„Das muss sich erst einpendeln“: Verwaltung bleibt nach Verkehrschaos in Hille gelassen Carsten Korfesmeyer Hille. Es sind teilweise chaotische Szenen, die sich aktuell im Hiller Ortskern abspielen. Autofahrer versuchen auf Schleichwegen die Sperrung der Mindener Straße zu umfahren, Lastwagen bleiben dabei in den von der Gemeinde ausgewiesenen Sackgassen stecken und mancher Anwohner ist aus dem Häuschen. „Ich habe sogar gesehen, wie jemand die Baken zur Seite schob und einfach weiterfuhr", sagt Ratsmitglied Hermann Böhne (SPD) am Mittwoch gegenüber dem MT. Die Bilanz am Tag eins nach dem Start der Kanalbauarbeiten fällt ernüchternd aus. Vieles ist passiert, was die meisten erwartet haben. Trotz umfassender Beschilderung werden die Hinweise ignoriert und nicht wenige realisieren die Situation erst an den rot-weißen Gittern. Sachgebietsleiter Marcus Becker greift die Vollsperrung am Dienstagabend im Betriebsausschuss auf. Das Konzept der Verwaltung sei dennoch richtig und der Mann aus dem Rathaus betrachtet die Lage gelassen. „Das muss sich erst einpendeln", sagt er im Gremium. Erfahrungsgemäß dauere es bei Baustellen dieser Größe immer ein paar Tage, bis sich alle an die neue Situation gewöhnt hätten. Vor allem die Lastwagen sind das große Problem, sagt der Sachgebietsleiter. Die tonnenschweren Fahrzeuge seien für die Nebenstrecken meist ungeeignet und grundsätzlich ruft er alle Verkehrsteilnehmer dazu auf, die Hinweise rund um die Baustelle zu beachten. Rund zwei Monate werden die Arbeiten voraussichtlich dauern und dabei in kleineren Schritten erfolgen. „Die Geschäfte sind immer erreichbar", sagt Marcus Becker. Allerdings müssten Kunden in Kauf nehmen, womöglich keinen Parkplatz vorm Laden zu bekommen. Fußläufig sei aber das meiste bequem erreichbar. Von der Politik bekommt die Verwaltung grundsätzlich Rückendeckung. SPD-Ratsmitglied Burkhard Günther ist überzeugt, dass sich die ganze Aufregung schnell wieder legt. Auch aus den anderen Fraktionen fallen in der Sitzung keine kritischen Töne hinsichtlich der Verkehrsregelung. Marcus Becker zeigt sich dafür aber jederzeit offen. „Nichts ist in Stein gemeißelt", sagt er. Würde sich nach ein paar Tagen zeigen, dass bestimmte Verkehrsführungen keinen Sinn machen, werde die Verwaltung selbstverständlich nachbessern. Einen ersten Vorschlag macht Hermann Böhne gegenüber dem MT. Er beobachtete beispielsweise Lastwagenfahrer, die von der Von-Oeynhausen-Straße in die Mühlenstraße abbiegen. Die ist jedoch zurzeit eine Sackgasse. Der Politiker sieht in so genannte Vorwegweisern an der Mindener Straße eine sinnvolle Ergänzung. Auch Ortsvorsteher Hermann Buhrmester (CDU) hat der Verwaltung schon Verbesserungsvorschläge unterbreitet. So sollte seiner Ansicht nach über die Sperrungen im Ritterbruch und an Reimlers Teich nachgedacht werden. Wie geht es mit den Arbeiten weiter? Sie könnten zugleich der Auftakt für eine grundsätzliche bauliche Veränderung im Hiller Ortskern sein. Sind die Kanäle gelegt, werde alles wieder geschlossen und zunächst eine Asphaltschicht aufgetragen. Danach will die Gemeinde mit dem Landesbetrieb Straßen NRW über die optische Gestaltung dieses Abschnitts nachdenken, sagt Marcus Becker. Mehrere Politiker und auch Fachbereichsleiterin Ute Hildebrandt lassen in der Sitzung erkennen, dass eine Verkehrsberuhigung in dem Bereich denkbar wäre. Peinliche Ignoranz  Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer  Offensichtlich sind viele Menschen erst dann von der Existenz einer Baustelle überzeugt, wenn sie unmittelbar davor stehen. Das ist zum Haareraufen und wohl der Grund, warum es abseits der Mindener Straße zurzeit so hoch her geht. Autos und Lastwagen schieben sich durch die kleinen Nebenstrecken, mancher wendet auf privaten Grundstücken. Leider war das zu erwarten. Wie so oft im Straßenverkehr wird vieles einfach erstmal ignoriert und dann kommt der große Aufschrei. Es wird geschimpft und gewettert – leider trifft es die Falschen. Die Verwaltung hat getan, was sie konnte. Die ersten Hinweisschilder auf die Sperrung der Mindener Straße stehen schon mehr als zehn Kilometer vor der Baustelle. Mehr geht doch nun wirklich nicht. In ein paar Tagen pendelt sich tatsächlich alles ein. Auch sowas ist vorhersehbar. Denn so ignorant wird hoffentlich niemand sein – und sich immer wieder aufs Neue von der Existenz der Baustelle überzeugen wollen.

„Das muss sich erst einpendeln“: Verwaltung bleibt nach Verkehrschaos in Hille gelassen

Wer in die Mühlenstraße fährt,um so auf die Dorfstraße zu gelangen,landet in einer Sackgasse.Wie Anwohner gegenüber dem MT berichten,hätten Auto- und Lastwagenfahrer die Baken an die Seite geschoben und seien über die Neuanpflanzungen an Reimlers Teich gefahren. MT-Foto: Stefanie Dullweber © sbo

Hille. Es sind teilweise chaotische Szenen, die sich aktuell im Hiller Ortskern abspielen. Autofahrer versuchen auf Schleichwegen die Sperrung der Mindener Straße zu umfahren, Lastwagen bleiben dabei in den von der Gemeinde ausgewiesenen Sackgassen stecken und mancher Anwohner ist aus dem Häuschen. „Ich habe sogar gesehen, wie jemand die Baken zur Seite schob und einfach weiterfuhr", sagt Ratsmitglied Hermann Böhne (SPD) am Mittwoch gegenüber dem MT.

Die Bilanz am Tag eins nach dem Start der Kanalbauarbeiten fällt ernüchternd aus. Vieles ist passiert, was die meisten erwartet haben. Trotz umfassender Beschilderung werden die Hinweise ignoriert und nicht wenige realisieren die Situation erst an den rot-weißen Gittern. Sachgebietsleiter Marcus Becker greift die Vollsperrung am Dienstagabend im Betriebsausschuss auf. Das Konzept der Verwaltung sei dennoch richtig und der Mann aus dem Rathaus betrachtet die Lage gelassen. „Das muss sich erst einpendeln", sagt er im Gremium. Erfahrungsgemäß dauere es bei Baustellen dieser Größe immer ein paar Tage, bis sich alle an die neue Situation gewöhnt hätten.

Vor allem die Lastwagen sind das große Problem, sagt der Sachgebietsleiter. Die tonnenschweren Fahrzeuge seien für die Nebenstrecken meist ungeeignet und grundsätzlich ruft er alle Verkehrsteilnehmer dazu auf, die Hinweise rund um die Baustelle zu beachten. Rund zwei Monate werden die Arbeiten voraussichtlich dauern und dabei in kleineren Schritten erfolgen. „Die Geschäfte sind immer erreichbar", sagt Marcus Becker. Allerdings müssten Kunden in Kauf nehmen, womöglich keinen Parkplatz vorm Laden zu bekommen. Fußläufig sei aber das meiste bequem erreichbar.


Von der Politik bekommt die Verwaltung grundsätzlich Rückendeckung. SPD-Ratsmitglied Burkhard Günther ist überzeugt, dass sich die ganze Aufregung schnell wieder legt. Auch aus den anderen Fraktionen fallen in der Sitzung keine kritischen Töne hinsichtlich der Verkehrsregelung. Marcus Becker zeigt sich dafür aber jederzeit offen. „Nichts ist in Stein gemeißelt", sagt er. Würde sich nach ein paar Tagen zeigen, dass bestimmte Verkehrsführungen keinen Sinn machen, werde die Verwaltung selbstverständlich nachbessern. Einen ersten Vorschlag macht Hermann Böhne gegenüber dem MT. Er beobachtete beispielsweise Lastwagenfahrer, die von der Von-Oeynhausen-Straße in die Mühlenstraße abbiegen. Die ist jedoch zurzeit eine Sackgasse. Der Politiker sieht in so genannte Vorwegweisern an der Mindener Straße eine sinnvolle Ergänzung. Auch Ortsvorsteher Hermann Buhrmester (CDU) hat der Verwaltung schon Verbesserungsvorschläge unterbreitet. So sollte seiner Ansicht nach über die Sperrungen im Ritterbruch und an Reimlers Teich nachgedacht werden.

Wie geht es mit den Arbeiten weiter? Sie könnten zugleich der Auftakt für eine grundsätzliche bauliche Veränderung im Hiller Ortskern sein. Sind die Kanäle gelegt, werde alles wieder geschlossen und zunächst eine Asphaltschicht aufgetragen. Danach will die Gemeinde mit dem Landesbetrieb Straßen NRW über die optische Gestaltung dieses Abschnitts nachdenken, sagt Marcus Becker. Mehrere Politiker und auch Fachbereichsleiterin Ute Hildebrandt lassen in der Sitzung erkennen, dass eine Verkehrsberuhigung in dem Bereich denkbar wäre.

Peinliche Ignoranz 

Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer 

Offensichtlich sind viele Menschen erst dann von der Existenz einer Baustelle überzeugt, wenn sie unmittelbar davor stehen. Das ist zum Haareraufen und wohl der Grund, warum es abseits der Mindener Straße zurzeit so hoch her geht. Autos und Lastwagen schieben sich durch die kleinen Nebenstrecken, mancher wendet auf privaten Grundstücken. Leider war das zu erwarten.

Wie so oft im Straßenverkehr wird vieles einfach erstmal ignoriert und dann kommt der große Aufschrei. Es wird geschimpft und gewettert – leider trifft es die Falschen. Die Verwaltung hat getan, was sie konnte. Die ersten Hinweisschilder auf die Sperrung der Mindener Straße stehen schon mehr als zehn Kilometer vor der Baustelle. Mehr geht doch nun wirklich nicht.

In ein paar Tagen pendelt sich tatsächlich alles ein. Auch sowas ist vorhersehbar. Denn so ignorant wird hoffentlich niemand sein – und sich immer wieder aufs Neue von der Existenz der Baustelle überzeugen wollen.

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