Trotz Schulschließung bleiben Lehrer und Schüler in Kontakt - und vermissen sich

Stefanie Dullweber und Carsten Korfesmeyer

Hille. Innerhalb kürzester Zeit haben sich die Schulen in der Gemeinde Hille darauf eingestellt, dass die Einrichtungen bis auf Weiteres geschlossen werden. Während die Grundschulen zumindest noch ein Wochenende lang Zeit hatten, um zu überlegen, wer welche Materialien mit nach Hause nimmt, musste die Verbundschule innerhalb weniger Minuten die Schüler nach Hause schicken. Mittlerweile läuft überall das Home-Schooling, Elternsprechtage finden am Telefon statt und selbst für Lesewettbewerbe gibt es eine digitale Lösung.

Grundschule Hille

Basteln auf Abstand: In der Grundschule Hille werden die Kinder – wie an vielen anderen Schulen auch – in einer Notgruppe betreut.
Basteln auf Abstand: In der Grundschule Hille werden die Kinder – wie an vielen anderen Schulen auch – in einer Notgruppe betreut.

Schulleiterin Mareike Netzeband meldet sich aus ihrem Büro in der Schule. Es gibt in diesen Tagen viel zu koordinieren, das meiste habe sie bereits angeschoben, als bekannt wurde, dass die Schulen schließen. Mittlerweile sei so etwas wie der digitale Alltag eingekehrt.

Jenke, Erstklässler der Grundschule Hille, hatte von seiner Lehrerin die Aufgabe bekommen, eine Tulpe zu falten – darauf hatte er zunächst wenig Lust. Eines Nachmittags fand er eine gefaltete Blume mit dem Gruß „Bleib gesund“ vor der Haustür. Sie war von seinem Freund Konstantin. Die Idee gefiel Jenke so gut, dass er für alle Nachbarn Tulpen faltete, versehen mit einem kleinen Gruß. Er verteilte die Blumen in der Nachbarschaft. Eine ältere Dame war besonders gerührt: „Am liebsten würde ich dich jetzt in den Arm nehmen, aber das geht im Moment leider nicht. Ich freue mich sehr.“
Jenke, Erstklässler der Grundschule Hille, hatte von seiner Lehrerin die Aufgabe bekommen, eine Tulpe zu falten – darauf hatte er zunächst wenig Lust. Eines Nachmittags fand er eine gefaltete Blume mit dem Gruß „Bleib gesund“ vor der Haustür. Sie war von seinem Freund Konstantin. Die Idee gefiel Jenke so gut, dass er für alle Nachbarn Tulpen faltete, versehen mit einem kleinen Gruß. Er verteilte die Blumen in der Nachbarschaft. Eine ältere Dame war besonders gerührt: „Am liebsten würde ich dich jetzt in den Arm nehmen, aber das geht im Moment leider nicht. Ich freue mich sehr.“

Für die Schüler der Grundschule haben die Lehrer Arbeitspläne beziehungsweise Wochenpläne für jede Klasse erstellt. Darin enthalten sind Aufgaben zu den verschiedenen Fächern sowie spielerische und künstlerische Angebote, wie Bastelaufgaben, Kreuzworträtsel oder Ausmalbilder. „Inhaltlich knüpfen die Aufgaben an den erteilten Unterricht an, wiederholen und verfestigen Gelerntes und machen neugierig auf Neues“, sagt Mareike Netzeband.

Das Beet im Schulgarten muss gepflegt werden. Darum kümmert sich dieses Geschwister-Paar. Fotos: privat
Das Beet im Schulgarten muss gepflegt werden. Darum kümmert sich dieses Geschwister-Paar. Fotos: privat

Über die E-Mail-Adressen der Eltern hat die Schule die Arbeitspläne und zugehörigen Materialien an die Familien verschickt. Außerdem bestand das Angebot, Bücher und Materialien am Tisch im Eingangsbereich der Schule zu bestimmten Zeiten abzuholen. Auf der Homepage finden die Eltern bei Bedarf außerdem Bewegungstipps sowie mediale Angebote, die das Lernen, aber auch die sinnvolle Freizeitgestaltung unterstützen.

Als Alternative zum plattdeutschen Lesewettbewerb sind die Schüler aufgerufen, ihren Beitrag als Hörspiel zu senden. Diese werden gesammelt und auf der Homepage der Schule zur Verfügung gestellt. „In diesem Jahr bekommen alle Kinder, die ein solches Hörspiel einsenden, einen Preis“, verrät Mareike Netzeband.

Wie die Schulleiterin im MT-Gespräch berichtet, sei auch der Elternsprechtag nicht ausgefallen. „Die Lehrer haben die Eltern angerufen.“ Die Resonanz sei gut gewesen. Zusätzlich gebe es eine Schülersprechstunde, die der Sozialpädagoge anbietet. Sehr erfreulich sei, dass die Kinder nicht nur E-Mails schreiben, sondern einen alten Kommunikationsweg neu entdecken: das Schreiben von Briefen und Postkarten.

In der Notbetreuung würden die Lehrkräfte im Wechsel arbeiten. Die Kinder könnten dort ihre Aufgaben erledigen, unternehmen aber auch Spaziergänge, basteln, arbeiten mit den digitalen Tafeln oder nutzen Bewegungsangebote. Viele Lehrer hätten außerdem Aufgaben übernommen, für die im normalen Schulalltag die Zeit fehle. Laut Mareike Netzeband kümmern sich Kollegen um Wandbemalung, räumen Fachräume auf, bestellen Materialien, entrümpeln den Geräteraum in der Sporthalle und überarbeiten Arbeitspläne in einigen Fächern. Und auch über die Zeit nach Corona werde nachgedacht. So hängen bereits jetzt an allen Waschbecken Schilder fürs richtige Händewaschen.

Grundschule An der Bergkante

Schulleiter Stefan Grotthaus hat den Eindruck, dass sich Schüler, Eltern und Lehrer inzwischen recht gut auf die besondere Situation eingestellt haben. „Wir haben ja recht früh reagiert, als sich die Schließung abzeichnete“, sagt er. Die Kinder haben ihre Bücher mit nach Hause bekommen und erhalten regelmäßig ihre Arbeitspläne zugeschickt, in denen sie Wiederholungs- und Vertiefungsaufgaben erledigen sollen. Wenn die Schulen wieder geöffnet haben, würden diese von den Lehrern nachgesehen und korrigiert. Das funktioniere an beiden Standorten ohne Probleme. Eine Elternbeschwerde aus Rothenuffeln sei lediglich auf ein Missverständnis zurückzuführen, dass sich schnell aufgeklärt habe. Auch die Notbetreuung funktioniere gut.

Grotthaus arbeitet zurzeit in seinem Büro in der Schule, aber auch im Home-Office. Die Kommunikation mit dem Kollegium laufe momentan über das Telefon. Das gelte ebenfalls für den Kontakt mit den Erziehungsberechtigten, falls Fragen oder Schwierigkeiten auftreten. Auch der Elternsprechtag findet in diesem Schuljahr erstmals per Telefon statt.

Von einem Lagerkoller hat Grotthaus noch nichts gehört. „Manchmal bekommen wir von den Kindern sogar Fotos zugeschickt “, sagt der Schulleiter, der den unmittelbaren täglichen Kontakt vermisst. „Und es ist so schade, dass sämtliche schulischen Veranstaltungen ausfallen müssen“, sagt er. Dazu zählen beispielsweise das Schulfest im Juni oder die Projekte mit der Biologischen Station. Der Schulleiter rät dazu, den Alltag trotz des Unterrichtsausfalls wie in Schulzeiten zu handhaben. Das bedeute aber auch, die Ferien zu genießen. Die Kinder sollten deshalb in den kommenden zwei Wochen entspannen und keine Hausaufgaben machen.

Grundschule Nordhemmern

Kristiane Körte ist nicht ins Home-Office gezogen, sondern regelt alle Angelegenheiten aus ihrem Schulbüro. Die Kollegen über 60 würden von zu Hause aus arbeiten, der Rest sei in der Notbetreuung eingesetzt. Die Zahl der zu betreuenden Kinder variiere leicht – am Donnerstag dieser Woche waren es vier. „Wir haben die Zeiten an den Bedarf der Eltern angepasst“, sagt Kristiane Körte. Grundsätzlich seien die Eltern aber sehr zurückhaltend, das Angebot in Anspruch zu nehmen. „Die Eltern brauchen sich keine Sorgen zu machen. Wir betreuen die Kinder gerne und befolgen die Verhaltensregeln“, betont die Schulleiterin. Es gebe feste Strukturen mit Lern- und Spielzeiten.

Wer nicht in der Betreuung ist, bekomme seine Aufgaben nach Hause. Dabei handele es sich vornehmlich um Wiederholungs- und Vertiefungsaufgaben. Zunächst hätten sie das Material zum Abholen bereit gelegt, mittlerweile würde vieles per Mail verschickt. „Wer selber keinen Drucker hat, bekommt Hilfe von anderen Eltern. Die Solidarität ist groß, freut sich Kristiane Körte. Weil – wie in der Schule – nicht alle Kinder mit dem gleichen Ehrgeiz die Aufgaben bearbeiteten, würden die Lehrkräfte inhaltlich nicht vorpreschen. „Und jetzt haben die Kinder erstmal Osterferien.“ Die Schulleiterin hofft, die Kinder danach möglichst bald wiederzusehen. „Ich vermisse sie total.“

Verbundschule Hille

Der normale Schulalltag sei anstrengend, aber er würde ihn sich sehnlichst zurückwünschen, gibt Schulleiter Dirk Schubert zu. Es sei komisch, eine fast leere Schule zu leiten. Der einzige Vorteil – wenn man das so nennen könne – sei, dass die Bauarbeiten im Gebäude momentan schnell vorangingen. „Die Handwerker müssen auf niemanden Rücksicht nehmen.“

Grundsätzlich gehe es beim Unterrichten seit der Schulschließung darum, die Lernmotivation aufrecht zu halten und den Tagesablauf der Schüler zu strukturieren. „Unser Ziel ist es nicht, jetzt viel Neues zu erarbeiten“, sagt Dirk Schubert. Die Schüler bekommen ihre Lernmaterialien Online. „Jeder Jahrgang hat auf der Homepage einen eigenen Bereich, wo die Lehrer Aufgaben, Arbeitsblätter oder andere Aufträge hinterlegen“, erklärt der Schulleiter. Im Gegenzug könnten die Schüler das Erledigte einreichen. „Die Ergebnisse werden nicht bewertet, aber eingefordert. Ich glaube, dass wir die Schüler gut versorgt haben.“

Dirk Schubert findet, dass diese Zeit nicht verloren ist – sie sei nur anders verlaufen. Der Großteil der Schüler nehme die Sache ernst. Aber, wer schon vorher nicht mitgearbeitet habe, würde sein Verhalten auch in Sachen Home-Schooling nicht grundlegend ändern. „Wie gut es am Ende funktioniert hat, wird sich zeigen.“

Eine besonders intensive Betreuung gebe es für die Abiturienten, für die die Lehrer einen kursbezogenen Unterricht anbieten. „Das fordern die Schüler im Übrigen auch ein“, sagt Schubert. Die Vorklausuren seien den Abiturienten bereits korrigiert nach Hause geschickt worden.

Die Verbundschule Hille war eine der ersten Schulen, die von einer Schließung betroffen war, weil sich Schüler mit dem Coronavirus infiziert hatten. „Andere Schulen hatten wenigstens noch das Wochenende, um zu planen. Ich haben am Freitag um 12.50 Uhr die Durchsage gemacht, dass die Schule geschlossen wird, um 13 Uhr sind alle gegangen.“

Das schreibt das Ministerium vor:

Prüfungen und Abschlüsse: NRW hat sich dafür ausgesprochen, dass die Abschlussprüfungen stattfinden sollen, sofern die weiteren Entwicklungen es zulassen. Die Prüfungen für rund 88.000 Abiturienten beginnen demnach am Dienstag, 12. Mai. Letzter Termin ist Montag, 25. Mai. Die Nachschreibetermine schließen sich ab dem 26. Mai an und dauern bis zum 9. Juni. Die Zeugnisse können spätestens bis zum 27. Juni ausgegeben werden. Der Zeitplan für die Abiturprüfung wurde so konzipiert, dass er unter Beachtung von Ferien- und Feiertagen funktioniert. Allerdings muss der Brückentag nach Christi Himmelfahrt für Prüfungen genutzt werden.

Digitales Lernen: Auch wenn kein Unterricht stattfindet, sollen die Schulen das Lernen weiter ermöglichen. Lehrer stellen Aufgaben bereit. Diese sollen so konzipiert werden, dass sie das Lernen der Schüler zum Beispiel in Form von Projekten unterstützen und an den Unterricht anknüpfen.

Dienstpflicht: Das Ruhen des Unterrichtsbetriebes entbindet die Schulleitungen und Lehrkräfte nicht von bestehenden Dienstpflichten. Es muss eine Erreichbarkeit sichergestellt werden.

Lehrereinstellung: Der Termin der Auswahlgespräche wurde auf den 7. Mai verschoben. Als Einstellungstermin ist der 1. Juni vorgesehen.

Klassenfahrten: Der Umgang mit Klassen- und Studienfahrten ist bis zum Beginn der Sommerferien geregelt. Demnach sind in diesem Schuljahr keine Wanderungen und Fahrten, Schullandheimaufenthalte und internationalen Begegnungen mehr zu genehmigen und bereits genehmigte Fahrten abzusagen. Ebenso sind Exkursionen zu außerschulischen Lernorten, wie Besuche von Museen, Theatern oder Sportveranstaltungen, bis zum Ende des Schuljahres nicht möglich. (Quelle: Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen)

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Trotz Schulschließung bleiben Lehrer und Schüler in Kontakt - und vermissen sichStefanie Dullweber,Carsten KorfesmeyerHille. Innerhalb kürzester Zeit haben sich die Schulen in der Gemeinde Hille darauf eingestellt, dass die Einrichtungen bis auf Weiteres geschlossen werden. Während die Grundschulen zumindest noch ein Wochenende lang Zeit hatten, um zu überlegen, wer welche Materialien mit nach Hause nimmt, musste die Verbundschule innerhalb weniger Minuten die Schüler nach Hause schicken. Mittlerweile läuft überall das Home-Schooling, Elternsprechtage finden am Telefon statt und selbst für Lesewettbewerbe gibt es eine digitale Lösung. Grundschule Hille Schulleiterin Mareike Netzeband meldet sich aus ihrem Büro in der Schule. Es gibt in diesen Tagen viel zu koordinieren, das meiste habe sie bereits angeschoben, als bekannt wurde, dass die Schulen schließen. Mittlerweile sei so etwas wie der digitale Alltag eingekehrt. Für die Schüler der Grundschule haben die Lehrer Arbeitspläne beziehungsweise Wochenpläne für jede Klasse erstellt. Darin enthalten sind Aufgaben zu den verschiedenen Fächern sowie spielerische und künstlerische Angebote, wie Bastelaufgaben, Kreuzworträtsel oder Ausmalbilder. „Inhaltlich knüpfen die Aufgaben an den erteilten Unterricht an, wiederholen und verfestigen Gelerntes und machen neugierig auf Neues“, sagt Mareike Netzeband. Über die E-Mail-Adressen der Eltern hat die Schule die Arbeitspläne und zugehörigen Materialien an die Familien verschickt. Außerdem bestand das Angebot, Bücher und Materialien am Tisch im Eingangsbereich der Schule zu bestimmten Zeiten abzuholen. Auf der Homepage finden die Eltern bei Bedarf außerdem Bewegungstipps sowie mediale Angebote, die das Lernen, aber auch die sinnvolle Freizeitgestaltung unterstützen. Als Alternative zum plattdeutschen Lesewettbewerb sind die Schüler aufgerufen, ihren Beitrag als Hörspiel zu senden. Diese werden gesammelt und auf der Homepage der Schule zur Verfügung gestellt. „In diesem Jahr bekommen alle Kinder, die ein solches Hörspiel einsenden, einen Preis“, verrät Mareike Netzeband. Wie die Schulleiterin im MT-Gespräch berichtet, sei auch der Elternsprechtag nicht ausgefallen. „Die Lehrer haben die Eltern angerufen.“ Die Resonanz sei gut gewesen. Zusätzlich gebe es eine Schülersprechstunde, die der Sozialpädagoge anbietet. Sehr erfreulich sei, dass die Kinder nicht nur E-Mails schreiben, sondern einen alten Kommunikationsweg neu entdecken: das Schreiben von Briefen und Postkarten. In der Notbetreuung würden die Lehrkräfte im Wechsel arbeiten. Die Kinder könnten dort ihre Aufgaben erledigen, unternehmen aber auch Spaziergänge, basteln, arbeiten mit den digitalen Tafeln oder nutzen Bewegungsangebote. Viele Lehrer hätten außerdem Aufgaben übernommen, für die im normalen Schulalltag die Zeit fehle. Laut Mareike Netzeband kümmern sich Kollegen um Wandbemalung, räumen Fachräume auf, bestellen Materialien, entrümpeln den Geräteraum in der Sporthalle und überarbeiten Arbeitspläne in einigen Fächern. Und auch über die Zeit nach Corona werde nachgedacht. So hängen bereits jetzt an allen Waschbecken Schilder fürs richtige Händewaschen. Grundschule An der Bergkante Schulleiter Stefan Grotthaus hat den Eindruck, dass sich Schüler, Eltern und Lehrer inzwischen recht gut auf die besondere Situation eingestellt haben. „Wir haben ja recht früh reagiert, als sich die Schließung abzeichnete“, sagt er. Die Kinder haben ihre Bücher mit nach Hause bekommen und erhalten regelmäßig ihre Arbeitspläne zugeschickt, in denen sie Wiederholungs- und Vertiefungsaufgaben erledigen sollen. Wenn die Schulen wieder geöffnet haben, würden diese von den Lehrern nachgesehen und korrigiert. Das funktioniere an beiden Standorten ohne Probleme. Eine Elternbeschwerde aus Rothenuffeln sei lediglich auf ein Missverständnis zurückzuführen, dass sich schnell aufgeklärt habe. Auch die Notbetreuung funktioniere gut. Grotthaus arbeitet zurzeit in seinem Büro in der Schule, aber auch im Home-Office. Die Kommunikation mit dem Kollegium laufe momentan über das Telefon. Das gelte ebenfalls für den Kontakt mit den Erziehungsberechtigten, falls Fragen oder Schwierigkeiten auftreten. Auch der Elternsprechtag findet in diesem Schuljahr erstmals per Telefon statt. Von einem Lagerkoller hat Grotthaus noch nichts gehört. „Manchmal bekommen wir von den Kindern sogar Fotos zugeschickt “, sagt der Schulleiter, der den unmittelbaren täglichen Kontakt vermisst. „Und es ist so schade, dass sämtliche schulischen Veranstaltungen ausfallen müssen“, sagt er. Dazu zählen beispielsweise das Schulfest im Juni oder die Projekte mit der Biologischen Station. Der Schulleiter rät dazu, den Alltag trotz des Unterrichtsausfalls wie in Schulzeiten zu handhaben. Das bedeute aber auch, die Ferien zu genießen. Die Kinder sollten deshalb in den kommenden zwei Wochen entspannen und keine Hausaufgaben machen. Grundschule Nordhemmern Kristiane Körte ist nicht ins Home-Office gezogen, sondern regelt alle Angelegenheiten aus ihrem Schulbüro. Die Kollegen über 60 würden von zu Hause aus arbeiten, der Rest sei in der Notbetreuung eingesetzt. Die Zahl der zu betreuenden Kinder variiere leicht – am Donnerstag dieser Woche waren es vier. „Wir haben die Zeiten an den Bedarf der Eltern angepasst“, sagt Kristiane Körte. Grundsätzlich seien die Eltern aber sehr zurückhaltend, das Angebot in Anspruch zu nehmen. „Die Eltern brauchen sich keine Sorgen zu machen. Wir betreuen die Kinder gerne und befolgen die Verhaltensregeln“, betont die Schulleiterin. Es gebe feste Strukturen mit Lern- und Spielzeiten. Wer nicht in der Betreuung ist, bekomme seine Aufgaben nach Hause. Dabei handele es sich vornehmlich um Wiederholungs- und Vertiefungsaufgaben. Zunächst hätten sie das Material zum Abholen bereit gelegt, mittlerweile würde vieles per Mail verschickt. „Wer selber keinen Drucker hat, bekommt Hilfe von anderen Eltern. Die Solidarität ist groß, freut sich Kristiane Körte. Weil – wie in der Schule – nicht alle Kinder mit dem gleichen Ehrgeiz die Aufgaben bearbeiteten, würden die Lehrkräfte inhaltlich nicht vorpreschen. „Und jetzt haben die Kinder erstmal Osterferien.“ Die Schulleiterin hofft, die Kinder danach möglichst bald wiederzusehen. „Ich vermisse sie total.“ Verbundschule Hille Der normale Schulalltag sei anstrengend, aber er würde ihn sich sehnlichst zurückwünschen, gibt Schulleiter Dirk Schubert zu. Es sei komisch, eine fast leere Schule zu leiten. Der einzige Vorteil – wenn man das so nennen könne – sei, dass die Bauarbeiten im Gebäude momentan schnell vorangingen. „Die Handwerker müssen auf niemanden Rücksicht nehmen.“ Grundsätzlich gehe es beim Unterrichten seit der Schulschließung darum, die Lernmotivation aufrecht zu halten und den Tagesablauf der Schüler zu strukturieren. „Unser Ziel ist es nicht, jetzt viel Neues zu erarbeiten“, sagt Dirk Schubert. Die Schüler bekommen ihre Lernmaterialien Online. „Jeder Jahrgang hat auf der Homepage einen eigenen Bereich, wo die Lehrer Aufgaben, Arbeitsblätter oder andere Aufträge hinterlegen“, erklärt der Schulleiter. Im Gegenzug könnten die Schüler das Erledigte einreichen. „Die Ergebnisse werden nicht bewertet, aber eingefordert. Ich glaube, dass wir die Schüler gut versorgt haben.“ Dirk Schubert findet, dass diese Zeit nicht verloren ist – sie sei nur anders verlaufen. Der Großteil der Schüler nehme die Sache ernst. Aber, wer schon vorher nicht mitgearbeitet habe, würde sein Verhalten auch in Sachen Home-Schooling nicht grundlegend ändern. „Wie gut es am Ende funktioniert hat, wird sich zeigen.“ Eine besonders intensive Betreuung gebe es für die Abiturienten, für die die Lehrer einen kursbezogenen Unterricht anbieten. „Das fordern die Schüler im Übrigen auch ein“, sagt Schubert. Die Vorklausuren seien den Abiturienten bereits korrigiert nach Hause geschickt worden. Die Verbundschule Hille war eine der ersten Schulen, die von einer Schließung betroffen war, weil sich Schüler mit dem Coronavirus infiziert hatten. „Andere Schulen hatten wenigstens noch das Wochenende, um zu planen. Ich haben am Freitag um 12.50 Uhr die Durchsage gemacht, dass die Schule geschlossen wird, um 13 Uhr sind alle gegangen.“ Das schreibt das Ministerium vor: Prüfungen und Abschlüsse: NRW hat sich dafür ausgesprochen, dass die Abschlussprüfungen stattfinden sollen, sofern die weiteren Entwicklungen es zulassen. Die Prüfungen für rund 88.000 Abiturienten beginnen demnach am Dienstag, 12. Mai. Letzter Termin ist Montag, 25. Mai. Die Nachschreibetermine schließen sich ab dem 26. Mai an und dauern bis zum 9. Juni. Die Zeugnisse können spätestens bis zum 27. Juni ausgegeben werden. Der Zeitplan für die Abiturprüfung wurde so konzipiert, dass er unter Beachtung von Ferien- und Feiertagen funktioniert. Allerdings muss der Brückentag nach Christi Himmelfahrt für Prüfungen genutzt werden. Digitales Lernen: Auch wenn kein Unterricht stattfindet, sollen die Schulen das Lernen weiter ermöglichen. Lehrer stellen Aufgaben bereit. Diese sollen so konzipiert werden, dass sie das Lernen der Schüler zum Beispiel in Form von Projekten unterstützen und an den Unterricht anknüpfen. Dienstpflicht: Das Ruhen des Unterrichtsbetriebes entbindet die Schulleitungen und Lehrkräfte nicht von bestehenden Dienstpflichten. Es muss eine Erreichbarkeit sichergestellt werden. Lehrereinstellung: Der Termin der Auswahlgespräche wurde auf den 7. Mai verschoben. Als Einstellungstermin ist der 1. Juni vorgesehen. Klassenfahrten: Der Umgang mit Klassen- und Studienfahrten ist bis zum Beginn der Sommerferien geregelt. Demnach sind in diesem Schuljahr keine Wanderungen und Fahrten, Schullandheimaufenthalte und internationalen Begegnungen mehr zu genehmigen und bereits genehmigte Fahrten abzusagen. Ebenso sind Exkursionen zu außerschulischen Lernorten, wie Besuche von Museen, Theatern oder Sportveranstaltungen, bis zum Ende des Schuljahres nicht möglich. (Quelle: Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen)