Auf die Plätze, fertig, los: Hille investiert gut eine Million in Kunstrasenplatz und Leichtathletikanlage Stefanie Dullweber Hille. „Von einer Sanierung der Leichtathletikanlagen war nie die Rede“, ärgert sich CDU-Politiker und Hilles Ortsvorsteher Hermann Buhrmester. Auch Jutta Buhre (SPD) ist überrascht, als sie in der Sitzung des Fachausschusses die Präsentation zur Umgestaltung der Sportanlage am Schulzentrum Hille sieht. „Beim Ratsbeschluss ging es nur um den Kunstrasenplatz. Dass es so umfangreich wird, war nicht abzusehen“, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin. Die Verwaltung räumt ein, dass diese Angelegenheit nicht gut kommuniziert wurde. „Das nehmen wir auf unsere Kappe und entschuldigen uns“, sagt Gerhard Uphoff. „Entschuldigung angenommen“, erwidert Hermann Buhrmester, betont aber, dass die Politik bei künftigen Entscheidungen eher mit ins Boot geholt werden sollte. „Und ein Termin vor Ort wäre auch wünschenswert gewesen.“ Letztlich bekommt die Verwaltung von der Politik ein einstimmiges Votum für den geplanten Umbau. Immerhin bekommt die Gemeinde für das Vorhaben Fördergelder in Höhe von 750.000 Euro. „Wir wären ja blöd, wenn wir die nicht in Anspruch nehmen würden“, erklärt Jutta Buhre. Zum Hintergrund: Im August letzten Jahres hatte der SC Hille, der den Sportplatz an der Verbundschule Hille für Training und Meisterschaftsspiele nutzt, beantragt, die Rasenfläche gegen einen Kunstrasenplatz auszutauschen. Der Grund: Der Platz befindet sich in einem schlimmen Zustand. Der Untergrund ist schlecht, es geht holprig zur Sache und Krähen haben die Grasfläche regelrecht zerpflückt. Der Rat beschloss im September, einen Förderantrag aus dem Programm „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten 2020 und 2021“ zu stellen. Bei der Vergabe war die Gemeinde dann im Spätherbst nicht berücksichtigt worden. Bei der zweiten Runde im März diesen Jahres klappte es dann. Handelte es sich bei der ersten Vergaberunde um eine hundertprozentige Förderung, ging es in der zweiten Runde noch um 90 Prozent. „Weil das Projekt fördertechnisch als Tiefbaumaßnahme eingruppiert wurde, bekommen wir maximal 750.000 Euro“, erklärt Bernd Küchhold. Doch mit einer Dreiviertelmillion ist es nicht getan. Denn die Kostenschätzung, die für den ersten Förderantrag ermittelt wurde, liegt bei 1,163 Millionen Euro. Damit muss die Gemeinde selbst auch noch einmal tief in die Tasche greifen. Die Differenz zu den 750.000 Euro sei in den Haushalt für 2021 eingestellt worden, heißt es dazu aus dem Rathaus. Doch warum ist es mit dem Kunstrasenplatz nicht getan? Diese Frage beantworteten Stefanie Schmoll und Dirk Nagel vom Büro Nagel Landschaftsarchitekten aus Bad Oeynhausen, die von der Gemeinde mit der Planung beauftragt worden waren. Die Kostenschätzung beinhaltet nicht nur den Bau des Kunstrasenplatzes, sondern auch die Modernisierung der alten Leichtathletikanlagen, eine Regenwasserzisterne, eine Beregnungsanlage sowie sämtliche Baunebenkosten. Der Platz aus dem Jahr 1986 sei in die Jahre gekommen und das sei mittlerweile auch deutlich sichtbar, so Dirk Nagel. „Der Belag auf der Laufbahn ist kaum noch vorhanden, die Sprunggruben sind nicht mehr sicher, bei der Kugelstoßanlage überschneiden sich die Sicherheitszonen und lose Rinnen stellen ein Unfallrisiko dar“, nennt der Experte nur einige Schwachstellen. Und die Sanierung der Entwässerungsanlage rund um den Platz geht nicht, ohne dass dabei die Tartanbahn hochgenommen werden muss. Für das Fußballfeld sieht das Planungsbüro das Abziehen und Entsorgen des Naturrasens vor. Um auch bei Regen optimale Bedingungen zu haben, ist der Neubau von Dränagen und Entwässerungsleitungen vorgesehen. Um den Platz an warmen Sommertagen wässern zu können, ist der Einbau einer Beregnungsanlage geplant, die sich aus einem Brunnen und einer Zisterne speist. Die Innenkanten und Rinnenabdeckungen werden ausgebaut und entsorgt und durch eine neue Sportplatzrinne ersetzt. Abschließend wird der neue Kunststoffrasen verlegt und mit einer Mischung aus Quarzsand und Kork verfüllt. Eine dauerhafte Linierung des Spielfeldes, eine neue Spielfeldausstattung mit Toren, Eckfahnen und gegebenenfalls Wechselkabinen haben die Planer ebenfalls mit eingepreist. Um die Laufbahn in einen guten Zustand zu versetzen, muss der Belag laut Stefanie Schmoll zunächst tiefengereinigt werden. Anschließend wird eine neue Basisschicht und eine neue Linierung aufgebracht. „Die Bahn ist bereits nach maximal 36 Stunden wieder nutzbar“, so die Landschaftsarchitektin. Eine solche Aufbereitung sollte im übrigen alle paar Jahre erfolgen. Sowohl die Sprunganlagen als auch der Speerabwurf werden saniert. Weil der Speerwurf ein Teil des Sportunterrichts der Verbundschule ist, muss hierfür eine Lösung gefunden werden, die den Kunstrasen nicht beschädigt. Die Idee ist einfach umsetzbar und fällt auch finanziell nicht ins Gewicht: Die Speere bekommen Kunststoffkappen. Die Stoß- und Wurfdisziplinen werden ausgelagert und ziehen in den südlichen Bereich der Anlage. Nicht zuletzt wird die Sportanlage auf die Barrierefreiheit hin überprüft, um Inklusionssport zu ermöglichen. Die Planer geben einen Überblick darüber, wie die Kosten sich aufschlüsseln und welches die größten Posten sind. So fallen für die Arbeiten an der Außenanlage und den Freiflächen knapp 786.000 Euro an, die Baunebenkosten haben die Experten mit mit gut 190.000 Euro veranschlagt. Laut Dirk Nagel erfolgte die Kostenaufstellung unter der Annahme, dass beim Oberboden keine Kontamination vorliegt. Ein Bodengutachten müsse jedoch noch erstellt werden. Außerdem sei noch nicht klar, ob die ermittelten Kosten angesichts der derzeitigen Materialknappheit haltbar seien. Einen Zeitplan gibt es aktuell noch nicht. Der weitere Fahrplan sieht eine Überarbeitung des Entwurfes und eine Abstimmung mit allen Beteiligten vor, bevor dann die Ausschreibungen gemacht werden können. Erst nach der Angebotsprüfung und Vergabe kann mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Auf die Plätze, fertig, los: Hille investiert gut eine Million in Kunstrasenplatz und Leichtathletikanlage

Der Sportplatz, der 1986 angelegt wurde, ist in die Jahre gekommen. Daher wird nicht nur der Naturrasen gegen Kunstrasen ausgetauscht, sondern auch das restliche Gelände auf den neuesten Stand gebracht. MT-Foto: Stefanie Dullweber © sbo

Hille. „Von einer Sanierung der Leichtathletikanlagen war nie die Rede“, ärgert sich CDU-Politiker und Hilles Ortsvorsteher Hermann Buhrmester. Auch Jutta Buhre (SPD) ist überrascht, als sie in der Sitzung des Fachausschusses die Präsentation zur Umgestaltung der Sportanlage am Schulzentrum Hille sieht. „Beim Ratsbeschluss ging es nur um den Kunstrasenplatz. Dass es so umfangreich wird, war nicht abzusehen“, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin.

Die Verwaltung räumt ein, dass diese Angelegenheit nicht gut kommuniziert wurde. „Das nehmen wir auf unsere Kappe und entschuldigen uns“, sagt Gerhard Uphoff. „Entschuldigung angenommen“, erwidert Hermann Buhrmester, betont aber, dass die Politik bei künftigen Entscheidungen eher mit ins Boot geholt werden sollte. „Und ein Termin vor Ort wäre auch wünschenswert gewesen.“ Letztlich bekommt die Verwaltung von der Politik ein einstimmiges Votum für den geplanten Umbau. Immerhin bekommt die Gemeinde für das Vorhaben Fördergelder in Höhe von 750.000 Euro. „Wir wären ja blöd, wenn wir die nicht in Anspruch nehmen würden“, erklärt Jutta Buhre.

Zum Hintergrund: Im August letzten Jahres hatte der SC Hille, der den Sportplatz an der Verbundschule Hille für Training und Meisterschaftsspiele nutzt, beantragt, die Rasenfläche gegen einen Kunstrasenplatz auszutauschen. Der Grund: Der Platz befindet sich in einem schlimmen Zustand. Der Untergrund ist schlecht, es geht holprig zur Sache und Krähen haben die Grasfläche regelrecht zerpflückt. Der Rat beschloss im September, einen Förderantrag aus dem Programm „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten 2020 und 2021“ zu stellen. Bei der Vergabe war die Gemeinde dann im Spätherbst nicht berücksichtigt worden. Bei der zweiten Runde im März diesen Jahres klappte es dann. Handelte es sich bei der ersten Vergaberunde um eine hundertprozentige Förderung, ging es in der zweiten Runde noch um 90 Prozent. „Weil das Projekt fördertechnisch als Tiefbaumaßnahme eingruppiert wurde, bekommen wir maximal 750.000 Euro“, erklärt Bernd Küchhold.


Doch mit einer Dreiviertelmillion ist es nicht getan. Denn die Kostenschätzung, die für den ersten Förderantrag ermittelt wurde, liegt bei 1,163 Millionen Euro. Damit muss die Gemeinde selbst auch noch einmal tief in die Tasche greifen. Die Differenz zu den 750.000 Euro sei in den Haushalt für 2021 eingestellt worden, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Doch warum ist es mit dem Kunstrasenplatz nicht getan? Diese Frage beantworteten Stefanie Schmoll und Dirk Nagel vom Büro Nagel Landschaftsarchitekten aus Bad Oeynhausen, die von der Gemeinde mit der Planung beauftragt worden waren. Die Kostenschätzung beinhaltet nicht nur den Bau des Kunstrasenplatzes, sondern auch die Modernisierung der alten Leichtathletikanlagen, eine Regenwasserzisterne, eine Beregnungsanlage sowie sämtliche Baunebenkosten.

Der Platz aus dem Jahr 1986 sei in die Jahre gekommen und das sei mittlerweile auch deutlich sichtbar, so Dirk Nagel. „Der Belag auf der Laufbahn ist kaum noch vorhanden, die Sprunggruben sind nicht mehr sicher, bei der Kugelstoßanlage überschneiden sich die Sicherheitszonen und lose Rinnen stellen ein Unfallrisiko dar“, nennt der Experte nur einige Schwachstellen. Und die Sanierung der Entwässerungsanlage rund um den Platz geht nicht, ohne dass dabei die Tartanbahn hochgenommen werden muss.

Für das Fußballfeld sieht das Planungsbüro das Abziehen und Entsorgen des Naturrasens vor. Um auch bei Regen optimale Bedingungen zu haben, ist der Neubau von Dränagen und Entwässerungsleitungen vorgesehen. Um den Platz an warmen Sommertagen wässern zu können, ist der Einbau einer Beregnungsanlage geplant, die sich aus einem Brunnen und einer Zisterne speist. Die Innenkanten und Rinnenabdeckungen werden ausgebaut und entsorgt und durch eine neue Sportplatzrinne ersetzt. Abschließend wird der neue Kunststoffrasen verlegt und mit einer Mischung aus Quarzsand und Kork verfüllt. Eine dauerhafte Linierung des Spielfeldes, eine neue Spielfeldausstattung mit Toren, Eckfahnen und gegebenenfalls Wechselkabinen haben die Planer ebenfalls mit eingepreist.

Um die Laufbahn in einen guten Zustand zu versetzen, muss der Belag laut Stefanie Schmoll zunächst tiefengereinigt werden. Anschließend wird eine neue Basisschicht und eine neue Linierung aufgebracht. „Die Bahn ist bereits nach maximal 36 Stunden wieder nutzbar“, so die Landschaftsarchitektin. Eine solche Aufbereitung sollte im übrigen alle paar Jahre erfolgen.

Sowohl die Sprunganlagen als auch der Speerabwurf werden saniert. Weil der Speerwurf ein Teil des Sportunterrichts der Verbundschule ist, muss hierfür eine Lösung gefunden werden, die den Kunstrasen nicht beschädigt. Die Idee ist einfach umsetzbar und fällt auch finanziell nicht ins Gewicht: Die Speere bekommen Kunststoffkappen. Die Stoß- und Wurfdisziplinen werden ausgelagert und ziehen in den südlichen Bereich der Anlage. Nicht zuletzt wird die Sportanlage auf die Barrierefreiheit hin überprüft, um Inklusionssport zu ermöglichen.

Die Planer geben einen Überblick darüber, wie die Kosten sich aufschlüsseln und welches die größten Posten sind. So fallen für die Arbeiten an der Außenanlage und den Freiflächen knapp 786.000 Euro an, die Baunebenkosten haben die Experten mit mit gut 190.000 Euro veranschlagt. Laut Dirk Nagel erfolgte die Kostenaufstellung unter der Annahme, dass beim Oberboden keine Kontamination vorliegt. Ein Bodengutachten müsse jedoch noch erstellt werden. Außerdem sei noch nicht klar, ob die ermittelten Kosten angesichts der derzeitigen Materialknappheit haltbar seien.

Einen Zeitplan gibt es aktuell noch nicht. Der weitere Fahrplan sieht eine Überarbeitung des Entwurfes und eine Abstimmung mit allen Beteiligten vor, bevor dann die Ausschreibungen gemacht werden können. Erst nach der Angebotsprüfung und Vergabe kann mit den Bauarbeiten begonnen werden.

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