Einkaufshelfer in Rothenuffeln: Bei Anruf Butter

Carsten Korfesmeyer

Die Einkaufshelfer nehmen Bestellungen entgegen und besuchen dann die Märkte. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa - © (c) dpa-Zentralbild
Die Einkaufshelfer nehmen Bestellungen entgegen und besuchen dann die Märkte. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa (© (c) dpa-Zentralbild)

Hille-Rothenuffeln. So einfach wie möglich läuft die Einkaufshilfe ab, sagt Nadine Breuksch. Zusammen mit Pfarrer Thomas Ehlert organisiert die Gemeindeschwester des Pfarrbezirks Rothenuffeln-Haddenhausen diesen kostenfreien Service, der sich an Menschen richtet, die sich in Coronazeiten ihre Dinge für den täglichen Bedarf nicht selbst besorgen können. „Das sind überwiegend Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen“, erzählt die 34-Jährige gegenüber dem MT. Sie und die weiteren ehrenamtlichen Helfer stellen die gefüllten Körbe einfach vor die Haustür, klingeln – und gehen ein paar Meter auf Abstand.

Dabei steht die Einkaufshilfe gerade für die Nähe zu den Menschen. Nadine Breuksch kommt es selbst ein bisschen seltsam vor, Hilfe und Unterstützung ausgerechnet durch räumliche Distanz auszudrücken. Trotzdem klappt es – weil die Helfer warten, bis sich die Türen öffnen. Dann wird ein bisschen geplaudert und es zeigt sich, dass es um mehr als nur um die Einkäufe geht. „Die Leute können mit uns selbstverständlich auch über ihre Probleme und Ängste sprechen“, sagt sie. Weil überwiegend Alleinstehende den Service nutzen, sind diese Unterhaltungen auch in seelsorgerischer Hinsicht wichtig und hilfreich. „Viele sind in dieser Zeit sehr verunsichert“, sagt die Gemeindeschwester.

Nadine Breuksch (34) ist Gemeindeschwester. - © Foto: pr
Nadine Breuksch (34) ist Gemeindeschwester. (© Foto: pr)

Die Idee mit der Einkaufshilfe kommt zwar nicht aus Rothenuffeln oder Haddenhausen, funktioniert dort aber besonders gut. Das liegt vor allem an den dörflichen Strukturen der Orte, in denen sich der überwiegende Teil der Einwohner gut kennt. Das Team der Ehrenamtlichen ist laut Nadine Breuksch ebenfalls groß und es herrscht ein Vertrauen untereinander. „Bezahlt wird erst später“, erklärt die Ehefrau und zweifache Mutter, die ihre Funktion seit Dezember 2018 ausübt. Wer seine Bestellungen telefonisch aufgibt, hat sie nach spätestens zwei Tagen bei sich zu Hause. Für die Einkäufe gibt es ausnahmsweise zwei Bons – einer liegt mit im Korb. Der offene Betrag wird von der Kirchengemeinde ausgelegt. „Die Menschen, für die wir eingekauft haben, überweisen uns das Geld dann“, sagt Nadine Breuksch. Das allerdings erst ab Beträgen von etwa 100 Euro. Ziel dieses doch etwas aufwendigeren Verfahrens ist, aus Schutz vor dem Coronavirus keinen Bargeldkontakt zu haben.

Die Einkäufe beschränken sich nicht nur auf Supermärkte. Die Helfer gehen beispielsweise auch in Apotheken und die Gemeindeschwester sagt deutlich, dass sie und Thomas Ehlert selbstverständlich weiter für die Menschen als Ansprechpartner und Seelsorger zur Verfügung stehen. Besonders in diesen Krisentagen könne es sehr helfen, über Sorgen zu reden. „Das geht dann über das Telefon“, sagt Nadine Breuksch. Sie und der Pfarrer stehen allen zur Seite, auch wenn man sich nicht persönlich begegnen darf.

Die ehrenamtlichen Einkaufshelfer führen in diesen Tagen eine Menge Gespräche, in denen es sich meist um das Coronavirus dreht. Dabei kommt es zu vielen tiefgründigen und nachdenklichen Momenten. Erkennbar sei, dass die Menschen eine besondere Form der Bedrohung spüren, weil sie den Gegner nicht sehen können. Hinzu käme, dass man noch nicht alles über die Auswirkungen dieses unsichtbaren Feindes wisse. „Viele sind übervorsichtig geworden“, sagt die Lübbeckerin. Besonders die Unterhaltung mit einem 94-Jährigen hat sie sehr nachdenklich gemacht. Denn bei dem Mann, der den Zweiten Weltkrieg und die anschließende Gefangenschaft erleben musste, kommen die Erinnerungen an diese schlimme Zeit zurück. Er habe ihr erzählt, wie wichtig es damals für die Gesellschaft war, ganz eng zusammenzurücken. Es falle ihm deshalb umso schwerer, in diesen Krisenzeiten keine sozialen Kontakte zu haben.

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Einkaufshelfer in Rothenuffeln: Bei Anruf ButterCarsten KorfesmeyerHille-Rothenuffeln. So einfach wie möglich läuft die Einkaufshilfe ab, sagt Nadine Breuksch. Zusammen mit Pfarrer Thomas Ehlert organisiert die Gemeindeschwester des Pfarrbezirks Rothenuffeln-Haddenhausen diesen kostenfreien Service, der sich an Menschen richtet, die sich in Coronazeiten ihre Dinge für den täglichen Bedarf nicht selbst besorgen können. „Das sind überwiegend Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen“, erzählt die 34-Jährige gegenüber dem MT. Sie und die weiteren ehrenamtlichen Helfer stellen die gefüllten Körbe einfach vor die Haustür, klingeln – und gehen ein paar Meter auf Abstand. Dabei steht die Einkaufshilfe gerade für die Nähe zu den Menschen. Nadine Breuksch kommt es selbst ein bisschen seltsam vor, Hilfe und Unterstützung ausgerechnet durch räumliche Distanz auszudrücken. Trotzdem klappt es – weil die Helfer warten, bis sich die Türen öffnen. Dann wird ein bisschen geplaudert und es zeigt sich, dass es um mehr als nur um die Einkäufe geht. „Die Leute können mit uns selbstverständlich auch über ihre Probleme und Ängste sprechen“, sagt sie. Weil überwiegend Alleinstehende den Service nutzen, sind diese Unterhaltungen auch in seelsorgerischer Hinsicht wichtig und hilfreich. „Viele sind in dieser Zeit sehr verunsichert“, sagt die Gemeindeschwester. Die Idee mit der Einkaufshilfe kommt zwar nicht aus Rothenuffeln oder Haddenhausen, funktioniert dort aber besonders gut. Das liegt vor allem an den dörflichen Strukturen der Orte, in denen sich der überwiegende Teil der Einwohner gut kennt. Das Team der Ehrenamtlichen ist laut Nadine Breuksch ebenfalls groß und es herrscht ein Vertrauen untereinander. „Bezahlt wird erst später“, erklärt die Ehefrau und zweifache Mutter, die ihre Funktion seit Dezember 2018 ausübt. Wer seine Bestellungen telefonisch aufgibt, hat sie nach spätestens zwei Tagen bei sich zu Hause. Für die Einkäufe gibt es ausnahmsweise zwei Bons – einer liegt mit im Korb. Der offene Betrag wird von der Kirchengemeinde ausgelegt. „Die Menschen, für die wir eingekauft haben, überweisen uns das Geld dann“, sagt Nadine Breuksch. Das allerdings erst ab Beträgen von etwa 100 Euro. Ziel dieses doch etwas aufwendigeren Verfahrens ist, aus Schutz vor dem Coronavirus keinen Bargeldkontakt zu haben. Die Einkäufe beschränken sich nicht nur auf Supermärkte. Die Helfer gehen beispielsweise auch in Apotheken und die Gemeindeschwester sagt deutlich, dass sie und Thomas Ehlert selbstverständlich weiter für die Menschen als Ansprechpartner und Seelsorger zur Verfügung stehen. Besonders in diesen Krisentagen könne es sehr helfen, über Sorgen zu reden. „Das geht dann über das Telefon“, sagt Nadine Breuksch. Sie und der Pfarrer stehen allen zur Seite, auch wenn man sich nicht persönlich begegnen darf. Die ehrenamtlichen Einkaufshelfer führen in diesen Tagen eine Menge Gespräche, in denen es sich meist um das Coronavirus dreht. Dabei kommt es zu vielen tiefgründigen und nachdenklichen Momenten. Erkennbar sei, dass die Menschen eine besondere Form der Bedrohung spüren, weil sie den Gegner nicht sehen können. Hinzu käme, dass man noch nicht alles über die Auswirkungen dieses unsichtbaren Feindes wisse. „Viele sind übervorsichtig geworden“, sagt die Lübbeckerin. Besonders die Unterhaltung mit einem 94-Jährigen hat sie sehr nachdenklich gemacht. Denn bei dem Mann, der den Zweiten Weltkrieg und die anschließende Gefangenschaft erleben musste, kommen die Erinnerungen an diese schlimme Zeit zurück. Er habe ihr erzählt, wie wichtig es damals für die Gesellschaft war, ganz eng zusammenzurücken. Es falle ihm deshalb umso schwerer, in diesen Krisenzeiten keine sozialen Kontakte zu haben.