Hille

In der Tüftlerstube: So lief die Premiere des Hiller Repair-Cafés

Carsten Korfesmeyer

Alexander Münchow (links) ist einer der Helfer im Repair-Café. Unter anderen widmet er sich einer defekten Kaffeemaschine. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Alexander Münchow (links) ist einer der Helfer im Repair-Café. Unter anderen widmet er sich einer defekten Kaffeemaschine. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Hille. Der Staubsauger aus den 1990er Jahren hatte nur einen leichten Wackelkontakt. Als sein Motor am Freitagnachmittag im Repair-Café aufheult, geht ein Raunen durch den Raum. Er läuft wieder. Minuten später dampft auch ein Bügeleisen, das aufgrund eines defekten Kabels nicht mehr lief. Das sind nur zwei von vielen kleinen Erfolgen in dieser Auftaktveranstaltung. Jeden dritten Freitag in einem Monat läuft der Tüftlertreff künftig in der Alten Brennerei. Kleinere defekte Geräte, beschädigte Kleidung oder kaputtes Spielzeug können im zum Reparieren gebracht werden. Kostenfrei.

Zur Premiere erscheinen mehr Menschen als erwartet. „Die kamen alle auf einmal“, sagt Heinz-Friedel Kuhlmann, der das Projekt des Seniorenbeirats organisiert. Nach dem großen Ansturm der ersten halben Stunde, legt sich das Gewusel. An den Tischen beschäftigen sich die Ehrenamtlichen mit den Geräten und Gegenständen. Einer von ihnen ist Reinhard Aurich, ein Kenner auf dem Gebiet der Radios. 60 Jahre hat das Röhrengerät auf dem Buckel, das aus irgendwelchen Gründen seit Jahren keinen Ton mehr von sich gibt. Gegenüber dem MT äußert sich der Fachmann zuversichtlich, den Fehler zu finden. „Bei solchen alten Geräten ist das schon kompliziert.“ Das Problem liege vor allem darin, nach der langen Zeit noch Ersatzteile zu finden.

Solche Sorgen hat Marie Meier an ihrer Nähmaschine nicht. Sie ist bei den Landfrauen aktiv, gelernte Näherin und inzwischen in Rente. Aus alter Bettwäsche macht die 69-Jährige eine Schürze. „Der Stoff ist zu schade, um ihn wegzuwerfen“, sagt sie. Vor allem Kleidung landet ihrer Ansicht nach zu schnell im Abfall. Dabei lassen sich Löcher in Hosen schnell stopfen oder Knöpfe wieder anbringen. Und mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz im Repair-Café verbindet sie ihren Beitrag zum Einsparen von Ressourcen. So sei es beispielsweise möglich, dort auch Hosen zu kürzen oder zu verlängern. Alles unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit. „Ja, wir tun hier auch etwas für den Klimaschutz.“

Es geht immer der Reihe nach und manche müssen etwas länger warten. Gisela und Heinz Baaske nehmen das gelassen. Sie haben einen alten Receiver ins Repair-Café mitgebracht, der ungefähr drei Jahrzehnte alt ist. „Damit habe ich im Garten immer Radio gehört“, sagt der 72-Jährige. Das Gerät ins Geschäft zu bringen, kommt für ihn nicht mehr infrage und die Experten in der Brennerei sind die letzte Hoffnung. „Wenn die Reparatur nicht klappt, kommt es in die Mülltonne.“

Etwa zehn Minuten später sind die Baaskes an der Reihe. Trotz intensiver Suche gelingt es den ehrenamtlichen im Repair-Café nicht, den Fehler zu finden. Das Ehepaar aus Dützen nimmt es gelassen. Es sei immerhin einen Versuch wert gewesen. Vorab mussten sie einen Schein unterschreiben, der das rechtliche regelt. Denn Schadensersatz ist ausgeschlossen, wenn die Reparatur nicht gelingen sollte. Außerdem müssen die Kunden die Ersatzteile selber besorgen und mitbringen.

Vieles wird in der Premiere des Hiller Repair-Cafés wieder in Schuss gebracht. Aber es gibt auch Momente des Scheiterns. Nachdem sich Reinhard Aurich fast eine Dreiviertelstunde mit dem Röhrenradio beschäftigt hat, steigt plötzlich Rauch aus dem Trafo aus. „Das war's leider“, sagt der Fachmann. Im Transformator habe es einen Kurzschluss gegeben. Das könne passieren und eine Reparatur sei zwar noch möglich, lohne sich allerdings nicht mehr.

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HilleIn der Tüftlerstube: So lief die Premiere des Hiller Repair-CafésCarsten KorfesmeyerHille. Der Staubsauger aus den 1990er Jahren hatte nur einen leichten Wackelkontakt. Als sein Motor am Freitagnachmittag im Repair-Café aufheult, geht ein Raunen durch den Raum. Er läuft wieder. Minuten später dampft auch ein Bügeleisen, das aufgrund eines defekten Kabels nicht mehr lief. Das sind nur zwei von vielen kleinen Erfolgen in dieser Auftaktveranstaltung. Jeden dritten Freitag in einem Monat läuft der Tüftlertreff künftig in der Alten Brennerei. Kleinere defekte Geräte, beschädigte Kleidung oder kaputtes Spielzeug können im zum Reparieren gebracht werden. Kostenfrei. Zur Premiere erscheinen mehr Menschen als erwartet. „Die kamen alle auf einmal“, sagt Heinz-Friedel Kuhlmann, der das Projekt des Seniorenbeirats organisiert. Nach dem großen Ansturm der ersten halben Stunde, legt sich das Gewusel. An den Tischen beschäftigen sich die Ehrenamtlichen mit den Geräten und Gegenständen. Einer von ihnen ist Reinhard Aurich, ein Kenner auf dem Gebiet der Radios. 60 Jahre hat das Röhrengerät auf dem Buckel, das aus irgendwelchen Gründen seit Jahren keinen Ton mehr von sich gibt. Gegenüber dem MT äußert sich der Fachmann zuversichtlich, den Fehler zu finden. „Bei solchen alten Geräten ist das schon kompliziert.“ Das Problem liege vor allem darin, nach der langen Zeit noch Ersatzteile zu finden. Solche Sorgen hat Marie Meier an ihrer Nähmaschine nicht. Sie ist bei den Landfrauen aktiv, gelernte Näherin und inzwischen in Rente. Aus alter Bettwäsche macht die 69-Jährige eine Schürze. „Der Stoff ist zu schade, um ihn wegzuwerfen“, sagt sie. Vor allem Kleidung landet ihrer Ansicht nach zu schnell im Abfall. Dabei lassen sich Löcher in Hosen schnell stopfen oder Knöpfe wieder anbringen. Und mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz im Repair-Café verbindet sie ihren Beitrag zum Einsparen von Ressourcen. So sei es beispielsweise möglich, dort auch Hosen zu kürzen oder zu verlängern. Alles unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit. „Ja, wir tun hier auch etwas für den Klimaschutz.“ Es geht immer der Reihe nach und manche müssen etwas länger warten. Gisela und Heinz Baaske nehmen das gelassen. Sie haben einen alten Receiver ins Repair-Café mitgebracht, der ungefähr drei Jahrzehnte alt ist. „Damit habe ich im Garten immer Radio gehört“, sagt der 72-Jährige. Das Gerät ins Geschäft zu bringen, kommt für ihn nicht mehr infrage und die Experten in der Brennerei sind die letzte Hoffnung. „Wenn die Reparatur nicht klappt, kommt es in die Mülltonne.“ Etwa zehn Minuten später sind die Baaskes an der Reihe. Trotz intensiver Suche gelingt es den ehrenamtlichen im Repair-Café nicht, den Fehler zu finden. Das Ehepaar aus Dützen nimmt es gelassen. Es sei immerhin einen Versuch wert gewesen. Vorab mussten sie einen Schein unterschreiben, der das rechtliche regelt. Denn Schadensersatz ist ausgeschlossen, wenn die Reparatur nicht gelingen sollte. Außerdem müssen die Kunden die Ersatzteile selber besorgen und mitbringen. Vieles wird in der Premiere des Hiller Repair-Cafés wieder in Schuss gebracht. Aber es gibt auch Momente des Scheiterns. Nachdem sich Reinhard Aurich fast eine Dreiviertelstunde mit dem Röhrenradio beschäftigt hat, steigt plötzlich Rauch aus dem Trafo aus. „Das war's leider“, sagt der Fachmann. Im Transformator habe es einen Kurzschluss gegeben. Das könne passieren und eine Reparatur sei zwar noch möglich, lohne sich allerdings nicht mehr.