Oberlübbe

Tiefes Loch im Wiehengebirge: Illegale Grabungen oder hat der Boden nachgegeben?

Carsten Korfesmeyer

Das Forstamt hat den Bereich um das Loch gesperrt. Grundsätzlich sollten Waldbesucher die vorgegebenen Wanderwege im Wiehengebirge aus Sicherheitsgründen nicht verlassen. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Das Forstamt hat den Bereich um das Loch gesperrt. Grundsätzlich sollten Waldbesucher die vorgegebenen Wanderwege im Wiehengebirge aus Sicherheitsgründen nicht verlassen. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Hille-Oberlübbe. Auf einmal spürt der Forstmitarbeiter, dass er auf wackeligen dicken Ästen steht, die jemand – wie bei einer Falle – über eine Grube gelegt hat. Vorsichtig sei der Kollege weitergegangen und habe sich in Sicherheit gebracht, sagt Förster Markus Uhr. Passiert ist das vor wenigen Tagen. Der Mann hat großes Glück gehabt.

Das Loch im Wald ist etwa 1,5 Quadratmeter groß, mehrere Meter tief und befindet sich auf einer Waldparzelle am Elfter Kopf. „So etwas kommt in jüngster Zeit leider immer häufiger vor“, sagt der Forst-Experte. Er vergleicht das Wiehengebirge mit einem Schweizer Käse. Kilometerlange unterirdische Gänge aus der Ära des Erzabbaus ziehen sich durch das Erdreich.

Laut Markus Uhr handelt es sich bei dem Loch um einen alten Lüftungsschacht zum Stollen, der schon einmal verfüllt wurde und jetzt wieder offen ist. Warum, ist nicht sicher. „Wohl deshalb, weil da unten mal wieder welche unterwegs gewesen sind“, sagt der Förster. „Welche“ – dass sind diejenigen, die vermutlich auch die Äste über das Loch gelegt haben. Wann das geschah, lässt sich nicht sagen. Vermutlich liegen sie dort schon längere Zeit.

Der Förster spricht von Schwarzbergfahrern. Sie steigen illegal in die Stollen ein und gehen auf Entdeckungstour. Weil diese Leute häufig graben, könne es leicht passieren, dass der Boden nachgibt. Markus Uhr nennt das lebensgefährlich und sein Unterton lässt erkennen, wie sehr er sich darüber ärgert. Denn ein riesiges Unfallrisiko bestehe selbstverständlich auch für Waldbesucher, die sich abseits der Wanderwege aufhalten. Die Schächte seien oft einige Meter tief und die Folgen könnten verheerend sein. „Ich kann nur jedem dazu raten, sich immer an die ausgeschilderten Strecken zu halten.“

Bei Andreas Hennies erreicht das Loch am Dreiländereck von Hille, Bad Oeynhausen und Hüllhorst schon Reizthema-Niveau. „Wir werden es so schnell wie möglich wieder verfüllen, aber das ist nicht so einfach“, sagt der Geschäftsführer der Barbara Rohstoffbetriebe, die als Rechtsnachfolgerin für die Verwaltung des hinterlassenen Bergwerks zuständig ist. Das Gelände liege mitten im Wald und sei mit einem normalen Lastwagen nicht erreichbar. Deshalb komme eine Raupe zum Einsatz. Ein Fachunternehmen werde damit beauftragt, das Loch mit loser Steinerde zu schließen. „Und darunter kommt Beton, damit auch alles fest ist“, sagt Hennies. MT-Informationen zufolge soll das spätestens Anfang kommender Woche geschehen.

Der alte Luftschacht könnte sich zwar theoretisch auch durch eine natürliche Bodenbewegung geöffnet haben, doch daran glaubt Andreas Hennies nicht. Er spricht von einem gezielten Vorgehen. Ähnlich wie Maulwürfe würden sich die illegalen Stollenbesucher von unten nach oben durchgraben. Über deren Motivation kann er nur spekulieren. „Viele sind bergbauaffin oder suchen nach Fossilien“, sagt er. Häufig seien es auch Schatzsucher oder Personen, die sich schlichtweg für verlassene Orte interessieren. Auch die sogenannten Geocacher nutzten die Stollen gerne, um „unter Tage“ ihrem Sport nachzugehen. Auf jeden Fall sei das Betreten oder Graben verboten und keinesfalls ein Kavaliersdelikt.

Treten Löcher im Wald auf, bedeutet das für den Betrieb im rheinischen Langenfeld jedes Mal einiges an Aufwand. Und auch die Behörden müssten sich mit den Vorfällen beschäftigen. „Ich habe schon eine Menge Telefonate in dieser Angelegenheit führen müssen“, sagt Andreas Hennies, der sich noch gut an einen ähnlichen Vorfall erinnert, der sich vor 15 Jahren ereignet hat. Seinerzeit wurde es kompliziert, weil ein Loch mithilfe eines Hubschraubers geschlossen werden musste. Das sei aufgrund der Nähe zu den Astkronen der Bäume ein gefährliches Unterfangen gewesen.

Ungebetener Besuch kommt nicht allein in den ausgedienten Stollen vor. Auch dort, wo noch aktiver Bergbau läuft, verschaffen sich Eindringlinge häufiger unerlaubten Zutritt zu den unterirdischen Gängen. „Bei uns war das eine Zeit lang sogar ein massives Problem“, sagt Florian Garbe. Er ist Betriebsleiter der Barbara Erzbergbau in Porta Westfalica und erzählt davon, dass es sich erst gebessert habe, nachdem sein Unternehmen umfassend Überwachungskameras installiert habe. Die schreckten meist ab.

Das Loch am Elfter Kopf hat Markus Uhr sofort abgesperrt. Die dicken Äste hat er liegen lassen – und weil kein Laub mehr darauf liegt, seien sie jetzt auch gut erkennbar. „Betreten verboten“ steht auf dem Flatterband, das Unbekannte zum Ärger des Försters inzwischen teilweise wieder gelöst haben. „Aber bald ist das Loch ja zu.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

OberlübbeTiefes Loch im Wiehengebirge: Illegale Grabungen oder hat der Boden nachgegeben?Carsten KorfesmeyerHille-Oberlübbe. Auf einmal spürt der Forstmitarbeiter, dass er auf wackeligen dicken Ästen steht, die jemand – wie bei einer Falle – über eine Grube gelegt hat. Vorsichtig sei der Kollege weitergegangen und habe sich in Sicherheit gebracht, sagt Förster Markus Uhr. Passiert ist das vor wenigen Tagen. Der Mann hat großes Glück gehabt. Das Loch im Wald ist etwa 1,5 Quadratmeter groß, mehrere Meter tief und befindet sich auf einer Waldparzelle am Elfter Kopf. „So etwas kommt in jüngster Zeit leider immer häufiger vor“, sagt der Forst-Experte. Er vergleicht das Wiehengebirge mit einem Schweizer Käse. Kilometerlange unterirdische Gänge aus der Ära des Erzabbaus ziehen sich durch das Erdreich. Laut Markus Uhr handelt es sich bei dem Loch um einen alten Lüftungsschacht zum Stollen, der schon einmal verfüllt wurde und jetzt wieder offen ist. Warum, ist nicht sicher. „Wohl deshalb, weil da unten mal wieder welche unterwegs gewesen sind“, sagt der Förster. „Welche“ – dass sind diejenigen, die vermutlich auch die Äste über das Loch gelegt haben. Wann das geschah, lässt sich nicht sagen. Vermutlich liegen sie dort schon längere Zeit. Der Förster spricht von Schwarzbergfahrern. Sie steigen illegal in die Stollen ein und gehen auf Entdeckungstour. Weil diese Leute häufig graben, könne es leicht passieren, dass der Boden nachgibt. Markus Uhr nennt das lebensgefährlich und sein Unterton lässt erkennen, wie sehr er sich darüber ärgert. Denn ein riesiges Unfallrisiko bestehe selbstverständlich auch für Waldbesucher, die sich abseits der Wanderwege aufhalten. Die Schächte seien oft einige Meter tief und die Folgen könnten verheerend sein. „Ich kann nur jedem dazu raten, sich immer an die ausgeschilderten Strecken zu halten.“ Bei Andreas Hennies erreicht das Loch am Dreiländereck von Hille, Bad Oeynhausen und Hüllhorst schon Reizthema-Niveau. „Wir werden es so schnell wie möglich wieder verfüllen, aber das ist nicht so einfach“, sagt der Geschäftsführer der Barbara Rohstoffbetriebe, die als Rechtsnachfolgerin für die Verwaltung des hinterlassenen Bergwerks zuständig ist. Das Gelände liege mitten im Wald und sei mit einem normalen Lastwagen nicht erreichbar. Deshalb komme eine Raupe zum Einsatz. Ein Fachunternehmen werde damit beauftragt, das Loch mit loser Steinerde zu schließen. „Und darunter kommt Beton, damit auch alles fest ist“, sagt Hennies. MT-Informationen zufolge soll das spätestens Anfang kommender Woche geschehen. Der alte Luftschacht könnte sich zwar theoretisch auch durch eine natürliche Bodenbewegung geöffnet haben, doch daran glaubt Andreas Hennies nicht. Er spricht von einem gezielten Vorgehen. Ähnlich wie Maulwürfe würden sich die illegalen Stollenbesucher von unten nach oben durchgraben. Über deren Motivation kann er nur spekulieren. „Viele sind bergbauaffin oder suchen nach Fossilien“, sagt er. Häufig seien es auch Schatzsucher oder Personen, die sich schlichtweg für verlassene Orte interessieren. Auch die sogenannten Geocacher nutzten die Stollen gerne, um „unter Tage“ ihrem Sport nachzugehen. Auf jeden Fall sei das Betreten oder Graben verboten und keinesfalls ein Kavaliersdelikt. Treten Löcher im Wald auf, bedeutet das für den Betrieb im rheinischen Langenfeld jedes Mal einiges an Aufwand. Und auch die Behörden müssten sich mit den Vorfällen beschäftigen. „Ich habe schon eine Menge Telefonate in dieser Angelegenheit führen müssen“, sagt Andreas Hennies, der sich noch gut an einen ähnlichen Vorfall erinnert, der sich vor 15 Jahren ereignet hat. Seinerzeit wurde es kompliziert, weil ein Loch mithilfe eines Hubschraubers geschlossen werden musste. Das sei aufgrund der Nähe zu den Astkronen der Bäume ein gefährliches Unterfangen gewesen. Ungebetener Besuch kommt nicht allein in den ausgedienten Stollen vor. Auch dort, wo noch aktiver Bergbau läuft, verschaffen sich Eindringlinge häufiger unerlaubten Zutritt zu den unterirdischen Gängen. „Bei uns war das eine Zeit lang sogar ein massives Problem“, sagt Florian Garbe. Er ist Betriebsleiter der Barbara Erzbergbau in Porta Westfalica und erzählt davon, dass es sich erst gebessert habe, nachdem sein Unternehmen umfassend Überwachungskameras installiert habe. Die schreckten meist ab. Das Loch am Elfter Kopf hat Markus Uhr sofort abgesperrt. Die dicken Äste hat er liegen lassen – und weil kein Laub mehr darauf liegt, seien sie jetzt auch gut erkennbar. „Betreten verboten“ steht auf dem Flatterband, das Unbekannte zum Ärger des Försters inzwischen teilweise wieder gelöst haben. „Aber bald ist das Loch ja zu.“