Das Risiko surft mit: Verbundschüler lernen Überraschendes über Daten im Internet Carsten Korfesmeyer Hille. Im Video bestellt ein Anrufer eine Pizza bei einem Bringdienst. Dort ist alles über den Mann bekannt – Wohnort, Arbeitgeber, Kontostand, Gesundheitszustand und sogar sein aktueller Aufenthaltsort. „Müssen die das wissen, wenn jemand ein Essen möchte?", fragt Datenschutzberater Sebastian Tausch seine jungen Zuhörer aus der fünften Jahrgangsstufe. Die meisten der rund 40 Verbundschüler schütteln sofort mit dem Kopf. Ein Junge ruft ins Klassenzimmer, dass er die Situation für unrealistisch hält. Stimmt das? Der Mann, der den Kindern den kurzen Film zeigte, hält ihn tatsächlich für ein wenig überspitzt. Doch die technischen Möglichkeiten, andere Menschen komplett zu durchleuchten, gibt es tatsächlich. „Und wer alles über jemanden weiß, hat Macht über ihn", sagt Sebastian Tausch. Im Namen der „Initiative vom Berufsverband der Datenschutzbeauftragten" ist er ehrenamtlich an die Verbundschule gekommen. Der Datenschutzberater will die Kinder über die Tücken im Netz informieren, sie für den Datenschutz sensibilisieren und ihnen klar machen, dass es im Netz wie im analogen Alltag schwarze Schafe gibt. „Die eure Daten missbrauchen." Altersgerecht geht der Hiller auf die Schüler ein und und gibt Beispiele dafür, was bei einem allzu sorglosen Umgang mit Informationen passieren kann. Sebastian Tausch spricht über das junge Mädchen, das seiner Freundin ein großes Geheimnis anvertraut. Die stellt dieses in die sozialen Netzwerke, wo es sich rasend schnell verbreitet. „Wisst Ihr eigentlich, wer alles mitliest, wenn Ihr etwas postet?", fragt der Experte in die Runde. Die Blicke der Kinder lassen erkennen, dass ihnen das durchaus bewusst ist. Die schlimmen Konsequenzen für die Betroffene – wie Hänseleien oder Hasskommentare – scheinen ihnen jedoch jetzt bewusster zu sein. Überhaupt sind die Fünftklässler an dem Thema erkennbar interessiert. Der überwiegende Teil von ihnen ist selbst schon im Besitz eines Smartphones, was Sebastian Tausch für eine normale gesellschaftliche Entwicklung hält. „Kinder sollten möglichst früh mit den sozialen Medien vertraut gemacht werden", sagt er am Dienstagnachmittag gegenüber dem MT. Dabei spiele selbstverständlich die persönliche Reife eine Rolle, wann Eltern das Surfen erlauben sollten. Grundsätzlich hält der Datenschutzberater aber nichts von Verboten. Das führe nur dazu, dass die Kinder und Jugendlichen ihren Zugang ins Netz auf andere Weise suchen. „Und dann haben die Erwachsenen gar keine Kontrolle mehr darüber." Ganz ohne die Freigabe persönlicher Daten geht es im Leben aber auch nicht, erklärt Sebastian Tausch. „Aber welche Informationen sind für andere wichtig?", fragt er. Und was müssen diese Stellen über einen wissen? Die Verbundschüler zeigen sich erneut gut informiert. Ihnen ist unter anderem bewusst, dass die Schule über Wohnort, Geburtsdatum, Geburtsort oder die Namen der Eltern Bescheid wissen muss. Als Pflichtinfos bezeichnet das der Experte, der auf das überleitet, was auf freiwilliger Basis an Daten bekannt gemacht wird. Das sei beispielsweise alles, was im Netz über Vorlieben oder Interessen erzählt wird. „Ihr müsst wissen, dass Ihr im Internet immer Spuren hinterlasst." Daraus würden Unternehmen ein Nutzerverhalten ableiten, was über die Personen einiges aussagt. Gezielt erhalten diese Menschen dann entsprechende Werbung. Mit der Resonanz auf seinen Besuch ist Tausch rundum zufrieden. Spaß habe es gemacht, erzählt er und die Kinder haben wohl einiges an Informationen mitgenommen. Am Dienstagabend sind die Eltern dran. Online? Ja und möglichst früh! Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer Kinder mit einem eigenen Smartphone? Ja, das ist okay und passt in die Welt. Denn das Internet gehört zu ihrem Alltag – genau wie der tägliche Schulweg, Klassenarbeiten oder Hausaufgaben. Und das gekonnte Surfen im Netz ist ebenso wichtig wie sicheres Fahrradfahren. Stellen sich die Eltern quer und verbieten Smartphones, Tablets und Co., erweisen sie ihren Kindern ungewollt einen Bärendienst. Der Medienkonsum im Netz hat seine Tücken. Und das Risiko, dass persönliche Daten in die Hände von Unbefugten gelangen, ist allgegenwärtig. Nur wird die Internetwelt nicht besser, wenn man sich ihr so lange wie möglich verweigert. Irgendwann müssen die Kinder auf die Datenautobahn aufspringen – und dann ist es wichtig, dass sie darauf optimal vorbereitet sind. Ihnen möglichst früh bewusst zu machen, welche Fallen das Netz stellen kann oder was eine Äußerung bei Facebook auszulösen vermag, ist ganz entscheidend auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Die Welt ist nicht nur gut. Leider. Kinder müssen das wissen.

Das Risiko surft mit: Verbundschüler lernen Überraschendes über Daten im Internet

Schon früh kommen Kinder inzwischen mit den sozialen Medien in Kontakt. Wie sie sich in der multimedialen Welt verhalten sollen, haben Verbundschüler am Dienstag von einen Datenschutzberater erfahren. © Foto: Nadine Doerlé/Pixabay

Hille. Im Video bestellt ein Anrufer eine Pizza bei einem Bringdienst. Dort ist alles über den Mann bekannt – Wohnort, Arbeitgeber, Kontostand, Gesundheitszustand und sogar sein aktueller Aufenthaltsort. „Müssen die das wissen, wenn jemand ein Essen möchte?", fragt Datenschutzberater Sebastian Tausch seine jungen Zuhörer aus der fünften Jahrgangsstufe. Die meisten der rund 40 Verbundschüler schütteln sofort mit dem Kopf. Ein Junge ruft ins Klassenzimmer, dass er die Situation für unrealistisch hält. Stimmt das?

Der Mann, der den Kindern den kurzen Film zeigte, hält ihn tatsächlich für ein wenig überspitzt. Doch die technischen Möglichkeiten, andere Menschen komplett zu durchleuchten, gibt es tatsächlich. „Und wer alles über jemanden weiß, hat Macht über ihn", sagt Sebastian Tausch. Im Namen der „Initiative vom Berufsverband der Datenschutzbeauftragten" ist er ehrenamtlich an die Verbundschule gekommen. Der Datenschutzberater will die Kinder über die Tücken im Netz informieren, sie für den Datenschutz sensibilisieren und ihnen klar machen, dass es im Netz wie im analogen Alltag schwarze Schafe gibt. „Die eure Daten missbrauchen."

Altersgerecht geht der Hiller auf die Schüler ein und und gibt Beispiele dafür, was bei einem allzu sorglosen Umgang mit Informationen passieren kann. Sebastian Tausch spricht über das junge Mädchen, das seiner Freundin ein großes Geheimnis anvertraut. Die stellt dieses in die sozialen Netzwerke, wo es sich rasend schnell verbreitet. „Wisst Ihr eigentlich, wer alles mitliest, wenn Ihr etwas postet?", fragt der Experte in die Runde. Die Blicke der Kinder lassen erkennen, dass ihnen das durchaus bewusst ist. Die schlimmen Konsequenzen für die Betroffene – wie Hänseleien oder Hasskommentare – scheinen ihnen jedoch jetzt bewusster zu sein.

Überhaupt sind die Fünftklässler an dem Thema erkennbar interessiert. Der überwiegende Teil von ihnen ist selbst schon im Besitz eines Smartphones, was Sebastian Tausch für eine normale gesellschaftliche Entwicklung hält. „Kinder sollten möglichst früh mit den sozialen Medien vertraut gemacht werden", sagt er am Dienstagnachmittag gegenüber dem MT. Dabei spiele selbstverständlich die persönliche Reife eine Rolle, wann Eltern das Surfen erlauben sollten. Grundsätzlich hält der Datenschutzberater aber nichts von Verboten. Das führe nur dazu, dass die Kinder und Jugendlichen ihren Zugang ins Netz auf andere Weise suchen. „Und dann haben die Erwachsenen gar keine Kontrolle mehr darüber."

Ganz ohne die Freigabe persönlicher Daten geht es im Leben aber auch nicht, erklärt Sebastian Tausch. „Aber welche Informationen sind für andere wichtig?", fragt er. Und was müssen diese Stellen über einen wissen? Die Verbundschüler zeigen sich erneut gut informiert. Ihnen ist unter anderem bewusst, dass die Schule über Wohnort, Geburtsdatum, Geburtsort oder die Namen der Eltern Bescheid wissen muss. Als Pflichtinfos bezeichnet das der Experte, der auf das überleitet, was auf freiwilliger Basis an Daten bekannt gemacht wird. Das sei beispielsweise alles, was im Netz über Vorlieben oder Interessen erzählt wird. „Ihr müsst wissen, dass Ihr im Internet immer Spuren hinterlasst." Daraus würden Unternehmen ein Nutzerverhalten ableiten, was über die Personen einiges aussagt. Gezielt erhalten diese Menschen dann entsprechende Werbung.

Mit der Resonanz auf seinen Besuch ist Tausch rundum zufrieden. Spaß habe es gemacht, erzählt er und die Kinder haben wohl einiges an Informationen mitgenommen. Am Dienstagabend sind die Eltern dran.

Online? Ja und möglichst früh!

Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer

Kinder mit einem eigenen Smartphone? Ja, das ist okay und passt in die Welt. Denn das Internet gehört zu ihrem Alltag – genau wie der tägliche Schulweg, Klassenarbeiten oder Hausaufgaben. Und das gekonnte Surfen im Netz ist ebenso wichtig wie sicheres Fahrradfahren.

Stellen sich die Eltern quer und verbieten Smartphones, Tablets und Co., erweisen sie ihren Kindern ungewollt einen Bärendienst. Der Medienkonsum im Netz hat seine Tücken. Und das Risiko, dass persönliche Daten in die Hände von Unbefugten gelangen, ist allgegenwärtig. Nur wird die Internetwelt nicht besser, wenn man sich ihr so lange wie möglich verweigert.

Irgendwann müssen die Kinder auf die Datenautobahn aufspringen – und dann ist es wichtig, dass sie darauf optimal vorbereitet sind. Ihnen möglichst früh bewusst zu machen, welche Fallen das Netz stellen kann oder was eine Äußerung bei Facebook auszulösen vermag, ist ganz entscheidend auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Die Welt ist nicht nur gut. Leider. Kinder müssen das wissen.

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