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Hiller SPD-Chefin Ulrike Grannemann über Personalie Schweiß: "Wir sind gesprächsbereit"

Carsten Korfesmeyer

Ulrike Grannemann ist Chefin der Hiller SPD, die noch auf der Suche nach einem Bürgermeisterkandidaten ist. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Ulrike Grannemann ist Chefin der Hiller SPD, die noch auf der Suche nach einem Bürgermeisterkandidaten ist. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Hille. Bürgermeister Michael Schweiß ist SPD-Mitglied, tritt aber nicht als Kandidat seiner Partei zur Kommunalwahl an. Schicken die Genossen einen eigenen Bewerber ins Rennen, kandidieren zwei Sozialdemokraten um das Amt des Verwaltungschefs. Eine verfahrene Situation, in der Vorsitzende Ulrike Grannemann nach Auswegen sucht. Die Türen für den Amtsinhaber scheinen noch nicht ganz geschlossen.

Frau Grannemann, die SPD ist weiter auf Kandidatensuche für das Bürgermeisteramt. Wie weit sind Sie?

Wir haben aktuell einen Bewerber, mit dem wir auch schon konkret gesprochen haben. Noch ist die Frist für weitere mögliche Kandidaten aber nicht abgelaufen. Wir sind da sehr gelassen und gesprächsbereit.

Auch wenn Michael Schweiß anruft?

Selbstverständlich gilt das auch für den amtierenden Bürgermeister. Wenn er sich melden würde, setzen wir uns mit ihm zusammen und versuchen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Das Verhältnis ist aber doch ganz offensichtlich sehr gestört.

Das hat Gründe, die sehr weit in der Vergangenheit liegen. Und in der Partei gibt es natürlich auch unterschiedliche Strömungen. Unsere Tür ist trotzdem nicht zugeschlagen. Und ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass uns diese unbefriedigende Situation erspart bleibt.

Der Bürgermeister kandidiert aus dem Amt heraus. Das hat er bereits angekündigt. Er muss sich somit nicht der SPD-Basis stellen. Kann er dann trotzdem Ihr Bewerber sein?

Bei uns treffen die Delegierten die Entscheidung. Das geschieht auf der Wahlkreiskonferenz, die noch vor Ostern laufen wird. Dann steht fest, wer für die SPD ins Rennen geht. Ohne dieses Votum der Delegierten, die aus unseren Ortsvereinen kommen, geht es nicht.

Somit könnte die Hiller SPD einen Kandidaten gegen den amtierenden SPD-Bürgermeister aufstellen. Schon irgendwie seltsam, oder?

Die Situation ist verfahren. Da machen wir uns auch gar nichts vor. Ich glaube aber nicht, dass meine Partei es zulässt, dass zwei Mitglieder bei der Kommunalwahl gegeneinander antreten. So etwas ist auch nicht üblich. Wenn es trotzdem dazu kommen sollte, werden wir das selbstverständlich rechtlich ganz genau prüfen.

Möglicherweise mit Konsequenzen?

In vergleichbaren Fällen sind schon Mitglieder für so ein Verhalten ausgeschlossen worden.

Mir fällt auf, dass wenig miteinander geredet wird.

Das ist nicht richtig. Wir haben oft mit dem Bürgermeister gesprochen. Zuletzt am 27. Dezember und da hatte ich erwartet, dass er sich in der Frage zur Kandidatur klar positioniert. Stattdessen kam in dieser Hinsicht nichts und die Hinhalterei ging weiter.

Werfen Sie sich vor, dass Sie als SPD-Chefin vielleicht härter durchgreifen müssen?

Sowas ist nicht meine Art, um Politik zu machen. Ich gehe davon aus, dass man immer vernünftig und fair miteinander umgeht, um gemeinsam die bestmögliche Lösung zu erzielen. Politik lebt von Kompromissen. Da muss man auch mal in den sauren Apfel beißen.

Michael Schweiß betont die Überparteilichkeit des Amtes. Wäre Parteilosigkeit die beste Voraussetzung für das Bürgermeisteramt?

Überparteilich zu handeln hat meiner Ansicht nach nichts mit der Mitgliedschaft in einer Partei zu tun. Es kommt auf die menschlichen Aspekte an und darauf, beste Kompromisse im Sinne der Gemeinde zu erzielen. Es ist doch nicht so, dass die anderen Parteien dieses Ziel nicht auch verfolgen. Die wollen auch das Beste. Ein Bürgermeister muss über allem stehen und den Blick für ideale Kompromisse haben. Mit irgendwelchen Parteiinteressen hat sowas überhaupt nichts zu tun. Und ein Bürgermeister ist ja kein König, der allein entscheidet.

FWG und Grüne unterstützen den Bürgermeister, der in der SPD ist. Die CDU hat ihren Kandidaten bereits nominiert. Welche Chancen hätte Ihr Bewerber noch?

Das kann ich doch nicht vorhersehen. Aber diese Kommunalwahl wird auf jeden Fall spannend. Aber Wahlen sind immer spannend.

Werden Sie Ihren Hiller Anhängern denn einen von der SPD getragenen Bürgermeisterkandidaten anbieten können?

Ja, wir werden einen SPD-Kandidaten haben.

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