der Stimmen setzte sich der Einzelbewerber in der Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Henning Grinke (46 Prozent) durch. Der kam noch am Abend als fairer Verlierer ins Rathaus und gratulierte dem Amtsinhaber zum Sieg.

Von den 18 Wahlbezirken holte der Herausforderer immerhin sieben – Hille Nord/West, Mitte und Süd, Unterlübbe, Oberlübbe West und Ost sowie Eickhorst. In Grinkes Heimatort Südhemmern setzte sich – wie bereits vor zwei Wochen – Michael Schweiß durch. Der wiederum erzielte sein bestes Ergebnis in seinem Heimatort Holzhausen II (68 Prozent). Aber auch in Nordhemmern, Hartum und Rothenuffeln lag der 60-Jährige deutlich vorn.

Zwei Stimmzettel mussten ausgezählt werden. Bei der Landratswahl holte Anna Bölling in Hille rund 66 Prozent.
Zwei Stimmzettel mussten ausgezählt werden. Bei der Landratswahl holte Anna Bölling in Hille rund 66 Prozent.

„Für mich geht es morgen sofort weiter – und zwar mit Vollgas", sagte Michael Schweiß am Sonntagabend im MT-Gespräch. Das Ergebnis habe er sich im Vorfeld in etwa so ausgerechnet. Er habe aber auch – so Schweiß weiter – großen Respekt vor dem Ergebnis, das Henning Grinke erzielt habe und freue sich auf eine gute Zusammenarbeit im Rat. Der Bürgermeister kündigte an, dass er viele Dinge auf seinem Schreibtisch liegen hat, die er in der nächsten Zeit anpacken will – sofern es die Corona-Pandemie zulässt.

Die Wahlhelfer hatten diesmal etwas weniger zu tun. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 53 Prozent.
Die Wahlhelfer hatten diesmal etwas weniger zu tun. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 53 Prozent.

Zwei unmittelbare Projekte sind laut Schweiß die geplante Schulsternwarte am Badesee Mindenerwald sowie der Förderantrag für den Kunstrasenplatz des SC Hille. Zudem werde er die positive Entwicklung der ärztlichen Versorgung weiter vorantreiben und den Luftkurort Rothenuffeln in Sachen Tourismus in den Blick nehmen. Und er freue sich auf die Fertigstellung der Kreisleitstelle. Die Beteiligung der Heranwachsenden an politischen Entscheidungen sei ein Thema, das er gleich bei der konstituierenden Sitzung des Rates auf die Tagesordnung setzen will.

CDU-Kandidat Henning Grinke und Lebensgefährtin Claudia Südmeyer gratulierten dem Wahlsieger im Rathaus .
CDU-Kandidat Henning Grinke und Lebensgefährtin Claudia Südmeyer gratulierten dem Wahlsieger im Rathaus .

Henning Grinke nahm am Abend im Rathaus die Glückwünsche von Wahlleiter Helmut Spilker für ein „hervorragendes Ergebnis" entgegen. „Ich freue mich über knapp 3.200 Stimmen, aber natürlich hätte ich lieber gewonnen", sagte der 38-Jährige. Offenbar habe er während seines Wahlkampfes nicht alle Bürger erreicht, begründete der Südhemmeraner die Niederlage. Jetzt werde er sich der Arbeit im Rat und den Ausschüssen widmen. „Man wird uns reden und uns mitnehmen müssen", sagte Grinke angesichts der neuen Mehrheit der CDU im Rat. „Und wir werden nicht zu allem Ja und Amen sagen."

Von Michael Schweiß gab es bereits am Sonntagabend Signale für ein Miteinander: „Herr Grinke, Sie haben den Blick für das, was getan werden muss. Ich habe die Hoffnung, dass es ein Zukunftsmodell für die Gemeinde Hille sein kann – wenn Sie verstehen, was ich meine." Er selbst schließe eine vierte Amtszeit aus, kündigte der Bürgermeister an, dass für ihn in fünf Jahren definitiv Schluss sei.

Die Wahlbeteiligung in der Gemeinde Hille war – verglichen mit den Nachbarkommunen – mit am höchsten. 53 Prozent der 13.000 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme per Brief oder im Wahllokal ab. Nur wenige Stimmen waren ungültig – wie der eines Wählers, der „Keiner von beiden" auf seinen Bürgermeister-Stimmzettel geschrieben hatte. Jetzt ist es die Aufgabe des Wahlausschusses am Mittwoch, 30. September, um 15 Uhr das Ergebnis der Wahl festzustellen.

Kommentar: Gegenwind

Der neue Bürgermeister ist der alte – und doch ist alles anders. Die CDU ist stärkste Fraktion und hat mit Henning Grinke einen potenziellen Fraktionschef, der sich achtbar in der Stichwahl geschlagen hat. Hinzu kommt mit Burkhard Günther ein wahrscheinlicher SPD-Fraktionsvorsitzender, der sich offen gegen den bisherigen Amtsinhaber positioniert hat. Alles deutet darauf hin, dass dem Rathauschef deutlich mehr Gegenwind entgegen bläst. Viel hängt jetzt davon ab, wie Michale Schweiß sich als Mehrheitsbeschaffer schlägt. Auf die Unterstützung der SPD kann er sich nicht verlassen. Auch bei den den kleinen Fraktionen sitzen neue Gesichter im Rat. Ob das „unabhängig" dem neuen und alten Bürgermeister hilfreich ist, wird sich zeigen. Ein Vorteil könnte sein, dass es weniger Parteienklüngel gibt. Und davon könnte das profitieren, worum es in der Politik immer gehen sollte: die Sache.

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