Bürgerinitiative lässt nicht locker und hofft auf ein Entgegenkommen der Jäger Stefanie Dullweber Hille (mt). Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Kein Kriegslärm in Hille“ wollen nicht locker lassen, wie sie im Gespräch mit dem MT betonen. „Wir haben einige Dinge angeschoben, jetzt warten wir darauf, wo wir den Hebel ansetzen können“, sagt Sprecher Hans-Jürgen Fink. Einige Anwohner der Wickriede hatten die Initiative in diesem Jahr gegründet, um etwas gegen die – wie sie sagen – unerträgliche Lärmbelästigung in ihrem Umfeld zu unternehmen. Die Vorgeschichte Der Unmut der betroffenen Anwohner der Wickriede – das sind Bürger aus der Gemeinde Hille, der Samtgemeinde Uchte und der Stadt Espelkamp – kochte Anfang des Jahres hoch, als bekannt wurde, dass die Mindener Pioniere den Standort-Übungsplatz vermehrt nutzen wollen. Die Betroffenen gründeten die Bürgerinitiative „Kein Kriegslärm in Hille“ und starteten eine Online-Petition gegen die Pläne der Pioniere (das MT berichtete). Die Bürger haben laut eigenen Angaben Angst vor Lärm, sorgen sich um den Umweltschutz und befürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien. Neben den Pionieren hat auch das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum aus Bückeburg beantragt, ihre Start- und Landeübungen in der Wickriede auszuweiten. Hinzu kommt, dass – unabhängig von den Plänen der Bundeswehr – die Kreisjägerschaft die in diesem Bereich liegende „Wittloge Range“ für Schießübungen nutzt. Diese Anlage soll demnächst um einen Tontaubenschießstand erweitert werden. Unterdessen ist außerdem bekannt geworden, dass der Kreis Minden-Lübbecke plant, die Deponie auf der Pohlschen Heide bis 2024 um 14 Hektar zu erweitern. Das ist in den letzten Monaten passiert Die Bürgerinitiative hat sich mit ihren Anliegen sowohl an den Petitionsausschuss des Bundestages und des Landtages gewandt. Als Petitionsführer hatte Hans-Jürgen Fink unter anderem bemängelt, dass es keine Behörde gebe, die das Verfahren zur Erweiterung des Standort-Übungsplatzes betreue und Adressat von Bedenken und Einwendungen der Anwohner sei. Fink kritisiert außerdem, dass es somit auch keine übergeordnete Behörde gebe, die die Gesamtheit der Immissionen bewerte. Bislang liege der Bürgerinitiative nur die Rückmeldung vor, dass ihre Petitionen eingegangen seien, so Fink. Um die Kreisjägerschaft für ihr Anliegen zu sensibilisieren, hat sich die Bürgerinitiative bereits zweimal schriftlich an die Betreiber der „Wittloge Range“ gewandt und um ein nachbarschaftliches Gespräch gebeten. Darin schildern die Anwohner, dass sie keine Probleme mit den Jägern hätten, die ihre Treffsicherheit üben müssten. Vielmehr störten sie die Sportschützen, die aus dem gesamten norddeutschen Raum und sogar aus Dänemark und den Niederlanden anreisten, um mit lauten Großkaliber-Schusswaffen auf 300-Meter-Bahnen ihrem Hobby nachzugehen. „Unter dem Deckmantel der Kreisjägerschaft wird hier eine kommerzielle Anlage finanziert“, vermutet Fink. Ihre Bedenken hinsichtlich des bereits genehmigten Tontaubeschießstandes hat die Bürgerinitiative auch gegenüber dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz geäußert. Man vermute, dass das Projekt mithilfe finanzieller Unterstützung des Ministeriums realisiert werde, so Fink. Das Ministerium – in diesem Fall die Oberste Jagdbehörde – erklärte schriftlich, dass keine Landesmittel bereitgestellt würden. Vielmehr plane die Kreisjägerschaft den Tontaubenschießstand mit Geldern aus der Jagdabgabe zu finanzieren. Verwaltet werde die Jagdabgabe wiederum vom Ministerium. „An diesem Punkt verstehe ich die Welt nicht mehr. Das Ministerium sagt einerseits es sei nicht zuständig, obwohl die Zuständigkeit im eigenen Haus liegt“, sagt Fink. Die Reaktionen Dr. Walter Jäcker, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Minden-Lübbecke erklärte auf MT-Nachfrage, dass er sich natürlich mit Vertretern der Bürgerinitiative treffen werde – das habe er bereits mehrfach geäußert. Er habe darum gebeten, mit der Terminierung noch etwas zu warten, weil der Gesetzgeber im Waffengesetz und im Bundesjagdgesetz Änderungen vornehmen werde, die auch für den Betrieb von Schießstätten bedeutsam sein könnten. Ein Treffen werde in den nächsten Wochen stattfinden, so Jäcker weiter. Eine Entscheidung des Kreises Minden-Lübbecke über den Antrag der Bundeswehr zur Nutzung des Standort-Übungsplatzes steht nach wie vor aus. Der Kreis ist als Untere Immissionsschutzbehörde für das Genehmigungsverfahren zuständig. Die Pläne der Initiative Die Bürgerinitiative habe nach wie vor ein großes Interesse daran, ihre Thematik weiter publik zu machen, bekräftigt Petra Tiebach-Schneider, eine der Aktiven. Sie hoffe insofern auf ein Entgegenkommen der Jäger, dass zumindest die Schießübungen am Sonntagmorgen eingestellt werden. Wolfgang Schulz, ebenfalls in der Bürgerinitiative aktiv, setzt auf das Engagement der heimischen Politiker, mit denen die Anwohner bereits Kontakt aufgenommen haben. Diese sollten in den entsprechenden Gremien nachhaken, welche konkreten Pläne es mit der Wickriede gebe. Für Hans-Jürgen Fink steht fest, dass alle Mitstreiter die Sache mit einem ganz langem Atem angehen müssten. „Wir müssen in der Sache sehr akribisch sein“, gibt er zu. Auch anwaltlichen Rat hat die Bürgerinitiative bereits eingeholt. Sollten alle Bestrebungen ins Leere laufen, bliebe demnach noch eine Anzeige wegen ruhestörendem Lärms. Dem müsste zumindest öffentlich nachgegangen werden.

Bürgerinitiative lässt nicht locker und hofft auf ein Entgegenkommen der Jäger

Der Schießstand „Wittloge Range“ soll um einen Tontaubenschießstand erweitert werden. Die Anwohner befürchten, dass es dadurch rund um die Anlage noch lauter wird. MT-Archivfoto Stefanie Dullweber © Dullweber Stefanie

Hille (mt). Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Kein Kriegslärm in Hille“ wollen nicht locker lassen, wie sie im Gespräch mit dem MT betonen. „Wir haben einige Dinge angeschoben, jetzt warten wir darauf, wo wir den Hebel ansetzen können“, sagt Sprecher Hans-Jürgen Fink. Einige Anwohner der Wickriede hatten die Initiative in diesem Jahr gegründet, um etwas gegen die – wie sie sagen – unerträgliche Lärmbelästigung in ihrem Umfeld zu unternehmen.

Die Vorgeschichte

Der Unmut der betroffenen Anwohner der Wickriede – das sind Bürger aus der Gemeinde Hille, der Samtgemeinde Uchte und der Stadt Espelkamp – kochte Anfang des Jahres hoch, als bekannt wurde, dass die Mindener Pioniere den Standort-Übungsplatz vermehrt nutzen wollen. Die Betroffenen gründeten die Bürgerinitiative „Kein Kriegslärm in Hille“ und starteten eine Online-Petition gegen die Pläne der Pioniere (das MT berichtete).

Die Bürger haben laut eigenen Angaben Angst vor Lärm, sorgen sich um den Umweltschutz und befürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien. Neben den Pionieren hat auch das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum aus Bückeburg beantragt, ihre Start- und Landeübungen in der Wickriede auszuweiten. Hinzu kommt, dass – unabhängig von den Plänen der Bundeswehr – die Kreisjägerschaft die in diesem Bereich liegende „Wittloge Range“ für Schießübungen nutzt. Diese Anlage soll demnächst um einen Tontaubenschießstand erweitert werden.

Unterdessen ist außerdem bekannt geworden, dass der Kreis Minden-Lübbecke plant, die Deponie auf der Pohlschen Heide bis 2024 um 14 Hektar zu erweitern.

Das ist in den letzten Monaten passiert

Die Bürgerinitiative hat sich mit ihren Anliegen sowohl an den Petitionsausschuss des Bundestages und des Landtages gewandt. Als Petitionsführer hatte Hans-Jürgen Fink unter anderem bemängelt, dass es keine Behörde gebe, die das Verfahren zur Erweiterung des Standort-Übungsplatzes betreue und Adressat von Bedenken und Einwendungen der Anwohner sei. Fink kritisiert außerdem, dass es somit auch keine übergeordnete Behörde gebe, die die Gesamtheit der Immissionen bewerte. Bislang liege der Bürgerinitiative nur die Rückmeldung vor, dass ihre Petitionen eingegangen seien, so Fink.

Um die Kreisjägerschaft für ihr Anliegen zu sensibilisieren, hat sich die Bürgerinitiative bereits zweimal schriftlich an die Betreiber der „Wittloge Range“ gewandt und um ein nachbarschaftliches Gespräch gebeten. Darin schildern die Anwohner, dass sie keine Probleme mit den Jägern hätten, die ihre Treffsicherheit üben müssten. Vielmehr störten sie die Sportschützen, die aus dem gesamten norddeutschen Raum und sogar aus Dänemark und den Niederlanden anreisten, um mit lauten Großkaliber-Schusswaffen auf 300-Meter-Bahnen ihrem Hobby nachzugehen. „Unter dem Deckmantel der Kreisjägerschaft wird hier eine kommerzielle Anlage finanziert“, vermutet Fink.

Ihre Bedenken hinsichtlich des bereits genehmigten Tontaubeschießstandes hat die Bürgerinitiative auch gegenüber dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz geäußert. Man vermute, dass das Projekt mithilfe finanzieller Unterstützung des Ministeriums realisiert werde, so Fink. Das Ministerium – in diesem Fall die Oberste Jagdbehörde – erklärte schriftlich, dass keine Landesmittel bereitgestellt würden. Vielmehr plane die Kreisjägerschaft den Tontaubenschießstand mit Geldern aus der Jagdabgabe zu finanzieren. Verwaltet werde die Jagdabgabe wiederum vom Ministerium. „An diesem Punkt verstehe ich die Welt nicht mehr. Das Ministerium sagt einerseits es sei nicht zuständig, obwohl die Zuständigkeit im eigenen Haus liegt“, sagt Fink.

Die Reaktionen

Dr. Walter Jäcker, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Minden-Lübbecke erklärte auf MT-Nachfrage, dass er sich natürlich mit Vertretern der Bürgerinitiative treffen werde – das habe er bereits mehrfach geäußert. Er habe darum gebeten, mit der Terminierung noch etwas zu warten, weil der Gesetzgeber im Waffengesetz und im Bundesjagdgesetz Änderungen vornehmen werde, die auch für den Betrieb von Schießstätten bedeutsam sein könnten. Ein Treffen werde in den nächsten Wochen stattfinden, so Jäcker weiter.

Eine Entscheidung des Kreises Minden-Lübbecke über den Antrag der Bundeswehr zur Nutzung des Standort-Übungsplatzes steht nach wie vor aus. Der Kreis ist als Untere Immissionsschutzbehörde für das Genehmigungsverfahren zuständig.

Die Pläne der Initiative

Die Bürgerinitiative habe nach wie vor ein großes Interesse daran, ihre Thematik weiter publik zu machen, bekräftigt Petra Tiebach-Schneider, eine der Aktiven. Sie hoffe insofern auf ein Entgegenkommen der Jäger, dass zumindest die Schießübungen am Sonntagmorgen eingestellt werden.

Wolfgang Schulz, ebenfalls in der Bürgerinitiative aktiv, setzt auf das Engagement der heimischen Politiker, mit denen die Anwohner bereits Kontakt aufgenommen haben. Diese sollten in den entsprechenden Gremien nachhaken, welche konkreten Pläne es mit der Wickriede gebe. Für Hans-Jürgen Fink steht fest, dass alle Mitstreiter die Sache mit einem ganz langem Atem angehen müssten. „Wir müssen in der Sache sehr akribisch sein“, gibt er zu.

Auch anwaltlichen Rat hat die Bürgerinitiative bereits eingeholt. Sollten alle Bestrebungen ins Leere laufen, bliebe demnach noch eine Anzeige wegen ruhestörendem Lärms. Dem müsste zumindest öffentlich nachgegangen werden.

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