„Das wird ein Schmuckstück“: In Hille entsteht ein hochmodernes Übungsgelände für die Feuerwehr Sebastian Radermacher Hille. Der Schnee ist mittlerweile an den meisten Stellen zu einer weiß-braunen matschigen Pampe zusammengeschmolzen. Für die Bauarbeiter war der Wintereinbruch aber ohnehin kein Hindernis – die Errichtung des neuen Feuerwehrtechnische Zentrums (FTZ) an der Eickhorster Straße in Hille lief auch in der vergangenen Woche auf Hochtouren, wie Kreisbrandmeister Michael Schäfer berichtet. Lediglich die Außenarbeiten an der Fassade hätten zwischenzeitlich unterbrochen werden müssen. „Drinnen ging es aber die ganze Zeit weiter.“ Schäfer ist zufrieden mit dem Fortschritt – das wird bei einem Rundgang über das 21.000 Quadratmeter große Areal in dieser Woche deutlich. Das Außengelände Angrenzend an das riesige FTZ entsteht eine 4.000 Quadratmeter große Übungsfläche im Freien, die den Ehrenamtlichen und Berufsfeuerwehrleuten zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten bietet. Die Arbeiten sind in vielen Bereichen schon größtenteils abgeschlossen. In einem Turm können die Einsatzkräfte zum Beispiel eine Höhenrettung simulieren, die Absturzsicherung üben oder den Einsatz mit einer Drehleiter trainieren. Daneben steht ein Übungshaus mit zwei Etagen und einem „ausgebauten“ Dachgeschoss. „Hier kann man alles darstellen, was bei einer Brandbekämpfung in einem Wohnhaus passieren kann“, erklärt Schäfer. Zum Beispiel wird im Obergeschoss eine spezielle Tür eingebaut, die die Einsatzkräfte öffnen müssen, um überhaupt in die Wohnung zu gelangen. Außerdem hat das Haus einen Keller, der bei Bedarf geflutet werden kann und dann leergepumpt werden muss. Es gibt auf dem Areal aber auch eine fünf Meter tiefe Grube mit einem angeschlossenen Schacht. Dort können Helfer die Rettung einer festsitzenden Person oder zum Beispiel eines verschütteten Arbeiters simulieren. Und in zwei Containern, die zu einem späteren Zeitpunkt aufgestellt werden, können die Feuerwehrleute Brände unter Atemschutz bekämpfen. Für Übungen mit Sonderlöschmitteln gibt es außerdem einen gesonderten Schacht, damit die Flüssigkeiten nicht in das normale Abwassersystem gelangt, erklärt der Kreisbrandmeister, der von dem Ausbildungs- und Trainingsgelände begeistert ist. „Das sind einfach tolle Rahmenbedingungen.“ Er hofft, dass die Feuerwehren im Kreisgebiet das Gelände nach der Fertigstellung auch intensiv nutzen werden. Das Hauptgebäude Das Feuerwehrtechnische Zentrum wird in U-Form auf einer Fläche von rund 5.600 Quadratmetern errichtet. Das Herzstück des zweigeschossigen Gebäudekomplexes bildet in der oberen Etage die Leitstelle, in der alle Notrufe aus dem Mühlenkreis ankommen und in der die Disponenten daraufhin die Rettungseinsätze koordinieren. Zurzeit ist diese Zentrale noch in der Wache an der Marienstraße in Minden untergebracht. Die Leitstelle wird einer von mehreren Räumen mit strengen Zugangsbeschränkungen sein – eine Schleuse regelt den Zutritt. In den äußerst sensiblen Bereichen müsse es solche Regelungen geben, sagt der Kreisbrandmeister. Auch der Technikraum zählt zu dem besonders geschützten Bereich. In dem neuen Leitstellen-Großraumbüro entstehen insgesamt zehn Arbeitsplätze – sechs für die Mitarbeiter, vier werden für die Kollegen aus dem Kreis Herford vorgehalten, mit denen Minden-Lübbecke eine Kooperationsvereinbarung getroffen hat, berichtet Schäfer. Beim Ausfall einer Leitstelle oder zur Bewältigung von Großeinsatzlagen und Katastrophen können eingehende Notrufe in der jeweils anderen Zentrale entgegengenommen und die Einsätze von dort aus koordiniert werden. „Der Anrufer würde davon nichts merken“, sagt Schäfer. Außerdem entstehen im Obergeschoss des Gebäudes Räume für den Krisenstab und die Einsatzleitung, Verwaltungsbüros, Ruhe- und Schulungsräume, Umkleiden und Toiletten sowie ein Speiseraum. Bislang tagt der Krisenstab bei einer Großschadenslage wie einem Bombenfund im Kreishaus in Minden – in Zukunft dann in Hille. Um Barrierefreiheit zu gewährleisten, sind beide Etagen auch über einen Aufzug verbunden. Im Erdgeschoss befindet sich eine große Fahrzeug- und Waschhalle. Dieser Teil des Gebäudes ist bis auf Restarbeiten bereits fertig und wird zurzeit als Materiallager für den Innenausbau genutzt. Ebenfalls fertig ist die Halle für den Rettungswagen, die als „Durchfahrtshalle“ konzipiert wurde. Das bedeutet: Muss das Fahrzeug zu einem Einsatz ausrücken, kann es durch ein Rolltor direkt nach vorne raus auf die Eickhorster Straße fahren. Kommt es zurück, gelangt es über den Innenhof durch ein zweites Tor wieder in die Halle. „Wir wollten verhindern, dass die Fahrer bei der Rückkehr auf der Eickhorster Straße rangieren und von dort rückwärts in die Halle fahren müssen“, erläutert Schäfer. Ebenfalls auf der unteren Etage entstehen ein Sportraum mit Ausdauer- und Fitnessgeräten, ein Bereich für den Hausmeister sowie die Atemschutz-Übungsstrecke. Auch die Hiller Rettungswache wird im Erdgeschoss untergebracht – sie ist seit Mai 2018 als Übergangswache am Brockkamp stationiert. Der Innenausbau Im Inneren des Gebäudes herrscht aktuell am meisten Trubel. Zahlreiche Bauarbeiter sind auf beiden Etagen mit verschiedenen Aufgaben beschäftigt. Die Heizungs-, Lüftungs- und Netzwerktechnik ist schon in vielen Räumen installiert, auch Wasser- und Abwasserleitungen sind verlegt, viele Wände bereits verputzt, zählt Schäfer auf. In den nächsten Tagen und Wochen soll abschnittsweise der Estrich verlegt werden. Der Boden muss dann einige Tage trocknen und aushärten, bevor in den einzelnen Bereichen weitergearbeitet werden kann – das müsse zeitlich also gut abgestimmt werden. Schäfer betont, dass das gesamte Gebäude nach neuesten Energiestandards gebaut wird. Die Kosten Der Kreis Minden-Lübbecke kalkuliert für das Neubauprojekt mit Gesamtkosten von rund 28 Millionen Euro. Laut Schäfer hat sich an dieser Zahl bislang nichts geändert. Der Zeitplan Auch wenn die Arbeiten sehr gut voranschreiten, so ist immer noch viel zu tun bis zur Fertigstellung des neuen Feuerwehrtechnischen Zentrums. Der Kreis plant, ab September das neue Gebäude sukzessive zu nutzen. Die Leitstelle wird allerdings erst Ende dieses Jahres als letzte Einheit einziehen. Das hängt aber vor allem mit der Einführung eines neuen Einsatzleitsystems zusammen, das zunächst konfiguriert und getestet werden muss, erklärt der Kreisbrandmeister. Der eigentliche Umzug sei am Ende kein großer Akt. Michael Schäfer sehnt das Arbeiten in den neuen Räumlichkeiten bereits herbei: „Das wird ein Schmuckstück, was es in der Region so noch nicht gibt.“

„Das wird ein Schmuckstück“: In Hille entsteht ein hochmodernes Übungsgelände für die Feuerwehr

In einem Turm und einem Haus können Rettungskräfte bald Einsätze simulieren. MT-Fotos: Alex Lehn © lehn

Hille. Der Schnee ist mittlerweile an den meisten Stellen zu einer weiß-braunen matschigen Pampe zusammengeschmolzen. Für die Bauarbeiter war der Wintereinbruch aber ohnehin kein Hindernis – die Errichtung des neuen Feuerwehrtechnische Zentrums (FTZ) an der Eickhorster Straße in Hille lief auch in der vergangenen Woche auf Hochtouren, wie Kreisbrandmeister Michael Schäfer berichtet. Lediglich die Außenarbeiten an der Fassade hätten zwischenzeitlich unterbrochen werden müssen. „Drinnen ging es aber die ganze Zeit weiter.“ Schäfer ist zufrieden mit dem Fortschritt – das wird bei einem Rundgang über das 21.000 Quadratmeter große Areal in dieser Woche deutlich.

Das Außengelände

Angrenzend an das riesige FTZ entsteht eine 4.000 Quadratmeter große Übungsfläche im Freien, die den Ehrenamtlichen und Berufsfeuerwehrleuten zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten bietet. Die Arbeiten sind in vielen Bereichen schon größtenteils abgeschlossen.

Die Fahrzeughalle ist so gut wie fertig und dient zurzeit als Materiallager. - © lehn
Die Fahrzeughalle ist so gut wie fertig und dient zurzeit als Materiallager. - © lehn

In einem Turm können die Einsatzkräfte zum Beispiel eine Höhenrettung simulieren, die Absturzsicherung üben oder den Einsatz mit einer Drehleiter trainieren. Daneben steht ein Übungshaus mit zwei Etagen und einem „ausgebauten“ Dachgeschoss. „Hier kann man alles darstellen, was bei einer Brandbekämpfung in einem Wohnhaus passieren kann“, erklärt Schäfer. Zum Beispiel wird im Obergeschoss eine spezielle Tür eingebaut, die die Einsatzkräfte öffnen müssen, um überhaupt in die Wohnung zu gelangen. Außerdem hat das Haus einen Keller, der bei Bedarf geflutet werden kann und dann leergepumpt werden muss.

Es gibt auf dem Areal aber auch eine fünf Meter tiefe Grube mit einem angeschlossenen Schacht. Dort können Helfer die Rettung einer festsitzenden Person oder zum Beispiel eines verschütteten Arbeiters simulieren. Und in zwei Containern, die zu einem späteren Zeitpunkt aufgestellt werden, können die Feuerwehrleute Brände unter Atemschutz bekämpfen.

Für Übungen mit Sonderlöschmitteln gibt es außerdem einen gesonderten Schacht, damit die Flüssigkeiten nicht in das normale Abwassersystem gelangt, erklärt der Kreisbrandmeister, der von dem Ausbildungs- und Trainingsgelände begeistert ist. „Das sind einfach tolle Rahmenbedingungen.“ Er hofft, dass die Feuerwehren im Kreisgebiet das Gelände nach der Fertigstellung auch intensiv nutzen werden.

Das Hauptgebäude

Das Feuerwehrtechnische Zentrum wird in U-Form auf einer Fläche von rund 5.600 Quadratmetern errichtet. Das Herzstück des zweigeschossigen Gebäudekomplexes bildet in der oberen Etage die Leitstelle, in der alle Notrufe aus dem Mühlenkreis ankommen und in der die Disponenten daraufhin die Rettungseinsätze koordinieren. Zurzeit ist diese Zentrale noch in der Wache an der Marienstraße in Minden untergebracht. Die Leitstelle wird einer von mehreren Räumen mit strengen Zugangsbeschränkungen sein – eine Schleuse regelt den Zutritt. In den äußerst sensiblen Bereichen müsse es solche Regelungen geben, sagt der Kreisbrandmeister. Auch der Technikraum zählt zu dem besonders geschützten Bereich.

In dem neuen Leitstellen-Großraumbüro entstehen insgesamt zehn Arbeitsplätze – sechs für die Mitarbeiter, vier werden für die Kollegen aus dem Kreis Herford vorgehalten, mit denen Minden-Lübbecke eine Kooperationsvereinbarung getroffen hat, berichtet Schäfer. Beim Ausfall einer Leitstelle oder zur Bewältigung von Großeinsatzlagen und Katastrophen können eingehende Notrufe in der jeweils anderen Zentrale entgegengenommen und die Einsätze von dort aus koordiniert werden. „Der Anrufer würde davon nichts merken“, sagt Schäfer.

Außerdem entstehen im Obergeschoss des Gebäudes Räume für den Krisenstab und die Einsatzleitung, Verwaltungsbüros, Ruhe- und Schulungsräume, Umkleiden und Toiletten sowie ein Speiseraum. Bislang tagt der Krisenstab bei einer Großschadenslage wie einem Bombenfund im Kreishaus in Minden – in Zukunft dann in Hille. Um Barrierefreiheit zu gewährleisten, sind beide Etagen auch über einen Aufzug verbunden.

Im Erdgeschoss befindet sich eine große Fahrzeug- und Waschhalle. Dieser Teil des Gebäudes ist bis auf Restarbeiten bereits fertig und wird zurzeit als Materiallager für den Innenausbau genutzt. Ebenfalls fertig ist die Halle für den Rettungswagen, die als „Durchfahrtshalle“ konzipiert wurde. Das bedeutet: Muss das Fahrzeug zu einem Einsatz ausrücken, kann es durch ein Rolltor direkt nach vorne raus auf die Eickhorster Straße fahren. Kommt es zurück, gelangt es über den Innenhof durch ein zweites Tor wieder in die Halle. „Wir wollten verhindern, dass die Fahrer bei der Rückkehr auf der Eickhorster Straße rangieren und von dort rückwärts in die Halle fahren müssen“, erläutert Schäfer.

Ebenfalls auf der unteren Etage entstehen ein Sportraum mit Ausdauer- und Fitnessgeräten, ein Bereich für den Hausmeister sowie die Atemschutz-Übungsstrecke. Auch die Hiller Rettungswache wird im Erdgeschoss untergebracht – sie ist seit Mai 2018 als Übergangswache am Brockkamp stationiert.

Der Innenausbau

Im Inneren des Gebäudes herrscht aktuell am meisten Trubel. Zahlreiche Bauarbeiter sind auf beiden Etagen mit verschiedenen Aufgaben beschäftigt. Die Heizungs-, Lüftungs- und Netzwerktechnik ist schon in vielen Räumen installiert, auch Wasser- und Abwasserleitungen sind verlegt, viele Wände bereits verputzt, zählt Schäfer auf. In den nächsten Tagen und Wochen soll abschnittsweise der Estrich verlegt werden. Der Boden muss dann einige Tage trocknen und aushärten, bevor in den einzelnen Bereichen weitergearbeitet werden kann – das müsse zeitlich also gut abgestimmt werden. Schäfer betont, dass das gesamte Gebäude nach neuesten Energiestandards gebaut wird.

Die Kosten

Der Kreis Minden-Lübbecke kalkuliert für das Neubauprojekt mit Gesamtkosten von rund 28 Millionen Euro. Laut Schäfer hat sich an dieser Zahl bislang nichts geändert.

Der Zeitplan

Auch wenn die Arbeiten sehr gut voranschreiten, so ist immer noch viel zu tun bis zur Fertigstellung des neuen Feuerwehrtechnischen Zentrums. Der Kreis plant, ab September das neue Gebäude sukzessive zu nutzen. Die Leitstelle wird allerdings erst Ende dieses Jahres als letzte Einheit einziehen. Das hängt aber vor allem mit der Einführung eines neuen Einsatzleitsystems zusammen, das zunächst konfiguriert und getestet werden muss, erklärt der Kreisbrandmeister. Der eigentliche Umzug sei am Ende kein großer Akt.

Michael Schäfer sehnt das Arbeiten in den neuen Räumlichkeiten bereits herbei: „Das wird ein Schmuckstück, was es in der Region so noch nicht gibt.“

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