Das Fest ohne Predigt: Pfarrer Christian Weber und das etwas andere Weihnachten Carsten Korfesmeyer Hille-Hartum. Ursprünglich sollten es sieben Heiligabendgottesdienste sein, jetzt gibt es gar keinen. Zum ersten Mal in seiner langen Laufbahn wird Pfarrer Christian Weber heute nicht in der Hartumer Kirche die Weihnachtsbotschaft verkünden können. Dass es dazu kommt, hatte der 51-Jährige beim MT-Gespräch vor wenigen Tagen wohl schon geahnt. Bereits vor etwas mehr als einer Woche sagte er, dass „eine komplette Absage der Gottesdienste aufgrund der Coronaentwicklung bis zuletzt möglich ist“. Ganz verzichten müssen die Menschen auf ihren Gang zur Kirche jedoch nicht. Von 16 bis 18 Uhr und 21.30 bis 22.30 Uhr ist sie Heiligabend geöffnet – ohne Andacht, ohne Musik, aber mit Christian Weber. „Ich bin dann die ganze Zeit da.“ Weihnachten 2020. Es ist anders. Aufgrund der Absagen fallen für den Pfarrer die liebgewonnenen Rituale aus. Zu diesen zählt unter anderem, dass er sich mindestens eine Stunde vor Gottesdienstbeginn in die Kirche begibt. Die liegt von seiner Haustür nur ein paar Schritte entfernt, so dass er sich eigentlich erst beim Glockenläuten auf den Weg machen müsste. Macht er aber nicht. „Ich muss in diese besondere Atmosphäre eintauchen“, sagt Christian Weber beim MT-Gespräch. Innerlich stimme er sich dann auf die Heiligabend-Gottesdienste vor, die in ihm auch nach so vielen Jahren immer wieder Glücksmomente auslösen. Wie ein Künstler hinter dem Bühnenvorhang schaut er, wer in den Reihen sitzt. Routine komme bei ihm nicht auf, sagt er. „Weihnachten ist für mich ein Fest, dass ich immer wieder neu genieße“, sagt er. Heiligabend müsste für einen Theologen der stressigste Arbeitstag sein. Christian Weber verneint das und aus seinen Worten ist herauszuhören, dass er seine Arbeit gar nicht als Arbeit empfindet. Vielmehr wirkt er wie jemand, der voller Vorfreude steckt und seine Präsenz bei den Gottesdienst wie eine Bescherung zum Fest erlebt. „Weihnachten löst viele schöne Gedanken und Erinnerungen in mir aus“, sagt der Pfarrer. Schon als Kind hatte er sich in seinem Heimatort im Siegerland an den Gottesdiensten aktiv beteiligt und dass in diesem Jahr so gut wie nichts laufe, treffe ihn sehr. „Trotzdem stehe ich angesichts der Lage zu der Entscheidung.“ Wie die meisten seiner Kollegen hat auch Christian Weber nach Möglichkeiten gesucht, die Menschen zu erreichen. Und es ist nicht wirklich überraschend, dass er dabei auf digitale Kanäle gestoßen ist. Anders als andere Gemeinden verzichtet er auf komplette Streaming-Gottesdienste im Netz. Er könne sich nicht vorstellen, dass sich die Atmosphäre der Kirche in die Wohnzimmer transportieren lässt. Vielmehr setzt er auf kurze Online-Formate, die über die Homepage abrufbar sind. Diese wurden bereits eingespielt und sind eine Art Kurzgottesdienste, in denen er auch die „frohe Botschaft“ verkündet. Mit seiner Heiligabendpredigt, die er nun doch nicht halten kann, hat er sich schon vor längerer Zeit beschäftigt. Für Christian Weber passt die Weihnachtsgeschichte immer auch ein Stück in die Gegenwart. Zur Flüchtlingskrise 2015 thematisierte der Pfarrer die beispielsweise die „Suche nach der Herberge“ und wollte 2020 die fremde Umgebung in den Blick rücken, in der das Kind zur Welt kommt. „Das sagt uns, dass trotz größter Unsicherheit das Leben auf der Welt immer weiter geht.“ Um das andere Weihnachtsfest erträglicher zu finden, haben viele Menschen ihren Baum viel früher aufgestellt. Bei Christian Weber und seiner Frau wird an einem liebgewordenen Ritual dennoch nicht gerüttelt. „Wir stellen ihn erst Heiligabend im Wohnzimmer auf und schmücken ihn dann.“ www.lebendigesteine.de

Das Fest ohne Predigt: Pfarrer Christian Weber und das etwas andere Weihnachten

Pfarrer Christian Weber verzichtet mit seiner Gemeinde auf Präsenzgottesdienste und lädt stattdessen an Heiligabend zur offenen Kirche ein. MT-Foto: Carsten Korfesmeyer © cko

Hille-Hartum. Ursprünglich sollten es sieben Heiligabendgottesdienste sein, jetzt gibt es gar keinen. Zum ersten Mal in seiner langen Laufbahn wird Pfarrer Christian Weber heute nicht in der Hartumer Kirche die Weihnachtsbotschaft verkünden können. Dass es dazu kommt, hatte der 51-Jährige beim MT-Gespräch vor wenigen Tagen wohl schon geahnt. Bereits vor etwas mehr als einer Woche sagte er, dass „eine komplette Absage der Gottesdienste aufgrund der Coronaentwicklung bis zuletzt möglich ist“. Ganz verzichten müssen die Menschen auf ihren Gang zur Kirche jedoch nicht. Von 16 bis 18 Uhr und 21.30 bis 22.30 Uhr ist sie Heiligabend geöffnet – ohne Andacht, ohne Musik, aber mit Christian Weber. „Ich bin dann die ganze Zeit da.“

Weihnachten 2020. Es ist anders. Aufgrund der Absagen fallen für den Pfarrer die liebgewonnenen Rituale aus. Zu diesen zählt unter anderem, dass er sich mindestens eine Stunde vor Gottesdienstbeginn in die Kirche begibt. Die liegt von seiner Haustür nur ein paar Schritte entfernt, so dass er sich eigentlich erst beim Glockenläuten auf den Weg machen müsste. Macht er aber nicht. „Ich muss in diese besondere Atmosphäre eintauchen“, sagt Christian Weber beim MT-Gespräch. Innerlich stimme er sich dann auf die Heiligabend-Gottesdienste vor, die in ihm auch nach so vielen Jahren immer wieder Glücksmomente auslösen. Wie ein Künstler hinter dem Bühnenvorhang schaut er, wer in den Reihen sitzt. Routine komme bei ihm nicht auf, sagt er. „Weihnachten ist für mich ein Fest, dass ich immer wieder neu genieße“, sagt er.

Heiligabend müsste für einen Theologen der stressigste Arbeitstag sein. Christian Weber verneint das und aus seinen Worten ist herauszuhören, dass er seine Arbeit gar nicht als Arbeit empfindet. Vielmehr wirkt er wie jemand, der voller Vorfreude steckt und seine Präsenz bei den Gottesdienst wie eine Bescherung zum Fest erlebt. „Weihnachten löst viele schöne Gedanken und Erinnerungen in mir aus“, sagt der Pfarrer. Schon als Kind hatte er sich in seinem Heimatort im Siegerland an den Gottesdiensten aktiv beteiligt und dass in diesem Jahr so gut wie nichts laufe, treffe ihn sehr. „Trotzdem stehe ich angesichts der Lage zu der Entscheidung.“

Wie die meisten seiner Kollegen hat auch Christian Weber nach Möglichkeiten gesucht, die Menschen zu erreichen. Und es ist nicht wirklich überraschend, dass er dabei auf digitale Kanäle gestoßen ist. Anders als andere Gemeinden verzichtet er auf komplette Streaming-Gottesdienste im Netz. Er könne sich nicht vorstellen, dass sich die Atmosphäre der Kirche in die Wohnzimmer transportieren lässt. Vielmehr setzt er auf kurze Online-Formate, die über die Homepage abrufbar sind. Diese wurden bereits eingespielt und sind eine Art Kurzgottesdienste, in denen er auch die „frohe Botschaft“ verkündet.

Mit seiner Heiligabendpredigt, die er nun doch nicht halten kann, hat er sich schon vor längerer Zeit beschäftigt. Für Christian Weber passt die Weihnachtsgeschichte immer auch ein Stück in die Gegenwart. Zur Flüchtlingskrise 2015 thematisierte der Pfarrer die beispielsweise die „Suche nach der Herberge“ und wollte 2020 die fremde Umgebung in den Blick rücken, in der das Kind zur Welt kommt. „Das sagt uns, dass trotz größter Unsicherheit das Leben auf der Welt immer weiter geht.“

Um das andere Weihnachtsfest erträglicher zu finden, haben viele Menschen ihren Baum viel früher aufgestellt. Bei Christian Weber und seiner Frau wird an einem liebgewordenen Ritual dennoch nicht gerüttelt. „Wir stellen ihn erst Heiligabend im Wohnzimmer auf und schmücken ihn dann.“

www.lebendigesteine.de

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille