Blühendes Umfeld: Gärtnerei Ohlemeyer hat neue Inhaber Kerstin Rickert Hille-Holzhausen. Nein, ganz zur Ruhe setzen wollen sich Heinz Ohlemeyer und seine Frau Annette noch nicht. Aber sie seien ja nun mittlerweile im Rentenalter und es sei an der Zeit, es etwas langsamer angehen zu lassen und die Verantwortung abzugeben, sagt der langjährige Chef der Gärtnerei Ohlemeyer. Anfang des Jahres haben er und seine Frau ihren Betrieb an Michael Engel (41) und dessen Frau Jessica (35) übergeben. Ein Glücksfall für beide Seiten: Die bisherigen Inhaber arbeiten weiterhin mit, und ihre Nachfolger profitieren von deren Erfahrung. Von heute auf morgen ganz aufzuhören, wäre Heinz und Annette Ohlemeyer sehr schwer gefallen. Schließlich haben sie die Gärtnerei, so wie sie sich heute darstellt, in über 50 Jahren aufgebaut. Gegründet hatte den Betrieb Heinz Ohlemeyers Onkel „in den 1930er Jahren als Baumschule“, erinnert der Neffe an die Anfänge. Er selbst beendete 1968 seine Gärtner-Lehre bei Harmening in Minden, ging anschließend zu seinem Onkel in den Betrieb und erweiterte dessen Angebot um Floristik sowie selbst gezogene Beet- und Balkonpflanzen. „Das alles gibt man nach über 50 Jahren nicht einfach so auf“, sagt der leidenschaftliche Gärtner. Ohne die Arbeit mit Blumen und Pflanzen würde ihm etwas fehlen, ist er sicher. „Das hält mich am Leben“, so der 70-Jährige. Doch allein mit Leidenschaft ist es nicht getan. Die Arbeiten in der Gärtnerei sind körperlich anstrengend und fallen ihm und seiner Frau mit zunehmendem Alter schwerer. Um die Existenz des Betriebes zu sichern, entschieden sie sich schon vor einiger Zeit, ihn abzugeben und fanden in Michael und Jessica Engel geeignete Nachfolger. Michael Engel hat das Ehepaar bereits in den vergangenen zehn Jahren tatkräftig unterstützt und all das gelernt, was in dem Betrieb an Aufgaben anfällt. Der 41-jährige Kutenhauser ist Quereinsteiger und begann 2010 nebenberuflich als geringfügig Beschäftigter in der Gärtnerei Ohlemeyer zu arbeiten. Rückblickend wertet er das als Glück. Hauptberuflich war Michael Engel zu der Zeit bei der Firma Drabert beschäftigt, und als der renommierte Stuhlhersteller sein Werk in Minden schloss, musste sich der Gärtnerei-Gehilfe nicht lange nach einem neuen Job umschauen. „Ohlemeyers haben damals gesagt: ‚Dann kommst du eben ganz zu uns‘“, erinnert sich Michael Engel. Seitdem arbeitete er Vollzeit in der Gärtnerei und übernahm die Leidenschaft für Blumen und Pflanzen immer mehr von seinen Chefs. Er schaute ihnen über die Schulter, sog hilfreiche Tipps in sich auf und nahm an Fortbildungen, wie etwa zum Binden von Blumensträußen, teil. „Vor zwei, drei Jahren fragte mich Heinz Ohlemeyer dann, ob ich mir vorstellen könne, die Nachfolge zu übernehmen.“ Gemeinsam mit seiner Frau Jessica fasste er den Entschluss, das Angebot anzunehmen. „Nur so konnte der Betrieb wie bisher weitergeführt werden“, sagt Michael Engel insbesondere mit Blick auf die Beet- und Balkonpflanzen aus eigener Anzucht. „Den Bereich hätten Heinz und Annette Ohlemeyer sonst aufgeben müssen.“ Was zum Zeitpunkt der Entscheidung keiner der Beteiligten ahnte, war der Ausbruch von Corona. Der Betriebsübergang fiel mitten in die Pandemie mit ihren weitreichenden Einschränkungen. „Die Entscheidung stand für uns trotzdem fest“, so Engel. Dass seine Branche von Geschäftsschließungen bisher nicht betroffen gewesen sei, habe das Ganze erleichtert. Dennoch spricht auch er von spürbaren Auswirkungen, vor allem im zweiten Lockdown. „Unser Laden war immer offen. Das größte Problem ist, dass die Menschen verunsichert sind und viele glauben, wir hätten geschlossen.“ Und es gebe natürlich auch Kunden, in der aktuellen Situation lieber zu Hause bleiben würden. „Also haben wir einen Lieferservice eingerichtet, der auch gut angenommen wird.“ Neben der Hege und Pflege der kleinen Pflänzchen, die derzeit in den Gewächshäusern gedeihen, um dann den Sommer über die Kundschaft der Engels mit ihrer Blüte zu erfreuen, kümmert sich das Ehepaar unter anderem um Grabpflege und das Binden von Trauerschmuck. Das für Kränze und Gestecke benötigte Grün stammt von Eigengewächsen. Auch die zurzeit beliebten Tulpen und andere Frühblüher wie Hyazinthen und Narzissen kommen aus der eigenen Gärtnerei. Über mangelnde Arbeit beklagen können sich die frischgebackenen Gärtnerei-Besitzer nicht. „Im Januar hatten wir ordentlich zu tun“, freut sich Michael Engel. Auf die kommende Hochsaison, das Frühjahr und den Sommer, blickt er optimistisch. Die Entscheidung, die Gärtnerei zu übernehmen, habe er noch keine Sekunde bereut. „Das Schöne ist, dass Annette und Heinz Ohlemeyer uns weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die beiden können sich aber auch mal eine Auszeit gönnen, wenn sie das möchten.“ Auch Heinz Ohlemeyer ist rundum zufrieden. „Eine bessere Lösung hätten wir nicht finden können“, ist der 70-Jährige froh, dass sein Lebenswerk in seinem Sinne fortgeführt wird und er auch noch weiterhin daran teilhaben kann.

Blühendes Umfeld: Gärtnerei Ohlemeyer hat neue Inhaber

Michael und Jessica Engel haben die Gärtnerei Ohlemeyer am Buschkamp in Holzhausen von Heinz und Annette Ohlemeyer übernommen. Die Vorbesitzer stehen ihnen weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Foto: Kerstin Rickert © Kerstin Rickert

Hille-Holzhausen. Nein, ganz zur Ruhe setzen wollen sich Heinz Ohlemeyer und seine Frau Annette noch nicht. Aber sie seien ja nun mittlerweile im Rentenalter und es sei an der Zeit, es etwas langsamer angehen zu lassen und die Verantwortung abzugeben, sagt der langjährige Chef der Gärtnerei Ohlemeyer. Anfang des Jahres haben er und seine Frau ihren Betrieb an Michael Engel (41) und dessen Frau Jessica (35) übergeben. Ein Glücksfall für beide Seiten: Die bisherigen Inhaber arbeiten weiterhin mit, und ihre Nachfolger profitieren von deren Erfahrung.

Von heute auf morgen ganz aufzuhören, wäre Heinz und Annette Ohlemeyer sehr schwer gefallen. Schließlich haben sie die Gärtnerei, so wie sie sich heute darstellt, in über 50 Jahren aufgebaut. Gegründet hatte den Betrieb Heinz Ohlemeyers Onkel „in den 1930er Jahren als Baumschule“, erinnert der Neffe an die Anfänge. Er selbst beendete 1968 seine Gärtner-Lehre bei Harmening in Minden, ging anschließend zu seinem Onkel in den Betrieb und erweiterte dessen Angebot um Floristik sowie selbst gezogene Beet- und Balkonpflanzen. „Das alles gibt man nach über 50 Jahren nicht einfach so auf“, sagt der leidenschaftliche Gärtner.

Ohne die Arbeit mit Blumen und Pflanzen würde ihm etwas fehlen, ist er sicher. „Das hält mich am Leben“, so der 70-Jährige. Doch allein mit Leidenschaft ist es nicht getan. Die Arbeiten in der Gärtnerei sind körperlich anstrengend und fallen ihm und seiner Frau mit zunehmendem Alter schwerer. Um die Existenz des Betriebes zu sichern, entschieden sie sich schon vor einiger Zeit, ihn abzugeben und fanden in Michael und Jessica Engel geeignete Nachfolger.

Michael Engel hat das Ehepaar bereits in den vergangenen zehn Jahren tatkräftig unterstützt und all das gelernt, was in dem Betrieb an Aufgaben anfällt. Der 41-jährige Kutenhauser ist Quereinsteiger und begann 2010 nebenberuflich als geringfügig Beschäftigter in der Gärtnerei Ohlemeyer zu arbeiten. Rückblickend wertet er das als Glück. Hauptberuflich war Michael Engel zu der Zeit bei der Firma Drabert beschäftigt, und als der renommierte Stuhlhersteller sein Werk in Minden schloss, musste sich der Gärtnerei-Gehilfe nicht lange nach einem neuen Job umschauen. „Ohlemeyers haben damals gesagt: ‚Dann kommst du eben ganz zu uns‘“, erinnert sich Michael Engel.

Seitdem arbeitete er Vollzeit in der Gärtnerei und übernahm die Leidenschaft für Blumen und Pflanzen immer mehr von seinen Chefs. Er schaute ihnen über die Schulter, sog hilfreiche Tipps in sich auf und nahm an Fortbildungen, wie etwa zum Binden von Blumensträußen, teil. „Vor zwei, drei Jahren fragte mich Heinz Ohlemeyer dann, ob ich mir vorstellen könne, die Nachfolge zu übernehmen.“ Gemeinsam mit seiner Frau Jessica fasste er den Entschluss, das Angebot anzunehmen. „Nur so konnte der Betrieb wie bisher weitergeführt werden“, sagt Michael Engel insbesondere mit Blick auf die Beet- und Balkonpflanzen aus eigener Anzucht. „Den Bereich hätten Heinz und Annette Ohlemeyer sonst aufgeben müssen.“

Was zum Zeitpunkt der Entscheidung keiner der Beteiligten ahnte, war der Ausbruch von Corona. Der Betriebsübergang fiel mitten in die Pandemie mit ihren weitreichenden Einschränkungen. „Die Entscheidung stand für uns trotzdem fest“, so Engel. Dass seine Branche von Geschäftsschließungen bisher nicht betroffen gewesen sei, habe das Ganze erleichtert. Dennoch spricht auch er von spürbaren Auswirkungen, vor allem im zweiten Lockdown. „Unser Laden war immer offen. Das größte Problem ist, dass die Menschen verunsichert sind und viele glauben, wir hätten geschlossen.“

Und es gebe natürlich auch Kunden, in der aktuellen Situation lieber zu Hause bleiben würden. „Also haben wir einen Lieferservice eingerichtet, der auch gut angenommen wird.“ Neben der Hege und Pflege der kleinen Pflänzchen, die derzeit in den Gewächshäusern gedeihen, um dann den Sommer über die Kundschaft der Engels mit ihrer Blüte zu erfreuen, kümmert sich das Ehepaar unter anderem um Grabpflege und das Binden von Trauerschmuck. Das für Kränze und Gestecke benötigte Grün stammt von Eigengewächsen. Auch die zurzeit beliebten Tulpen und andere Frühblüher wie Hyazinthen und Narzissen kommen aus der eigenen Gärtnerei.

Über mangelnde Arbeit beklagen können sich die frischgebackenen Gärtnerei-Besitzer nicht. „Im Januar hatten wir ordentlich zu tun“, freut sich Michael Engel. Auf die kommende Hochsaison, das Frühjahr und den Sommer, blickt er optimistisch. Die Entscheidung, die Gärtnerei zu übernehmen, habe er noch keine Sekunde bereut. „Das Schöne ist, dass Annette und Heinz Ohlemeyer uns weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die beiden können sich aber auch mal eine Auszeit gönnen, wenn sie das möchten.“ Auch Heinz Ohlemeyer ist rundum zufrieden. „Eine bessere Lösung hätten wir nicht finden können“, ist der 70-Jährige froh, dass sein Lebenswerk in seinem Sinne fortgeführt wird und er auch noch weiterhin daran teilhaben kann.

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