Damit das Torfmoor ein guter CO2-Speicher bleibt, müssen einige Bäume weichen Hille (mt/sbo). Zurzeit setzt die Biologische Station Minden-Lübbecke in den Bastauwiesen das von der EU und dem Land NRW geförderte LIFE-Projekt „Wiesenvögel NRW“ um. Träger ist das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Feuchtwiesenlandschaften mit ihren seltenen Pflanzen und Tieren sollen wiederhergestellt und dem Verschwinden der Wiesenvögel soll entgegengewirkt werden. Gleichzeitig werden die Moorböden geschützt und als CO2–Speicher erhalten. Warum dafür auch Gehölze entfernt werden müssen, erklärt Sabine Raskopf von der Biologischen Station. Die Ursachen liege viele tausend Jahre zurück. Durch das Naturschutzgebiet Bastauwiesen floss vor 125.000 Jahren die Weser von der Porta Westfalica nach Westen über das heutige Ijsselmeer in die Nordsee. Nachdem die Weser ihr jetziges Bett gefunden hatte, blieb im Bereich der Bastauwiesen und des Großen Torfmoores ein Stillgewässer zurück, das nach und nach verlandete. In der Folge entstand ein Niedermoor, das sich zu einem Hochmoor entwickelte. Durch die dauerhafte Sättigung wurden die Rückstände der Sumpf- und Moorpflanzen nur unvollständig zersetzt. Über Jahrtausende bildete sich eine mächtige Torfschicht. Dieser wurde bis in die 1960er Jahre als Brennmaterial abgebaut. Trotzdem seien im Bereich Hille nach wie vor Torfschichten von drei Meter Mächtigkeit – im Großen Torfmoor sogar noch über acht Meter – zurückgeblieben, weiß Sabine Raskopf. Darin seien sehr große Mengen an CO2 gespeichert. Es sei davon auszugehen, dass aktuell noch etwa zwei Millionen Tonnen gebunden seien. Die meisten Flächen des Torfabbaus wurden in den 60er Jahren eingeebnet, drainiert und als Wiesen bewirtschaftet. Dort, wo Stufen von bis zu zwei Metern Höhe zurückgeblieben waren, war das nicht möglich. Die Nutzung dieser Flächen wurde aufgegeben. Da keine Pflege mehr erfolgte, siedelten sich allmählich Birken und andere Gehölze an. So entwickelten sich in den Bastauwiesen zwischen dem Großen Torfmoor und der Eickhorster Straße mehrere Birkenwäldchen. Der Naturschutz bemühe sich schon lange um den Erhalt der Moore und Feuchtgebiete als Lebensraum einer bedrohten Flora und Fauna, heißt es von der Bio-Station. In Zeiten des Klimawandels geraten die Moore als CO2-Speicher zunehmend ins Blickfeld. Werden die Torfschichten entwässert, findet ein Abbau der Torfmasse statt und das gespeicherte CO2 wird frei. Um dies zu verhindern, sei es sinnvoll, Moorböden möglichst großflächig wiederzuvernässen. Bei den Birkenwäldchen besteht das Problem, dass Bäume einen wesentlich höheren Wasserverbrauch haben als Grünland. Sie wirken der Vernässung entgegen. Bäume seien zwar in der Lage, CO2 zu binden, teilt Sabine Raskopf mit. Die Birkenwäldchen in den Bastauwiesen seien jedoch viel weniger produktiv. Und durch die Entwässerung würden aus dem Moor gleichzeitig etwa 30 Tonnen CO2 pro Jahr und Hektar frei. Eine CO2-Speicherung durch Wiedervernässung erfordere also die Entfernung der Gehölze und die Wiederherstellung eines Offenlandcharakters der Landschaft. Fotos aus den 1930er Jahren zeigen, dass es in der Moorniederung zwischen Hille, Nettelstedt und Lübbecke nur in den Randbereichen Bäume gab. Diesen Zustand wiederherzustellen, sei noch aus einem anderen Grund wichtig: In den Bastauwiesen gab es früher viele Kiebitze und andere feuchtwiesentypische Vögel wie Brachvögel, Uferschnepfen und Bekassinen. Mittlerweile brüten nur noch wenige Kiebitze und kaum mehr Brachvögel in den Bastauwiesen. Uferschnepfen und Bekassinen nisten hier gar nicht mehr. Die Tiere finden zu wenig extensive Feuchtwiesenflächen, auf denen ihre Jungen sich gut bewegen und Nahrung finden können. Außerdem halten Kiebitze – wie andere Wiesenvögel auch – bei der Wahl ihrer Brutplätze mindestens 200 Meter Abstand zu Bäumen. Das ist auch sinnvoll, da sich Beutegreifer wie der Fuchs dort gerne aufhalten und den Kiebitzen gefährlich werden. Insofern sei die Zurücknahme der Gehölze auch für die Schaffung von Brutplätzen für Wiesenvögel und für ihren Schutz vor Beutegreifern sinnvoll, heißt es. Weitere Infos unter www.biostation-ml.de und unter www.life-wiesenvoegel.nrw.de.

Damit das Torfmoor ein guter CO2-Speicher bleibt, müssen einige Bäume weichen

© Stefanie Dullweber

Hille (mt/sbo). Zurzeit setzt die Biologische Station Minden-Lübbecke in den Bastauwiesen das von der EU und dem Land NRW geförderte LIFE-Projekt „Wiesenvögel NRW“ um. Träger ist das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Feuchtwiesenlandschaften mit ihren seltenen Pflanzen und Tieren sollen wiederhergestellt und dem Verschwinden der Wiesenvögel soll entgegengewirkt werden. Gleichzeitig werden die Moorböden geschützt und als CO2–Speicher erhalten. Warum dafür auch Gehölze entfernt werden müssen, erklärt Sabine Raskopf von der Biologischen Station.

Die Ursachen liege viele tausend Jahre zurück. Durch das Naturschutzgebiet Bastauwiesen floss vor 125.000 Jahren die Weser von der Porta Westfalica nach Westen über das heutige Ijsselmeer in die Nordsee. Nachdem die Weser ihr jetziges Bett gefunden hatte, blieb im Bereich der Bastauwiesen und des Großen Torfmoores ein Stillgewässer zurück, das nach und nach verlandete. In der Folge entstand ein Niedermoor, das sich zu einem Hochmoor entwickelte.

Durch die dauerhafte Sättigung wurden die Rückstände der Sumpf- und Moorpflanzen nur unvollständig zersetzt. Über Jahrtausende bildete sich eine mächtige Torfschicht. Dieser wurde bis in die 1960er Jahre als Brennmaterial abgebaut. Trotzdem seien im Bereich Hille nach wie vor Torfschichten von drei Meter Mächtigkeit – im Großen Torfmoor sogar noch über acht Meter – zurückgeblieben, weiß Sabine Raskopf. Darin seien sehr große Mengen an CO2 gespeichert. Es sei davon auszugehen, dass aktuell noch etwa zwei Millionen Tonnen gebunden seien.

Malina Reckordt

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Die meisten Flächen des Torfabbaus wurden in den 60er Jahren eingeebnet, drainiert und als Wiesen bewirtschaftet. Dort, wo Stufen von bis zu zwei Metern Höhe zurückgeblieben waren, war das nicht möglich. Die Nutzung dieser Flächen wurde aufgegeben. Da keine Pflege mehr erfolgte, siedelten sich allmählich Birken und andere Gehölze an. So entwickelten sich in den Bastauwiesen zwischen dem Großen Torfmoor und der Eickhorster Straße mehrere Birkenwäldchen.

Der Naturschutz bemühe sich schon lange um den Erhalt der Moore und Feuchtgebiete als Lebensraum einer bedrohten Flora und Fauna, heißt es von der Bio-Station. In Zeiten des Klimawandels geraten die Moore als CO2-Speicher zunehmend ins Blickfeld. Werden die Torfschichten entwässert, findet ein Abbau der Torfmasse statt und das gespeicherte CO2 wird frei. Um dies zu verhindern, sei es sinnvoll, Moorböden möglichst großflächig wiederzuvernässen.

Bei den Birkenwäldchen besteht das Problem, dass Bäume einen wesentlich höheren Wasserverbrauch haben als Grünland. Sie wirken der Vernässung entgegen. Bäume seien zwar in der Lage, CO2 zu binden, teilt Sabine Raskopf mit. Die Birkenwäldchen in den Bastauwiesen seien jedoch viel weniger produktiv. Und durch die Entwässerung würden aus dem Moor gleichzeitig etwa 30 Tonnen CO2 pro Jahr und Hektar frei. Eine CO2-Speicherung durch Wiedervernässung erfordere also die Entfernung der Gehölze und die Wiederherstellung eines Offenlandcharakters der Landschaft.

Fotos aus den 1930er Jahren zeigen, dass es in der Moorniederung zwischen Hille, Nettelstedt und Lübbecke nur in den Randbereichen Bäume gab. Diesen Zustand wiederherzustellen, sei noch aus einem anderen Grund wichtig: In den Bastauwiesen gab es früher viele Kiebitze und andere feuchtwiesentypische Vögel wie Brachvögel, Uferschnepfen und Bekassinen.

Mittlerweile brüten nur noch wenige Kiebitze und kaum mehr Brachvögel in den Bastauwiesen. Uferschnepfen und Bekassinen nisten hier gar nicht mehr. Die Tiere finden zu wenig extensive Feuchtwiesenflächen, auf denen ihre Jungen sich gut bewegen und Nahrung finden können. Außerdem halten Kiebitze – wie andere Wiesenvögel auch – bei der Wahl ihrer Brutplätze mindestens 200 Meter Abstand zu Bäumen. Das ist auch sinnvoll, da sich Beutegreifer wie der Fuchs dort gerne aufhalten und den Kiebitzen gefährlich werden. Insofern sei die Zurücknahme der Gehölze auch für die Schaffung von Brutplätzen für Wiesenvögel und für ihren Schutz vor Beutegreifern sinnvoll, heißt es.

Weitere Infos unter www.biostation-ml.de und unter www.life-wiesenvoegel.nrw.de.

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