„Bleib ein fröhlicher Mensch“: Ein Nachruf zum Tod von Lisa Krudup Stefanie Dullweber Hille-Nordhemmern. „Sie hat nicht abgewartet, dass das Leben vorbeigeht, sondern sie war immer mittendrin.“ Treffender hätte Pastor Helmut Niedermeier Lisa Krudup nicht beschreiben können. Am letzten Sonntag ist die 89-Jährige gestorben. An das Nordhemmer Original werden sich viele Menschen noch lange erinnern – nicht nur, weil ihre Biografie vor einigen Jahren verfilmt wurde. Ihr ehrenamtliches Engagement sucht seinesgleichen. „Ich habe im Leben viel Glück gehabt“, sagte Lisa Krudup 2018 im Gespräch mit dem MT. Damals hielt sie gerade eine Einladung von Frank-Walter Steinmeier in Händen. Der Bundespräsident hatte sie zum Bürgerfest in den Park von Schloss Bellevue eingeladen – als Dank für ihren herausragenden ehrenamtlichen Einsatz. Die Seniorin freute sich damals sehr auf das Fest. Viel Aufhebens um ihre Person und ihre Ehrenämter waren Lisa Krudup aber weniger recht. Für sie war diese Arbeit eine Herzensangelegenheit und irgendwie auch eine Selbstverständlichkeit. „Wenn die Familie funktioniert, kann man sich in der Öffentlichkeit engagieren“, ist die Meinung, die sie stets vertreten hat. Aber eines wollte sie dem Bundespräsidenten doch mit auf den Weg geben, und zwar ihren Lieblingsgruß: „Bleib ein fröhlicher Mensch.“ Das war Lisa Krudup zeitlebens. In ihrem Heimatort Nordhemmern, wo die Seniorin bis zum Schluss gelebt hat, gibt es wohl kaum jemanden, der sie nicht kannte. Und auch über die Ortsgrenzen hinaus war die 89-Jährige Vielen ein Begriff. „Was Lisa zu Lisa macht, lässt sich nur schwer zwischen zwei Buchdeckel pressen“, sagte Helmut Niedermeier, der vor einigen Jahren die Idee hatte, die Lebensgeschichte dieser besonderen Frau zu dokumentieren. Im Gespräch mit Lisas Sohn Peter entstand die Idee, den Film „Sind Sie Lisa?“ zu produzieren. Dieser wurde 2017 von Wolfgang Schimmack fertiggestellt. Dabei sind die rund 90 Minuten nicht nur ein Porträt, sondern auch ein Stück Zeit- und vor allem auch Dorfgeschichte. Der Titel sei übrigens nach einer wahren Begebenheit entstanden, erklärte Lisa Krudup seinerzeit. Bei einem Seminar in Münster fragte eine Teilnehmerin plötzlich: „Sind Sie Lisa? Sie hat mich erkannt, weil sie mit einer Gruppe einen Tanz einstudiert hatte, den ich erfunden habe.“ Helmut Niedermeier hatte mit dem Filmprojekt nie vor, Lisa Krudup auf einen Sockel zu heben. Aber für ihn sei es beeindruckend zu sehen, „was der liebe Gott in einem Leben unterbringen möchte.“ Der Film bildet verschiedene Stationen im Leben von Lisa Krudup ab – angefangen mit ihrer Kindheit in der Familie Barrakling bis hin zu ihrer Tätigkeit im Seniorenbeirat der Gemeinde Hille, dem sie bis zu den Neuwahlen Anfang Oktober angehörte. Am 4. Februar 1932 wird Lisa – offiziell Luise – als erste Tochter von Wilhelm und Martha Barrakling geboren. Groß geworden ist sie im Familienbetrieb ihrer Eltern. Ihr Großvater, der aus Ostpreußen stammte, betrieb eine Schmiede, aus der ihr Vater später eine Bäckerei mit Kolonialwarengeschäft machte. Nach dem Besuch des Kindergartens ging sie – wie auch ihre Brüder – in die Volksschule in Nordhemmern. Während der Kriegsjahre wechselte Lisa zum Mädchen-Lyzeum nach Minden – dem heutigen Herdergymnasium. 1946 wurde sie von Pastor Karl Fritzemeyer in der Holzhauser Kirche konfirmiert. Von da an nahm sie mit Begeisterung am Nordhemmer Vereinsleben teil. Mit den Kriegsflüchtlingen kam Kurt Krudup – Lisas späterer Ehemann – nach Nordhemmern. Die beiden heirateten im Juli 1955. Zuvor absolvierte die junge Frau eine Ausbildung im elterlichen Betrieb und kümmerte sich nach dem frühen Tod der Mutter um die Familie und die Bäckerei. Zusammen mit ihrem Mann bekam sie vier Kinder – Horst, Karin, Peter und Michael. In den Jahren von 1966 bis 1968 arbeitete Lisa Krudup in Nordhemmern als Briefträgerin. Nach dem frühen Tod ihres Mannes, der 1981 verstarb, führte sie zusammen mit Sohn Michael die Landwirtschaft weiter. Nebenbei engagierte sie sich in verschiedenen Vereinen, pflegte enge Kontakte zu den Nachbarn, besuchte regelmäßig die Gottesdienste, sang seit ihrem 14. Lebensjahr im Frauenchor und leitete von 1997 bis 2007 die Frauenhilfe. Bereits 1980 machte Lisa Krudup den Übungsleiterschein für Seniorengymnastik, arbeitete viele Jahre als Beschäftigungstherapeutin im Altenpflegeheim, engagierte sich sowohl politisch als auch im Bund der Vertriebenen, leitete seit 1994 Seniorenfreizeiten des Diakonischen Werkes, machte Wassergymnastik mit Senioren und betreute eine syrische Flüchtlingsfamilie. Für ihr Engagement erhielt sie das Kronenkreuz der Diakonie in Gold. Lisa Krudup liebte neue Herausforderungen. Und so machte sie 1983 den Zweispänner-Führerschein. 19 Jahre lang war sie Frauenwartin beim Nordhemmer Sportverein TVG und leitete den Nordhemmer Treff für ältere Menschen. Zwischendurch rezitierte sie gekonnt plattdeutsche Gedichte oder stimmte ein Lied an, um den Menschen eine Freude zu machen. „Mein Kopf ist nicht nur zum Haareschneiden da“, hat Lisa Krudup einmal gesagt. Noch bei der Wahl des neuen Seniorenbeirates Anfang Oktober, dem Lisa Krudup seit der Gründung angehörte, spielte die 89-Jährige die Glücksfee. Weil mehrere Bewerber die gleiche Stimmenanzahl bekommen hatten, musste das Los über den letzten verbliebenen Platz in dem Gremium entscheiden. Lisa Krudup wird am heutigen Donnerstag auf dem Friedhof in Nordhemmern beerdigt. Dabei werden sich viele Weggefährten an eine lebenslustige Frau erinnern, über die es in dem Heft zum Film heißt: „Ein fröhliches Menschenkind, das die Welt ein bisschen wärmer gemacht hat.“

„Bleib ein fröhlicher Mensch“: Ein Nachruf zum Tod von Lisa Krudup

Lisa Krudup war gleichermaßen heimatverbunden und weltoffen. 2018 bekam sie eine Einladung von Frank-Walter Steinmeier. Der Bundespräsident würdigte die lebenslustige Frau aus Nordhemmern für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement. MT-Foto: Stefanie Dullweber

Hille-Nordhemmern. „Sie hat nicht abgewartet, dass das Leben vorbeigeht, sondern sie war immer mittendrin.“ Treffender hätte Pastor Helmut Niedermeier Lisa Krudup nicht beschreiben können. Am letzten Sonntag ist die 89-Jährige gestorben. An das Nordhemmer Original werden sich viele Menschen noch lange erinnern – nicht nur, weil ihre Biografie vor einigen Jahren verfilmt wurde. Ihr ehrenamtliches Engagement sucht seinesgleichen.

„Ich habe im Leben viel Glück gehabt“, sagte Lisa Krudup 2018 im Gespräch mit dem MT. Damals hielt sie gerade eine Einladung von Frank-Walter Steinmeier in Händen. Der Bundespräsident hatte sie zum Bürgerfest in den Park von Schloss Bellevue eingeladen – als Dank für ihren herausragenden ehrenamtlichen Einsatz. Die Seniorin freute sich damals sehr auf das Fest.

Viel Aufhebens um ihre Person und ihre Ehrenämter waren Lisa Krudup aber weniger recht. Für sie war diese Arbeit eine Herzensangelegenheit und irgendwie auch eine Selbstverständlichkeit. „Wenn die Familie funktioniert, kann man sich in der Öffentlichkeit engagieren“, ist die Meinung, die sie stets vertreten hat. Aber eines wollte sie dem Bundespräsidenten doch mit auf den Weg geben, und zwar ihren Lieblingsgruß: „Bleib ein fröhlicher Mensch.“ Das war Lisa Krudup zeitlebens.

Malina Reckordt

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In ihrem Heimatort Nordhemmern, wo die Seniorin bis zum Schluss gelebt hat, gibt es wohl kaum jemanden, der sie nicht kannte. Und auch über die Ortsgrenzen hinaus war die 89-Jährige Vielen ein Begriff. „Was Lisa zu Lisa macht, lässt sich nur schwer zwischen zwei Buchdeckel pressen“, sagte Helmut Niedermeier, der vor einigen Jahren die Idee hatte, die Lebensgeschichte dieser besonderen Frau zu dokumentieren.

Im Gespräch mit Lisas Sohn Peter entstand die Idee, den Film „Sind Sie Lisa?“ zu produzieren. Dieser wurde 2017 von Wolfgang Schimmack fertiggestellt. Dabei sind die rund 90 Minuten nicht nur ein Porträt, sondern auch ein Stück Zeit- und vor allem auch Dorfgeschichte. Der Titel sei übrigens nach einer wahren Begebenheit entstanden, erklärte Lisa Krudup seinerzeit. Bei einem Seminar in Münster fragte eine Teilnehmerin plötzlich: „Sind Sie Lisa? Sie hat mich erkannt, weil sie mit einer Gruppe einen Tanz einstudiert hatte, den ich erfunden habe.“

Helmut Niedermeier hatte mit dem Filmprojekt nie vor, Lisa Krudup auf einen Sockel zu heben. Aber für ihn sei es beeindruckend zu sehen, „was der liebe Gott in einem Leben unterbringen möchte.“ Der Film bildet verschiedene Stationen im Leben von Lisa Krudup ab – angefangen mit ihrer Kindheit in der Familie Barrakling bis hin zu ihrer Tätigkeit im Seniorenbeirat der Gemeinde Hille, dem sie bis zu den Neuwahlen Anfang Oktober angehörte.

Am 4. Februar 1932 wird Lisa – offiziell Luise – als erste Tochter von Wilhelm und Martha Barrakling geboren. Groß geworden ist sie im Familienbetrieb ihrer Eltern. Ihr Großvater, der aus Ostpreußen stammte, betrieb eine Schmiede, aus der ihr Vater später eine Bäckerei mit Kolonialwarengeschäft machte. Nach dem Besuch des Kindergartens ging sie – wie auch ihre Brüder – in die Volksschule in Nordhemmern. Während der Kriegsjahre wechselte Lisa zum Mädchen-Lyzeum nach Minden – dem heutigen Herdergymnasium. 1946 wurde sie von Pastor Karl Fritzemeyer in der Holzhauser Kirche konfirmiert. Von da an nahm sie mit Begeisterung am Nordhemmer Vereinsleben teil.

Mit den Kriegsflüchtlingen kam Kurt Krudup – Lisas späterer Ehemann – nach Nordhemmern. Die beiden heirateten im Juli 1955. Zuvor absolvierte die junge Frau eine Ausbildung im elterlichen Betrieb und kümmerte sich nach dem frühen Tod der Mutter um die Familie und die Bäckerei. Zusammen mit ihrem Mann bekam sie vier Kinder – Horst, Karin, Peter und Michael.

In den Jahren von 1966 bis 1968 arbeitete Lisa Krudup in Nordhemmern als Briefträgerin. Nach dem frühen Tod ihres Mannes, der 1981 verstarb, führte sie zusammen mit Sohn Michael die Landwirtschaft weiter. Nebenbei engagierte sie sich in verschiedenen Vereinen, pflegte enge Kontakte zu den Nachbarn, besuchte regelmäßig die Gottesdienste, sang seit ihrem 14. Lebensjahr im Frauenchor und leitete von 1997 bis 2007 die Frauenhilfe.

Bereits 1980 machte Lisa Krudup den Übungsleiterschein für Seniorengymnastik, arbeitete viele Jahre als Beschäftigungstherapeutin im Altenpflegeheim, engagierte sich sowohl politisch als auch im Bund der Vertriebenen, leitete seit 1994 Seniorenfreizeiten des Diakonischen Werkes, machte Wassergymnastik mit Senioren und betreute eine syrische Flüchtlingsfamilie. Für ihr Engagement erhielt sie das Kronenkreuz der Diakonie in Gold.

Lisa Krudup liebte neue Herausforderungen. Und so machte sie 1983 den Zweispänner-Führerschein. 19 Jahre lang war sie Frauenwartin beim Nordhemmer Sportverein TVG und leitete den Nordhemmer Treff für ältere Menschen. Zwischendurch rezitierte sie gekonnt plattdeutsche Gedichte oder stimmte ein Lied an, um den Menschen eine Freude zu machen. „Mein Kopf ist nicht nur zum Haareschneiden da“, hat Lisa Krudup einmal gesagt. Noch bei der Wahl des neuen Seniorenbeirates Anfang Oktober, dem Lisa Krudup seit der Gründung angehörte, spielte die 89-Jährige die Glücksfee. Weil mehrere Bewerber die gleiche Stimmenanzahl bekommen hatten, musste das Los über den letzten verbliebenen Platz in dem Gremium entscheiden.

Lisa Krudup wird am heutigen Donnerstag auf dem Friedhof in Nordhemmern beerdigt. Dabei werden sich viele Weggefährten an eine lebenslustige Frau erinnern, über die es in dem Heft zum Film heißt: „Ein fröhliches Menschenkind, das die Welt ein bisschen wärmer gemacht hat.“

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