Auf die Punkte kommt es an: Buntes Fohlen-Trio sorgt für Aufregung Stefanie Dullweber Hille. Drei kleine Tigerschecken springen übermütig auf der Weide umher. Immer wieder halten Autos an, deren Fahrer sich die bunten Fohlen anschauen. Die besondere Zeichnung der Pferde sorgt für einen regelrechten Tourismus im Hiller Ortsteil Holzhausen II an der Grenze zu Friedewalde. Eigentlich ist hier wenig Verkehr, bezeichnenderweise heißt die Straße „In der Tucht“ – der Name ist Programm. „Wir wohnen nicht nur ,In der Tucht', wir verhalten uns auch entsprechend“, sagt Melanie Enk, die zusammen mit ihrem Mann Mathias und Sohn Ken das Gestüt „af Wendandi“ leitet. Der Hof stamme aus dem 17. Jahrhundert und der Straßenname gehe auf die hier ausgeübte Tätigkeit zurück. „Tucht” bedeutet im Plattdeutschen nichts anderes als „Zucht“. Und genau die betreibt die Familie seit einigen Jahren mit der seltenen Pferderasse Knabstrupper. Seit 25 Jahren züchten Mathias und Melanie Enk die dänischen Königspferde und setzen sich für den Erhalt dieser Rasse ein. „Drei Fohlen von Tigerscheckenstuten, die zur gleichen Zeit auf die Welt gekommen sind, hatten wir in den ganzen Jahren noch nie. Das ist ein Rekord, fast wie ein Sechser im Lotto“, sagt die Züchterin. Ein viertes Fohlen sei leider wenige Wochen vor der Geburt gestorben. Die Tiere sind hauptsächlich weiß mit braunen oder schwarzen Tupfen, wobei Mathias Enk vor allem die Weißgeborenen – ohne Färbung – schätzt, die mittlerweile so gut wie ausgestorben sind. Eine berühmte Weißgeborenen-Zucht gab es früher in Herrenhausen bei Hannover. Die Barockpferde ähneln von ihrem Aussehen dem Kleinen Onkel aus Pippi Langstrumpf. „Die Tiere spiegeln unsere Seele. Die Arbeit mit ihnen ist ein super Ausgleich“, findet Melanie Enk, die im Hauptberuf als Heilpraktikerin arbeitet. Ihr Sohn, Chiropraktiker und Osteopath sowie Trainer A der klassisch-barocken Reiterei, ergänzt: „Die Pferde sind unsere Therapeuten. Sie erden uns für die Arbeit mit den Patienten.“ Die Corona-Krise hat dafür gesorgt, dass es auf dem Hof ruhiger zugeht. Der Reitunterricht konnte nicht mehr stattfinden, Ausritte ins Gelände waren untersagt. „Wir haben die letzten Wochen als Chance gesehen, unser Konzept zu überdenken“, erklärt Melanie Enk. Die Reiterei soll künftig auf Gesundheitssport ausgerichtet sein. Drei Jahre lang hätten sie mit diesem Ansatz geliebäugelt, jetzt sei der richtige Zeitpunkt, das Konzept mit Leben zu füllen. Das, was Corona vorgebe – zu entschleunigen und sich auf sich selbst zu besinnen – sei genau das, was sie schwerpunktmäßig machen wollten. Auch Mitarbeiterin Anne Hallermann habe die letzten Wochen genutzt und eine Fortbildung in diesem Bereich absolviert. Gerade im Bereich des therapeutischen Reitens würden die Techniken der Heilpraktik und des Reitens ineinandergreifen, findet Melanie Enk. „Wir schauen uns den Patienten an und überlegen, was mit Hilfe des Pferdes verbessert werden kann.“ Erfolgversprechend sei diese Art der Therapie beispielsweise bei Patienten mit Rückenproblemen oder auch bei Angststörungen. „Die Pferde vermitteln eine Unmittelbarkeit, die wir uns zunutze machen.“ Therapeutisches Reiten eigene sich nicht nur für erfahrene Reiter, sondern auch für Neulinge – insbesondere auch Kinder. „Wir heben uns damit ein Stück weit von dem Angebot einer normalen Reitschule ab“, findet Melanie Enk. Auf Sicht sollen auch die Fohlen Teil des neuen Konzeptes werden. „Sie bleiben auf jeden Fall auf dem Gestüt. Aber bis sie fertig ausgebildet sind, dauert es noch ein paar Jahre“, sagt Melanie Enk, auf deren Hof 21 Knabstrupper zu Hause sind. „Die Fohlen werden vom ersten Tag an den Menschen gewöhnt. Deshalb sind wir meist auch schon bei der Geburt dabei“, erklärt Anne Hallermann, die eng in die Ausbildung der Tiere eingebunden ist. Ab dem dritten Tag würde dem Nachwuchs bereits ein Halfter angelegt und er müsste erste Regeln befolgen. „Der enge Kontakt kommt uns später zugute, denn die Pferde haben keine Angst vor Menschen.“ Bis die Ausbildung tatsächlich startet, dauert es mindestens drei Jahre. „Ab diesem Alter lernen die Pferde, an der Longe zu laufen.“ Anne Hallermann spricht in diesem Zusammenhang von Handarbeit – also dem Teil der Lehrzeit, bei der der Mensch noch nicht im Sattel sitzt. Angeritten würden die Tiere erst ab einem Alter von vier Jahren. „Ihre volle Tragfähigkeit haben sie allerdings erst, wenn sie ungefähr sieben sind.“ Sie würden viel Wert darauf legen, die Tiere nicht zu schnell zu fordern, weil ein früher Verschleiß später zu Defiziten führen könnte, sagt Melanie Enk. Mit den Lockerungen in der Corona-Krise startet auf dem Gestüt jetzt auch wieder der Reitunterricht. „Die Pferde hatten keine Pause, denn sie wurden ja trotzdem von uns bewegt. Die Zeit ohne Unterricht war eher für die Schüler ein Problem. Die sind aber jetzt umso motivierter“, sagt Anne Hallermann.

Auf die Punkte kommt es an: Buntes Fohlen-Trio sorgt für Aufregung

Das dritte Fohlen war zu schnell fürs Foto – der niedliche Nachwuchs sorgt momentan für einen regelrechten Tourismus. © Foto: Heidy Larisch/privat

Hille. Drei kleine Tigerschecken springen übermütig auf der Weide umher. Immer wieder halten Autos an, deren Fahrer sich die bunten Fohlen anschauen. Die besondere Zeichnung der Pferde sorgt für einen regelrechten Tourismus im Hiller Ortsteil Holzhausen II an der Grenze zu Friedewalde. Eigentlich ist hier wenig Verkehr, bezeichnenderweise heißt die Straße „In der Tucht“ – der Name ist Programm.

„Wir wohnen nicht nur ,In der Tucht', wir verhalten uns auch entsprechend“, sagt Melanie Enk, die zusammen mit ihrem Mann Mathias und Sohn Ken das Gestüt „af Wendandi“ leitet. Der Hof stamme aus dem 17. Jahrhundert und der Straßenname gehe auf die hier ausgeübte Tätigkeit zurück. „Tucht” bedeutet im Plattdeutschen nichts anderes als „Zucht“. Und genau die betreibt die Familie seit einigen Jahren mit der seltenen Pferderasse Knabstrupper.

Anne Hallermann mit Al Capone af Wendandi und Greta. Die Reitschülerin freut sich, dass es endlich wieder losgeht. - © Foto: privat
Anne Hallermann mit Al Capone af Wendandi und Greta. Die Reitschülerin freut sich, dass es endlich wieder losgeht. - © Foto: privat

Seit 25 Jahren züchten Mathias und Melanie Enk die dänischen Königspferde und setzen sich für den Erhalt dieser Rasse ein. „Drei Fohlen von Tigerscheckenstuten, die zur gleichen Zeit auf die Welt gekommen sind, hatten wir in den ganzen Jahren noch nie. Das ist ein Rekord, fast wie ein Sechser im Lotto“, sagt die Züchterin. Ein viertes Fohlen sei leider wenige Wochen vor der Geburt gestorben.

Die Tiere sind hauptsächlich weiß mit braunen oder schwarzen Tupfen, wobei Mathias Enk vor allem die Weißgeborenen – ohne Färbung – schätzt, die mittlerweile so gut wie ausgestorben sind. Eine berühmte Weißgeborenen-Zucht gab es früher in Herrenhausen bei Hannover. Die Barockpferde ähneln von ihrem Aussehen dem Kleinen Onkel aus Pippi Langstrumpf. „Die Tiere spiegeln unsere Seele. Die Arbeit mit ihnen ist ein super Ausgleich“, findet Melanie Enk, die im Hauptberuf als Heilpraktikerin arbeitet. Ihr Sohn, Chiropraktiker und Osteopath sowie Trainer A der klassisch-barocken Reiterei, ergänzt: „Die Pferde sind unsere Therapeuten. Sie erden uns für die Arbeit mit den Patienten.“

Die Corona-Krise hat dafür gesorgt, dass es auf dem Hof ruhiger zugeht. Der Reitunterricht konnte nicht mehr stattfinden, Ausritte ins Gelände waren untersagt. „Wir haben die letzten Wochen als Chance gesehen, unser Konzept zu überdenken“, erklärt Melanie Enk. Die Reiterei soll künftig auf Gesundheitssport ausgerichtet sein. Drei Jahre lang hätten sie mit diesem Ansatz geliebäugelt, jetzt sei der richtige Zeitpunkt, das Konzept mit Leben zu füllen.

Das, was Corona vorgebe – zu entschleunigen und sich auf sich selbst zu besinnen – sei genau das, was sie schwerpunktmäßig machen wollten. Auch Mitarbeiterin Anne Hallermann habe die letzten Wochen genutzt und eine Fortbildung in diesem Bereich absolviert.

Gerade im Bereich des therapeutischen Reitens würden die Techniken der Heilpraktik und des Reitens ineinandergreifen, findet Melanie Enk. „Wir schauen uns den Patienten an und überlegen, was mit Hilfe des Pferdes verbessert werden kann.“ Erfolgversprechend sei diese Art der Therapie beispielsweise bei Patienten mit Rückenproblemen oder auch bei Angststörungen. „Die Pferde vermitteln eine Unmittelbarkeit, die wir uns zunutze machen.“ Therapeutisches Reiten eigene sich nicht nur für erfahrene Reiter, sondern auch für Neulinge – insbesondere auch Kinder. „Wir heben uns damit ein Stück weit von dem Angebot einer normalen Reitschule ab“, findet Melanie Enk.

Auf Sicht sollen auch die Fohlen Teil des neuen Konzeptes werden. „Sie bleiben auf jeden Fall auf dem Gestüt. Aber bis sie fertig ausgebildet sind, dauert es noch ein paar Jahre“, sagt Melanie Enk, auf deren Hof 21 Knabstrupper zu Hause sind. „Die Fohlen werden vom ersten Tag an den Menschen gewöhnt. Deshalb sind wir meist auch schon bei der Geburt dabei“, erklärt Anne Hallermann, die eng in die Ausbildung der Tiere eingebunden ist. Ab dem dritten Tag würde dem Nachwuchs bereits ein Halfter angelegt und er müsste erste Regeln befolgen. „Der enge Kontakt kommt uns später zugute, denn die Pferde haben keine Angst vor Menschen.“

Bis die Ausbildung tatsächlich startet, dauert es mindestens drei Jahre. „Ab diesem Alter lernen die Pferde, an der Longe zu laufen.“ Anne Hallermann spricht in diesem Zusammenhang von Handarbeit – also dem Teil der Lehrzeit, bei der der Mensch noch nicht im Sattel sitzt. Angeritten würden die Tiere erst ab einem Alter von vier Jahren. „Ihre volle Tragfähigkeit haben sie allerdings erst, wenn sie ungefähr sieben sind.“ Sie würden viel Wert darauf legen, die Tiere nicht zu schnell zu fordern, weil ein früher Verschleiß später zu Defiziten führen könnte, sagt Melanie Enk.

Mit den Lockerungen in der Corona-Krise startet auf dem Gestüt jetzt auch wieder der Reitunterricht. „Die Pferde hatten keine Pause, denn sie wurden ja trotzdem von uns bewegt. Die Zeit ohne Unterricht war eher für die Schüler ein Problem. Die sind aber jetzt umso motivierter“, sagt Anne Hallermann.

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