Borkenkäfer führt zu Kahlschlag: Im Wiehengebirge ist jede zweite Fichte abgestorben Jörg Stuke Hille/Bad Oeynhausen. An guten Tagen. Da hat Markus Uhr noch so ein Fünkchen Hoffnung. An den anderen aber ist sich der Förster sicher: Sie wird es nicht schaffen, die Fichte. „So schmerzhaft es ist, aber wir haben den Kampf wohl verloren“, sagt Uhr, dessen Revier im Wiehengebirge von der Porta bis nach Schnathorst reicht. Und in dem die Schäden vor allem im Fichtenbestand nun deutlich sichtbar werden, gerade auch im Wald oberhalb von Hille und Bergkirchen. Hier kann man die Folgen des schweren Borkenkäferbefalls derzeit nicht nur sehen, sondern auch hören. Da röhrt der Diesel des Vollernters, wenn Forstunternehmer Dirk Rohlfing Gas gibt. Dann heult die eingebaute Motorsäge. Dann folgen ein Rauschen und ein Krachen, wenn wieder ein toter Baum auf den Waldboden schlägt. In der vergangenen Woche hat Rohlfing hier mit den Fällarbeiten begonnen, zwei Wochen, so schätzt der Unternehmer, werde es dauern, bis „einige tausend“ Bäume abgesägt, entastet, auf Länge geschnitten sind. Jede zweite Fichte im Wiehengebirge ist nach Uhrs Schätzung bereits abgestorben. 2017 waren noch etwa 15 Prozent des Waldbestandes in seinem Revier Fichten. Dann kamen Sturm Friederike und drei besonders heiße und trockene Sommer in Serie. Die Bäume geschwächt, die Borkenkäfer stark wie nie – eine unglückliche Kombination für den Wald, vor allem aber für die Fichte. „Jetzt habe wir hier noch zwischen sieben und acht Prozent Fichtenbestand“, schätzt der Förster. Und auch der Rest, so seine Befürchtung, dürfte wohl nicht zu retten sein. Zu massiv sind die Angriffe des Borkenkäfers geworden. Dabei ist der Versuch, die gefräßigen Käfer zu bekämpfen, durchaus nicht ohne Erfolg. Im Frühjahr haben Uhr und seine Kollegen 70 Borkenkäferfallen im Wald des Wiehengebirges verteilt. „Damit fangen wir zwischen einer halben und einer Million Käfer in der Woche“, berichtet Uhr. Das ist viel, aber nicht genug. „Inzwischen haben wir Milliarden Käfer hier“, fürchtet der Förster. Und es werden immer mehr. „Im Moment ist Bettenwechsel beim Käfer“, flachst der Förster. Will heißen: Die zweite Generation von Buchdrucker und Kupferstecher – so heißen die Arten des Borkenkäfers, die auf die Fichte fliegen – macht sich bereit. Daran kann nun auch das Wetter nichts mehr ändern. Bestenfalls fliegen nicht mehr alle Käfer noch in diesem Jahr aus. Aber dann halt im nächsten. Die Schäden an den Fichten, so sagt Uhr, werden nun landschaftsprägend. „Überall dort, wo Sie rotbraun verfärbte Fläche sehen, können Sie davon ausgehen, dass bereits doppelt so viele Bäume bereits vom Käfer befallen sind. Sie sind halt nur noch grün“, erklärt er. „Ein irrsinniger Verlust“, sagt der Förster, der in gewisser Weise auch ein Fichten-Fan ist. Denn der Nadelbaum liefere das wichtigste Bauholz in Deutschland. Und Uhr rät allen Kritikern der Baumart: „Gehen Sie mal auf Ihren Dachboden und schauen Sie nach, woraus der Dachstuhl gezimmert ist.“ 3.000 Festmeter Einschlagholz hat Uhr in seinem rund 1.000 Hektar großen Revier im Wiehengebirge in gewöhnlichen Jahren. „In diesem Jahr werden es wohl an die 7.000 Festmeter sein“, schätzt Uhr. Vor allem Fichte. Es wären vermutlich noch mehr, „aber mehr ist nicht zu schaffen“, so der Förster. Das Überangebot hat den Holzmarkt praktisch zum Erliegen gebracht. Auch gutes Holz ist kaum noch zu vermarkten. Ein Teil der besseren Fichtenstämme wird in Container gepackt und nach China verschifft. Lieber wäre Uhr, das Holz fände Verwendung auf dem heimischen Markt. „Leute, baut Blockhäuser“, wünscht sich der Förster. Wer an Fichtenholz - sei es als Baustoff oder Brennholz - interessiert ist, kann per E-Mail unter markus.uhr@wald-holz-nrw.de Kontakt mit dem Förster aufnehmen. Bleibt die Frage, wie es weitergehen soll mit dem Wald – im Wiehengebirge und anderswo. Die Zukunft heiß Mischung, betont Uhr. Nur keine Monokulturen mehr. „Doch wenn wir Mischwald wollen, müssen wir nachhelfen“, erklärt der Förster. Und zeigt dabei eine Fläche, die Orkan Kyrill 2007 leergefegt hatte. Hier dominieren nun junge Lärchen. Die Nadelbäume haben sich selbst ausgesät. Dazwischen wachsen aber auch junge Buchen heran. „Die haben wir gepflanzt“, sagt Uhr. „Hätten wir das nicht getan, würde hier nun ein reiner Lärchenwald entstehen.“ Und was wird mit den Käfern, wenn die Fichten knapp werden? Dann sterben womöglich auch die Käfer. Und ein paar Fichten schaffen es zu überleben. Hofft Markus Uhr. An guten Tagen.

Borkenkäfer führt zu Kahlschlag: Im Wiehengebirge ist jede zweite Fichte abgestorben

Die Fichten im Wiehengebirge sterben weiter ab. Förster Markus Uhr befürchtet enorme Schäden für den Wald mit langfristigen Folgen. © Jörg Stuke

Hille/Bad Oeynhausen. An guten Tagen. Da hat Markus Uhr noch so ein Fünkchen Hoffnung. An den anderen aber ist sich der Förster sicher: Sie wird es nicht schaffen, die Fichte. „So schmerzhaft es ist, aber wir haben den Kampf wohl verloren“, sagt Uhr, dessen Revier im Wiehengebirge von der Porta bis nach Schnathorst reicht. Und in dem die Schäden vor allem im Fichtenbestand nun deutlich sichtbar werden, gerade auch im Wald oberhalb von Hille und Bergkirchen.

Hier kann man die Folgen des schweren Borkenkäferbefalls derzeit nicht nur sehen, sondern auch hören. Da röhrt der Diesel des Vollernters, wenn Forstunternehmer Dirk Rohlfing Gas gibt. Dann heult die eingebaute Motorsäge. Dann folgen ein Rauschen und ein Krachen, wenn wieder ein toter Baum auf den Waldboden schlägt. In der vergangenen Woche hat Rohlfing hier mit den Fällarbeiten begonnen, zwei Wochen, so schätzt der Unternehmer, werde es dauern, bis „einige tausend“ Bäume abgesägt, entastet, auf Länge geschnitten sind.

Die Fichten im Wiehengebirge sterben. Forstunternehmer Dirk Rohlfing fällt mit seinem „Harvester“ die abgestorbenen Bäume. Fotos: Jörg Stuke - © Jörg Stuke
Die Fichten im Wiehengebirge sterben. Forstunternehmer Dirk Rohlfing fällt mit seinem „Harvester“ die abgestorbenen Bäume. Fotos: Jörg Stuke - © Jörg Stuke

Jede zweite Fichte im Wiehengebirge ist nach Uhrs Schätzung bereits abgestorben. 2017 waren noch etwa 15 Prozent des Waldbestandes in seinem Revier Fichten. Dann kamen Sturm Friederike und drei besonders heiße und trockene Sommer in Serie. Die Bäume geschwächt, die Borkenkäfer stark wie nie – eine unglückliche Kombination für den Wald, vor allem aber für die Fichte. „Jetzt habe wir hier noch zwischen sieben und acht Prozent Fichtenbestand“, schätzt der Förster. Und auch der Rest, so seine Befürchtung, dürfte wohl nicht zu retten sein. Zu massiv sind die Angriffe des Borkenkäfers geworden.

Dabei ist der Versuch, die gefräßigen Käfer zu bekämpfen, durchaus nicht ohne Erfolg. Im Frühjahr haben Uhr und seine Kollegen 70 Borkenkäferfallen im Wald des Wiehengebirges verteilt. „Damit fangen wir zwischen einer halben und einer Million Käfer in der Woche“, berichtet Uhr. Das ist viel, aber nicht genug. „Inzwischen haben wir Milliarden Käfer hier“, fürchtet der Förster.

Und es werden immer mehr. „Im Moment ist Bettenwechsel beim Käfer“, flachst der Förster. Will heißen: Die zweite Generation von Buchdrucker und Kupferstecher – so heißen die Arten des Borkenkäfers, die auf die Fichte fliegen – macht sich bereit. Daran kann nun auch das Wetter nichts mehr ändern. Bestenfalls fliegen nicht mehr alle Käfer noch in diesem Jahr aus. Aber dann halt im nächsten.

Die Schäden an den Fichten, so sagt Uhr, werden nun landschaftsprägend. „Überall dort, wo Sie rotbraun verfärbte Fläche sehen, können Sie davon ausgehen, dass bereits doppelt so viele Bäume bereits vom Käfer befallen sind. Sie sind halt nur noch grün“, erklärt er. „Ein irrsinniger Verlust“, sagt der Förster, der in gewisser Weise auch ein Fichten-Fan ist. Denn der Nadelbaum liefere das wichtigste Bauholz in Deutschland. Und Uhr rät allen Kritikern der Baumart: „Gehen Sie mal auf Ihren Dachboden und schauen Sie nach, woraus der Dachstuhl gezimmert ist.“

3.000 Festmeter Einschlagholz hat Uhr in seinem rund 1.000 Hektar großen Revier im Wiehengebirge in gewöhnlichen Jahren. „In diesem Jahr werden es wohl an die 7.000 Festmeter sein“, schätzt Uhr. Vor allem Fichte. Es wären vermutlich noch mehr, „aber mehr ist nicht zu schaffen“, so der Förster. Das Überangebot hat den Holzmarkt praktisch zum Erliegen gebracht. Auch gutes Holz ist kaum noch zu vermarkten. Ein Teil der besseren Fichtenstämme wird in Container gepackt und nach China verschifft. Lieber wäre Uhr, das Holz fände Verwendung auf dem heimischen Markt. „Leute, baut Blockhäuser“, wünscht sich der Förster. Wer an Fichtenholz - sei es als Baustoff oder Brennholz - interessiert ist, kann per E-Mail unter markus.uhr@wald-holz-nrw.de Kontakt mit dem Förster aufnehmen.

Bleibt die Frage, wie es weitergehen soll mit dem Wald – im Wiehengebirge und anderswo. Die Zukunft heiß Mischung, betont Uhr. Nur keine Monokulturen mehr. „Doch wenn wir Mischwald wollen, müssen wir nachhelfen“, erklärt der Förster. Und zeigt dabei eine Fläche, die Orkan Kyrill 2007 leergefegt hatte. Hier dominieren nun junge Lärchen. Die Nadelbäume haben sich selbst ausgesät. Dazwischen wachsen aber auch junge Buchen heran. „Die haben wir gepflanzt“, sagt Uhr. „Hätten wir das nicht getan, würde hier nun ein reiner Lärchenwald entstehen.“

Und was wird mit den Käfern, wenn die Fichten knapp werden? Dann sterben womöglich auch die Käfer. Und ein paar Fichten schaffen es zu überleben. Hofft Markus Uhr. An guten Tagen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille