Hille/Nettelstedt

Corona-Virus stoppt Proben: Freilichtbühne Nettelstedt sagt Sommersaison ab

Michael Grundmeier

Das war einmal: Die Freilichtbühne Nettelstedt spielt die Nibelungen im Gewand von Monty Python. Archivfoto: Imme Lohmeyer-Lorek - © Imme Lohmeyer-Lorek
Das war einmal: Die Freilichtbühne Nettelstedt spielt die Nibelungen im Gewand von Monty Python. Archivfoto: Imme Lohmeyer-Lorek (© Imme Lohmeyer-Lorek)

Hille/Nettelstedt. Die Corona-Krise trifft auch die Freilichtbühne Nettelstedt hart. Seit vorigem November laufen die ersten Proben und die Aktiven haben sich schon sehr auf die neuen Stücke gefreut. Jetzt musste die gesamte Sommersaison abgesagt werden.

Dabei hatte sich der Verein für 2020 so viel vorgenommen, vor allem „Madagaskar“ forderte den Aktiven viel ab. „Wir haben schon eine intensive Probenphase hinter uns, mit den szenischen Proben sollte aber erst Mitte April begonnen werden“, sagt Volker Kracht, der Vorsitzende der Spielgemeinde Freilichtbühne Nettelstedt. Dann der Schock! Nur wenige Wochen vor Beginn der neuen Saison wirbelt Corona alle Spielpläne durcheinander. Auch in Nettelstedt.

Die Freilichtbühne muss eine Vollbremsung hinlegen, die gesamte Saison 2020 wird abgesagt. Volker Kracht begründet die Entscheidung mit der „Verantwortung für Aktive und Publikum“: „Wir haben uns alle sehr gefreut auf die Saison, auch weil wir mit Madagaskar einen echten Knaller haben, alle sind sehr traurig, dass wir nicht spielen können. Die Enttäuschung ist riesengroß.“ Nachdem die letzte Sommersaison ebenfalls richtig gut verlaufen ist (13.000 Zuschauer sahen „Nibelungen - eine Gaunerkomödie“ und „Jim Knopf“) wollte man in diesem Jahr noch eine Schippe drauf legen. „Auf Madagaskar haben wir uns alle sehr gefreut- wir hatten alle einen wässrigen Mund“, meint Volker Kracht traurig. Dass eine ganze Saison komplett ausfallen muss, habe er in seinen 30 Jahren bei der Spielgemeinde noch nicht erlebt. „So etwas hatten wir hier meines Wissens und mit Ausnahme der Kriegszeiten noch nie.“ Diese Situation sei auch für die 1923 gegründete Spielgemeinde ganz neu.

Immerhin: eine gute Nachricht gibt es. Wenn alles gut geht, wird die Saison im nächsten Jahr nachgeholt.“Wir wollen 2021 genauso fortführen, wie wir unterbrochen haben, also mit „Madagaskar- ein musikalisches Abenteuer“ und „Der nackte Wahnsinn“", macht Kracht deutlich. Die Gespräche mit den Verlagen liefen „sehr gut“, es gebe „positive Zeichen“, dass die Stücke im nächsten Jahr gespielt werden können. Redebedarf gibt es vor allem wegen der Rechte: „Die sind normalerweise nicht einfach so übertragbar. Man muss erst gucken, ob die Rechte frei sind, außerdem achten die Verlage darauf, dass nicht zwei benachbarte Bühnen die gleichen Stücke spielen.“

Ob es größere wirtschaftliche Einbußen gibt, kann der Vorsitzende der Spielgemeinde aktuell noch nicht sagen. „Im Moment können wir das noch nicht überblicken, wir sind aber zuversichtlich, dass wir das verkraften können, auch weil wir früh genug gehandelt haben.“ Kracht hofft, dass sich die Schäden in einem „erträglichen Rahmen“ bewegen. Der Vorverkauf sei noch nicht angelaufen gewesen. Der Haushalt des Vereins speist sich vor allem aus Eintrittsgeldern, weiteres Geld kommt von Sponsoren und aus Zuschüssen. Sämtliche Schauspieler arbeiten ehrenamtlich, nur die Regisseure müssen normalerweise bezahlt werden.

Über die Absage hat der Verein schon vor einigen Tagen auf Facebook und Instagram informiert. „Wie gerne würden wir euch jetzt oder auch in den kommenden Wochen Bilder unserer ersten Proben oder unserer wunderschönen Bühne zeigen. Euch an der Entwicklung unserer Produktionen für die Saison 2020 teilhaben lassen. Stattdessen seht Ihr einen leeren Zuschauerraum und viele traurige Gesichter“, heißt es bei Facebook.

Die Antworten zeigen, wie sehr sich das Theaterpublikum auf die neue Saison gefreut hat. Eine Nutzerin schreibt: „Schade, aber umso mehr freuen wir uns aufs nächste Jahr und sehen uns hoffentlich alle nächstes Jahr gesund und munter wieder! Bleibt gesund und positiv.“

Andere Nutzer spenden Trost oder danken dem Verein für seine gute Entscheidung.

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Hille/NettelstedtCorona-Virus stoppt Proben: Freilichtbühne Nettelstedt sagt Sommersaison abMichael GrundmeierHille/Nettelstedt. Die Corona-Krise trifft auch die Freilichtbühne Nettelstedt hart. Seit vorigem November laufen die ersten Proben und die Aktiven haben sich schon sehr auf die neuen Stücke gefreut. Jetzt musste die gesamte Sommersaison abgesagt werden. Dabei hatte sich der Verein für 2020 so viel vorgenommen, vor allem „Madagaskar“ forderte den Aktiven viel ab. „Wir haben schon eine intensive Probenphase hinter uns, mit den szenischen Proben sollte aber erst Mitte April begonnen werden“, sagt Volker Kracht, der Vorsitzende der Spielgemeinde Freilichtbühne Nettelstedt. Dann der Schock! Nur wenige Wochen vor Beginn der neuen Saison wirbelt Corona alle Spielpläne durcheinander. Auch in Nettelstedt. Die Freilichtbühne muss eine Vollbremsung hinlegen, die gesamte Saison 2020 wird abgesagt. Volker Kracht begründet die Entscheidung mit der „Verantwortung für Aktive und Publikum“: „Wir haben uns alle sehr gefreut auf die Saison, auch weil wir mit Madagaskar einen echten Knaller haben, alle sind sehr traurig, dass wir nicht spielen können. Die Enttäuschung ist riesengroß.“ Nachdem die letzte Sommersaison ebenfalls richtig gut verlaufen ist (13.000 Zuschauer sahen „Nibelungen - eine Gaunerkomödie“ und „Jim Knopf“) wollte man in diesem Jahr noch eine Schippe drauf legen. „Auf Madagaskar haben wir uns alle sehr gefreut- wir hatten alle einen wässrigen Mund“, meint Volker Kracht traurig. Dass eine ganze Saison komplett ausfallen muss, habe er in seinen 30 Jahren bei der Spielgemeinde noch nicht erlebt. „So etwas hatten wir hier meines Wissens und mit Ausnahme der Kriegszeiten noch nie.“ Diese Situation sei auch für die 1923 gegründete Spielgemeinde ganz neu. Immerhin: eine gute Nachricht gibt es. Wenn alles gut geht, wird die Saison im nächsten Jahr nachgeholt.“Wir wollen 2021 genauso fortführen, wie wir unterbrochen haben, also mit „Madagaskar- ein musikalisches Abenteuer“ und „Der nackte Wahnsinn“", macht Kracht deutlich. Die Gespräche mit den Verlagen liefen „sehr gut“, es gebe „positive Zeichen“, dass die Stücke im nächsten Jahr gespielt werden können. Redebedarf gibt es vor allem wegen der Rechte: „Die sind normalerweise nicht einfach so übertragbar. Man muss erst gucken, ob die Rechte frei sind, außerdem achten die Verlage darauf, dass nicht zwei benachbarte Bühnen die gleichen Stücke spielen.“ Ob es größere wirtschaftliche Einbußen gibt, kann der Vorsitzende der Spielgemeinde aktuell noch nicht sagen. „Im Moment können wir das noch nicht überblicken, wir sind aber zuversichtlich, dass wir das verkraften können, auch weil wir früh genug gehandelt haben.“ Kracht hofft, dass sich die Schäden in einem „erträglichen Rahmen“ bewegen. Der Vorverkauf sei noch nicht angelaufen gewesen. Der Haushalt des Vereins speist sich vor allem aus Eintrittsgeldern, weiteres Geld kommt von Sponsoren und aus Zuschüssen. Sämtliche Schauspieler arbeiten ehrenamtlich, nur die Regisseure müssen normalerweise bezahlt werden. Über die Absage hat der Verein schon vor einigen Tagen auf Facebook und Instagram informiert. „Wie gerne würden wir euch jetzt oder auch in den kommenden Wochen Bilder unserer ersten Proben oder unserer wunderschönen Bühne zeigen. Euch an der Entwicklung unserer Produktionen für die Saison 2020 teilhaben lassen. Stattdessen seht Ihr einen leeren Zuschauerraum und viele traurige Gesichter“, heißt es bei Facebook. Die Antworten zeigen, wie sehr sich das Theaterpublikum auf die neue Saison gefreut hat. Eine Nutzerin schreibt: „Schade, aber umso mehr freuen wir uns aufs nächste Jahr und sehen uns hoffentlich alle nächstes Jahr gesund und munter wieder! Bleibt gesund und positiv.“ Andere Nutzer spenden Trost oder danken dem Verein für seine gute Entscheidung.