Aus Liebe zu Hille: Mr. Flohmarkt ist jetzt auch Ortsheimatpfleger

Stefanie Dullweber

Bernd Beyer mit einem seiner seltenen Scheine. Seit vielen Jahren sammelt der Hiller Notgeld aus Westfalen. MT- - © Foto: Stefanie Dullweber
Bernd Beyer mit einem seiner seltenen Scheine. Seit vielen Jahren sammelt der Hiller Notgeld aus Westfalen. MT- (© Foto: Stefanie Dullweber)

Hille. Niemals würde er hier wegziehen, sagt Bernd Beyer. Der gebürtige Hiller sitzt auf seinem Balkon am Rahdener Postweg und genießt den weiten Blick und die warmen Sonnenstrahlen. „Wir sind zu beneiden.“ In der letzten Ratssitzung vor der Corona-Krise ist Beyer zum Ortsheimatpfleger der Ortschaft Hille bestellt worden. Er übt dieses Amt zusammen mit Karl-Heinz Hucke aus, der sich schon seit Jahren in der Position engagiert. „Diese Konstellation ist optimal. Ich verspreche mir davon, dass ich sehr viel von ihm lernen kann und langsam in das Amt hineinwachse.“

Dass Heimat für das Ehepaar Beyer eine große Bedeutung hat, zeigt ihr Engagement im Heimat- und Gartenbauverein. Matina Beyer ist Kassiererin und auch ihr Mann arbeitet im Vorstand mit. Viele kennen ihn, weil er die Flohmärkte an der Alten Brennerei organisiert, die zweimal im Jahr stattfinden. „Mr. Flohmarkt“ ist selber leidenschaftlicher Sammler – und das bereits seit mehr als 30 Jahren. Auch dabei spielt die Region, in der er lebt, eine Rolle. Beyers Passion ist das Notgeld – und zwar das aus Westfalen. Dutzende Alben stehen in dem Raum, den er extra für seine Sammelleidenschaft hergerichtet hat.

Matina und Bernd Beyer engagieren sich im Heimatverein. Unter anderem organisieren sie den Flohmarkt. MT-Archivfoto: Nadine Schwan
Matina und Bernd Beyer engagieren sich im Heimatverein. Unter anderem organisieren sie den Flohmarkt. MT-Archivfoto: Nadine Schwan

Sie enthalten Scheine, auf denen das Kaiser-Wilhelm-Denkmal abgedruckt ist, Gutscheine der Wäschefabrik Lange & Hagemeyer aus Minden oder einen 500 Milliarden-Mark-Schein der Baugesellschaft Michelsohn, Karlstraße 25 in Minden. „Alles seltene Schätzchen.“ Entstanden sei das Notgeld ab 1914, als die Menschen ihr Geld aus Angst horteten und beispielsweise der Bäcker nicht mehr wechseln konnte. So habe er den fehlenden Betrag auf ein Stück Papier geschrieben.

Zwischen seinen zahlreichen Alben hat Bernd Beyer auch einen Ordner mit mehr als 300 alten Rechnungen – unter anderem von der Firma Hermann Hagemeyer aus Minden, der Bäckerei Hoppe in der Mindener Lindenstraße und der Feldschlösschen-Brauerei. „Wenn ich mal Zeit habe, möchte ich in der Brennerei in Hille eine Ausstellung zur Wirtschaftsgeschichte im Kreis Minden-Lübbecke auf alten Rechnungen machen.“ Aber das ist eine andere Geschichte.

Aktuell freut Bernd Beyer sich auf die Zeit nach Corona, denn bis auf seine Ernennung habe er als Ortsheimatpfleger noch nicht richtig durchstarten können. Auf die Idee gebracht hätten ihn seine beiden Vereinskollegen Hermann Böhne und Rainer Eschedor. „Ich wusste gar nicht, was auf mich zukommt. Deshalb bin ich erstmal zu Karl-Heinz Hucke gefahren und habe mich erkundigt.“ Das, was er gehört habe, klang sehr vielversprechend und nach einer tollen Herausforderung. Konkrete Projekte gebe es zwar noch nicht, aber einen Kalender für 2021 wollen die beiden Ortsheimatpfleger gerne noch herausbringen.

Der gebürtige Hiller schätzt vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl im Ort. „Ich kenne viele Leute und fühle mich wohl.“ Sicherlich hätten auch andere Städte und Kreise ihre Besonderheiten, aber der Kreis Minden-Lübbecke sei einfach der schönste Kreis der Welt. Die neun Ortschaften in der Gemeinde Hille seien durch die Störche und die Mühlen miteinander verbunden. „Und mittendrin liegt das wunderschöne Große Torfmoor.

Wann und wie es mit der Ortsheimatpflege weitergehe, das könne er schlecht abschätzen. Und auch das Vereinsleben im Heimat- und Gartenbauverein liege momentan brach. Ab Sonntag könnten sich Interessierte für den ersten Flohmarkt in diesem Jahr anmelden. Der Termin ist der 21. Juni. An dem Wochenende sollte eigentlich auch der Ball bei der Fußball-Europameisterschaft rollen – das Turnier ist bereits abgesagt. Der Gewerbeverein Hiller Land plant für das Wochenende eine Neuauflage der Veranstaltung „Hille isst gut“ mit diversen Foodtrucks auf dem Magro-Parkplatz. „Ich wünsche mir, dass das alles stattfinden kann.“ Vier Wochen vorher soll eine Entscheidung getroffen werden.

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Aus Liebe zu Hille: Mr. Flohmarkt ist jetzt auch OrtsheimatpflegerStefanie DullweberHille. Niemals würde er hier wegziehen, sagt Bernd Beyer. Der gebürtige Hiller sitzt auf seinem Balkon am Rahdener Postweg und genießt den weiten Blick und die warmen Sonnenstrahlen. „Wir sind zu beneiden.“ In der letzten Ratssitzung vor der Corona-Krise ist Beyer zum Ortsheimatpfleger der Ortschaft Hille bestellt worden. Er übt dieses Amt zusammen mit Karl-Heinz Hucke aus, der sich schon seit Jahren in der Position engagiert. „Diese Konstellation ist optimal. Ich verspreche mir davon, dass ich sehr viel von ihm lernen kann und langsam in das Amt hineinwachse.“ Dass Heimat für das Ehepaar Beyer eine große Bedeutung hat, zeigt ihr Engagement im Heimat- und Gartenbauverein. Matina Beyer ist Kassiererin und auch ihr Mann arbeitet im Vorstand mit. Viele kennen ihn, weil er die Flohmärkte an der Alten Brennerei organisiert, die zweimal im Jahr stattfinden. „Mr. Flohmarkt“ ist selber leidenschaftlicher Sammler – und das bereits seit mehr als 30 Jahren. Auch dabei spielt die Region, in der er lebt, eine Rolle. Beyers Passion ist das Notgeld – und zwar das aus Westfalen. Dutzende Alben stehen in dem Raum, den er extra für seine Sammelleidenschaft hergerichtet hat. Sie enthalten Scheine, auf denen das Kaiser-Wilhelm-Denkmal abgedruckt ist, Gutscheine der Wäschefabrik Lange & Hagemeyer aus Minden oder einen 500 Milliarden-Mark-Schein der Baugesellschaft Michelsohn, Karlstraße 25 in Minden. „Alles seltene Schätzchen.“ Entstanden sei das Notgeld ab 1914, als die Menschen ihr Geld aus Angst horteten und beispielsweise der Bäcker nicht mehr wechseln konnte. So habe er den fehlenden Betrag auf ein Stück Papier geschrieben. Zwischen seinen zahlreichen Alben hat Bernd Beyer auch einen Ordner mit mehr als 300 alten Rechnungen – unter anderem von der Firma Hermann Hagemeyer aus Minden, der Bäckerei Hoppe in der Mindener Lindenstraße und der Feldschlösschen-Brauerei. „Wenn ich mal Zeit habe, möchte ich in der Brennerei in Hille eine Ausstellung zur Wirtschaftsgeschichte im Kreis Minden-Lübbecke auf alten Rechnungen machen.“ Aber das ist eine andere Geschichte. Aktuell freut Bernd Beyer sich auf die Zeit nach Corona, denn bis auf seine Ernennung habe er als Ortsheimatpfleger noch nicht richtig durchstarten können. Auf die Idee gebracht hätten ihn seine beiden Vereinskollegen Hermann Böhne und Rainer Eschedor. „Ich wusste gar nicht, was auf mich zukommt. Deshalb bin ich erstmal zu Karl-Heinz Hucke gefahren und habe mich erkundigt.“ Das, was er gehört habe, klang sehr vielversprechend und nach einer tollen Herausforderung. Konkrete Projekte gebe es zwar noch nicht, aber einen Kalender für 2021 wollen die beiden Ortsheimatpfleger gerne noch herausbringen. Der gebürtige Hiller schätzt vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl im Ort. „Ich kenne viele Leute und fühle mich wohl.“ Sicherlich hätten auch andere Städte und Kreise ihre Besonderheiten, aber der Kreis Minden-Lübbecke sei einfach der schönste Kreis der Welt. Die neun Ortschaften in der Gemeinde Hille seien durch die Störche und die Mühlen miteinander verbunden. „Und mittendrin liegt das wunderschöne Große Torfmoor. Wann und wie es mit der Ortsheimatpflege weitergehe, das könne er schlecht abschätzen. Und auch das Vereinsleben im Heimat- und Gartenbauverein liege momentan brach. Ab Sonntag könnten sich Interessierte für den ersten Flohmarkt in diesem Jahr anmelden. Der Termin ist der 21. Juni. An dem Wochenende sollte eigentlich auch der Ball bei der Fußball-Europameisterschaft rollen – das Turnier ist bereits abgesagt. Der Gewerbeverein Hiller Land plant für das Wochenende eine Neuauflage der Veranstaltung „Hille isst gut“ mit diversen Foodtrucks auf dem Magro-Parkplatz. „Ich wünsche mir, dass das alles stattfinden kann.“ Vier Wochen vorher soll eine Entscheidung getroffen werden.