Beim Thema Windkraft weht in Hille zurzeit nicht mal ein laues Lüftchen - doch die Politik will die Sache angehen Carsten Korfesmeyer Hille. Zwei Windkraftanlagen stehen zurzeit in der Gemeinde. Und mehr werden es nach dem aktuellen Stand der Dinge auch vorläufig nicht werden. Denn rechtlich herrscht keine Klarheit darüber, welche Abstandsregelung greifen soll. 1.500 oder 1.000 Meter? Der Bund hat noch nichts entschieden und das Land ihren Kommunen die größere der beiden Distanzen empfohlen. Das hemmt nicht nur mögliche Investoren, sondern legt weitere Windkraft in Hille lahm. Denn nirgendwo gibt es eine Fläche, wo sich die Entfernungsregel einhalten ließe, erklärt Sachgebietsleiter Hans-Peter Seele gegenüber dem MT. „Deshalb ist sich die Politik auch einig gewesen, dass Verfahren vorerst ruhen zu lassen.“ Damit herrscht Flaute. Das Thema Windkraft hat in Hille schon eine lange Geschichte. Im Herbst 1996 starteten die Planungen für das rund acht Hektar große Areal zwischen Nordhemmern und Südhemmern, die knapp zwei Jahre später abgesegnet wurden. Dort stehen die beiden bislang einzigen Anlagen mit einer Nabenhöhe von 72 beziehungsweise 135 Metern. Zwei kleinere Windräder in der Gemeinde sind vor einiger Zeit bereits wieder abgebaut worden. Für die Bürgerinitiative (BI) „1.000 Meter für Hille“ dürfte dieser Ist-Zustand eine komfortable Situation sein. Kommenden Dienstag wollten Vorsitzende Gudrun Wöpkemeier und ihr Team eigentlich die Bevölkerung in ihrer Jahreshauptversammlung über den Stand der Dinge informieren. Die fällt aufgrund der Coronakrise jedoch aus. Die 1.000 Meter-Abstandsregelung wäre ein Kompromiss, ließe weitere Windräder zu und hat nach Worten der Vorsitzenden eine Menge Befürworter. Mehr als 1.000 Unterschriften seien von Menschen bereits eingegangen, die das befürworten. „Wir betonen aber ausdrücklich, dass wir keine Windkraftgegner sind“, sagt BI-Pressesprecher Peter Eickriede gegenüber dem MT. Er und seine Kollegen befürchten vielmehr Gesundheitsrisiken für Anwohner, wenn die Anlagen in unmittelbarer Nähe zu den Häusern liegen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich dabei um Industrie handelt“, sagt der Hartumer. Die Versammlung wollten die BI-Verantwortlichen nutzen, um ihre Beweggründe vorzustellen. Lärm ist ein wichtiges Argument und Gudrun Wöpkemeier erklärt, dass die Windgeräusche noch von weit her wahrgenommen werden. Bei einer 200-Meter-Anlage seien die Grenzwerte von 40 Dezibel vor allem nachts nicht einzuhalten. Außerdem sieht sie gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den sogenannten Infraschall, den der Körper spüre, ohne dass die Menschen ihn wahrnehmen. „Da gibt es noch nicht genügend Gutachten“, sagt sie. Probleme gebe es auch mit dem Boden. Peter Eickriede spricht von enormen Kräften, die durch die Bewegung der Rotoren in den Boden ziehen. Das sei in weiter Ferne spürbar – und er weiß nach eigenen Angaben von Häusern, die Risse im Mauerwerk bekommen haben. Kritisch sieht er außerdem die spätere Entsorgung der Windkraftanlagen, die seiner Ansicht nach bislang nur unzureichend geklärt ist. Denn die Betreiber seien lediglich dazu verpflichtet, die Räder bis einen Meter unter den Boden abzubauen. Das Fundament bleibe hingegen. „Zu all dem wollen wir Antworten von unseren Politikern“, sagt er. Die allerdings wollen warten, bis grundsätzlich Klarheit herrscht. „Dann sollten wir das Thema aber angehen“, sagt SPD-Fraktionschef Burkhard Günther, der erneuerbare Energien in Hille grundsätzlich voranbringen will. Ähnlich äußert sich sein Kollege von der CDU. „Aber ohne rechtliche Sicherheit brauchen wir mit den Planungen gar nicht erst weitermachen“, sagt Herbert Heuer. Für Grünen Fraktionschefin Marlies Schulder steht es außer Frage, dass Regelungen getroffen werden, um weitere Windräder möglich zu machen. „Wir wollen doch alle die erneuerbare Energie“, sagt sie. Im Grunde warte man schon viel zu lange.

Beim Thema Windkraft weht in Hille zurzeit nicht mal ein laues Lüftchen - doch die Politik will die Sache angehen

Hille. Zwei Windkraftanlagen stehen zurzeit in der Gemeinde. Und mehr werden es nach dem aktuellen Stand der Dinge auch vorläufig nicht werden. Denn rechtlich herrscht keine Klarheit darüber, welche Abstandsregelung greifen soll. 1.500 oder 1.000 Meter? Der Bund hat noch nichts entschieden und das Land ihren Kommunen die größere der beiden Distanzen empfohlen. Das hemmt nicht nur mögliche Investoren, sondern legt weitere Windkraft in Hille lahm. Denn nirgendwo gibt es eine Fläche, wo sich die Entfernungsregel einhalten ließe, erklärt Sachgebietsleiter Hans-Peter Seele gegenüber dem MT. „Deshalb ist sich die Politik auch einig gewesen, dass Verfahren vorerst ruhen zu lassen.“ Damit herrscht Flaute.

Das Thema Windkraft ruht in Hille momentan. Die Politiker warten auf klare gesetzliche Regelungen. Archivfoto: Sebastian Schwake/Die Harke
Das Thema Windkraft ruht in Hille momentan. Die Politiker warten auf klare gesetzliche Regelungen. Archivfoto: Sebastian Schwake/Die Harke

Das Thema Windkraft hat in Hille schon eine lange Geschichte. Im Herbst 1996 starteten die Planungen für das rund acht Hektar große Areal zwischen Nordhemmern und Südhemmern, die knapp zwei Jahre später abgesegnet wurden. Dort stehen die beiden bislang einzigen Anlagen mit einer Nabenhöhe von 72 beziehungsweise 135 Metern. Zwei kleinere Windräder in der Gemeinde sind vor einiger Zeit bereits wieder abgebaut worden. Für die Bürgerinitiative (BI) „1.000 Meter für Hille“ dürfte dieser Ist-Zustand eine komfortable Situation sein. Kommenden Dienstag wollten Vorsitzende Gudrun Wöpkemeier und ihr Team eigentlich die Bevölkerung in ihrer Jahreshauptversammlung über den Stand der Dinge informieren. Die fällt aufgrund der Coronakrise jedoch aus.

Die 1.000 Meter-Abstandsregelung wäre ein Kompromiss, ließe weitere Windräder zu und hat nach Worten der Vorsitzenden eine Menge Befürworter. Mehr als 1.000 Unterschriften seien von Menschen bereits eingegangen, die das befürworten. „Wir betonen aber ausdrücklich, dass wir keine Windkraftgegner sind“, sagt BI-Pressesprecher Peter Eickriede gegenüber dem MT. Er und seine Kollegen befürchten vielmehr Gesundheitsrisiken für Anwohner, wenn die Anlagen in unmittelbarer Nähe zu den Häusern liegen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich dabei um Industrie handelt“, sagt der Hartumer.

Die Versammlung wollten die BI-Verantwortlichen nutzen, um ihre Beweggründe vorzustellen. Lärm ist ein wichtiges Argument und Gudrun Wöpkemeier erklärt, dass die Windgeräusche noch von weit her wahrgenommen werden. Bei einer 200-Meter-Anlage seien die Grenzwerte von 40 Dezibel vor allem nachts nicht einzuhalten. Außerdem sieht sie gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den sogenannten Infraschall, den der Körper spüre, ohne dass die Menschen ihn wahrnehmen. „Da gibt es noch nicht genügend Gutachten“, sagt sie.

Probleme gebe es auch mit dem Boden. Peter Eickriede spricht von enormen Kräften, die durch die Bewegung der Rotoren in den Boden ziehen. Das sei in weiter Ferne spürbar – und er weiß nach eigenen Angaben von Häusern, die Risse im Mauerwerk bekommen haben. Kritisch sieht er außerdem die spätere Entsorgung der Windkraftanlagen, die seiner Ansicht nach bislang nur unzureichend geklärt ist. Denn die Betreiber seien lediglich dazu verpflichtet, die Räder bis einen Meter unter den Boden abzubauen. Das Fundament bleibe hingegen. „Zu all dem wollen wir Antworten von unseren Politikern“, sagt er.

Die allerdings wollen warten, bis grundsätzlich Klarheit herrscht. „Dann sollten wir das Thema aber angehen“, sagt SPD-Fraktionschef Burkhard Günther, der erneuerbare Energien in Hille grundsätzlich voranbringen will. Ähnlich äußert sich sein Kollege von der CDU. „Aber ohne rechtliche Sicherheit brauchen wir mit den Planungen gar nicht erst weitermachen“, sagt Herbert Heuer. Für Grünen Fraktionschefin Marlies Schulder steht es außer Frage, dass Regelungen getroffen werden, um weitere Windräder möglich zu machen. „Wir wollen doch alle die erneuerbare Energie“, sagt sie. Im Grunde warte man schon viel zu lange.

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