Auf zahlreichen Hiller Straßen ist es zu laut - und der Rat sieht keinen Handlungsbedarf Carsten Korfesmeyer Hille. Eine Lärmkarte zeigt, auf welchen Straßen es Tag und Nacht zu viel Krach durch Fahrzeuge gibt. Das ist aktuell der Fall zwischen dem Ortsausgang von Hahlen bis zum Hartumer Kreisel, auf der Strecke Siebenackern und den Serpentinen sowie auf Teilen der Lübbbecker Straße in Rothenuffeln. Prinzipiell sagen die Messungen aber auch, dass sich die Lautstärke in der Gemeinde überwiegend im zulässigen Rahmen befindet und die Zahl der rund um die Uhr von Straßenlärm geplagten Bürger nur bei fünf liegt. Für den Rat ist das ein Indiz dafür, dass lärmtechnisch eine geringe Betroffenheit vorliegt. Einstimmig beschließt er, die gesetzlich vorgeschriebene Lärmaktionsplanung abzuschließen und keine weiteren Maßnahmen einzuleiten. Fachbereichsleiter Detlef Hartmann hält die Entscheidung für vertretbar. Neben den fünf ständig Betroffenen kommen beim Nachtwert zwar noch sieben hinzu, doch selbst zwölf Personen sind laut der gesetzlichen Regelung noch zu wenig, um weitere Schritte zwingend vorzuschreiben. Es müssten mindestens 50 sein. Das sei ein maßgeblicher Wert, um aktiv in der Lärmaktionsplanung tätig zu werden. „Davon sind wir noch weit entfernt", sagt der Mann aus dem Rathaus. Hinzu käme, dass ihm in den vergangenen Jahren nicht eine Beschwerde aus den genannten Bereichen auf den Tisch geflattert sei. 2016 hätten sich lediglich einige Anwohner der Straße Siebenackern darüber mokiert, dass manche Motorradfahrer die Serpentinen mit einer Rennstrecke verwechselt hätten. Das sei aber kein Thema für den Lärmaktionsplan. „Dem Phänomen ist eher mit polizeilichen Mitteln zu begegnen", heißt es auch in der entsprechenden Sitzungsvorlage der Verwaltung. Alle fünf Jahre ist der Lärmpegel neu zu messen. Das sieht eine EU-Richtlinie vor. Wie der Rat hält es auch der Fabereichsleiter für zwingend erforderlich, die Entwicklung weiter zu beobachten und die Lärmaktionsplanung bei einer Veränderung neu zu bewerten. Ansprechpartner für bauliche Maßnahmen zur Schallreduzierung ist allerdings der jeweilige Baulastträger. Weil es sich bei den aktuell zu lauten Strecken um Bundes- und Landesstraßen handelt, wäre die Gemeinde somit gar nicht zuständig. „Wir hätten gar keine Maßnahmen beschließen können", sagt Detlef Hartmann. Der Beschluss des Rates sei dennoch richtig, weil er ein Signal an die entsprechenden Stellen sende. Die Werte sind nicht von der Gemeinde, sondern von externer Stelle im Jahr 2018 ermittelt worden. „Wir hätten gar nicht die nötige Ausstattung dafür", sagt der Fachbereichsleiter. Unterschieden wird im 24-Stunden-Pegel mit einer zulässigen Höchstbelastung von 70 Dezibel sowie dem Nachtpegel mit maximal erlaubten 60 Dezibel. Weiterhin müssen bewohnte Gebiete durch den Fahrzeuglärm betroffen sein. Lärmschutzmaßnahmen – das bedeutet unter anderem Flüsterasphalt, Schutzwände oder eine reduzierte Geschwindigkeit. Wurden die Werte dafür vor Jahren nur in größeren Städten ermittelt, gilt die Vorgabe inzwischen auch für den ländlich geprägten Raum. Detlef Hartmann lässt gegenüber dem MT zumindest durchblicken, dass die Vorgaben in den kommenden Jahren noch stärker werden könnten. Voraussetzung ist schon jetzt, dass auf den Strecken mehr als drei Millionen Kraftfahrzeuge im Jahr unterwegs sind. Auf der Mindener Straße zwischen Hahlen und dem Hartumer Kreisel liegt dieser Wert mit 4,15 Millionen Fahrzeugbewegungen sogar deutlich drüber. Und überraschend ist auch, dass die viel befahrene Hauptstraße in Oberlübbe, die immerhin eine Verbindungsstrecke nach Lübbecke und Osnabrück darstellt, die Drei-Millionen-Grenze gar nicht erst erreicht. Einfach weghören gilt nicht Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer Fünf Hiller wohnen dort, wo es akut lauter ist als erlaubt. Angesichts von knapp 15.400 Einwohnern mag diese Zahl niedrig sein, egal ist sie sicher nicht. Denn Lärm ist lästig, er nervt und macht erwiesenermaßen krank. Grenzwerte gibt es, um Fakten zu schaffen. Liegen die Messwerte höher, müssen sie runter. Die Zahlen einfach beiseite zu schieben und sich mit dem Argument einer „geringen Betroffenheit" aus der Affäre zu ziehen, hinterlässt mindestens einen faden Beigeschmack. Lärmbelästigung bleibt, was sie ist: störend. Das gilt auch dann, wenn sie nur Einzelne trifft. Die für Hille ermittelten Werte sind formal zwar ignoriert, allerdings nicht aus der Welt. Und damit sie nicht ganz umsonst gemessen wurden, könnte die Politik nach Wegen suchen, den Lärm in den betroffenen Gebieten trotzdem zu drosseln. Das käme sicher besser an als einfach nur wegzuhören. Manchmal klappt das schon mit vergleichsweise einfachen Mitteln – wie beispielsweise einer Geschwindigkeitsbegrenzung.

Auf zahlreichen Hiller Straßen ist es zu laut - und der Rat sieht keinen Handlungsbedarf

So dramatisch wie in den größeren Städten ist die Lärmbelästigung auf den Hiller Straßen keineswegs. Trotzdem gibt es Bereiche in der Gemeinde, in denen die zulässigen Höchstwerte überschritten werden. Symbolfoto: imago stock&people © imago stock&people

Hille. Eine Lärmkarte zeigt, auf welchen Straßen es Tag und Nacht zu viel Krach durch Fahrzeuge gibt. Das ist aktuell der Fall zwischen dem Ortsausgang von Hahlen bis zum Hartumer Kreisel, auf der Strecke Siebenackern und den Serpentinen sowie auf Teilen der Lübbbecker Straße in Rothenuffeln. Prinzipiell sagen die Messungen aber auch, dass sich die Lautstärke in der Gemeinde überwiegend im zulässigen Rahmen befindet und die Zahl der rund um die Uhr von Straßenlärm geplagten Bürger nur bei fünf liegt. Für den Rat ist das ein Indiz dafür, dass lärmtechnisch eine geringe Betroffenheit vorliegt. Einstimmig beschließt er, die gesetzlich vorgeschriebene Lärmaktionsplanung abzuschließen und keine weiteren Maßnahmen einzuleiten.

Fachbereichsleiter Detlef Hartmann hält die Entscheidung für vertretbar. Neben den fünf ständig Betroffenen kommen beim Nachtwert zwar noch sieben hinzu, doch selbst zwölf Personen sind laut der gesetzlichen Regelung noch zu wenig, um weitere Schritte zwingend vorzuschreiben. Es müssten mindestens 50 sein. Das sei ein maßgeblicher Wert, um aktiv in der Lärmaktionsplanung tätig zu werden. „Davon sind wir noch weit entfernt", sagt der Mann aus dem Rathaus. Hinzu käme, dass ihm in den vergangenen Jahren nicht eine Beschwerde aus den genannten Bereichen auf den Tisch geflattert sei. 2016 hätten sich lediglich einige Anwohner der Straße Siebenackern darüber mokiert, dass manche Motorradfahrer die Serpentinen mit einer Rennstrecke verwechselt hätten. Das sei aber kein Thema für den Lärmaktionsplan. „Dem Phänomen ist eher mit polizeilichen Mitteln zu begegnen", heißt es auch in der entsprechenden Sitzungsvorlage der Verwaltung.

Alle fünf Jahre ist der Lärmpegel neu zu messen. Das sieht eine EU-Richtlinie vor. Wie der Rat hält es auch der Fabereichsleiter für zwingend erforderlich, die Entwicklung weiter zu beobachten und die Lärmaktionsplanung bei einer Veränderung neu zu bewerten. Ansprechpartner für bauliche Maßnahmen zur Schallreduzierung ist allerdings der jeweilige Baulastträger. Weil es sich bei den aktuell zu lauten Strecken um Bundes- und Landesstraßen handelt, wäre die Gemeinde somit gar nicht zuständig. „Wir hätten gar keine Maßnahmen beschließen können", sagt Detlef Hartmann. Der Beschluss des Rates sei dennoch richtig, weil er ein Signal an die entsprechenden Stellen sende.

Die Werte sind nicht von der Gemeinde, sondern von externer Stelle im Jahr 2018 ermittelt worden. „Wir hätten gar nicht die nötige Ausstattung dafür", sagt der Fachbereichsleiter. Unterschieden wird im 24-Stunden-Pegel mit einer zulässigen Höchstbelastung von 70 Dezibel sowie dem Nachtpegel mit maximal erlaubten 60 Dezibel. Weiterhin müssen bewohnte Gebiete durch den Fahrzeuglärm betroffen sein.

Lärmschutzmaßnahmen – das bedeutet unter anderem Flüsterasphalt, Schutzwände oder eine reduzierte Geschwindigkeit. Wurden die Werte dafür vor Jahren nur in größeren Städten ermittelt, gilt die Vorgabe inzwischen auch für den ländlich geprägten Raum. Detlef Hartmann lässt gegenüber dem MT zumindest durchblicken, dass die Vorgaben in den kommenden Jahren noch stärker werden könnten. Voraussetzung ist schon jetzt, dass auf den Strecken mehr als drei Millionen Kraftfahrzeuge im Jahr unterwegs sind. Auf der Mindener Straße zwischen Hahlen und dem Hartumer Kreisel liegt dieser Wert mit 4,15 Millionen Fahrzeugbewegungen sogar deutlich drüber. Und überraschend ist auch, dass die viel befahrene Hauptstraße in Oberlübbe, die immerhin eine Verbindungsstrecke nach Lübbecke und Osnabrück darstellt, die Drei-Millionen-Grenze gar nicht erst erreicht.

Einfach weghören gilt nicht

Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer

Fünf Hiller wohnen dort, wo es akut lauter ist als erlaubt. Angesichts von knapp 15.400 Einwohnern mag diese Zahl niedrig sein, egal ist sie sicher nicht. Denn Lärm ist lästig, er nervt und macht erwiesenermaßen krank.

Grenzwerte gibt es, um Fakten zu schaffen. Liegen die Messwerte höher, müssen sie runter. Die Zahlen einfach beiseite zu schieben und sich mit dem Argument einer „geringen Betroffenheit" aus der Affäre zu ziehen, hinterlässt mindestens einen faden Beigeschmack. Lärmbelästigung bleibt, was sie ist: störend. Das gilt auch dann, wenn sie nur Einzelne trifft.

Die für Hille ermittelten Werte sind formal zwar ignoriert, allerdings nicht aus der Welt. Und damit sie nicht ganz umsonst gemessen wurden, könnte die Politik nach Wegen suchen, den Lärm in den betroffenen Gebieten trotzdem zu drosseln. Das käme sicher besser an als einfach nur wegzuhören. Manchmal klappt das schon mit vergleichsweise einfachen Mitteln – wie beispielsweise einer Geschwindigkeitsbegrenzung.

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