Finanzspritze fürs Spritzenhaus: Das ehrenamtliche Engagement des Heimatvereins Nordhemmern

Stefanie Dullweber

Hille-Nordhemmern. Es ist ein ungemütlicher und regnerischer Morgen in Nordhemmern. Wer kann, bleibt lieber zu Hause im Warmen. Doch auf das schlechte Wetter kann Brigitte Niemann keine Rücksicht nehmen. Zusammen mit einem Elektriker schaut sich die Vorsitzende des Heimatvereins das Dach des ehemaligen Spritzenhauses an. Ob es sich für eine Photovoltaikanlage eignet? Der Elektriker verspricht, in den nächsten Tagen ein Angebot zu schicken. Diesen Punkt kann Brigitte Niemann für heute auf ihrer Liste abhaken. Jetzt schaut sie noch im Inneren des Gebäudes nach dem Rechten.

Das alte Gebäude liegt zentral im Ort mit Blick auf die Kirche. Hier könnte künftig auch Kirchkaffee stattfinden. MT-Fotos: Stefanie Dullweber
Das alte Gebäude liegt zentral im Ort mit Blick auf die Kirche. Hier könnte künftig auch Kirchkaffee stattfinden. MT-Fotos: Stefanie Dullweber

Viele Stunden haben die Mitglieder des Heimatvereins Nordhemmern hier in den vergangenen Wochen und Monaten verbracht, seitdem sie sich Anfang 2017 dazu entschlossen hatten, das ehemalige Spritzenhaus vor dem Verfall zu retten und von Grund auf zu sanieren. „Es wäre einfach zu schade gewesen, das Gebäude weiter verkommen zu lassen. Irgendwann hätte man es nur noch abreißen können“, sagt Brigitte Niemann und freut sich über die vielen Helfer, die seit drei Jahren dafür sorgen, dass der Traum von einem neuen Dorftreffpunkt Wirklichkeit wird.

In dem künftigen Versammlungsraum erinnert nur noch der rote Steinfußboden an das ehemalige Spritzenhaus.
In dem künftigen Versammlungsraum erinnert nur noch der rote Steinfußboden an das ehemalige Spritzenhaus.

Zur Vorgeschichte: Bereits im Jahr 2000 hatte die Gemeinde Hille als Eigentümerin das etwa hundert Jahre alte Gerätehaus mit Nebengebäude An der Kapelle 13a dem Heimatverein zur Nutzung – inklusive aller Betriebskosten – überlassen. Als der Verein 2016 einen neuen Vorstand gewählt hatte, holten sie die alten Pläne wieder aus der Schublade. Nachdem anschließend die Gemeinde, das Bau- und Planungsamt des Kreises Minden-Lübbecke und schließlich der Rat ihr Okay für die geplante Renovierung gegeben hatten, starteten die Arbeiten.

Mittlerweile ist das Innere des Gebäudes kaum wiederzuerkennen. In dem künftigen Versammlungsraum erinnert nur noch der rote Steinfußboden an das ehemalige Spritzenhaus. „Früher standen in diesem Raum eine Handdruckspritze und ein Leichenwagen“, erzählt Brigitte Niemann. Außerdem hätten viele Nordhemmeraner hier ihr Fleisch in riesigen Truhen gekühlt. „Nach dem Schlachten mussten die Bauern ihr Fleisch irgendwo lagern und nicht jeder Haushalt hatte ausreichend Kühlmöglichkeiten.“ Doch das ist Geschichte. Zunächst haben die Ehrenamtlichen das Nebengebäude teilweise entkernt und die Schuttberge abgefahren. Des Weiteren wurden die Bodenplatte gegossen, die Wasserleitungen zu den künftigen sanitären Einrichtungen angebracht und die Decke im Anbau gedämmt. Dort, wo seinerzeit große Rolltore angebracht waren, haben Handwerker neue Fenster eingesetzt. Erst kürzlich haben die Wände einen neuen Anstrich bekommen. Die Toiletten sind gefliest, nur die Installationen fehlen noch. Für die Küche und das noch fehlende Mobiliar liegen Angebote vor.

Konnte der Heimatverein alle bisherigen Arbeiten in Eigenleistung, mit Spendengeldern oder Unterstützung ortsansässiger Firmen realisieren, gehen den Verantwortlichen auf der Zielgerade die finanziellen Mittel aus. Die noch benötigten rund 7.000 Euro für die Inneneinrichtung hat Brigitte Niemann bei der Gemeinde Hille beantragt. Mit einem Schreiben hatte sie sich an Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) gewandt und ihr Anliegen geschildert. Darin nennt sie auch die Ziele, die der Heimatverein mit dem sanierten Gebäude verfolgt. Es soll ein Treffpunkt für die Dorfbevölkerung sein, hier soll ein Raum für Archivmaterialien entstehen, der Verein will hier über die Dorfgeschichte informieren und es dient zur Wahrung des örtlichen Kulturgutes.

Ob der Heimatverein mit einer Finanzspritze rechnen kann, steht derzeit noch nicht fest. Der Antrag wurde in der vergangenen Woche im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport vorgestellt. Die Gemeindeverwaltung schreibt dazu, dass sie dem ehrenamtlichen Engagement örtlicher Vereine durchweg positiv gegenübersteht. In zurückliegenden Jahren habe die Gemeinde derartige Vereinsprojekte mit Kostenzuschüssen unterstützt. Ob es den Zuschuss geben wird, darüber soll im Zuge der Haushaltsberatungen für das Jahr 2020 entschieden werden. Unabhängig vom Ausgang dieser Beratungen reicht der Heimatverein sein Projekt für den Heimatpreis Minden-Lübbecke 2020 ein. Die Bewerbungsunterlagen sind bereits auf dem Postweg. Wer einen Blick in das restaurierte Spritzenhaus werfen möchte, hat dazu am Sonntag, 23. Februar, die Gelegenheit. Dann findet in Nordhemmern ein Schnatgang statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr der Hof der Familie Reimler, An der Kapelle 25.

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Finanzspritze fürs Spritzenhaus: Das ehrenamtliche Engagement des Heimatvereins NordhemmernStefanie DullweberHille-Nordhemmern. Es ist ein ungemütlicher und regnerischer Morgen in Nordhemmern. Wer kann, bleibt lieber zu Hause im Warmen. Doch auf das schlechte Wetter kann Brigitte Niemann keine Rücksicht nehmen. Zusammen mit einem Elektriker schaut sich die Vorsitzende des Heimatvereins das Dach des ehemaligen Spritzenhauses an. Ob es sich für eine Photovoltaikanlage eignet? Der Elektriker verspricht, in den nächsten Tagen ein Angebot zu schicken. Diesen Punkt kann Brigitte Niemann für heute auf ihrer Liste abhaken. Jetzt schaut sie noch im Inneren des Gebäudes nach dem Rechten. Viele Stunden haben die Mitglieder des Heimatvereins Nordhemmern hier in den vergangenen Wochen und Monaten verbracht, seitdem sie sich Anfang 2017 dazu entschlossen hatten, das ehemalige Spritzenhaus vor dem Verfall zu retten und von Grund auf zu sanieren. „Es wäre einfach zu schade gewesen, das Gebäude weiter verkommen zu lassen. Irgendwann hätte man es nur noch abreißen können“, sagt Brigitte Niemann und freut sich über die vielen Helfer, die seit drei Jahren dafür sorgen, dass der Traum von einem neuen Dorftreffpunkt Wirklichkeit wird. Zur Vorgeschichte: Bereits im Jahr 2000 hatte die Gemeinde Hille als Eigentümerin das etwa hundert Jahre alte Gerätehaus mit Nebengebäude An der Kapelle 13a dem Heimatverein zur Nutzung – inklusive aller Betriebskosten – überlassen. Als der Verein 2016 einen neuen Vorstand gewählt hatte, holten sie die alten Pläne wieder aus der Schublade. Nachdem anschließend die Gemeinde, das Bau- und Planungsamt des Kreises Minden-Lübbecke und schließlich der Rat ihr Okay für die geplante Renovierung gegeben hatten, starteten die Arbeiten. Mittlerweile ist das Innere des Gebäudes kaum wiederzuerkennen. In dem künftigen Versammlungsraum erinnert nur noch der rote Steinfußboden an das ehemalige Spritzenhaus. „Früher standen in diesem Raum eine Handdruckspritze und ein Leichenwagen“, erzählt Brigitte Niemann. Außerdem hätten viele Nordhemmeraner hier ihr Fleisch in riesigen Truhen gekühlt. „Nach dem Schlachten mussten die Bauern ihr Fleisch irgendwo lagern und nicht jeder Haushalt hatte ausreichend Kühlmöglichkeiten.“ Doch das ist Geschichte. Zunächst haben die Ehrenamtlichen das Nebengebäude teilweise entkernt und die Schuttberge abgefahren. Des Weiteren wurden die Bodenplatte gegossen, die Wasserleitungen zu den künftigen sanitären Einrichtungen angebracht und die Decke im Anbau gedämmt. Dort, wo seinerzeit große Rolltore angebracht waren, haben Handwerker neue Fenster eingesetzt. Erst kürzlich haben die Wände einen neuen Anstrich bekommen. Die Toiletten sind gefliest, nur die Installationen fehlen noch. Für die Küche und das noch fehlende Mobiliar liegen Angebote vor. Konnte der Heimatverein alle bisherigen Arbeiten in Eigenleistung, mit Spendengeldern oder Unterstützung ortsansässiger Firmen realisieren, gehen den Verantwortlichen auf der Zielgerade die finanziellen Mittel aus. Die noch benötigten rund 7.000 Euro für die Inneneinrichtung hat Brigitte Niemann bei der Gemeinde Hille beantragt. Mit einem Schreiben hatte sie sich an Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) gewandt und ihr Anliegen geschildert. Darin nennt sie auch die Ziele, die der Heimatverein mit dem sanierten Gebäude verfolgt. Es soll ein Treffpunkt für die Dorfbevölkerung sein, hier soll ein Raum für Archivmaterialien entstehen, der Verein will hier über die Dorfgeschichte informieren und es dient zur Wahrung des örtlichen Kulturgutes. Ob der Heimatverein mit einer Finanzspritze rechnen kann, steht derzeit noch nicht fest. Der Antrag wurde in der vergangenen Woche im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport vorgestellt. Die Gemeindeverwaltung schreibt dazu, dass sie dem ehrenamtlichen Engagement örtlicher Vereine durchweg positiv gegenübersteht. In zurückliegenden Jahren habe die Gemeinde derartige Vereinsprojekte mit Kostenzuschüssen unterstützt. Ob es den Zuschuss geben wird, darüber soll im Zuge der Haushaltsberatungen für das Jahr 2020 entschieden werden. Unabhängig vom Ausgang dieser Beratungen reicht der Heimatverein sein Projekt für den Heimatpreis Minden-Lübbecke 2020 ein. Die Bewerbungsunterlagen sind bereits auf dem Postweg. Wer einen Blick in das restaurierte Spritzenhaus werfen möchte, hat dazu am Sonntag, 23. Februar, die Gelegenheit. Dann findet in Nordhemmern ein Schnatgang statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr der Hof der Familie Reimler, An der Kapelle 25.