Eine letzte Fahrt: 120 Teilnehmer bei Gedenkfahrt für verstorbenen Biker in Rothenuffeln

Thomas Lieske und Julika Bergermann

Auf Kanzlers Weide versammelten sich die Teilnehmer der Sternfahrt am Freitagabend. - © Foto: Emperor-Crew
Auf Kanzlers Weide versammelten sich die Teilnehmer der Sternfahrt am Freitagabend. (© Foto: Emperor-Crew)

Hille-Rothenuffeln. Es war eine traurige Nachricht, die zu Beginn der Woche die Redaktion erreichte: Bei einem Verkehrsunfall auf der Lübbecker Straße war am Wochenende ein 19-jähriger Motorradfahrer aus Rothenuffeln schwer verletzt worden, er starb nur wenig später am Unglücksort. Als Max Braun von der Tragödie erfährt, ist er geschockt. Der 22-Jährige kannte den Verstorbenen vom Sehen, vor allem aber teilten die beiden eine Leidenschaft: Motorräder, Fahrzeuge und alles, was dazu gehört.

„Es gibt sicher viele, die ihn besser kannten als ich“, sagt Braun. „Aber trotzdem war er einer von uns.“ Uns, damit meint der Haddenhauser die Mindener Tuning-Szene. Und diese Gruppe hat sich etwas Besonderes einfallen lassen, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen: eine Gedenkfahrt zu der Tankstelle in Rothenuffeln, vor der es zu dem tödlichen Unfall kam. Die Idee stammt von Braun und seiner Tuning-Gruppe, der „Emperor Crew“.

Sternfahrt für verstorbenen Biker (Plus-Inhalt)

Im MT-Vorabgespräch erzählt Braun als Sprecher der Gruppe von dem Zuspruch, den die gemeinsame Idee in kürzester Zeit erhält. Um die 150 Menschen hätten schnell ihr Interesse bekundet. Das liege zum einen daran, dass der Verstorbene viele Freunde gehabt habe. „Es wollen aber auch viele kommen, die ihn nicht kannten“, sagt Braun. „Die Szene ist wie eine große Familie.“

In einer Sternfahrt begaben sich die rund 150 Teilnehmer nach Rothenuffeln. - © Foto: Christian Bendig
In einer Sternfahrt begaben sich die rund 150 Teilnehmer nach Rothenuffeln. (© Foto: Christian Bendig)

Und auch die leibliche Familie des Verstorbenen sei gerührt. Darüber ist Braun besonders froh. Die Eltern wüssten noch nicht, ob sie teilnehmen werden, doch die Großeltern hätten bereits zugesagt.

Für Max Braun und seine Freunde ist die Rolle des Organisators ungewohnt. „Wie sind richtig nervös, weil sich die Idee so herumgesprochen hat“, sagt er. „Vor so vielen Leuten habe ich noch nie gesprochen.“

Ihnen allen ist wichtig, dass die Gedenkfahrt ruhig abläuft. „Wir sind keine Rowdys, die immer nur rasen,“ erklärt er. Die Teilnehmer müssten sich an die Verkehrsregeln halten. Außerdem finde die Fahrt extra am späten Abend statt, um den Verkehr nicht zu behindern.

Am Freitagabend gegen 21.45 Uhr ist es dann so weit: Rund 150 Teilnehmer versammeln sich auf Kanzlers Weide – mit Mindener, Herforder, Bielefelder und Nienburger Kennzeichen. Darunter auch 20 Motorradfahrer. Max Braun und die Mitstreiter sind noch immer sichtlich beeindruckt von der Gedenkaktion. „Das war sowas von rührend“, sagt Braun. „Einfach der Wahnsinn. Alle seien vernünftig und langsam gefahren, „es gab keine wilden Fahrten“. Alle hätten verstanden, dass es um eine Trauerfahrt gehe – und nicht um ein Tuning-Treffen. Beeindruckt habe ihn die lange Schlange an Fahrzeugen – gefühlt kilometerlang.

Besonders rührend sei es in Rothenuffeln auf einer Wiese gegenüber des Unfallortes geworden. „Wir haben uns in einem Halbmond versammelt. Und jeder, der wollte, hat ein paar persönliche Worte gesprochen“, erzählt Max Braun. Auch die Eltern des Verunglückten seien noch dazugekommen. „Die Mutter hat sich für die tolle Aktion bedankt und war ergriffen, dass so viele Freunde gekommen waren.“

Mit einer Gedenkminute haben sich die Freunde dann alle zusammen von ihrem Verstorbenen Kumpel und Bekannten verabschiedet. Einige hatten Blumen dabei, andere tröstende Worte und ganz viele Kerzen. „Und von allen wurden wir unterstützt“, freut sich Braun. Sowohl der Tankstellenbesitzer als auch die Ladeninhaber des Brautmodengeschäfts hätten ihre Stellflächen zur Verfügung gestellt.

Die Tuner hoffen, dem Verstorbenen mit ihrer Aktion ein besonderes Geschenk bereitet zu haben. Auf ihrer Instagramseite „emperor_crew“ wollen sie dieses Andenken bewahren, sagt Braun.

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Eine letzte Fahrt: 120 Teilnehmer bei Gedenkfahrt für verstorbenen Biker in RothenuffelnJulika Bergermann,Thomas LieskeHille-Rothenuffeln. Es war eine traurige Nachricht, die zu Beginn der Woche die Redaktion erreichte: Bei einem Verkehrsunfall auf der Lübbecker Straße war am Wochenende ein 19-jähriger Motorradfahrer aus Rothenuffeln schwer verletzt worden, er starb nur wenig später am Unglücksort. Als Max Braun von der Tragödie erfährt, ist er geschockt. Der 22-Jährige kannte den Verstorbenen vom Sehen, vor allem aber teilten die beiden eine Leidenschaft: Motorräder, Fahrzeuge und alles, was dazu gehört. „Es gibt sicher viele, die ihn besser kannten als ich“, sagt Braun. „Aber trotzdem war er einer von uns.“ Uns, damit meint der Haddenhauser die Mindener Tuning-Szene. Und diese Gruppe hat sich etwas Besonderes einfallen lassen, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen: eine Gedenkfahrt zu der Tankstelle in Rothenuffeln, vor der es zu dem tödlichen Unfall kam. Die Idee stammt von Braun und seiner Tuning-Gruppe, der „Emperor Crew“. Im MT-Vorabgespräch erzählt Braun als Sprecher der Gruppe von dem Zuspruch, den die gemeinsame Idee in kürzester Zeit erhält. Um die 150 Menschen hätten schnell ihr Interesse bekundet. Das liege zum einen daran, dass der Verstorbene viele Freunde gehabt habe. „Es wollen aber auch viele kommen, die ihn nicht kannten“, sagt Braun. „Die Szene ist wie eine große Familie.“ Und auch die leibliche Familie des Verstorbenen sei gerührt. Darüber ist Braun besonders froh. Die Eltern wüssten noch nicht, ob sie teilnehmen werden, doch die Großeltern hätten bereits zugesagt. Für Max Braun und seine Freunde ist die Rolle des Organisators ungewohnt. „Wie sind richtig nervös, weil sich die Idee so herumgesprochen hat“, sagt er. „Vor so vielen Leuten habe ich noch nie gesprochen.“ Ihnen allen ist wichtig, dass die Gedenkfahrt ruhig abläuft. „Wir sind keine Rowdys, die immer nur rasen,“ erklärt er. Die Teilnehmer müssten sich an die Verkehrsregeln halten. Außerdem finde die Fahrt extra am späten Abend statt, um den Verkehr nicht zu behindern. Am Freitagabend gegen 21.45 Uhr ist es dann so weit: Rund 150 Teilnehmer versammeln sich auf Kanzlers Weide – mit Mindener, Herforder, Bielefelder und Nienburger Kennzeichen. Darunter auch 20 Motorradfahrer. Max Braun und die Mitstreiter sind noch immer sichtlich beeindruckt von der Gedenkaktion. „Das war sowas von rührend“, sagt Braun. „Einfach der Wahnsinn. Alle seien vernünftig und langsam gefahren, „es gab keine wilden Fahrten“. Alle hätten verstanden, dass es um eine Trauerfahrt gehe – und nicht um ein Tuning-Treffen. Beeindruckt habe ihn die lange Schlange an Fahrzeugen – gefühlt kilometerlang. Besonders rührend sei es in Rothenuffeln auf einer Wiese gegenüber des Unfallortes geworden. „Wir haben uns in einem Halbmond versammelt. Und jeder, der wollte, hat ein paar persönliche Worte gesprochen“, erzählt Max Braun. Auch die Eltern des Verunglückten seien noch dazugekommen. „Die Mutter hat sich für die tolle Aktion bedankt und war ergriffen, dass so viele Freunde gekommen waren.“ Mit einer Gedenkminute haben sich die Freunde dann alle zusammen von ihrem Verstorbenen Kumpel und Bekannten verabschiedet. Einige hatten Blumen dabei, andere tröstende Worte und ganz viele Kerzen. „Und von allen wurden wir unterstützt“, freut sich Braun. Sowohl der Tankstellenbesitzer als auch die Ladeninhaber des Brautmodengeschäfts hätten ihre Stellflächen zur Verfügung gestellt. Die Tuner hoffen, dem Verstorbenen mit ihrer Aktion ein besonderes Geschenk bereitet zu haben. Auf ihrer Instagramseite „emperor_crew“ wollen sie dieses Andenken bewahren, sagt Braun.