Biber, Bisam oder Nutria? Dieses pelzige Tier scheint im Hiller Moor zu leben Stefanie Dullweber Hille. Ist der Biber von Porta Westfalica nach Hille übergesiedelt? Erst kürzlich hatte das MT berichtet, dass der Nager schon eine ganze Weile in Barkhausen ansässig ist (Bericht vom 6. Oktober). Unter anderem deuten abgenagte Bäume auf seine Anwesenheit hin. Jetzt hat eine Leserin bei einem Spaziergang im Großen Torfmoor ein Foto aufgenommen, das ein dem Biber ähnliches Tier zeigt. Dirk Esplör von der Biologischen Station glaubt jedoch, dass das Bild ein Bisam zeigt – und das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht. Die Verwechslungsgefahr sei groß, sagt der Geschäftsführer im Gespräch mit dem MT. Immer häufiger würden Biber mit Nutria oder Nutria mit Bisamen verwechselt – vor allem, wenn man nur einen kurzen Blick auf das pelzige Wesen erhaschen kann. Das bestätigen auch die Experten vom Naturschutzbund (Nabu), die auf ihrer Internetseite erklären, dass zwar alle drei zur Ordnung der Nagetiere gehören, aber sich schon aufgrund ihrer Größe unterscheiden. Gemeinsam ist Nutria und Bisam, dass sie beide aus Amerika stammen. „Nutria wurden ursprünglich als Pelztiere in Farmen gehalten“, weiß Dirk Esplör. Entkommene und ausgesetzte Tiere haben sich nach und nach vermehrt. Der Biber, schreibt der Nabu, sei mit einem Meter Körpergröße das größte der drei Tiere, danach folgt die Nutria, dann der Bisam. Obwohl auch Bisamratte genannt, gehören sie zur Familie der Hamster- und Wühlmäuse. „Den Biber erkennt man an seiner platten, schwarzen Schwanzkelle“, sagt Dirk Esplör. Die beiden anderen hätten eher einen runden Schwanz. „Wie man es von anderen Nagetieren kennt.“ Am häufigsten werden Nutrias für Biber gehalten. Sie unterscheiden sich jedoch durch ihre hervortretenden, sichtbaren Ohren und die weißen Barthaare. Während Bisame eher Mäusen ähnlich sehen, erinnern Nutrias an sehr große Meerschweinchen. Konkurrenten sind die drei Arten nicht. Während sich der Biber ausschließlich vegetarisch ernährt, frisst der Bisam auch Insekten und Krebse. Bisame und Nutrias fressen beide Wasserpflanzen, dabei setzen sich Nutrias aggressiv gegen die kleineren Bisame durch – wenn es sein muss. Dirk Esplör vermutet, dass die Bisame sich im südöstlichen Bereich des Großes Torfmoores angesiedelt haben. „Dieser Abschnitt ist vor einigen Jahren wiedervernässt worden. Hier ist ein überschwemmter Wald entstanden.“ Es sei nicht das erste Mal, dass hier Bisame und Nutria gesichtet wurden. Von einer Biber-Sichtung habe er bislang aber keine Kenntnis. Der Biber richtet vor allem in Hochwasserschutzgebieten Schäden an. Er unterhöhlt Straßen und Wege. Die dadurch entstehenden Absenkungen und Krater werden zur Gefahr für den Straßenverkehr und auch für den Uferschutz. Aber auch die Nutrias könnten Probleme im Naturschutz verursachen. Sie würden beispielsweise Röhricht abfressen, der für die Wasservögel wichtig sei. Sie schränken somit den Lebensraum seltener Arten ein. Dazu gehörten verschiedene Libellenarten und Vögel wie die Rohrammer oder der Teichrohrsänger. Daher sind die Tiere auch im Torfmoor keine gern gesehenen Gäste. „Aber es ist schwierig, sie wieder loszuwerden“, sagt Dirk Esplör. Es gebe spezielle Fallen, mit denen die Tiere eingefangen werden könnten. Auch Jäger dürften die Tiere erlegen. Bislang hätten die Nager jedoch keine nennenswerten Schäden angerichtet. Das bestätigt auch Joachim Weike vom Wasserverband Weserniederung. Er glaubt genauso wie Dirk Esplör nicht daran, dass der Biber sich in der Gemeinde Hille angesiedelt hat. „Das Tier braucht gewässerbegleitende Gehölze. Das Lebensraumangebot passt nicht zu dem, was der Biber gerne hätte – die Bastau ist kein schönes Habitat.“ Außerdem hätte das Tier deutliche Spuren hinterlassen, ist sich Weike sicher. Bisame habe er selber schon gesehen, sagt der Geschäftsführer vom Wasserverband, Nutrias hingegen noch nicht. Nach Nabu-Angaben ist nicht erfasst, wie viele Nutrias es in Deutschland gibt. Nordrhein-Westfalen gehört aber zu den Gebieten, in denen es ihnen besonders zu gefallen scheint. „Es gibt jedoch nicht so viele Meldungen, dass man mit der Jagdbehörde sprechen muss“, sagt Weike. Hinsichtlich der Jagd schreibt das Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, dass die Beteiligung der Jägerschaft an der Bekämpfung von Bisam und Nutria im öffentlichen Interesse sei. Bisame und Nutria unterliegen dem allgemeinen Schutz wildlebender Tiere. Sie dürfen bei Vorliegen eines vernünftigen Grundes gefangen oder getötet werden. Der Biber hingegen steht unter Naturschutz und darf weder getötet noch umgesiedelt werden. Joachim Weike beantwortet die Frage nach dem Biber ganz pragmatisch: „Wenn er kommt, werden wir uns mit ihm arrangieren.“

Biber, Bisam oder Nutria? Dieses pelzige Tier scheint im Hiller Moor zu leben

Nutrias wurden ursprünglich als Pelztiere in Farmen gehalten. Ausgesetzte Tiere haben sich nach und nach vermehrt. Foto: Pixabay © Pixabay

Hille. Ist der Biber von Porta Westfalica nach Hille übergesiedelt? Erst kürzlich hatte das MT berichtet, dass der Nager schon eine ganze Weile in Barkhausen ansässig ist (Bericht vom 6. Oktober). Unter anderem deuten abgenagte Bäume auf seine Anwesenheit hin. Jetzt hat eine Leserin bei einem Spaziergang im Großen Torfmoor ein Foto aufgenommen, das ein dem Biber ähnliches Tier zeigt. Dirk Esplör von der Biologischen Station glaubt jedoch, dass das Bild ein Bisam zeigt – und das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht.

Die Verwechslungsgefahr sei groß, sagt der Geschäftsführer im Gespräch mit dem MT. Immer häufiger würden Biber mit Nutria oder Nutria mit Bisamen verwechselt – vor allem, wenn man nur einen kurzen Blick auf das pelzige Wesen erhaschen kann. Das bestätigen auch die Experten vom Naturschutzbund (Nabu), die auf ihrer Internetseite erklären, dass zwar alle drei zur Ordnung der Nagetiere gehören, aber sich schon aufgrund ihrer Größe unterscheiden. Gemeinsam ist Nutria und Bisam, dass sie beide aus Amerika stammen. „Nutria wurden ursprünglich als Pelztiere in Farmen gehalten“, weiß Dirk Esplör. Entkommene und ausgesetzte Tiere haben sich nach und nach vermehrt.

Der Biber, schreibt der Nabu, sei mit einem Meter Körpergröße das größte der drei Tiere, danach folgt die Nutria, dann der Bisam. Obwohl auch Bisamratte genannt, gehören sie zur Familie der Hamster- und Wühlmäuse. „Den Biber erkennt man an seiner platten, schwarzen Schwanzkelle“, sagt Dirk Esplör. Die beiden anderen hätten eher einen runden Schwanz. „Wie man es von anderen Nagetieren kennt.“ Am häufigsten werden Nutrias für Biber gehalten. Sie unterscheiden sich jedoch durch ihre hervortretenden, sichtbaren Ohren und die weißen Barthaare. Während Bisame eher Mäusen ähnlich sehen, erinnern Nutrias an sehr große Meerschweinchen.


Konkurrenten sind die drei Arten nicht. Während sich der Biber ausschließlich vegetarisch ernährt, frisst der Bisam auch Insekten und Krebse. Bisame und Nutrias fressen beide Wasserpflanzen, dabei setzen sich Nutrias aggressiv gegen die kleineren Bisame durch – wenn es sein muss.

Dirk Esplör vermutet, dass die Bisame sich im südöstlichen Bereich des Großes Torfmoores angesiedelt haben. „Dieser Abschnitt ist vor einigen Jahren wiedervernässt worden. Hier ist ein überschwemmter Wald entstanden.“ Es sei nicht das erste Mal, dass hier Bisame und Nutria gesichtet wurden. Von einer Biber-Sichtung habe er bislang aber keine Kenntnis.

Ist es ein Biber, oder ist es keiner? Mit dieser Frage wandte sich eine Leserin an das MT. Leserfoto: Katharina Mehrhoff - © Leserfoto: Katharina Meerhoff
Ist es ein Biber, oder ist es keiner? Mit dieser Frage wandte sich eine Leserin an das MT. Leserfoto: Katharina Mehrhoff - © Leserfoto: Katharina Meerhoff

Der Biber richtet vor allem in Hochwasserschutzgebieten Schäden an. Er unterhöhlt Straßen und Wege. Die dadurch entstehenden Absenkungen und Krater werden zur Gefahr für den Straßenverkehr und auch für den Uferschutz. Aber auch die Nutrias könnten Probleme im Naturschutz verursachen. Sie würden beispielsweise Röhricht abfressen, der für die Wasservögel wichtig sei. Sie schränken somit den Lebensraum seltener Arten ein. Dazu gehörten verschiedene Libellenarten und Vögel wie die Rohrammer oder der Teichrohrsänger.

Abgenagte Bäume sind ein deutliches Zeichen dafür, dass hier der Biber am Werk war. Dies war in Porta Westfalica bereits der Fall. Foto: Pixabay - © Pixabay
Abgenagte Bäume sind ein deutliches Zeichen dafür, dass hier der Biber am Werk war. Dies war in Porta Westfalica bereits der Fall. Foto: Pixabay - © Pixabay

Daher sind die Tiere auch im Torfmoor keine gern gesehenen Gäste. „Aber es ist schwierig, sie wieder loszuwerden“, sagt Dirk Esplör. Es gebe spezielle Fallen, mit denen die Tiere eingefangen werden könnten. Auch Jäger dürften die Tiere erlegen. Bislang hätten die Nager jedoch keine nennenswerten Schäden angerichtet.

Das bestätigt auch Joachim Weike vom Wasserverband Weserniederung. Er glaubt genauso wie Dirk Esplör nicht daran, dass der Biber sich in der Gemeinde Hille angesiedelt hat. „Das Tier braucht gewässerbegleitende Gehölze. Das Lebensraumangebot passt nicht zu dem, was der Biber gerne hätte – die Bastau ist kein schönes Habitat.“ Außerdem hätte das Tier deutliche Spuren hinterlassen, ist sich Weike sicher.

Bisame habe er selber schon gesehen, sagt der Geschäftsführer vom Wasserverband, Nutrias hingegen noch nicht. Nach Nabu-Angaben ist nicht erfasst, wie viele Nutrias es in Deutschland gibt. Nordrhein-Westfalen gehört aber zu den Gebieten, in denen es ihnen besonders zu gefallen scheint. „Es gibt jedoch nicht so viele Meldungen, dass man mit der Jagdbehörde sprechen muss“, sagt Weike.

Hinsichtlich der Jagd schreibt das Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, dass die Beteiligung der Jägerschaft an der Bekämpfung von Bisam und Nutria im öffentlichen Interesse sei. Bisame und Nutria unterliegen dem allgemeinen Schutz wildlebender Tiere. Sie dürfen bei Vorliegen eines vernünftigen Grundes gefangen oder getötet werden. Der Biber hingegen steht unter Naturschutz und darf weder getötet noch umgesiedelt werden.

Joachim Weike beantwortet die Frage nach dem Biber ganz pragmatisch: „Wenn er kommt, werden wir uns mit ihm arrangieren.“

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