Hille

Unterwegs in der Zeit: TV „Sachsenross“ Hille bietet eine energiegeladene Musical-Show

Carsten Korfesmeyer

Das Sportmusical führt das Publikum durch 100 Jahre Hiller Vereinsgeschichte und zeigt die vielen Facetten des TV „Sachsenross“ Hille. Zehn Stationen umfasst das Programm, das aus Tanz, Sport, Artistik und Schauspiel besteht. MT-Fotos: Carsten Korfesmeyer
Das Sportmusical führt das Publikum durch 100 Jahre Hiller Vereinsgeschichte und zeigt die vielen Facetten des TV „Sachsenross“ Hille. Zehn Stationen umfasst das Programm, das aus Tanz, Sport, Artistik und Schauspiel besteht. MT-Fotos: Carsten Korfesmeyer

Hille. Eine Show mit starken Effekten, viel Humor und einer frei erfundenen Handlung hatte Mareike Netzeband ihrem Publikum versprochen. Die künstlerische Leiterin des Sportmusicals hat Wort gehalten. Die „Blau-Weiße Zeitreise“ ist eine aktionsgeladene Inszenierung, an der auch Nicht-Mitglieder des TV „Sachsenross“ Hille ihre große Freude haben. Drei Stunden geht es durch die 100-jährige Geschichte des Sportvereins – immer mit einem Fünkchen historischer Wahrheit, einer großen Portion Fantasie und vor allem mit einigem Augenzwinkern. Spätestens beim kunterbunten Finale der Show dürfte sich wohl jeder Zuschauer wie ein „Sachsenrössler“ fühlen.

Auf eine ganz eigene und ungewöhnliche Weise gibt es Einblicke in das Vereinsleben von gestern und heute. Um eine ausgediente Telefonzelle kreist die Handlung, die sich in Zehn-Jahres-Schritten über die Zeit von 1920 bis 2020 streckt. Ein kurzer Film führt die Zuschauer in das Geschehen ein. Malin Netzeband und Jesko Klingbeil finden darin das achtlos an der alten Sporthalle entsorgte Häuschen, lösen mit dem Wählen einer Telefonnummer einen Zeitsprung aus und reisen 100 Jahre in die Hiller Vergangenheit. Ab dann ist die Telefonzelle Teil des Geschehens in der Verbundschulaula.

Jesko Klingbeil und Malin Netzeband führen das Publikum gekonnt durch die „Blau-Weiße Zeitreise“ in der Verbundschulaula.
Jesko Klingbeil und Malin Netzeband führen das Publikum gekonnt durch die „Blau-Weiße Zeitreise“ in der Verbundschulaula.

Das ist der Start für den Weg zurück in die Gegenwart. Die beiden Teenager nehmen die Rolle der Moderatoren ein und werden mit dem jeweiligen Zeitgeist konfrontiert. Sie erleben beispielsweise, wie es überhaupt zur Gründung des Vereins gekommen ist. Im alten Konfirmandensaal beschließen einige Männer, den TV ins Leben zu rufen. Sie heißen Wilhelm, Heinrich oder Friedrich – alles gängige Namen von damals. Ob der Aufgalopp des Sachsenrosses tatsächlich so abgelaufen ist, bleibt allerdings gewollt offen.

Das beliebte Barrenturnen steht im Sportmusical für die 1920er-Jahre. Und was die Männerturngruppe zeigt, macht beim Publikum eine Menge Eindruck. Die vielen Sprünge werden mit donnerndem Applaus belohnt und haben noch eine weitere Wirkung. Denn sie zeigen zugleich das hohe sportliche Niveau, auf dem sich der Verein bewegt. Auch das Gemeinschaftsgefühl kommt zum Ausdruck. Diese Bilder halten sich – und ziehen sich wie ein roter Faden durch den weiteren Ablauf. Jeder im Raum bekommt so erklärt, warum sich der TV selbst in Zeiten des Vereinssterbens ungebrochener Beliebtheit erfreut.

Das Bodenturnen der Mädchen, der Tanz zum Song „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder auch das charmante und mit Wortwitz gespickte Schauspiel „De Wunnerdoktor“: In der Inszenierung kommen die vielseitigen Angebote vor, die Sachsenross über zehn Jahrzehnte geprägt haben. Der Zuschauer erfährt einiges aus der Vereins- und Ortsgeschichte, was eher beiläufig in das Geschehen eingebettet ist – unter anderem, dass in der Turnsparte einst die meisten Mitglieder aktiv waren oder dass das Vereinsheim der Tennisspieler im Jahr 1984 gebaut worden ist.

Die Choreografie ist beachtlich. Allerlei Technik kommt zum Einsatz und die Nebelmaschine vielleicht doch ein wenig zu oft. Vor allem die vielen farbigen Lichter sorgen dafür, dass die Auftritte eine noch imposantere Wirkung ausstrahlen. Das ist besonders bei den eindrucksvollen Tänzen der Fall, aber auch bei den Effekten mit Schwarzlicht – beispielsweise bei den Szenen der Tennis- und Tischtennisspieler.

Rock 'n' Roll, Aerobic, Leichtathletik und unzählige Sprünge. Der Mix kommt an – und der Auftritt der Handballer ist einer der spektakulären Höhepunkte. Die Spieler werfen auf die Tore und das Publikum ist hautnah dabei. Selbstverständlich sind auch die Musical-Momente Teil der Geschichte, mit denen die Sachsenrössler in der Vergangenheit über die Hiller Grenzen bekannt geworden sind.

Mehr als 120 der rund 1.000 Vereinsmitglieder wirken in dem Musical mit. Monatelang haben sie sich auf die Aufführungen vorbereitet. Alle sind mit spürbarer Spielfreude dabei. Das überträgt sich auf die Menschen im Zuschauerraum. Sie klatschen mit, geben reichlich Beifall und einige erheben sich sogar von ihren Plätzen. Mareike Netzeband und Birgit Kaupmann ist es gelungen, die Akteure aus allen Altersgruppen unter einen Hut zu bekommen. Diese Zeitreise ist ein schöner Blick zurück, der die Lust auf die Zukunft des Vereins weckt.

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HilleUnterwegs in der Zeit: TV „Sachsenross“ Hille bietet eine energiegeladene Musical-ShowCarsten KorfesmeyerHille. Eine Show mit starken Effekten, viel Humor und einer frei erfundenen Handlung hatte Mareike Netzeband ihrem Publikum versprochen. Die künstlerische Leiterin des Sportmusicals hat Wort gehalten. Die „Blau-Weiße Zeitreise“ ist eine aktionsgeladene Inszenierung, an der auch Nicht-Mitglieder des TV „Sachsenross“ Hille ihre große Freude haben. Drei Stunden geht es durch die 100-jährige Geschichte des Sportvereins – immer mit einem Fünkchen historischer Wahrheit, einer großen Portion Fantasie und vor allem mit einigem Augenzwinkern. Spätestens beim kunterbunten Finale der Show dürfte sich wohl jeder Zuschauer wie ein „Sachsenrössler“ fühlen. Auf eine ganz eigene und ungewöhnliche Weise gibt es Einblicke in das Vereinsleben von gestern und heute. Um eine ausgediente Telefonzelle kreist die Handlung, die sich in Zehn-Jahres-Schritten über die Zeit von 1920 bis 2020 streckt. Ein kurzer Film führt die Zuschauer in das Geschehen ein. Malin Netzeband und Jesko Klingbeil finden darin das achtlos an der alten Sporthalle entsorgte Häuschen, lösen mit dem Wählen einer Telefonnummer einen Zeitsprung aus und reisen 100 Jahre in die Hiller Vergangenheit. Ab dann ist die Telefonzelle Teil des Geschehens in der Verbundschulaula. Das ist der Start für den Weg zurück in die Gegenwart. Die beiden Teenager nehmen die Rolle der Moderatoren ein und werden mit dem jeweiligen Zeitgeist konfrontiert. Sie erleben beispielsweise, wie es überhaupt zur Gründung des Vereins gekommen ist. Im alten Konfirmandensaal beschließen einige Männer, den TV ins Leben zu rufen. Sie heißen Wilhelm, Heinrich oder Friedrich – alles gängige Namen von damals. Ob der Aufgalopp des Sachsenrosses tatsächlich so abgelaufen ist, bleibt allerdings gewollt offen. Das beliebte Barrenturnen steht im Sportmusical für die 1920er-Jahre. Und was die Männerturngruppe zeigt, macht beim Publikum eine Menge Eindruck. Die vielen Sprünge werden mit donnerndem Applaus belohnt und haben noch eine weitere Wirkung. Denn sie zeigen zugleich das hohe sportliche Niveau, auf dem sich der Verein bewegt. Auch das Gemeinschaftsgefühl kommt zum Ausdruck. Diese Bilder halten sich – und ziehen sich wie ein roter Faden durch den weiteren Ablauf. Jeder im Raum bekommt so erklärt, warum sich der TV selbst in Zeiten des Vereinssterbens ungebrochener Beliebtheit erfreut. Das Bodenturnen der Mädchen, der Tanz zum Song „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder auch das charmante und mit Wortwitz gespickte Schauspiel „De Wunnerdoktor“: In der Inszenierung kommen die vielseitigen Angebote vor, die Sachsenross über zehn Jahrzehnte geprägt haben. Der Zuschauer erfährt einiges aus der Vereins- und Ortsgeschichte, was eher beiläufig in das Geschehen eingebettet ist – unter anderem, dass in der Turnsparte einst die meisten Mitglieder aktiv waren oder dass das Vereinsheim der Tennisspieler im Jahr 1984 gebaut worden ist. Die Choreografie ist beachtlich. Allerlei Technik kommt zum Einsatz und die Nebelmaschine vielleicht doch ein wenig zu oft. Vor allem die vielen farbigen Lichter sorgen dafür, dass die Auftritte eine noch imposantere Wirkung ausstrahlen. Das ist besonders bei den eindrucksvollen Tänzen der Fall, aber auch bei den Effekten mit Schwarzlicht – beispielsweise bei den Szenen der Tennis- und Tischtennisspieler. Rock 'n' Roll, Aerobic, Leichtathletik und unzählige Sprünge. Der Mix kommt an – und der Auftritt der Handballer ist einer der spektakulären Höhepunkte. Die Spieler werfen auf die Tore und das Publikum ist hautnah dabei. Selbstverständlich sind auch die Musical-Momente Teil der Geschichte, mit denen die Sachsenrössler in der Vergangenheit über die Hiller Grenzen bekannt geworden sind. Mehr als 120 der rund 1.000 Vereinsmitglieder wirken in dem Musical mit. Monatelang haben sie sich auf die Aufführungen vorbereitet. Alle sind mit spürbarer Spielfreude dabei. Das überträgt sich auf die Menschen im Zuschauerraum. Sie klatschen mit, geben reichlich Beifall und einige erheben sich sogar von ihren Plätzen. Mareike Netzeband und Birgit Kaupmann ist es gelungen, die Akteure aus allen Altersgruppen unter einen Hut zu bekommen. Diese Zeitreise ist ein schöner Blick zurück, der die Lust auf die Zukunft des Vereins weckt.