Baugebiete, Badesee, Disco: Das sind die Antworten der Bürgermeisterkandidaten auf MT-Leserfragen Stefanie Dullweber Hille. Es war eine andere Variante, in der MT-Gesprächsrunde mit den drei Bürgermeisterkandidaten eine Zuschauerfrage zu stellen. Burkhard Günther (SPD), Henning Grinke und Bürgermeister Michael Schweiß antworteten auf Online-Zuschriften. Ein Überblick. Wie wollen Sie gegen den Mangel an erschwinglichen Baugrundstücken/Wohnraum vorgehen? Wie stehen Sie zu dem Bieterverfahren „In der Loge“? Der ortsübliche Preis liegt laut Bodenrichtwert bei 80 Euro pro Quadratmeter, sagt der amtierende Bürgermeister Michael Schweiß. Realistisch seien aber wohl eher 100 Euro und durch die archäologischen Funde seien die Grundstückspreise „In der Loge“ deutlich teurer. Wenn man diese Preise beeinflussen wollte, müsste die Gemeinde bei solchen Baugebieten zugreifen. Das sei aber angesichts der angespannten Haushaltslage „faktisch unangemessen“, sagt Schweiß. Immerhin habe der aktuelle Haushalt mittlerweile ein Minus von mehr als drei Millionen Euro. „So denkt Verwaltung“, kontert Burkhard Günther auf die Ausführungen des Amtsinhabers. Diese müsse kaufmännisches Denken lernen. Günther wirbt dafür, dass die Gemeinde selbst Flächen erwirbt, sie überplant und anschließend auch veräußert. „Und zwar zu einem fairen, vorher festgelegten Preis. Damit wir nicht den Reichen die Taschen voll machen.“ Bei einem Treffen mit Olaf Scholz habe er den Finanzminister auf die Probleme der kleinen Gemeinden wie Hille aufmerksam gemacht. „Wir müssen den Mut haben, Vorgaben zu ändern und nicht pflichterfüllende Beamte zu sein.“ „Das Bieterverfahren liegt nicht in unserer Hand“, sagt der CDU-Bewerber Henning Grinke. Seiner Ansicht nach sei es kein Problem, Flächen kostendeckend zu vermarkten – auch mit eigenen Mitteln. „Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, dass wir das so zugelassen haben, wie es in Hille jetzt gelaufen ist.“ Wie stehen Sie zum Naherholungsgebiet „Badesee Mindenerwald“? Soll das Gelände für die Bürger offen und kostenfrei gehalten werden? Der Badesee Mindenerwald sollte laut Grinke ein Treffpunkt für junge Menschen sein und bleiben. Außerdem müsse die Gemeinde dafür sorgen, dass immer ausreichend Rettungskräfte vor Ort sind. An den zuletzt heißen Wochenenden seien regelmäßig bis zu 500 Besucher am Badesee gewesen, sagt Schweiß und verweist auf den bestehenden Vertrag der Gemeinde mit dem Deutschen Roten Kreuz. Man habe überlegt, Eintritt zu nehmen, aber zum einen sei eine Umzäunung in einem Naturschutzgebiet nicht gestattet und zum anderen erhoffe er sich sehr viel von dem Gelände. „Es könnte Eventcharakter bekommen.“ SPD-Kandidat Burkhard Günther gesteht, als Vorsitzender des DRK-Hille „ein bisschen befangen“ zu sein, was das Thema Badesee angeht. Vor vier Jahren habe es Pläne gegeben, den See zu schließen – das habe die Politik zum Glück verhindern können. „Wenn ich heute den Enthusiasmus des Bürgermeisters höre, mit der er über den Badesee spricht, bin ich froh, dass wir ihn wieder in die Spur gebracht haben.“ Das DRK werde das Gelände laut Günther weiterhin gerne und kostenfrei betreuen. Braucht eine Gemeinde wie Hille eine eigene Diskothek? Dass der Lindenhof geschlossen ist, findet Schweiß schade. Angesichts der mangelnden Nahmobilität brauche es ein Angebot für Jugendliche. Es gebe einen Gastronomen, der sich sehr für Hille interessiere, spielt Schweiß auf den neuen Pächter am Badesee an, der auch die Autodisco auf dem Marktplatz organisiert hatte. Doch vor dem Vergnügen brauche es auch die Arbeit, schwenkt der Amtsinhaber auf das Thema Jugendparlament um, das er bereits 2010 gerne installiert hätte. Er sei aber am Rat gescheitert. Er wolle sich für einen Kurs an der Verbundschule einsetzen, der Sprecher für die Fachausschüsse nominieren soll. Um das politische Engagement bei Jugendlichen zu wecken, unterrichte er seit etwa zehn Jahren Rechtskunde an der Verbundschule mit dem Schwerpunkt Demokratie, sagt Burkhard Günther, Rechtsanwalt und Notar. Seiner Ansicht nach braucht es Treffpunkte für Jugendliche. „Ich glaube kaum, dass wir dafür das Rathaus nutzen können.“ Günther sieht einen kulturellen Wandel, den es zu berücksichtigen gelte. Die Jugendlichen gingen nicht mehr im Hellen aus dem Haus und kämen im Hellen nach Hause, und sie seien nicht mehr bereit, fürs Feiern viel Geld auszugeben. CDU-Bewerber Grinke findet es schwierig, eine Diskothek in Hille zu etablieren. „Ein Selbstständiger will davon auch leben können“, sieht er das größte Problem. Es gebe jedoch in der Gemeinde in fast jeder Ortschaft Sportfeste, die mit viel Engagement organisiert seien. Und generell gebe es ein breit aufgestelltes Vereinswesen, das eine Palette an Möglichkeiten biete. Wie positionieren Sie sich zum Thema Haushalt? Sollten freiwillige Leistungen gestrichen werden? Politik und Verwaltung hätten sich mit den freiwilligen Leistungen beschäftigt und geprüft, ob diese gebraucht werden, sagt Günther. Jährlich könnten damit 135.000 Euro eingespart werden. Das strukturelle Defizit der Gemeinde liege allerdings bei 1,6 Millionen Euro. „Da sind 135.000 Euro nur die Rabattmarke. Der Einkauf ist aber noch nicht bezahlt.“ Das Defizit liegt laut Günther also nicht in den freiwilligen Leistungen begründet, sondern in den mangelhaften Schlüsselzuweisungen. Darauf müsse man die Verantwortlichen in Düsseldorf aufmerksam machen. Eine Haushaltssicherung muss unbedingt verhindert werden, meint Henning Grinke. Die freiwilligen Leistungen zu streichen, sei nicht die Lösung des Problems. Der CDU-Kandidat möchte die Gemeindefinanzen aber auch nicht über Steuererhöhungen aufbessern. Eine seiner Ideen ist, über Fördertöpfe zusätzliche Einnahmen zu generieren. Er habe wenig neue Lösungsansätze gehört, sagt Michael Schweiß in Richtung seiner Mitbewerber. Seiner Ansicht nach gibt es nur zwei Möglichkeiten: zum einen die Erträge zu steigern, zum anderen die Aufwendungen zu reduzieren. „Beides wird in den nächsten vier Jahren niemandem gelingen.“

Baugebiete, Badesee, Disco: Das sind die Antworten der Bürgermeisterkandidaten auf MT-Leserfragen

Das Bieterverfahren für den Erwerb von Grundstücken im Baugebiet „In der Loge“ erhitzt die Gemüter und war auch Thema bei den Zuschauerfragen in der Gesprächsrunde. MT- © Foto: Carsten Korfesmeyer

Hille. Es war eine andere Variante, in der MT-Gesprächsrunde mit den drei Bürgermeisterkandidaten eine Zuschauerfrage zu stellen. Burkhard Günther (SPD), Henning Grinke und Bürgermeister Michael Schweiß antworteten auf Online-Zuschriften. Ein Überblick.

Wie wollen Sie gegen den Mangel an erschwinglichen Baugrundstücken/Wohnraum vorgehen? Wie stehen Sie zu dem Bieterverfahren „In der Loge“?

Der ortsübliche Preis liegt laut Bodenrichtwert bei 80 Euro pro Quadratmeter, sagt der amtierende Bürgermeister Michael Schweiß. Realistisch seien aber wohl eher 100 Euro und durch die archäologischen Funde seien die Grundstückspreise „In der Loge“ deutlich teurer. Wenn man diese Preise beeinflussen wollte, müsste die Gemeinde bei solchen Baugebieten zugreifen. Das sei aber angesichts der angespannten Haushaltslage „faktisch unangemessen“, sagt Schweiß. Immerhin habe der aktuelle Haushalt mittlerweile ein Minus von mehr als drei Millionen Euro.

Bürgermeister Michael Schweiß tritt als Einzelbewerber an.
Bürgermeister Michael Schweiß tritt als Einzelbewerber an.

„So denkt Verwaltung“, kontert Burkhard Günther auf die Ausführungen des Amtsinhabers. Diese müsse kaufmännisches Denken lernen. Günther wirbt dafür, dass die Gemeinde selbst Flächen erwirbt, sie überplant und anschließend auch veräußert. „Und zwar zu einem fairen, vorher festgelegten Preis. Damit wir nicht den Reichen die Taschen voll machen.“ Bei einem Treffen mit Olaf Scholz habe er den Finanzminister auf die Probleme der kleinen Gemeinden wie Hille aufmerksam gemacht. „Wir müssen den Mut haben, Vorgaben zu ändern und nicht pflichterfüllende Beamte zu sein.“

Henning Grinke ist Bürgermeisterkandidat der Hiller CDU.
Henning Grinke ist Bürgermeisterkandidat der Hiller CDU.

„Das Bieterverfahren liegt nicht in unserer Hand“, sagt der CDU-Bewerber Henning Grinke. Seiner Ansicht nach sei es kein Problem, Flächen kostendeckend zu vermarkten – auch mit eigenen Mitteln. „Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, dass wir das so zugelassen haben, wie es in Hille jetzt gelaufen ist.“

Burkhard Günther kandidiert für die Hiller SPD.
Burkhard Günther kandidiert für die Hiller SPD.

Wie stehen Sie zum Naherholungsgebiet „Badesee Mindenerwald“? Soll das Gelände für die Bürger offen und kostenfrei gehalten werden?

Der Badesee Mindenerwald sollte laut Grinke ein Treffpunkt für junge Menschen sein und bleiben. Außerdem müsse die Gemeinde dafür sorgen, dass immer ausreichend Rettungskräfte vor Ort sind.

An den zuletzt heißen Wochenenden seien regelmäßig bis zu 500 Besucher am Badesee gewesen, sagt Schweiß und verweist auf den bestehenden Vertrag der Gemeinde mit dem Deutschen Roten Kreuz. Man habe überlegt, Eintritt zu nehmen, aber zum einen sei eine Umzäunung in einem Naturschutzgebiet nicht gestattet und zum anderen erhoffe er sich sehr viel von dem Gelände. „Es könnte Eventcharakter bekommen.“

SPD-Kandidat Burkhard Günther gesteht, als Vorsitzender des DRK-Hille „ein bisschen befangen“ zu sein, was das Thema Badesee angeht. Vor vier Jahren habe es Pläne gegeben, den See zu schließen – das habe die Politik zum Glück verhindern können. „Wenn ich heute den Enthusiasmus des Bürgermeisters höre, mit der er über den Badesee spricht, bin ich froh, dass wir ihn wieder in die Spur gebracht haben.“ Das DRK werde das Gelände laut Günther weiterhin gerne und kostenfrei betreuen.

Braucht eine Gemeinde wie Hille eine eigene Diskothek?

Dass der Lindenhof geschlossen ist, findet Schweiß schade. Angesichts der mangelnden Nahmobilität brauche es ein Angebot für Jugendliche. Es gebe einen Gastronomen, der sich sehr für Hille interessiere, spielt Schweiß auf den neuen Pächter am Badesee an, der auch die Autodisco auf dem Marktplatz organisiert hatte. Doch vor dem Vergnügen brauche es auch die Arbeit, schwenkt der Amtsinhaber auf das Thema Jugendparlament um, das er bereits 2010 gerne installiert hätte. Er sei aber am Rat gescheitert. Er wolle sich für einen Kurs an der Verbundschule einsetzen, der Sprecher für die Fachausschüsse nominieren soll.

Um das politische Engagement bei Jugendlichen zu wecken, unterrichte er seit etwa zehn Jahren Rechtskunde an der Verbundschule mit dem Schwerpunkt Demokratie, sagt Burkhard Günther, Rechtsanwalt und Notar. Seiner Ansicht nach braucht es Treffpunkte für Jugendliche. „Ich glaube kaum, dass wir dafür das Rathaus nutzen können.“ Günther sieht einen kulturellen Wandel, den es zu berücksichtigen gelte. Die Jugendlichen gingen nicht mehr im Hellen aus dem Haus und kämen im Hellen nach Hause, und sie seien nicht mehr bereit, fürs Feiern viel Geld auszugeben.

CDU-Bewerber Grinke findet es schwierig, eine Diskothek in Hille zu etablieren. „Ein Selbstständiger will davon auch leben können“, sieht er das größte Problem. Es gebe jedoch in der Gemeinde in fast jeder Ortschaft Sportfeste, die mit viel Engagement organisiert seien. Und generell gebe es ein breit aufgestelltes Vereinswesen, das eine Palette an Möglichkeiten biete.

Wie positionieren Sie sich zum Thema Haushalt? Sollten freiwillige Leistungen gestrichen werden?

Politik und Verwaltung hätten sich mit den freiwilligen Leistungen beschäftigt und geprüft, ob diese gebraucht werden, sagt Günther. Jährlich könnten damit 135.000 Euro eingespart werden. Das strukturelle Defizit der Gemeinde liege allerdings bei 1,6 Millionen Euro. „Da sind 135.000 Euro nur die Rabattmarke. Der Einkauf ist aber noch nicht bezahlt.“ Das Defizit liegt laut Günther also nicht in den freiwilligen Leistungen begründet, sondern in den mangelhaften Schlüsselzuweisungen. Darauf müsse man die Verantwortlichen in Düsseldorf aufmerksam machen.

Eine Haushaltssicherung muss unbedingt verhindert werden, meint Henning Grinke. Die freiwilligen Leistungen zu streichen, sei nicht die Lösung des Problems. Der CDU-Kandidat möchte die Gemeindefinanzen aber auch nicht über Steuererhöhungen aufbessern. Eine seiner Ideen ist, über Fördertöpfe zusätzliche Einnahmen zu generieren.

Er habe wenig neue Lösungsansätze gehört, sagt Michael Schweiß in Richtung seiner Mitbewerber. Seiner Ansicht nach gibt es nur zwei Möglichkeiten: zum einen die Erträge zu steigern, zum anderen die Aufwendungen zu reduzieren. „Beides wird in den nächsten vier Jahren niemandem gelingen.“

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