„Bei uns steht die Kirche noch im Dorf“: Pfarrstelle in Oberlübbe und Unterlübbe soll bald wieder besetzt sein Kerstin Rickert Hille-Oberlübbe. Seit 16 Monaten ist die Pfarrstelle Oberlübbe-Unterlübbe vakant. Pastor Dieter Maletz hatte diese nach dem Weggang von Jens Brakensiek vertretungsweise übernommen. „Auch wenn wir das Glück hatten, in ihm immer einen Ansprechpartner zu haben, war der Wunsch nach einem festen Pfarrer innerhalb der Gemeinde groß“, sagt René Rosenthal vom Presbyterium der Kirchengemeinde Oberlübbe-Rothenuffeln im MT-Gespräch. Die Querelen, die Ende 2019 zur Trennung von Kirchengemeinde und Brakensiek geführt hatten, und auch die Corona-Pandemie haben das Verfahren zur Neubesetzung der Pfarrstelle verzögert. Das geht nun in die Schlussphase: Am morgigen Freitag endet die Bewerbungsfrist um eine Nachfolge zum 1. September. Wer in das Pfarrhaus neben der Kirche einziehen wird und ob es überhaupt einen geeigneten Kandidaten geben wird, dazu kann René Rosenthal erst nach Abschluss des gesamten Bewerbungsverfahrens mehr sagen. „Es ist sicher kein Geheimnis, dass die Bewerber für eine Pfarrstelle nicht gerade Schlange stehen. Aber ich bin da optimistisch.“ Das Aufgabenspektrum sei attraktiv, es handele sich um die klassische Arbeit eines Dorfpfarrers. „Bei uns steht die Kirche noch im Dorf und der Pfarrer hat einen besonderen Stellenwert.“ Die Gemeinde zeichne aus, dass „wir sehr, sehr viele Ehrenamtliche haben, die aktiv mitarbeiten“. „Es bieten sich alle Möglichkeiten, die volle Breitseite des Pfarrberufs auszuleben“, so Rosenthal, der deshalb auch die besten Chancen bei Bewerbern sieht, die breit aufgestellt sind. „Pfarrer in unserer Gemeinde zu sein, heißt, dass man Allrounder sein muss und auch darf.“ Kinder- und Jugendarbeit – ob die des CVJM oder im Kindergarten in eigener Trägerschaft – gehöre ebenso zu den Aufgaben wie die Arbeit mit Senioren und im Rahmen der verschiedenen Gruppenangebote innerhalb der Gemeinde. Zeitgemäße Gottesdienste, Lust am Predigen und frische Ideen für die Arbeit mit jungen Familien wünscht sich Rosenthal von dem oder der Neuen für seine Gemeinde. Er ist zuversichtlich, jemanden zu finden, der genau diese Vielfalt sucht und neben der „Lust auf Landleben im Hiller Raum“ auch Freude an Musik und Gesang mitbringt. „Wir sind – jedenfalls in Präsenzzeiten – eine sehr gesangfreudige Gemeinde.“ Darüber hinaus sei Kontinuität ein wichtiges Merkmal, worauf es bei der Auswahl geeigneter Bewerber ankomme. René Rosenthal ist sich sicher: „Diejenigen, die sich für eine Stelle als Gemeindepfarrer auf dem Land interessieren, bringen auf jeden Fall die richtigen Voraussetzungen mit.“ Um ihrerseits attraktive Voraussetzungen zu schaffen, hat die Kirchengemeinde sich dafür eingesetzt, eine Vollzeitstelle zu schaffen. „Der Stellenumfang richtet sich nach der Zahl der Gemeindemitglieder“, erklärt Rosenthal, der Vorsitzender des Bezirksausschusses und stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums ist. Bei rund 2.000 Mitgliedern im Pfarrbezirk Oberlübbe-Unterlübbe bedeutet das eine Pfarrstelle mit 75 Prozent. Aufgestockt wurde diese um 25 Prozent Arbeitszeit in der Diakonie Stiftung Salem. Als weiteren Pluspunkt wertet Rosenthal „das große, alte Pfarrhaus mit Pfarrwiese“, das in unmittelbarer Nähe zur Kirche liegt, wie diese zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut wurde und dem Gemeindepfarrer traditionell als Wohnhaus dient. Gleichwohl stellt der Presbyter klar: „Nur weil der Pfarrer neben der Kirche wohnt, heißt das natürlich nicht, dass er 24 Stunden auf Abruf da zu sein hat.“ Unter normalen Bedingungen wäre die vakante Pfarrstelle bereits im vergangenen Jahr ausgeschrieben worden. Zwei Umstände haben den Ablauf verzögert. Zum einen erfolgte der Weggang von Jens Brakensiek relativ kurzfristig und somit – anders als etwa beim Ausscheiden eines Pfarrers aus Altersgründen – ohne den für eine Stellenausschreibung benötigten Vorlauf. Etwa neun Monate dauere es in der Regel ohnehin, bis eine Pfarrstelle neu besetzt werden könne, so Rosenthal. Dazu fragt die Kirchengemeinde zunächst über den Kirchenkreis Minden bei der Landeskirche an, ob die Stelle neu besetzt werden kann und wenn ja, in welchem Umfang. Gegebenenfalls lässt sie prüfen, ob eine Aufstockung möglich ist. Sind alle Modalitäten geklärt, erteilt die Landeskirche einen positiven Bescheid. Der erfolgte in diesem Fall im August vergangenen Jahres. Im Anschluss erstellte die Kirchengemeinde die Stellenbeschreibung mit den Anforderungen an die Bewerber auf Grundlage der von ihr erarbeiteten Gemeindekonzeption. Die Abstimmungen seien durch die Pandemie erschwert worden, so dass es hierbei zu einer weiteren Verzögerung von etwa einem halben Jahr gekommen sei. So viel Zeit soll nach den Worten Rosenthals nun nicht noch einmal ins Land gehen, bis der Pfarrbezirk wieder in festen Händen ist. Nach dem Ende der Bewerbungsfrist trifft das Presbyterium eine erste Auswahl. „Maximal drei Bewerber, die am besten zu uns passen, laden wir zu einer Probepredigt ein“, erklärt der Presbyter den weiteren Ablauf. So habe die Gemeinde die Möglichkeit, die Bewerber in ihrer klassischen Rolle kennenzulernen, sich eine Meinung zu bilden und diese auch zu äußern. Eine endgültige Entscheidung trifft das Presbyterium durch Wahl. Rosenthal: „Ich bin optimistisch, dass wir Ende Mai ein Ergebnis haben.“

„Bei uns steht die Kirche noch im Dorf“: Pfarrstelle in Oberlübbe und Unterlübbe soll bald wieder besetzt sein

Dieter Maletz hatte die Stelle in Oberlübbe vertretungsweise übernommen. MT-Foto: Archiv © sbo/Archiv

Hille-Oberlübbe. Seit 16 Monaten ist die Pfarrstelle Oberlübbe-Unterlübbe vakant. Pastor Dieter Maletz hatte diese nach dem Weggang von Jens Brakensiek vertretungsweise übernommen. „Auch wenn wir das Glück hatten, in ihm immer einen Ansprechpartner zu haben, war der Wunsch nach einem festen Pfarrer innerhalb der Gemeinde groß“, sagt René Rosenthal vom Presbyterium der Kirchengemeinde Oberlübbe-Rothenuffeln im MT-Gespräch.

Die Querelen, die Ende 2019 zur Trennung von Kirchengemeinde und Brakensiek geführt hatten, und auch die Corona-Pandemie haben das Verfahren zur Neubesetzung der Pfarrstelle verzögert. Das geht nun in die Schlussphase: Am morgigen Freitag endet die Bewerbungsfrist um eine Nachfolge zum 1. September.

Wer in das Pfarrhaus neben der Kirche einziehen wird, soll sich in den nächsten Woche entscheiden. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Wer in das Pfarrhaus neben der Kirche einziehen wird, soll sich in den nächsten Woche entscheiden. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert

Wer in das Pfarrhaus neben der Kirche einziehen wird und ob es überhaupt einen geeigneten Kandidaten geben wird, dazu kann René Rosenthal erst nach Abschluss des gesamten Bewerbungsverfahrens mehr sagen. „Es ist sicher kein Geheimnis, dass die Bewerber für eine Pfarrstelle nicht gerade Schlange stehen. Aber ich bin da optimistisch.“ Das Aufgabenspektrum sei attraktiv, es handele sich um die klassische Arbeit eines Dorfpfarrers.

„Bei uns steht die Kirche noch im Dorf und der Pfarrer hat einen besonderen Stellenwert.“ Die Gemeinde zeichne aus, dass „wir sehr, sehr viele Ehrenamtliche haben, die aktiv mitarbeiten“. „Es bieten sich alle Möglichkeiten, die volle Breitseite des Pfarrberufs auszuleben“, so Rosenthal, der deshalb auch die besten Chancen bei Bewerbern sieht, die breit aufgestellt sind. „Pfarrer in unserer Gemeinde zu sein, heißt, dass man Allrounder sein muss und auch darf.“

Kinder- und Jugendarbeit – ob die des CVJM oder im Kindergarten in eigener Trägerschaft – gehöre ebenso zu den Aufgaben wie die Arbeit mit Senioren und im Rahmen der verschiedenen Gruppenangebote innerhalb der Gemeinde. Zeitgemäße Gottesdienste, Lust am Predigen und frische Ideen für die Arbeit mit jungen Familien wünscht sich Rosenthal von dem oder der Neuen für seine Gemeinde. Er ist zuversichtlich, jemanden zu finden, der genau diese Vielfalt sucht und neben der „Lust auf Landleben im Hiller Raum“ auch Freude an Musik und Gesang mitbringt. „Wir sind – jedenfalls in Präsenzzeiten – eine sehr gesangfreudige Gemeinde.“

Darüber hinaus sei Kontinuität ein wichtiges Merkmal, worauf es bei der Auswahl geeigneter Bewerber ankomme. René Rosenthal ist sich sicher: „Diejenigen, die sich für eine Stelle als Gemeindepfarrer auf dem Land interessieren, bringen auf jeden Fall die richtigen Voraussetzungen mit.“ Um ihrerseits attraktive Voraussetzungen zu schaffen, hat die Kirchengemeinde sich dafür eingesetzt, eine Vollzeitstelle zu schaffen. „Der Stellenumfang richtet sich nach der Zahl der Gemeindemitglieder“, erklärt Rosenthal, der Vorsitzender des Bezirksausschusses und stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums ist. Bei rund 2.000 Mitgliedern im Pfarrbezirk Oberlübbe-Unterlübbe bedeutet das eine Pfarrstelle mit 75 Prozent. Aufgestockt wurde diese um 25 Prozent Arbeitszeit in der Diakonie Stiftung Salem. Als weiteren Pluspunkt wertet Rosenthal „das große, alte Pfarrhaus mit Pfarrwiese“, das in unmittelbarer Nähe zur Kirche liegt, wie diese zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut wurde und dem Gemeindepfarrer traditionell als Wohnhaus dient. Gleichwohl stellt der Presbyter klar: „Nur weil der Pfarrer neben der Kirche wohnt, heißt das natürlich nicht, dass er 24 Stunden auf Abruf da zu sein hat.“

Unter normalen Bedingungen wäre die vakante Pfarrstelle bereits im vergangenen Jahr ausgeschrieben worden. Zwei Umstände haben den Ablauf verzögert. Zum einen erfolgte der Weggang von Jens Brakensiek relativ kurzfristig und somit – anders als etwa beim Ausscheiden eines Pfarrers aus Altersgründen – ohne den für eine Stellenausschreibung benötigten Vorlauf. Etwa neun Monate dauere es in der Regel ohnehin, bis eine Pfarrstelle neu besetzt werden könne, so Rosenthal. Dazu fragt die Kirchengemeinde zunächst über den Kirchenkreis Minden bei der Landeskirche an, ob die Stelle neu besetzt werden kann und wenn ja, in welchem Umfang. Gegebenenfalls lässt sie prüfen, ob eine Aufstockung möglich ist. Sind alle Modalitäten geklärt, erteilt die Landeskirche einen positiven Bescheid. Der erfolgte in diesem Fall im August vergangenen Jahres. Im Anschluss erstellte die Kirchengemeinde die Stellenbeschreibung mit den Anforderungen an die Bewerber auf Grundlage der von ihr erarbeiteten Gemeindekonzeption. Die Abstimmungen seien durch die Pandemie erschwert worden, so dass es hierbei zu einer weiteren Verzögerung von etwa einem halben Jahr gekommen sei.

So viel Zeit soll nach den Worten Rosenthals nun nicht noch einmal ins Land gehen, bis der Pfarrbezirk wieder in festen Händen ist. Nach dem Ende der Bewerbungsfrist trifft das Presbyterium eine erste Auswahl. „Maximal drei Bewerber, die am besten zu uns passen, laden wir zu einer Probepredigt ein“, erklärt der Presbyter den weiteren Ablauf. So habe die Gemeinde die Möglichkeit, die Bewerber in ihrer klassischen Rolle kennenzulernen, sich eine Meinung zu bilden und diese auch zu äußern. Eine endgültige Entscheidung trifft das Presbyterium durch Wahl. Rosenthal: „Ich bin optimistisch, dass wir Ende Mai ein Ergebnis haben.“

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