Bei Alaïs und Janne stimmt die Chemie Erstmals französische Austauschschülerin an Verbundschule Hille / Überrascht von Lehrer-Schüler-Verhältnis Von Gisela Burmester Hille (mt). Alaïs Ricouart ist die erste französische Austauschschülerin an der Verbundschule Hille. Zwei Monate lang lernte sie Land und Leute kennen. Die 16-Jährige stammt auch Wormhout, einem Städtchen nahe der belgischen Grenze, und besucht ein Gymnasium. Dort stehen für sie zehn Wochenstunden Deutsch auf dem Stundenplan. Und im Abitur kommen zweisprachige Prüfungen auf sie zu. Da ist es kein Wunder, dass Alaïs ein hervorragendes Deutsch spricht. Nur einen Stolperstein gibt es immer wieder: "ch" spricht sie wie "sch" aus. Beispielsweise sagt sie "mansches". Das hat Janne Leimbach, 14 Jahre alt und Schülerin des Gymnasiums der Verbundschule Hille, wochenlang irritiert. Sie hat Alaïs für die zwei Monate ihres Aufenthalts zu sich nach Hause in Eickhorst eingeladen. "Wenn sie ,mansches sagte, dann habe ich immer gerätselt, was sie meinte." Erst ein Lied brachte die Lösung.Kennengelernt haben sich Janne und die Französin übers Internet. Elke Betz, Französischlehrerin am Hiller Gymnasium, warb im Unterricht für Schüleraustausch und verwies dabei auf das Programm "Brigitte Sauzay", das eng mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk kooperiert. "Über die Homepage können Kontakte geknüpft werden", berichtet Elke Betz.Das taten Janne und Alaïs, lernten sich dann näher über Facebook kennen und schlossen Freundschaft. "Die Chemie stimmt", sagen beide.Die Austauschschülerin kam am 1. Mai in die Familie Leimbach, nimmt am Alltagsleben teil und besucht natürlich auch die Schule. "Ich komme in allen Fächern gut klar, weil ich in Frankreich schon weiter bin." Aber nicht nur deshalb, meint die 16-Jährige, empfinde sie die Zeit in Deutschland wie Ferien. "Zu Hause habe ich oft von 8 bis 18 Uhr Unterricht, gehe auch samstags zur Schule und bekomme viele Hausaufgaben auf."Überrascht ist sie von dem recht lockeren Lehrer-Schüler-Verhältnis. In Frankreich sei es nicht üblich, zu Lehrkräften eine freundschaftliche Verbindung aufzubauen oder mit ihnen über Persönliches zu sprechen. "Sie sind eine Autorität und bleiben auf Distanz."Schlemmen zur MittagszeitUngewohnt ist für Alaïs das Essverhalten der Deutschen. Ihres sieht ganz anders aus. Zum Frühstück isst sie wenig oder gar nichts, ein Pausenbrot kennt sie nicht.Dafür fällt das Mittagessen mit einem kompletten Menü üppig aus. "Unsere Kantine ähnelt einem Restaurant, die Auswahl an Gerichten ist groß. Und wir haben bis zu zwei Stunden Zeit für unser Mittagessen." Daher braucht Alaïs auch stets einen Nachtisch.Steht der einmal im Hause Leimbach nicht auf dem Speiseplan, erzählt Janne, dann hole sich ihr Gast eben einen Joghurt oder ein Eis. "Solche Sachen esse ich auch zwischendurch, das tut Alaïs nicht."Neben der Schule hat die Austauschschülerin natürlich auch Freizeit, und die verbringt sie mit ihren Gastgebern: Laufen und Aerobic mit Mutter Susanne Leimbach, Schwimmen und Pfadfindertreffen mit Janne, Ausflüge nach Minden, Bremen und Paderborn sowie ein Kurzurlaub auf Borkum mit der ganzen Familie. Gestern waren die beiden Freundinnen bei Elke Betz zum Kaffee eingeladen, und Einkaufen wollen sie auch. "Ich hätte gern noch Schuhe, denn die sind billiger als in Frankreich", sagt Alaïs, außerdem brauche sie ein Mitbringsel für ihren Bruder. Kleid, Schwimmsachen und weitere Geschenke hat sie schon im Koffer verstaut.Am Donnerstag macht sie sich auf die Heimreise. Allerdings mit zwiespältigen Gefühlen: Einerseits freut sie sich auf ihr Zuhause, andererseits wird sie Deutschland vermissen. "Am liebsten würde ich noch hier bleiben, denn es war eine schöne Zeit." Nicht nur, weil sie ihre Deutschkenntnisse verbessern konnte - was für das Abitur von immenser Bedeutung ist -, sondern auch wegen der vielen Freizeit und der sportlichen Aktivitäten.Aber sie wird Deutschland schon bald wiedersehen: Nach dem Abitur in zwei Jahren will sie zurückkommen, um das Land genauer kennenzulernen und in Freiburg Medizin zu studieren. Und schon im September wird ihr Janne nicht nur Schokolade, die sie so sehr liebt, sondern auch Grüße aus Deutschland mitbringen. "Dann bin ich für zwei Monate Austauschschülerin in Frankreich."

Bei Alaïs und Janne stimmt die Chemie

Hille (mt). Alaïs Ricouart ist die erste französische Austauschschülerin an der Verbundschule Hille. Zwei Monate lang lernte sie Land und Leute kennen.

Alaïs Ricouart (links) mit Janne Leimbach (rechts) und Elke Betz. - © MT-Foto: Gisela Burmester
Alaïs Ricouart (links) mit Janne Leimbach (rechts) und Elke Betz. - © MT-Foto: Gisela Burmester

Die 16-Jährige stammt auch Wormhout, einem Städtchen nahe der belgischen Grenze, und besucht ein Gymnasium. Dort stehen für sie zehn Wochenstunden Deutsch auf dem Stundenplan. Und im Abitur kommen zweisprachige Prüfungen auf sie zu. Da ist es kein Wunder, dass Alaïs ein hervorragendes Deutsch spricht. Nur einen Stolperstein gibt es immer wieder: "ch" spricht sie wie "sch" aus. Beispielsweise sagt sie "mansches". Das hat Janne Leimbach, 14 Jahre alt und Schülerin des Gymnasiums der Verbundschule Hille, wochenlang irritiert. Sie hat Alaïs für die zwei Monate ihres Aufenthalts zu sich nach Hause in Eickhorst eingeladen. "Wenn sie ,mansches sagte, dann habe ich immer gerätselt, was sie meinte." Erst ein Lied brachte die Lösung.

Kennengelernt haben sich Janne und die Französin übers Internet. Elke Betz, Französischlehrerin am Hiller Gymnasium, warb im Unterricht für Schüleraustausch und verwies dabei auf das Programm "Brigitte Sauzay", das eng mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk kooperiert. "Über die Homepage können Kontakte geknüpft werden", berichtet Elke Betz.

Das taten Janne und Alaïs, lernten sich dann näher über Facebook kennen und schlossen Freundschaft. "Die Chemie stimmt", sagen beide.

Die Austauschschülerin kam am 1. Mai in die Familie Leimbach, nimmt am Alltagsleben teil und besucht natürlich auch die Schule. "Ich komme in allen Fächern gut klar, weil ich in Frankreich schon weiter bin." Aber nicht nur deshalb, meint die 16-Jährige, empfinde sie die Zeit in Deutschland wie Ferien. "Zu Hause habe ich oft von 8 bis 18 Uhr Unterricht, gehe auch samstags zur Schule und bekomme viele Hausaufgaben auf."

Überrascht ist sie von dem recht lockeren Lehrer-Schüler-Verhältnis. In Frankreich sei es nicht üblich, zu Lehrkräften eine freundschaftliche Verbindung aufzubauen oder mit ihnen über Persönliches zu sprechen. "Sie sind eine Autorität und bleiben auf Distanz."

Schlemmen zur Mittagszeit

Ungewohnt ist für Alaïs das Essverhalten der Deutschen. Ihres sieht ganz anders aus. Zum Frühstück isst sie wenig oder gar nichts, ein Pausenbrot kennt sie nicht.

Dafür fällt das Mittagessen mit einem kompletten Menü üppig aus. "Unsere Kantine ähnelt einem Restaurant, die Auswahl an Gerichten ist groß. Und wir haben bis zu zwei Stunden Zeit für unser Mittagessen." Daher braucht Alaïs auch stets einen Nachtisch.

Steht der einmal im Hause Leimbach nicht auf dem Speiseplan, erzählt Janne, dann hole sich ihr Gast eben einen Joghurt oder ein Eis. "Solche Sachen esse ich auch zwischendurch, das tut Alaïs nicht."

Neben der Schule hat die Austauschschülerin natürlich auch Freizeit, und die verbringt sie mit ihren Gastgebern: Laufen und Aerobic mit Mutter Susanne Leimbach, Schwimmen und Pfadfindertreffen mit Janne, Ausflüge nach Minden, Bremen und Paderborn sowie ein Kurzurlaub auf Borkum mit der ganzen Familie. Gestern waren die beiden Freundinnen bei Elke Betz zum Kaffee eingeladen, und Einkaufen wollen sie auch. "Ich hätte gern noch Schuhe, denn die sind billiger als in Frankreich", sagt Alaïs, außerdem brauche sie ein Mitbringsel für ihren Bruder. Kleid, Schwimmsachen und weitere Geschenke hat sie schon im Koffer verstaut.

Am Donnerstag macht sie sich auf die Heimreise. Allerdings mit zwiespältigen Gefühlen: Einerseits freut sie sich auf ihr Zuhause, andererseits wird sie Deutschland vermissen. "Am liebsten würde ich noch hier bleiben, denn es war eine schöne Zeit." Nicht nur, weil sie ihre Deutschkenntnisse verbessern konnte - was für das Abitur von immenser Bedeutung ist -, sondern auch wegen der vielen Freizeit und der sportlichen Aktivitäten.

Aber sie wird Deutschland schon bald wiedersehen: Nach dem Abitur in zwei Jahren will sie zurückkommen, um das Land genauer kennenzulernen und in Freiburg Medizin zu studieren. Und schon im September wird ihr Janne nicht nur Schokolade, die sie so sehr liebt, sondern auch Grüße aus Deutschland mitbringen. "Dann bin ich für zwei Monate Austauschschülerin in Frankreich."

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille