Bio, Physik und Abstand halten: Verbundschüler schreiben Abi-Klausuren in der Sporthalle Stefanie Dullweber Hille. Dort, wo sonst die Handballer Tore werfen, die Turner Handstand mit Überschlag üben und die Volleyballer pritschen und schmettern, sitzen am Dienstag Schüler der Verbundschule und schreiben ihre Abiturprüfungen. Schulleiter Dirk Schubert gewährt einen kurzen Blick in die Sporthalle, die für die Zeit der Klausuren mit Teppichboden ausgelegt ist. Es ist mucksmäuschenstill, nichtmal ein leises Papierrascheln ist zu hören. Die Schüler bemerken die Anwesenheit ihres Schulleiters gar nicht. Konzentriert sitzen sie über ihren Aufgaben. Den Anfang machen die Grund- und Leistungskurse Biologie und Physik. Zwischen den Stühlen und Tischen ist genügend Abstand. Einen Mundschutz tragen die Abiturienten nicht. An jedem Platz haben die Lehrer ein Namensschild angebracht. Die Flächen, auf denen die Schüler ihre Jacken und Taschen ablegen können, haben sie entsprechend markiert. Hinweisschilder lenken die Wege. Dank einer Einbahnstraßen-Regelung begegnen sich die Prüflinge nicht. Schüler, die eine Vorerkrankung haben, sitzen in einem Extra-Raum – hierfür werden beispielsweise die Regieräume genutzt. Alina Böcker hat es um kurz nach 12 Uhr geschafft. Ihre Prüfung ist vorbei, sie darf nach Hause gehen. Die junge Frau trägt einen grauen Hoodie mit dem Schriftzug „Abitur 2020“. „Die Prüfungen in der Turnhalle zu verlegen, ist eine gute Lösung“, sagt sie. Sie habe die Situation nicht als schlimm empfunden. „Aber ich habe ja auch keine Vergleichsmöglichkeiten“, sagt die Abiturientin, die an diesem Morgen ihre Biologieklausur geschrieben hat. Sie fühlte sich auf jeden Fall gut auf die Prüfung vorbereitet, sagt die Verbundschülerin. Zum Glück hätten sie noch eine Woche Unterricht in der Schule gehabt und einige Klausuren aus den letzten Jahren durchgesprochen. Dass sie selbst beim Lernen einen anderen Schwerpunkt gesetzt habe, als letztendlich in der Prüfung vorgekommen sei, dafür könne Corona nichts, sagt Alina Böcker. Lediglich die Terminverschiebung aufgrund der Pandemie habe sie etwas geärgert – eigentlich wäre der Termin für ihre Biologie-Klausur schon Ende April gewesen. Das Schlimmste in dieser Zeit sei jedoch, so Alina Böcker, der Verzicht auf den Abi-Ball und die Mottowoche. Sie hoffe, dass zumindest die Entlassfeier stattfinden könne. Oberstufenleiterin Karin Bußmann-Dörnhoff ist mit dem Ablauf des ersten Prüfungstages zufrieden. „Um 8 Uhr standen alle schon mit gewaschenen Händen vor der Tür“, sagt die Lehrerin, die sich um insgesamt 90 Abiturienten kümmert. Obwohl die Schüler sich – zusätzlich zum Abitur?stoff – viele Regeln merken müssten, hätte alles gut funktioniert. Dadurch, dass sich die Prüfungen nach hinten verschoben haben, hätten die Schüler über einen langen Zeitraum ihre Konzentration beibehalten und ihren Tag selbstständig strukturieren müssen. „Das müssten sie eigentlich erst im Studium können. Jetzt haben sie es eben ein paar Wochen eher gelernt“, sagt Karin Bußmann-Dörnhoff. Von dem derzeit viel diskutierten Corona-Bonus für den Notendurchschnitt hält die Oberstufenleiterin nichts. „Zwei Drittel ihrer Abiturleistung hatten die Schüler bis zum Ausbruch der Corona-Krise bereits erbracht. Das letzte Drittel jetzt so schwer zu gewichten, wäre nicht redlich“, findet sie. Und Dirk Schubert meint: „Im Prinzip fehlten den Abiturienten drei Wochen. So hoch muss man das nicht hängen.“ Ausschlaggebender könnten die Auswirkungen der Pandemie für die Folgejahrgänge sein. Für Schubert ist in diesen Tagen am wichtigsten, dass die Schüler sich sicher fühlten und gut vorbereitet seien. Noch bis zum 3. Juni finden die weiteren Prüfungen statt – am heutigen Mittwoch werden beispielsweise die Klausuren im Fach Deutsch geschrieben. Während die Lehrer sich um das Fachliche kümmerten, schuf die Gemeinde die räumlichen Rahmenbedingungen für die Prüfungen. „Wir haben in der Sporthalle den Teppichboden verlegt“, sagt Bernd Küchhold von der Verwaltung im MT-Gespräch. Außerdem hätten Tische und Stühle in die Halle geräumt werden müssen. Auch die sanitären Anlagen in der Sporthalle hat die Gemeinde für die Zeit der Abiturprüfungen geöffnet. Wenn in der Sporthalle Ende Mai der Trainingsbetrieb wieder startet, bleiben Duschen und Toiletten vorerst noch geschlossen. Die Sporthalle ist in doppelter Hinsicht eine gute Lösung, findet Küchhold. Nicht nur wegen der Möglichkeit, ausreichend Abstand zu halten, sondern auch wegen der Bauarbeiten, die derzeit im Hauptgebäude der Schule stattfinden. „Die Handwerker können weiterarbeiten und müssen keine Rücksicht auf die Abiturprüfungen nehmen.“

Bio, Physik und Abstand halten: Verbundschüler schreiben Abi-Klausuren in der Sporthalle

Schulleiter Dirk Schubert und seine Kollegen stellt das Abitur vor neue Herausforderungen. MT- © Foto: Alex Lehn

Hille. Dort, wo sonst die Handballer Tore werfen, die Turner Handstand mit Überschlag üben und die Volleyballer pritschen und schmettern, sitzen am Dienstag Schüler der Verbundschule und schreiben ihre Abiturprüfungen. Schulleiter Dirk Schubert gewährt einen kurzen Blick in die Sporthalle, die für die Zeit der Klausuren mit Teppichboden ausgelegt ist. Es ist mucksmäuschenstill, nichtmal ein leises Papierrascheln ist zu hören.

Die Schüler bemerken die Anwesenheit ihres Schulleiters gar nicht. Konzentriert sitzen sie über ihren Aufgaben. Den Anfang machen die Grund- und Leistungskurse Biologie und Physik. Zwischen den Stühlen und Tischen ist genügend Abstand. Einen Mundschutz tragen die Abiturienten nicht. An jedem Platz haben die Lehrer ein Namensschild angebracht. Die Flächen, auf denen die Schüler ihre Jacken und Taschen ablegen können, haben sie entsprechend markiert. Hinweisschilder lenken die Wege. Dank einer Einbahnstraßen-Regelung begegnen sich die Prüflinge nicht. Schüler, die eine Vorerkrankung haben, sitzen in einem Extra-Raum – hierfür werden beispielsweise die Regieräume genutzt.

Alina Böcker hat es um kurz nach 12 Uhr geschafft. Ihre Prüfung ist vorbei, sie darf nach Hause gehen. Die junge Frau trägt einen grauen Hoodie mit dem Schriftzug „Abitur 2020“. „Die Prüfungen in der Turnhalle zu verlegen, ist eine gute Lösung“, sagt sie. Sie habe die Situation nicht als schlimm empfunden. „Aber ich habe ja auch keine Vergleichsmöglichkeiten“, sagt die Abiturientin, die an diesem Morgen ihre Biologieklausur geschrieben hat.

Sie fühlte sich auf jeden Fall gut auf die Prüfung vorbereitet, sagt die Verbundschülerin. Zum Glück hätten sie noch eine Woche Unterricht in der Schule gehabt und einige Klausuren aus den letzten Jahren durchgesprochen. Dass sie selbst beim Lernen einen anderen Schwerpunkt gesetzt habe, als letztendlich in der Prüfung vorgekommen sei, dafür könne Corona nichts, sagt Alina Böcker. Lediglich die Terminverschiebung aufgrund der Pandemie habe sie etwas geärgert – eigentlich wäre der Termin für ihre Biologie-Klausur schon Ende April gewesen. Das Schlimmste in dieser Zeit sei jedoch, so Alina Böcker, der Verzicht auf den Abi-Ball und die Mottowoche. Sie hoffe, dass zumindest die Entlassfeier stattfinden könne.

Oberstufenleiterin Karin Bußmann-Dörnhoff ist mit dem Ablauf des ersten Prüfungstages zufrieden. „Um 8 Uhr standen alle schon mit gewaschenen Händen vor der Tür“, sagt die Lehrerin, die sich um insgesamt 90 Abiturienten kümmert. Obwohl die Schüler sich – zusätzlich zum Abitur?stoff – viele Regeln merken müssten, hätte alles gut funktioniert. Dadurch, dass sich die Prüfungen nach hinten verschoben haben, hätten die Schüler über einen langen Zeitraum ihre Konzentration beibehalten und ihren Tag selbstständig strukturieren müssen. „Das müssten sie eigentlich erst im Studium können. Jetzt haben sie es eben ein paar Wochen eher gelernt“, sagt Karin Bußmann-Dörnhoff.

Von dem derzeit viel diskutierten Corona-Bonus für den Notendurchschnitt hält die Oberstufenleiterin nichts. „Zwei Drittel ihrer Abiturleistung hatten die Schüler bis zum Ausbruch der Corona-Krise bereits erbracht. Das letzte Drittel jetzt so schwer zu gewichten, wäre nicht redlich“, findet sie. Und Dirk Schubert meint: „Im Prinzip fehlten den Abiturienten drei Wochen. So hoch muss man das nicht hängen.“ Ausschlaggebender könnten die Auswirkungen der Pandemie für die Folgejahrgänge sein. Für Schubert ist in diesen Tagen am wichtigsten, dass die Schüler sich sicher fühlten und gut vorbereitet seien. Noch bis zum 3. Juni finden die weiteren Prüfungen statt – am heutigen Mittwoch werden beispielsweise die Klausuren im Fach Deutsch geschrieben.

Während die Lehrer sich um das Fachliche kümmerten, schuf die Gemeinde die räumlichen Rahmenbedingungen für die Prüfungen. „Wir haben in der Sporthalle den Teppichboden verlegt“, sagt Bernd Küchhold von der Verwaltung im MT-Gespräch. Außerdem hätten Tische und Stühle in die Halle geräumt werden müssen. Auch die sanitären Anlagen in der Sporthalle hat die Gemeinde für die Zeit der Abiturprüfungen geöffnet. Wenn in der Sporthalle Ende Mai der Trainingsbetrieb wieder startet, bleiben Duschen und Toiletten vorerst noch geschlossen.

Die Sporthalle ist in doppelter Hinsicht eine gute Lösung, findet Küchhold. Nicht nur wegen der Möglichkeit, ausreichend Abstand zu halten, sondern auch wegen der Bauarbeiten, die derzeit im Hauptgebäude der Schule stattfinden. „Die Handwerker können weiterarbeiten und müssen keine Rücksicht auf die Abiturprüfungen nehmen.“

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