Emotionaler Einsatz am Bergsee: Feuerwehrleute arbeiten das Erlebte gemeinsam auf

Stefanie Dullweber und Jan Henning Rogge

Mit einem Traktor konnte der Anhänger der Hiller Feuerwehr bis zum Bergsee im Wiehengebirge gezogen werden. Nur so konnte der Leichnam nach der Bergung den Berg hinuntergebracht werden. MT-Fotos: Jan Henning Rogge
Mit einem Traktor konnte der Anhänger der Hiller Feuerwehr bis zum Bergsee im Wiehengebirge gezogen werden. Nur so konnte der Leichnam nach der Bergung den Berg hinuntergebracht werden. MT-Fotos: Jan Henning Rogge

Hille-Oberlübbe. Betreten stehen die Einsatzkräfte am Seeufer. Um sie herum bricht der Frühling los, die Vögel zwitschern – doch hier unten im Schatten des Berges ist es kühl. Leise unterhalten sie sich, während sie auf den Bestatter warten. Zuvor haben sie den Leichnam ans Ufer gezogen, nun steht der schwierige Abtransport bevor. Bei dem Versuch, näher an die Unglücksstelle zu kommen, hat sich der Leichenwagen bereits einmal festgefahren. Mithilfe eines Traktors gelingt es, ihn wieder flott zu bekommen. Nur mit dem Traktor ist es überhaupt möglich, nahe an das Seeufer heranzufahren. In einem Anhänger der Feuerwehr wird der Leichnam schließlich den Berg herab transportiert.

Am ersten Februarwochenende war die Suche nach einem vermissten Oberlübber zunächst eingestellt worden. Zuvor war der See mit Leichenspürhunden, mit Tauchern und mit Drohnen mehrfach abgesucht worden – ohne Ergebnis. Den letzten Hinweis auf einen möglichen Körper unter Wasser hatte es am Nachmittag des 1. Februar gegeben. Feuerwehrleute der Tauchgruppe aus Petershagen fanden jedoch nur Äste, die auf dem Sonar wie ein Körper ausgesehen hatten. Das zuständige Kriminalkommissariat aus Minden entschied daraufhin, dass es weiterhin Sichtkontrollen am Bergsee geben werde, aber keine aufwendigen Einsätze.

Ein Mountainbiker hatte am Samstagmittag am Bergsee einen an der Oberfläche treibenden Körper entdeckt und die Polizei informiert.
Ein Mountainbiker hatte am Samstagmittag am Bergsee einen an der Oberfläche treibenden Körper entdeckt und die Polizei informiert.

Nach bangen viereinhalb Wochen wartet die Familie des Vermissten jetzt auf das Ergebnis einer DNA-Analyse, die Aufschluss über die Identität des Toten geben soll. Wie die Polizei am Sonntag auf Nachfrage erklärte, gebe es aktuell noch kein Ergebnis. Alles deutet jedoch darauf hin, dass es sich bei dem Vermissten um den 74-jährigen Oberlübber handelt, der am Nachmittag des 16. Januar von einem Spaziergang im Wiehengebirge nicht mehr zurückgekehrt war. Zwei Tage später fanden die Einsatzkräfte bei der Suche den Wanderstiefel des Mannes im See und Abrutschspuren in 25 Metern Höhe. Die am Samstag geborgene Leiche soll laut MT-Informationen nur noch einen Schuh getragen haben. Auch die grauen Haare und die Winterjacke deuten darauf hin, dass es sich um den Gesuchten handelt. Ein Mountainbiker war am Mittag auf den an der Oberfläche treibenden Körper aufmerksam geworden und hatte die Polizei informiert.

Auch hinter den Feuerwehrleuten aus Hille liegen physisch und psychisch anstrengende Wochen. Bei den Suchmaßnahmen war fast immer eine Abordnung vor Ort, weil die Löschgruppe Hille über ein Schlauchboot verfügt, mit dem der See mehrfach abgesucht wurde. Am Samstag kam das Boot erneut zum Einsatz – um den Leichnam zu bergen. „Die Löschgruppe Hille wurde um 14.15 Uhr wegen eines möglichen Leichenfundes alarmiert“, sagte Feuerwehr-Pressesprecher Luis Rothe. Zehn Einsatzkräfte unter der Leitung von Sven Bredebusch rückten daraufhin aus und bargen den Körper an einer Stelle im See, wo weder die Spürhunde angeschlagen noch die Taucher bisher gesucht hatten.

„Wir wussten im Vorfeld, dass diese Alarmierung eines Tages kommen kann. Wir haben auch darüber gesprochen, wer von uns für eine Leichenbergung zur Verfügung steht“, erklärte Luis Rothe. Glücklicherweise würden sie nicht häufig zu solchen Lagen gerufen. „Du solltest schon gefestigt sein, um in einen solchen Einsatz gehen zu können.“ Es gebe keine Schulungen, die die Feuerwehrleute auf so einen Fall vorbereiten.

„Wir haben die Möglichkeit, nach schwierigen Einsätzen einen Seelsorger hinzuzuziehen“, so Rothe weiter. Dieses Angebot hätten die Hiller jedoch am Samstag nicht in Anspruch genommen. Allerdings setzten sie sich nach der Rückkehr aus Oberlübbe zu einer Nachbesprechung zusammen, um das Erlebte gemeinsam aufzuarbeiten. Rothe: „Es ist gut, dass auch wir jetzt alle damit abschließen können.“

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Emotionaler Einsatz am Bergsee: Feuerwehrleute arbeiten das Erlebte gemeinsam aufStefanie Dullweber,Jan Henning RoggeHille-Oberlübbe. Betreten stehen die Einsatzkräfte am Seeufer. Um sie herum bricht der Frühling los, die Vögel zwitschern – doch hier unten im Schatten des Berges ist es kühl. Leise unterhalten sie sich, während sie auf den Bestatter warten. Zuvor haben sie den Leichnam ans Ufer gezogen, nun steht der schwierige Abtransport bevor. Bei dem Versuch, näher an die Unglücksstelle zu kommen, hat sich der Leichenwagen bereits einmal festgefahren. Mithilfe eines Traktors gelingt es, ihn wieder flott zu bekommen. Nur mit dem Traktor ist es überhaupt möglich, nahe an das Seeufer heranzufahren. In einem Anhänger der Feuerwehr wird der Leichnam schließlich den Berg herab transportiert. Am ersten Februarwochenende war die Suche nach einem vermissten Oberlübber zunächst eingestellt worden. Zuvor war der See mit Leichenspürhunden, mit Tauchern und mit Drohnen mehrfach abgesucht worden – ohne Ergebnis. Den letzten Hinweis auf einen möglichen Körper unter Wasser hatte es am Nachmittag des 1. Februar gegeben. Feuerwehrleute der Tauchgruppe aus Petershagen fanden jedoch nur Äste, die auf dem Sonar wie ein Körper ausgesehen hatten. Das zuständige Kriminalkommissariat aus Minden entschied daraufhin, dass es weiterhin Sichtkontrollen am Bergsee geben werde, aber keine aufwendigen Einsätze. Nach bangen viereinhalb Wochen wartet die Familie des Vermissten jetzt auf das Ergebnis einer DNA-Analyse, die Aufschluss über die Identität des Toten geben soll. Wie die Polizei am Sonntag auf Nachfrage erklärte, gebe es aktuell noch kein Ergebnis. Alles deutet jedoch darauf hin, dass es sich bei dem Vermissten um den 74-jährigen Oberlübber handelt, der am Nachmittag des 16. Januar von einem Spaziergang im Wiehengebirge nicht mehr zurückgekehrt war. Zwei Tage später fanden die Einsatzkräfte bei der Suche den Wanderstiefel des Mannes im See und Abrutschspuren in 25 Metern Höhe. Die am Samstag geborgene Leiche soll laut MT-Informationen nur noch einen Schuh getragen haben. Auch die grauen Haare und die Winterjacke deuten darauf hin, dass es sich um den Gesuchten handelt. Ein Mountainbiker war am Mittag auf den an der Oberfläche treibenden Körper aufmerksam geworden und hatte die Polizei informiert. Auch hinter den Feuerwehrleuten aus Hille liegen physisch und psychisch anstrengende Wochen. Bei den Suchmaßnahmen war fast immer eine Abordnung vor Ort, weil die Löschgruppe Hille über ein Schlauchboot verfügt, mit dem der See mehrfach abgesucht wurde. Am Samstag kam das Boot erneut zum Einsatz – um den Leichnam zu bergen. „Die Löschgruppe Hille wurde um 14.15 Uhr wegen eines möglichen Leichenfundes alarmiert“, sagte Feuerwehr-Pressesprecher Luis Rothe. Zehn Einsatzkräfte unter der Leitung von Sven Bredebusch rückten daraufhin aus und bargen den Körper an einer Stelle im See, wo weder die Spürhunde angeschlagen noch die Taucher bisher gesucht hatten. „Wir wussten im Vorfeld, dass diese Alarmierung eines Tages kommen kann. Wir haben auch darüber gesprochen, wer von uns für eine Leichenbergung zur Verfügung steht“, erklärte Luis Rothe. Glücklicherweise würden sie nicht häufig zu solchen Lagen gerufen. „Du solltest schon gefestigt sein, um in einen solchen Einsatz gehen zu können.“ Es gebe keine Schulungen, die die Feuerwehrleute auf so einen Fall vorbereiten. „Wir haben die Möglichkeit, nach schwierigen Einsätzen einen Seelsorger hinzuzuziehen“, so Rothe weiter. Dieses Angebot hätten die Hiller jedoch am Samstag nicht in Anspruch genommen. Allerdings setzten sie sich nach der Rückkehr aus Oberlübbe zu einer Nachbesprechung zusammen, um das Erlebte gemeinsam aufzuarbeiten. Rothe: „Es ist gut, dass auch wir jetzt alle damit abschließen können.“