Erst Feuer, dann Corona: Schützenverein Brennhorst sucht ein neues Domizil

Stefanie Dullweber

Stall oder Scheune gesucht: Wer einen Übungsraum für den Schützenverein zur Verfügung stellen kann, meldet sich bei den Mitgliedern. Foto: Rainer Keuenhof - © imago/Manngold
Stall oder Scheune gesucht: Wer einen Übungsraum für den Schützenverein zur Verfügung stellen kann, meldet sich bei den Mitgliedern. Foto: Rainer Keuenhof (© imago/Manngold)

Hille. Im Jahr 2022 wird der Schützenverein „Grün Weiß“ Brennhorst 90 Jahre alt. „Das wollen wir noch erleben“, sagt der Vorsitzende Bodo Bicknese. Momentan liegt das Vereinsleben jedoch komplett brach. Das hat zum einen mit der Corona-Krise zu tun, zum anderen fehlte den Schützen schon vor der Ausbreitung des Virus ein Domizil für ihre Übungsabende.

Seit etlichen Jahren nutzt der Verein den Schießstand im Gasthaus Ossenfort. Dort fanden die wöchentlichen Übungsabende statt und das Gasthaus war außerdem Treffpunkt für Feierlichkeiten wie den Königsball oder die Jahreshauptversammlung. Als im letzten September der Dachstuhl des Gebäudes brannte, wurde auch der Schießstand in Mitleidenschaft gezogen. „Die Räumlichkeiten sind unversehrt, aber die Elektrik hat versagt“, erklärt Bodo Bicknese. Die Vereinsmitglieder seien dabei gewesen, die Technik wiederherzustellen – und dann kam Corona. Jetzt hat die Gastwirtschaft geschlossen und auch die Bauarbeiten stehen still.

Ob es dieses Jahr ein Schützenfest geben wird? Aktuell liegen die Planungen auf Eis. - © Foto: MT-Archiv/Volker Knickmeyer
Ob es dieses Jahr ein Schützenfest geben wird? Aktuell liegen die Planungen auf Eis. (© Foto: MT-Archiv/Volker Knickmeyer)

Hinzu kommt, dass Gastwirt Jürgen Ossenfort angekündigt hat, den Zapfhahn im nächsten Jahr zudrehen zu wollen und sich zur Ruhe zu setzen. „Dann brauchen wir sowieso ein neues Domizil“, überlegt der Vereinsvorsitzende, ob es sich überhaupt noch lohnt, den Schießstand wiederherzurichten. Auf jeden Fall wollen er und die anderen Vereinsmitglieder vorbereitet sein. Daher sind sie schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Gebäude, in dem sie einen Schießstand unterbringen könnten. „Aber das ist gar nicht so ein einfach“, gibt Bicknese zu. Einerseits wollen sie gerne im Dunstkreis vom Hiller Ortsteil Brennhorst bleiben, außerdem muss das potenzielle Gebäude bestimmte Kriterien erfüllen.

Ein geeigneter Übungsraum muss mindestens 15 Meter lang sein, damit die Maße der Schießbahn passen. Mindestens vier Bahnen sind laut Bicknese wünschenswert, bei Ossenfort seien es aktuell sechs. Dazu bräuchte es einen zweiten Raum, in dem sich die Leute aufhalten können, die gerade nicht mit dem Schießtraining dran sind. Und auch sanitäre Anlagen seien wünschenswert. „Wir würden uns freuen, wenn sich jemand bei uns meldet, der uns einen alten Stall oder eine Scheune zur Verfügung stellt.“ Die Räumlichkeiten würde der Verein in Eigenleistung herrichten. Bicknese: „Auf den Besitzer würden keine Kosten zukommen.“

Aktuell hat der Schützenverein Brennhorst noch 30 aktive Mitglieder. Die Wettkämpfe der Amtsrunde tragen sie in der Regel von April bis Oktober aus. „Die erste Runde sollte schon im April abgeschlossen sein. Das haben wir auf Anfang Juni verschoben.“ Neben den offiziellen Wettkämpfen finden die Übungsabende der einzelnen Gruppen wie Schützenklasse, Damen und Alte Herren einmal in der Woche statt. Eine eigene Jugendabteilung hat der Verein momentan leider nicht, bedauert Bodo Bicknese. Dabei besitze der Verein eine Scatt-Anlage, auf der auch Jugendliche unter zwölf Jahren trainieren können. Geschossen wird dabei nicht mit einem Projektil, sondern mit einem Infrarotlichtstrahl.

Bodo Bicknese fehlt momentan nicht nur das Training. „Die Ergebnisse werden schlechter, je länger wir nicht üben können.“ Was er aber vor allem vermisst, ist das ganz normale Vereinsleben. Zwar kommuniziere er über Telefon und WhatsApp mit den anderen, aber das ersetze bei Weitem nicht den persönlichen Kontakt. „Der ganz normale Klatsch und Tratsch fehlt einfach.“ Deshalb möchte er nach der Krise auch nicht als erstes verreisen oder eine große Party feiern, sondern einfach mit seinen Freunden aus dem Schützenverein das ganz normale Vereinsleben wieder aufnehmen.

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Erst Feuer, dann Corona: Schützenverein Brennhorst sucht ein neues DomizilStefanie DullweberHille. Im Jahr 2022 wird der Schützenverein „Grün Weiß“ Brennhorst 90 Jahre alt. „Das wollen wir noch erleben“, sagt der Vorsitzende Bodo Bicknese. Momentan liegt das Vereinsleben jedoch komplett brach. Das hat zum einen mit der Corona-Krise zu tun, zum anderen fehlte den Schützen schon vor der Ausbreitung des Virus ein Domizil für ihre Übungsabende. Seit etlichen Jahren nutzt der Verein den Schießstand im Gasthaus Ossenfort. Dort fanden die wöchentlichen Übungsabende statt und das Gasthaus war außerdem Treffpunkt für Feierlichkeiten wie den Königsball oder die Jahreshauptversammlung. Als im letzten September der Dachstuhl des Gebäudes brannte, wurde auch der Schießstand in Mitleidenschaft gezogen. „Die Räumlichkeiten sind unversehrt, aber die Elektrik hat versagt“, erklärt Bodo Bicknese. Die Vereinsmitglieder seien dabei gewesen, die Technik wiederherzustellen – und dann kam Corona. Jetzt hat die Gastwirtschaft geschlossen und auch die Bauarbeiten stehen still. Hinzu kommt, dass Gastwirt Jürgen Ossenfort angekündigt hat, den Zapfhahn im nächsten Jahr zudrehen zu wollen und sich zur Ruhe zu setzen. „Dann brauchen wir sowieso ein neues Domizil“, überlegt der Vereinsvorsitzende, ob es sich überhaupt noch lohnt, den Schießstand wiederherzurichten. Auf jeden Fall wollen er und die anderen Vereinsmitglieder vorbereitet sein. Daher sind sie schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Gebäude, in dem sie einen Schießstand unterbringen könnten. „Aber das ist gar nicht so ein einfach“, gibt Bicknese zu. Einerseits wollen sie gerne im Dunstkreis vom Hiller Ortsteil Brennhorst bleiben, außerdem muss das potenzielle Gebäude bestimmte Kriterien erfüllen. Ein geeigneter Übungsraum muss mindestens 15 Meter lang sein, damit die Maße der Schießbahn passen. Mindestens vier Bahnen sind laut Bicknese wünschenswert, bei Ossenfort seien es aktuell sechs. Dazu bräuchte es einen zweiten Raum, in dem sich die Leute aufhalten können, die gerade nicht mit dem Schießtraining dran sind. Und auch sanitäre Anlagen seien wünschenswert. „Wir würden uns freuen, wenn sich jemand bei uns meldet, der uns einen alten Stall oder eine Scheune zur Verfügung stellt.“ Die Räumlichkeiten würde der Verein in Eigenleistung herrichten. Bicknese: „Auf den Besitzer würden keine Kosten zukommen.“ Aktuell hat der Schützenverein Brennhorst noch 30 aktive Mitglieder. Die Wettkämpfe der Amtsrunde tragen sie in der Regel von April bis Oktober aus. „Die erste Runde sollte schon im April abgeschlossen sein. Das haben wir auf Anfang Juni verschoben.“ Neben den offiziellen Wettkämpfen finden die Übungsabende der einzelnen Gruppen wie Schützenklasse, Damen und Alte Herren einmal in der Woche statt. Eine eigene Jugendabteilung hat der Verein momentan leider nicht, bedauert Bodo Bicknese. Dabei besitze der Verein eine Scatt-Anlage, auf der auch Jugendliche unter zwölf Jahren trainieren können. Geschossen wird dabei nicht mit einem Projektil, sondern mit einem Infrarotlichtstrahl. Bodo Bicknese fehlt momentan nicht nur das Training. „Die Ergebnisse werden schlechter, je länger wir nicht üben können.“ Was er aber vor allem vermisst, ist das ganz normale Vereinsleben. Zwar kommuniziere er über Telefon und WhatsApp mit den anderen, aber das ersetze bei Weitem nicht den persönlichen Kontakt. „Der ganz normale Klatsch und Tratsch fehlt einfach.“ Deshalb möchte er nach der Krise auch nicht als erstes verreisen oder eine große Party feiern, sondern einfach mit seinen Freunden aus dem Schützenverein das ganz normale Vereinsleben wieder aufnehmen.