Deponie als Erlebnisort: So könnte die Pohlsche Heide in Zukunft aussehen Sebastian Radermacher Hille. Es ist das erste Teilprojekt, das sich in der Umsetzung befindet. Und die Pläne für ein mobiles Klassenzimmer in Verbindung mit einem Labor zeigen bereits deutlich, wie die Pohlsche Heide in Zukunft aussehen soll. Das Entsorgungszentrum soll sich öffnen für Besucher, das Thema Kreislaufwirtschaft soll greifbar werden, die Deponie sich zu einem Erlebnisort entwickeln. „Smart Recycling Factory“ heißt das XXL-Projekt, das der Kreis Minden-Lübbecke 2017 auf den Weg gebracht hat. Das Kernziel: Irgendwann soll der gesamte Müll als Rohstoff gelten und fester Teil der Kreislaufwirtschaft sein – das Ende der Deponie. Um das zu schaffen, soll die Pohlsche Heide ein regionales Kompetenz- und Innovationszentrum werden. Projektleiterin Sarah Golcher stellte am Donnerstag der Politik im Betriebsausschuss den Stand der Planungen vor. Der mobile Lernstandort ist bereits konkret durchdacht: Auf einer Freifläche hinter dem Verwaltungsgebäude im Eingangsbereich der Pohlschen Heide wird ein mobiles Klassenzimmer in Verbindung mit einem Labor entstehen. Zielgruppe sind Schüler aller Schulformen ab der siebten Klasse. Lichtdurchflutete Räume in Modulbauweise mit großen, aufklappbaren Türen sollen die Kinder und Jugendlichen für Müll, Recycling und Co. begeistern und das Lernen und Forschen rund ums Thema Abfallwirtschaft attraktiv machen. Der Standort ist zunächst als Übergangslösung gedacht, da die Umsetzung des gesamten Projekts sich über einige Jahre hinziehen wird – so lange möchte der Kreis aber nicht mit dem Startschuss für den ersten Teilbereich warten. Langfristig gesehen, berichtete Golcher, soll dieses kleine „Bildungsquartier“ auf der Deponie platziert werden, wo sich die Schülerinnen und Schüler dann mit dem Thema auseinandersetzen können. Das Interesse der Schulen sei groß, merkte die Projektleiterin an. Der Kreis will mit dem mobilen Lernen Ende dieses Jahres starten. In den nächsten Monaten muss neben dem Bau der Container zum Beispiel noch der Transport der jungen Besucher geklärt werden, erläuterte Baudezernent Lutz Freiberg. „Das Projekt darf nicht daran scheitern, dass die Schulen aus Kostengründen nicht zur Pohlschen Heide kommen können.“ Der Kreis habe Ideen, wie die Busfahrten organisiert und finanziert werden könnten, womöglich über Stiftungsgelder, sagte Freiberg. Dass es rund um das Entsorgungszentrum in Zukunft durch ein erhöhtes Besucheraufkommen zu Verkehrsproblemen kommen könnte, glaubt der Dezernent nicht. Klar sei aber, dass das Thema Mobilität beziehungsweise die Erreichbarkeit der Pohlschen Heide für die Zukunft mitbedacht werden müsse. Auch das Thema Internet beschäftigt den Kreis. Denn die Bandbreite auf der Pohlschen Heide sei bislang nicht zufriedenstellend, wie Henning Schreiber, Geschäftsführer der Kreis-Abfall-Verwertungsgesellschaft (KAVG) den Politikern berichtete. Mittlerweile habe das Unternehmen Greenfiber aber Leerrohre verlegt, bis zum Jahresende soll das Entsorgungszentrum ans Glasfasernetz angeschlossen werden, hofft Schreiber. Zudem sei geplant, für die Smart Recycling Factory später einen separaten Anschluss zu buchen, um ausreichende Kapazitäten für Besucher und bei Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Die Neugestaltung der Pohlschen Heide ist Teil des Strukturförderprogramms „Regionale 2022“. Das Millionen-Projekt setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen, unter anderem aus dem besagten außerschulischen Lernstandort, dem Innovations- und Kompetenzzentrum für Recycling und Kreislaufwirtschaft oder auch aus der Deponie als Rohstoffquelle. Das Projekt hat im Förderprogramm vor Kurzem die nächste Hürde genommen und den B-Status erhalten. Auf die Beteiligten wartet nun weiterhin viel Arbeit, um 2022 ein weiteres Ziel zu erreichen: das A-Zertifikat. Dann könnten EU- und Landesfördermittel beantragt werden, um die übrigen Ideen umzusetzen. Damit die Smart Recycling Factory am Ende zu einem Erfolg werden kann, sei das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Wissenschaft enorm wichtig, machte Sarah Golcher deutlich. Mehrere Unternehmen hätten bereits ihre Absicht erklärt, an dem Zukunftsprojekt des Kreises mitwirken zu wollen, auch Hochschulen seien mit im Boot. In einem Wettbewerb hatten in den vergangenen Monaten mehrere Bewerber ihre Ideen und Konzepte zur Pohlschen Heide der Zukunft aufgezeigt. Die weiteren Planungen treibt der Kreis künftig mit den Büros „kleyer.koblitz.letzel.freivogel“ und „bbz landschaftsarchitekten“ aus Berlin voran. Ihr Konzept eines eingeschossigen Gebäudes, in dem die verschiedenen Bereiche angesiedelt werden können, setzte sich in dem Verfahren durch. Sie haben auf dem Gelände auch einen großzügigen Außenbereich eingeplant, um Veranstaltungen nicht nur auf das Gebäude zu beschränken. Bei der Anordnung des Komplexes werden Besucher der Smart Recycling Factory und der Anlieferungsverkehr, zum Beispiel zu den Wertstoffhöfen, klar voneinander getrennt. Die Vorgabe, den jetzigen Eingangsbereich mit dem Verwaltungsgebäude und der Waage zu erhalten, wird berücksichtigt. Und die Planungsbüros hätten bereits in der Vergangenheit nachgewiesen, dass sie das Thema ressourcenschonendes Bauen, was dem Kreis wichtig ist, ernst nehmen und für dieses Projekt brennen, hieß es im Ausschuss. Die Politiker waren angetan von den Plänen. Auch im Kreishaus ist man voller Vorfreude. „Wir haben einen guten Weg eingeschlagen, dass das Projekt erfolgreich sein kann“, sagte Freiberg.

Deponie als Erlebnisort: So könnte die Pohlsche Heide in Zukunft aussehen

So könnte das Hauptgebäude der „Smart Recycling Factory“ in Zukunft aussehen. Entwurf: kleyer.koblitz.letzel.freivogel/bbz landschaftsarchitekten © kleyer.koblitz.letzel.freivogel

Hille. Es ist das erste Teilprojekt, das sich in der Umsetzung befindet. Und die Pläne für ein mobiles Klassenzimmer in Verbindung mit einem Labor zeigen bereits deutlich, wie die Pohlsche Heide in Zukunft aussehen soll. Das Entsorgungszentrum soll sich öffnen für Besucher, das Thema Kreislaufwirtschaft soll greifbar werden, die Deponie sich zu einem Erlebnisort entwickeln. „Smart Recycling Factory“ heißt das XXL-Projekt, das der Kreis Minden-Lübbecke 2017 auf den Weg gebracht hat. Das Kernziel: Irgendwann soll der gesamte Müll als Rohstoff gelten und fester Teil der Kreislaufwirtschaft sein – das Ende der Deponie. Um das zu schaffen, soll die Pohlsche Heide ein regionales Kompetenz- und Innovationszentrum werden.

Projektleiterin Sarah Golcher stellte am Donnerstag der Politik im Betriebsausschuss den Stand der Planungen vor. Der mobile Lernstandort ist bereits konkret durchdacht: Auf einer Freifläche hinter dem Verwaltungsgebäude im Eingangsbereich der Pohlschen Heide wird ein mobiles Klassenzimmer in Verbindung mit einem Labor entstehen. Zielgruppe sind Schüler aller Schulformen ab der siebten Klasse. Lichtdurchflutete Räume in Modulbauweise mit großen, aufklappbaren Türen sollen die Kinder und Jugendlichen für Müll, Recycling und Co. begeistern und das Lernen und Forschen rund ums Thema Abfallwirtschaft attraktiv machen.

Der Standort ist zunächst als Übergangslösung gedacht, da die Umsetzung des gesamten Projekts sich über einige Jahre hinziehen wird – so lange möchte der Kreis aber nicht mit dem Startschuss für den ersten Teilbereich warten. Langfristig gesehen, berichtete Golcher, soll dieses kleine „Bildungsquartier“ auf der Deponie platziert werden, wo sich die Schülerinnen und Schüler dann mit dem Thema auseinandersetzen können. Das Interesse der Schulen sei groß, merkte die Projektleiterin an. Der Kreis will mit dem mobilen Lernen Ende dieses Jahres starten.


In den nächsten Monaten muss neben dem Bau der Container zum Beispiel noch der Transport der jungen Besucher geklärt werden, erläuterte Baudezernent Lutz Freiberg. „Das Projekt darf nicht daran scheitern, dass die Schulen aus Kostengründen nicht zur Pohlschen Heide kommen können.“ Der Kreis habe Ideen, wie die Busfahrten organisiert und finanziert werden könnten, womöglich über Stiftungsgelder, sagte Freiberg. Dass es rund um das Entsorgungszentrum in Zukunft durch ein erhöhtes Besucheraufkommen zu Verkehrsproblemen kommen könnte, glaubt der Dezernent nicht. Klar sei aber, dass das Thema Mobilität beziehungsweise die Erreichbarkeit der Pohlschen Heide für die Zukunft mitbedacht werden müsse.

In einem mobilen Klassenzimmer mit angrenzendem Labor können Schüler lernen und forschen. Entwurf: Architekturbüro Lindstedt GmbH - © Architekturbüro Lindstedt GmbH
In einem mobilen Klassenzimmer mit angrenzendem Labor können Schüler lernen und forschen. Entwurf: Architekturbüro Lindstedt GmbH - © Architekturbüro Lindstedt GmbH

Auch das Thema Internet beschäftigt den Kreis. Denn die Bandbreite auf der Pohlschen Heide sei bislang nicht zufriedenstellend, wie Henning Schreiber, Geschäftsführer der Kreis-Abfall-Verwertungsgesellschaft (KAVG) den Politikern berichtete. Mittlerweile habe das Unternehmen Greenfiber aber Leerrohre verlegt, bis zum Jahresende soll das Entsorgungszentrum ans Glasfasernetz angeschlossen werden, hofft Schreiber. Zudem sei geplant, für die Smart Recycling Factory später einen separaten Anschluss zu buchen, um ausreichende Kapazitäten für Besucher und bei Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen.

Die Neugestaltung der Pohlschen Heide ist Teil des Strukturförderprogramms „Regionale 2022“. Das Millionen-Projekt setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen, unter anderem aus dem besagten außerschulischen Lernstandort, dem Innovations- und Kompetenzzentrum für Recycling und Kreislaufwirtschaft oder auch aus der Deponie als Rohstoffquelle. Das Projekt hat im Förderprogramm vor Kurzem die nächste Hürde genommen und den B-Status erhalten. Auf die Beteiligten wartet nun weiterhin viel Arbeit, um 2022 ein weiteres Ziel zu erreichen: das A-Zertifikat. Dann könnten EU- und Landesfördermittel beantragt werden, um die übrigen Ideen umzusetzen.

Damit die Smart Recycling Factory am Ende zu einem Erfolg werden kann, sei das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Wissenschaft enorm wichtig, machte Sarah Golcher deutlich. Mehrere Unternehmen hätten bereits ihre Absicht erklärt, an dem Zukunftsprojekt des Kreises mitwirken zu wollen, auch Hochschulen seien mit im Boot.

In einem Wettbewerb hatten in den vergangenen Monaten mehrere Bewerber ihre Ideen und Konzepte zur Pohlschen Heide der Zukunft aufgezeigt. Die weiteren Planungen treibt der Kreis künftig mit den Büros „kleyer.koblitz.letzel.freivogel“ und „bbz landschaftsarchitekten“ aus Berlin voran. Ihr Konzept eines eingeschossigen Gebäudes, in dem die verschiedenen Bereiche angesiedelt werden können, setzte sich in dem Verfahren durch.

Sie haben auf dem Gelände auch einen großzügigen Außenbereich eingeplant, um Veranstaltungen nicht nur auf das Gebäude zu beschränken. Bei der Anordnung des Komplexes werden Besucher der Smart Recycling Factory und der Anlieferungsverkehr, zum Beispiel zu den Wertstoffhöfen, klar voneinander getrennt. Die Vorgabe, den jetzigen Eingangsbereich mit dem Verwaltungsgebäude und der Waage zu erhalten, wird berücksichtigt. Und die Planungsbüros hätten bereits in der Vergangenheit nachgewiesen, dass sie das Thema ressourcenschonendes Bauen, was dem Kreis wichtig ist, ernst nehmen und für dieses Projekt brennen, hieß es im Ausschuss.

Die Politiker waren angetan von den Plänen. Auch im Kreishaus ist man voller Vorfreude. „Wir haben einen guten Weg eingeschlagen, dass das Projekt erfolgreich sein kann“, sagte Freiberg.

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